Interessantes aus KW 15/2018

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Unter dem Titel „Gemeinsame Erklärung 2018“ schaffen es Deutschlands konservative Populisten mal wieder, für schrägen Wind zu sorgen. Nach alter Rattenfängermanier fordern altbekannte Hetzer (hier absichtlich nicht genannt, keine Publicity von mir) die „Wiederherstellung der rechtsstaatlichen Ordnung an den Grenzen unseres Landes“, denn wir würden von illegaler Masseneinwanderung überschwemmt und beschädigt, wie ttt (ARD) berichtet. Wenn dem Zusammenhalt aller in Deutschland lebenden Menschen etwas schadet, dann so schäbige Figuren wie die Unterzeichner solcher Angstmacherei. [Dirk]

2. Das Wissensmagazin scinexx hat ein kleines Dossier veröffentlicht, in dem es sich mit den „Krankheiten der Armut“ beschäftigt. Was hierzulande Diabetes aus einseitiger und zuckerhaltiger Ernährung ist (und damit oft auch Indikator für eine Klassenzugehörigkeit), sind weltweit andere Krankheiten, die mit Armut einhergehen. Es ist nicht schwer, auch bei dieser Fehlentwicklung den menschenfeindlichen Kapitalismus als Mitverantwortlichen auszumachen. [Dirk]

3. In Europa kopieren sich nicht nur die sozialen Projekte, die politischen Strömungen und die marktradikalen Ansichten, sondern auch die Populisten und ihr Kampf gegen unabhängige Medien. Wie ZAPP (NDR) in einem siebenminütigen Bericht zeigt, ist in Dänemark nun der öffentliche Sender „Danmark Radio“ dem politischen Willen untergeordnet worden. Da freut sich die Politik, denn endlich kann dort ein manipuliertes Staatsfernsehen umgesetzt werden, wie es hier in Deutschland von Populisten ebenfalls gefordert wird (damit auch ja keine kritische Berichterstattung mehr möglich ist). Pressefreiheit ade … [Dirk]

4. Im ZDF gab es interessante Doku mit dem Titel „Der Wahnsinn mit dem Weizen“, die in einer halben Stunde den Handel der EU mit Agrargütern mit afrikanischen Ländern unter die Lupe genommen hat. Darin wird gezeigt, wie hochsubventionierter Weizen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern nach Afrika exportiert wird und dort die lokalen Kleinbauern niederkonkurriert, sodass diese nicht mehr von ihrer Landwirtschaft leben können. So schafft man u. a. auch Fluchtursachen. Vonseiten der EU-Kommisare und des deutschen Landwirtschaftsministeriums zeigt man sich natürlich null einsichtig … [Karl]

5. Da immer mehr Menschen weltweit auf der Flucht sind – insgesamt zurzeit 70 Millionen – und dieser Zustand auch immer öfter langfristig ist, planen die Vereinten Nationen einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung zufolge nun einen „Globalen Flüchtlingspakt“. Auf diese Weise sollen Länder und vor allem Kommunen, die viele Flüchtlinge aufnehmen, unterstützt werden, sodass Flüchtlinge nicht stets nur als Belastung empfunden werden (positive Beispiele gibt es gerade in ärmeren Ländern, z. B. in Uganda). Da kann man nur hoffen, dass dies gut gelingt und so den überall erstarkenden Rechtsnationalisten mit ihrer Anti-Flüchtlings-Hetze etwas entgegengesetzt werden kann. [Karl]

6. In einem Kommentar in der Berliner Zeitung bezieht Götz Aly klare Position gegen die Doppelmoral vieler westlicher Politiker und Medien, die in Syrien grundsätzlich Russland als „die Bösen“ ausmachen, dabei aber über Menschenrechtsverletzungen, Zerstörung und Mord der eigenen Verbündeten nur allzu gern und großzügig hinwegsehen. Dabei geht es Aly gar nicht um eine Glorifizierung von Putin und Russland, sondern lediglich um die Feststellung, dass gerade im Fall Syrien das Bemühen um neutrale Berichterstattung nahezu komplett abhandengekommen ist in der deutschen Journaille. [Karl]

7. In den Blättern für deutsche und internationale Politik findet sich ein Plädoyer für eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik. Nachdem die Autoren Rainer Fischbach und Stefan Kissinger zunächst die derzeitigen Probleme aufzeigen und deren Ursachen benennen, kommen sie auf mögliche diskutierte Lösungsvorschläge (Dieselfahrverbote in Innenstädten, kostenloser ÖPNV) und deren Untauglichkeit bzw. fehlende konzeptionelle Durchdachtheit zu sprechen, um dann schließlich acht Punkte präsentieren, wie eine nachhaltige Verkehrspolitik gestaltet werden könnte. [Karl]

8. Mit dem Titel „Eine faire Welt – nur Utopie?“ lief eine 43-minütige Dokumentation auf 3sat, die unseren Sinn für Fairness und Gerechtigkeit beleuchtet. Bereits mit neun Monaten scheinen wir einen Sinn für gerechtes Handeln zu haben, und auch andere Primaten stehen uns da in kaum etwas nach. Wir akzeptieren ungerechte Verteilung, wenn wir sie als selbst verursacht ansehen, aber wer trifft schon jede Entscheidung frei von Zwängen? Spannend, kurzweilig und eine Anregung zum gerechten Denken. [Dirk]

9. Vom ehemaligen Bundesrichter Thomas Fischer haben wir ja schon öfter was verlinkt, und seine Texte sind oft nicht nur gehaltvoll, sondern auch unterhaltsam. So auch ein Artikel auf Meedia, in dem Fischer sich mit der zurzeit vor allem von der BILD geschürten „Messerangst“ beschäftigt. Gewohnt pointiert seziert er die Panikmache und die daraus resultierenden absurden bis untauglichen Vorschläge, um einem Phänomen beizukommen, was bisher wohl eher gefühlt als tatsächlich vorhanden ist. [Karl]

1o. In seiner Kolumne auf Spiegel Online nimmt Thomas Fricke die ARD-Sendung Börse vor acht aufs Korn, die jeden Tag, prominent platziert zwischen Wetterbericht und Tagesschau, in viele deutsche Wohnstuben hineinflimmert. Auf diese Weise wird nämlich von den Programmmachern eine Relevanz suggeriert, die eigentlich gar nicht vorhanden ist: Nur ein winziger Bruchteil der Deutschen hat überhaupt Aktien und insofern ein Interesse daran, die entsprechenden Kurse präsentiert zu bekommen. Frickes nachvollziehbare Forderung: ab damit ins Nachtprogramm, wo eben Spartensendungen für Minderheiten sonst auch ausgestrahlt werden. [Karl]

11. In der jungen Welt findet sich ein interessantes Interview mit Jasper Prigge, Rechtsanwalt und stellvertretender Landessprecher in Nordrhein-Wastfalen von Die Linke. Darin geht es sowohl um das Ansinnen der AfD, den Paragrafen 130 StGB zur Volksverhetzung zu verwässern, als auch um das geplante neue Polizeigesetz in NRW, das einen erheblichen Schritt in Richtung totalitären Polizeistaat bedeuten würde (ähnlich wie das in Bayern vorgesehene neue Polizeigesetz). Keine schönen Perspektiven, zumal sich auch kaum öffentlicher Widerstand dagegen rührt. [Karl]

12 Ein treffender Kommentar von Arno Frank zum widerwärtigen Hetz-Getwitter von Beatrix von Storch (AfD) nach dem Anschlag in Münster am letzten Wochenende findet sich auf Spiegel Online. Darin stellt er fest, dass es derartige intellektuelle und moralische Armut schon immer gegeben hat, diese nun aber nicht mehr nur mit besoffenem Kopf am Stammtisch geäußert, sondern über soziale Medien in die Welt hinausposaunt wird, wo derartige Äußerungen dann auch noch zahlreiche Abnehmer finden. Umso wichtiger ist es, dass jeder Einzelne von uns derartiger Hetze deutlich und entschieden entgegentritt, wenn sie ihm über den Weg läuft. [Karl]

13. In einem Artikel des Blogs Aktuelle Sozialpolitik werden die Ergebnisse einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zur Mietsituation in deutschen Städten vorgestellt. Daraus geht hervor, dass es etwa zwei Millionen bezahlbare Wohnungen zu wenig gibt – ein erschreckend hoher Wert, der enormen sozialen Sprengstoff bietet. Des Weiteren geht der Artikel noch auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Grundsteuer, bei der letzte Woche erheblicher Reformbedarf festgestellt wurde, ein, denn auch diese beeinflusst ja sowohl die Miethöhe als auch die Neubautätigkeit. [Karl]

14. In Der GEO findet sich ein Interview mit Johann Zaller, der ein Buch mit dem Titel „Unser täglich Gift“ geschrieben hat. Darin geht es um die Pestizide, die in der Landwirtschaft angewendet werden, und um ihre Auswirkungen. Und da kann es einem schon mulmig werden, denn sowohl für die Konsumenten der Produkte als auch für die Landwirte selbst sowie natürlich die Fauna und Flora ergeben sich erhebliche Beeinträchtigungen. Dass das Thema eine gewisse Brisanz hat, wird deutlich, wenn Zaller schildert, wie es von Landwirten per Telefon oder Internet nach der Veröffentlichung seines Buches mit Hassnachrichten bombardiert wurde. [Karl]

15. Noch ein interessantes Interview: Die Deutsche Welle sprach mit dem US-Experten Josef Braml, der seine Einschätzung zu den Luftangriffen der USA und ihrer Verbündeten gegen Syrien abgibt. Braml betont dabei, dass er sich ziemlich sicher sei, dass es US-Präsident Donald Trump bei diesen Angriffen vor allem darum geht, einen Konflikt mit dem Iran herbeizuführen. Dieser hätte nicht nur geopolitische Dimensionen, sondern würde auch zu verhindern helfen, dass die Republikaner bei den Kongresswahlen im November eine Niederlage einfahren könnten, da durch einen Krieg ein für den Präsidenten hilfreicher patriotischer Konsens herbeigeführt werden könnte. [Karl]

16. Auf die Fotos von Pablo E. Piovano, der die unglaublichen gesundheitlichen Schäden, die in Argentinien durch hohen Pestizideinsatz beim Anbau von Gensoja bei der Bevölkerung angerichtet werden, dokumentiert hat, haben wir letztes Jahr ja schon mal hingewiesen. Nun hat die darauf aufbauende Fotoreportage im Stern gerade den Nannen Preis 2018 gewonnen, sodass sie noch einmal auf der Website des Magazins präsentiert wird. Und das Ganze ist sowohl nach wie vor aktuell als auch extrem erschütternd, wenn man den Bericht aus einem Land liest, in dem die Menschen systematisch vor allem von Monsanto vergiftet werden. [Karl]

17. In einem Interview in der Süddeutschen Zeitung spricht Kathrin Hartmann, Autorin des Buches „Die grüne Lüge“ und des gleichnamigen Dokumentarfilms von Regisseur Werner Boote, deutlich aus, was sie von Greenwashing hält, das Konzerne ja aus Imagegründen mittlerweile immer häufiger betreiben: nämlich nichts. Zudem weist sie auch auf die eingeschränkten Möglichkeiten, durch bewussten Konsum etwas zu ändern, hin, da man sich damit immer noch innerhalb eines grundsätzlich auf Umweltzerstörung und Ausbeutung basierenden Systems bewegt. Provokante, aber in jedem Fall bedenkenswerte Aussagen. [Karl]

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