Interessantes aus KW 22/2017

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Der Spiegel vermeldete kürzlich, die russische Sängerin Vox sei wohl vom Kreml finanziert worden, um unpolitische Botschaften unters Volk zu bringen. Wie grotesk diese Idee aus der Reihe „Putin ist an allem schuld“ ist, zeigt Roberto J. De Lapuente in einem Artikel auf nelandrebellen auf. Er betrachtet sich die reichlich entpolitisierte aktuelle deutsche Singer/Songwriter-Szene und spitzt das Ganze dann zu, indem er ironisierend fragt, ob denn Helene Fischer auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung entlohnt wird. [Karl]

2. Viele afrikanische Länder sind reicht an Rohstoffen, aber die Bevölkerung ist dennoch extrem arm. Ein nicht unerheblicher Aspekt dieses Paradoxons, der einem Artikel von Nico Beckert auf Makroskop erläutert wird, ist die Steuerflucht vieler Konzerne, die ebendiese Rohstoffe abbauen. Dabei gibt es etliche Möglichkeiten, von denen die meisten dank willfähriger Mithilfe der Politik auch noch legal sind. So fehlt in vielen afrikanischen Ländern das Geld, das eigentlich für infrastrukturelle Maßnahmen dringend gebraucht würde, die zu einer Reduzierung der Armut führen würden. [Karl]

3. Ein Artikel auf der Webseite Belltower zeigt, wie die Empörungsmaschinerie der AfD funktioniert, und zwar am Beispiel von Margot Käßmann. Diese hatte sich kritisch mit einem Punkt der familienpolitischen Forderungen des AfD-Programms auseinandergesetzt. Anstatt nun sachlich auf diese Kritik zu reagieren, werden zwei Sätze von Käßmann aus dem Zusammenhang zitiert, sodass sie vollkommen sinnentstellend wiedergegeben werden. Und schon verbrietet sich die Nachricht und weitet sich zu einem Shitstorm gegen die ehemalige Bischöfin aus. So schäbig wie (leider) auch effektiv … Auch ein Artikel auf Über Medien widmet sich diesem Vorfall und belegt ausführlich, wie nicht nur die AfD, sondern auch rechtsextreme Schreiberlinge wie Border und Tichy auf den Zug aufspringen. [Karl]

4. Die Situation im Jemen spitzt sich für die dortige Bevölkerung zusehends zu, wie ein Artikel auf Telepolis berichtet. In dem armen Land südlich von Saudi-Arabien ist kein Ende der Kriegshandlungen in Sicht, bei denen eine saudisch geführte Koalition sunnitischer Staaten die wohl vom Iran unterstützten Huthis bekämpft. Angela Merkel besuchte inzwischen Saudi-Arabien und hofierte das dortige Königshaus, Donald Trump hat bei seiner kürzlich dort stattfindenden Visite sogar einen Waffendeal in Rekordhöhe mit den mittelalterlichen Despoten ausgehandelt. Und die Welt schaut weitgehend weg, während Jemen auf den totalen Zusammenbruch zusteuert … [Karl]

5. Im Juli letzten Jahres wurde der Journalist Pawel Scheremet in Kiew durch eine Autobombe ermordet. Die Aufklärung dieses Verbrechens ist bisher allerdings noch nicht wirklich vorangekommen, wie aus einem fünfeinhalbminütiger Bericht des Deutschlandfunks (liegt dort auch in transkribierter Form vor) hervorgeht. Darin geht es um die Recherchen von Journalisten zu einem Film zu diesem Mord, die darauf hindeuten, dass Scheremets Tod von politische und/oder Geheimdienstkreisen zu verantworten ist, die den unbequemen Journalisten loswerden wollten. [Karl]

6. Immer wieder wird von Rechtspopulisten und in sozialen Medien gefordert, dass der Islam in Deutschland verboten werden müsste, da er nicht mit dem Grundgesetz zu vereinbaren sei. Dass diese Forderung reichlich substanzlos ist und auch rechtlich gar nicht umsetzbar sei, wenn man nicht den Artikel 4 des Grundgesetzes gleich ganz würde abschaffen wollen, erläutert Heinrich Schmitz in einem Artikel für Tagesspiegel Causa. Fazit: Eine der wesentliche Errungenschaften der westlichen Aufklärung abzuschaffen, um die Errungenschaften der westlichen Aufklärung zu retten, ist ziemlicher Blödsinn. [Karl]

7. In England finden demnächst Parlamentswahlen statt, nachdem Premierministerin Theresa May im April Neuwahlen ausgerufen hat. Jens Berger berichtet in einem Artikel auf den NachDenkSeiten über den derzeitigen Stand des Wahlkampfes, in dem Jeremy Corbyn von der Labour Party zunehmend aufholt. Dies macht er mit klaren linken Aussagen, sodass Berger zu dem Schluss kommt, dass eine derartige Profilierung auch der Schulz-SPD in Deutschland ganz guttun könnte. [Karl]

8. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) inszeniert sich ja gerade als eine Art Gegenpol zu US-Präsident Donald Trump. Dass die beiden zumindest im Bereich Klimaschutz mehr gemeinsam haben, als man auf den ersten Blick erkennt, geht aus einem Artikel des Umweltinstituts München hervor, denn beide schätzen und subventionieren die Kohleindustrie. Nur geht Merkel dabei eben subtiler vor als der polternde Trump. Das Resultat ist im Endeffekt allerdings ein ähnliches – und der Natur ist es allemal egal, wie ihre Zerstörung präsentiert wird. [Karl]

9. In der täglich laufenden 3sat-Sendung nano gibt es immer wieder interessante Beiträge. In der Sendung vom 30. Mai lief ein knapp fünf Minuten langer Bericht zum Thema Bargeld. Dieses Mal geht es nicht um die Abschaffung des Bargeldes, sondern wie Deutschland und andere Länder psychologisch mit elektronischen Zahlungsmitteln und Bargeld umgehen. Eigentlich ist es auch klar: lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach … [Dirk]

10. Und nano, die Zweite: In einem dreieinhalbminütigen Beitrag klärt die Sendung über die aktuelle Erkenntnis auf, dass die Lebensmittelunverträglichkeit bei Getreide oft nicht an der Art des Getreides liegt, sondern an dessen Zubereitung (konkret: der Triebzeit des Teigs). Das spricht wieder einmal gegen die „Schnell-schnell“-Mentalität und dürfte für einige betroffene Personen sicherlich eine willkommene Information sein. [Dirk]

11. Ein Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung erinnert an den 50. Jahrestag des Biafra-Krieges in Nigeria, der das Bild, was wir im industrialisierten Westen immer noch von Afrika haben, nachhaltig geprägt hat. Bezeichnend auch die Ursachen dieses blutigen Konflikts: ethnische Konflikte aufgrund von kolonialer Grenzziehung am Reißbrett, die keine Rücksicht auf vorhandene Stammesstrukturen u. Ä. nahm, und Erdöl. [Karl]

12. In einem Artikel auf neulandrebellen beschäftigt sich Roberto J. De Lapuente mit einem Phänomen, das sich in den letzten Jahren entwickelt hat: Fahrradlieferanten, die auf Abruf Essen ausliefern, dabei selten fest angestellt und meistens mies bezahlt sind, und das bei einem echten Knochenjob, der zudem noch maximale Flexibilität erfordert. Auch derart prekäre Arbeitsverhältnisse gehören zum sogenannten Jobwunder dazu – wenn sie nicht sogar bezeichnend dafür sind und als exemplarisch für eine Entwicklung des Arbeitsmarktes sind, bei dem die Qualität der Arbeitsplätze immer mehr in den Keller geht. [Karl]

13. Und noch was vom „Jobwunder“: Ein Artikel von CORRECTIV befasst sich mit der offiziellen Arbeitslosenzahl und erläutert, warum diese mittlerweile um etwa eine Million zu niedrig ausfällt. Viele Arbeitslose werden nämlich aufgrund von Änderungen im Sozialgesetz nicht erfasst, und blöderweise wird in vielen Medien vor allem die geschönte Zahl kommuniziert. Wenn man dann noch die sogenannte stille Reserve hinzurechnet, dann liegt die Arbeitslosenzahl bei etwa 3,8 Mio. und nicht 2,5 Mio. Menschen. Fake-News, die von höchster politischer Stelle abgesegnet sind, sozusagen … [Karl]

14. Ein etwa siebenminütiger Bericht von Report Mainz (ARD) befasst sich mit der Aufwandspauschale, die EU-Parlamentarier jeden Monat bekommen und die immer gut 4.300 Euro beträgt. Für diese muss nämlich nicht nachgewiesen werden, wofür das Geld verwendet wird, und acht überwiegend konservative Abgeordnete nutzen beispielsweise ein Büro in ihrem eigenen Haus – und verweigern den Journalisten gegenüber jede Auskunft, sodass der Verdacht naheliegt, dass sich hier mit öffentlichen Geldern die eigenen Taschen vollgestopft werden. Sehenswert auch drei drei- bis vierminütige Interviews mit dem Parteienrechtler Martin Morlok, Daniel Freund von Transparency International und dem EU-Abgeordneten von Die Linke Fabio De Masi. [Karl]

15. Der Geologe David Heuser beschreibt in einem Artikel auf mosaik das Anthropozän. Darunter wird das derzeitige Erdzeitalter verstanden, da, beginnend mit der Industrialisierung und forciert nach dem Zweiten Weltkrieg, der Mensch in zunehmendem Maße Einfluss auf die Geologie des Planten Erde nimmt. Dazu gibt es im Artikel einiges an interessanten (und beängstigenden) Fakten, die aufzeigen, wie sehr der Mensch Einfluss auf Klima und Co. nimmt. Heuser benennt das Zeitalter auch „Kapitalozän“, da es vor allem die nur einer kleinen Gruppe Menschen zugute kommende kapitalistische Wirtschaftsweise ist, die diese Effekte hervorruft. [Karl]

16. Die österreichische Rechtspartei FPÖ bezeichnet sich ja selbst immer als „soziale Heimatpartei“, um sich so die Zustimmung des „kleinen Mannes“ zu sichern. Wie sozial das Wirtschaftsprogramm der Partei allerdings ist, wird in einem Artikel auf VICE analysiert. Ergebnis: Das ist purer Wirtschaftsliberalismus, der da propagiert wird und der vor allem Bestverdienenden zugute kommt, den Sozialstaat aber deutlich einschränkt. Schlimm, dass es nur ein bisschen Ausländerfeindlichkeit braucht, damit die Wähler auf so etwas reinfallen – und die Parallelen zur deutschen AfD sind offensichtlich. [Karl]

17. In einem Kommentar in der taz benennt Ulrike Herrmann klipp und klar das schändliche Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel gegenüber Griechenland, da zurzeit aus wahltaktischen Gründen im Hinblick auf die Bundestagswahl im September auf deutsches Betreiben hin die Verhandlungen über Schuldenerleichterungen bis 2018 ausgesetzt wurden. Das ist übelster Nationalismus, wie ihn auch ein Donald Trump kaum rabiater praktizieren kann. Merkel erweist sich so als das genaue Gegenteil einer wahren Europäerin. [Karl]

18. In seiner Kolumne auf Spiegel Online analysiert Sascha Lobo den Status der Überwachung des islamistischen Attentäter, die in den letzten Jahren in der EU Terroranschläge mit mindestens einem Toten (außer dem Attentäter selbst) verübten. Das Ergebnis ist ernüchternd und deutet auf massives Behördenversagen hin: Alle Terroristen waren den Behörden als gewaltaffin bekannt, viele wurden sogar überwacht – und dennoch konnten sie ihre Morde begehen. Wer da noch an Zufälle glaubt und ernsthaft mehr Massenüberwachung fordert, wenn schon die gezielte Überwachung nicht funktioniert, der muss echt eine Schraube locker haben. [Karl]

19. Einen sehr ausführlichen und mit Quellen versehenen Beitrag zum NATO-Treffen liefert IMI (Informationsstelle Militarisierung e. V.). Dabei wird auf verschiedene Aspekte des Treffens eingegangen und die vermeintliche Hauptausrichtung ausgelotet. Gut zu lesen und mit eindeutigen Quellen belegt. [Dirk]

20. Ein sechsminütiger Bericht bei quer (BR) zeigt, dass es durchaus auch politische Sympathisanten der (Sicherheits-)Politik von Präsident Trump in der deutschen Regierung gibt. Und nicht nur optisch sind dies Akteure, die einiges an Ekligkeit an den Tag legen. Inhaltlich sind unsere Schützer von Verfassung und innerer Sicherheit auch echte Perlen … [Dirk]

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