Interessantes aus KW 30/2017

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Auch in Reihen der Kirche scheint es jede Menge „Terroristen“ zu geben, wenn man sich die Welle der Enteignung in der Türkei anschaut. So zumindest ein sechsminütiger Bericht in der ARD bei ttt. Demnach werden Kirchen, Klöster und Friedhöfe enteignet und deren Besitz dem Staat überschrieben. Es laufen wohl schon Einspruchsverfahren, aber die Aussicht auf Erfolg wird von dortigen Juristen eher gering eingeschätzt. [Dirk]

2. quer #1: Das auch in Sachen „Bio“ ein zweiter Blick sinnvoll ist, zeigt ein vierminütiger Beitrag im BR. Eine EU-Verordnung gestattet riesige Hühnerställe, da der Begriff „Stall“ zwar auf 3.000 Hühner begrenzt, aber in der Verordnung dermaßen ungenau beschrieben ist, dass auch mehrere Ställe innerhalb eines großen Gebäudes zulässig sind. Die daraus resultierenden Haltebedingungen sind absolut kein Hingucker und erinnern doch stark an genau die Art von Tierhaltung, die den meisten Käufern von Biowaren zuwider ist. [Dirk]

3. quer #2: Bleiben wir bei den Lebensmitteln. In Deutschland werden bis zu 40 % der produzierten Lebensmittel in den Müll geworfen. Das liegt z. B. an den zum Feierabend noch immer prall gefüllten Regalen, den übergroßen Portionen in Gasthäusern, der Wachstumsideologie des „Immer-mehr-Verkaufens“ und natürlich auch am Konsumverhalten jedes Einzelnen. Ein paar interessante Konzepte zur Vermeidung von Nahrungsmittelmüll bietet der ebenfalls vierminütige Bericht gegen Lebensmittelverschwendung. [Dirk]

4. Einem Bericht auf scinexx ist zu entnehmen, dass unsere Probleme mit der Überbevölkerung wohl bald der Vergangenheit angehören: Die Anzahl der Spermien in der westlichen Welt hat sich seit 1973 (aus noch ungeklärter Ursache) halbiert. Wenn es so weitergeht, dann bleibt nicht genügend lebensfähiges Material für eine natürliche Befruchtung. Es werden also nur noch Kinder in Reagenzgläsern auf die Welt kommen, und das kann sich nicht jeder leisten. Machen wir es doch wie mit dem Klimawandel: ignorieren, leugnen, aussitzen und dann ausbaden. [Dirk]

5. Das deutsche Selbstverständnis, auch in Sinne eines nicht völkisch verstandenen Patriotismus, speist sich seit Jahren zu einem großen Teil aus dem Wissen um die hervorragenden deutschen Wirtschaftsleistungen. Dieses Bild bekommt nun aber, wie Kevin P. Hoffmann in einem Kommentar für den Tagesspiegel feststellt, zunehmend Risse, je mehr Betrügereien, Unsauberkeiten und Wirtschaftsskandale (zuletzt die kartellmäßigen Absprachen der deutschen Automobilhersteller) ans Licht kommen. Politische Reaktionen darauf? Bisher und wohl leider auch in Zukunft eher Fehlanzeige … [Karl]

6. In einem Artikel auf neulandrebellen beschreibt Tom Wellbrock die Wirksamkeit des neoliberalen Systems, dass es aufgrund von dessen Organisiertheit bewusst so bezeichnet. Kritische Bewegungen und Stimmen werden diskreditiert und gegeneinander ausgespielt, wobei sich als Erfüllungsgehilfen gewählter, aber letztlich recht machtloser (und sich selbst entmachtende) Politiker sowie gekaufter Medienvertreter bedient wird. Eine offene und sehr ausführliche Analyse, die sich auf die Gedanken von Prof. Rainer Mausfeld, auf den wir hier ja auch schon öfter verlinkt haben, bezieht. Pflichtlektüre – und bitte nicht vor der Länge des Textes zurückschrecken, denn da ist jede Zeile notwendig und lohnend! [Karl]

7. In Kreisen, in denen auch an Chemtrails, Reptoiden und ähnlichen Mumpitz geglaubt wird, kursieren ja auch schon seit Längerem Theorien über Mikrochips, die Menschen implantiert werden, um sie zu überwachen u. Ä. Nun holt die Realität diese Vorstellungen ein, wie ein Artikel auf golem.de berichtet: Demnach will ein US-amerikanisches Unternehmen seinen Mitarbeitern (auf freiwilliger Basis) einen Mikrochip zwischen Daumen und Zeigefinger einpflanzen, mit dem sie den Kopierer benutzen, Türen öffnen oder in der Kantine bezahlen können. Gruselig – aber die Freunde der umfassenden Überwachung wird es freuen … [Karl]

8. Ein Artikel auf Telepolis berichtet über eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung, die sich mit der medialen Berichterstattung zu sogenannten Flüchtlingskrise 2015/2016 befasst und diese analysiert hat. Das Resultat: Der größte Teil der Medien hat recht unreflektiert die Sichtweise der politischen Eliten übernommen und so an der Lebenswirklichkeit vieler Menschen vorbei berichtet – was zu einer zunehmenden Entfremdung von Journalisten und Mediennutzern geführt hat. Die gesamte Studie (immerhin 184 Seiten stark) kann dort über einen Link auch eingesehen werden. [Karl]

9. In einem Artikel auf den NachDenkSeiten erläutert Jens Berger nicht nur, was es mit dem Kartellskandal der deutschen Automobilindustrie genau auf sich hat, sondern leitet darauf auch ab, in was für einem absurden Paralleluniversum unsere sogenannten Eliten leben, in dem sie sich nämlich (leider zu Recht) komplett unbehelligt vom Recht wähnen. Die ganze Groteskerie des Autostandortes Deutschland wird daran sehr gut deutlich, genauso wie auch die unsäglich Verquickung der Politik mit der (Automobil-)Industrie. [Karl]

10. Es gibt Dinge, die kann man sich nicht ausdenken: Die rechtsextremen Identitären wollte mit einem Schiff im Mittelmeer die Arbeit von NGOs behindern, die dort Flüchtlinge in Seenot retten. Nun liegt der Kahn der Hipster-Faschos in Zypern fest – ein Teil der tamilischen Crew hat nämlich keine Einreiseerlaubnis in zypriotische Gewässer, zudem haben einige von ihnen Asyl in Zypern beantragt, wie aus einem taz-Artikel hervorgeht. Nun sieht es so aus, als würde der Identitären-Kapitän wegen Schlepperei angeklagt. Hoffentlich muss der Typ in den Bau deswegen – würde mich in jedem Fall sehr freuen! [Karl]

11. Von CDU-Politikern ist man ja eher nicht überrascht, wenn diese sich kriminell verhalten. Ein besonders dreister Fall, den ein etwa achtminütiger Bericht der ARD-Sendung FAKT schildert, erstaunt einen dann doch ob der kriminellen Energie und undemokratischen Gesinnung, die da zutage tritt. In Stendal hatte nämlich ein Netzwerk aus lokalen CDU-Politikern und einer Unternehmerin 2014 massive Wahlfälschung betrieben, indem Briefwahlunterlagen für Menschen ausgefüllt wurden mithilfe gefälschter Unterschriften, die vom Jobcenter stammten. Es steht die Vermutung im Raum, dass diese Art des Wahlbetrugs nicht nur einmal stattfand, sondern schon länger praktiziert wurde. Unglaublich – aber eben auch typisch CDU … [Karl]

12. Das ging nun recht schnell, dass diejenigen, die Frankreichs neuen Präsidenten Emmanuel Macron als sozialliberal betitelten, des Irrtums überführt wurden: In einem Artikel in der Zeit werden nun die ersten strikt wirtschaftsliberalen Maßnahmen der Macron-Regierung beschrieben: Kürzungen bei den Ärmsten, Entlastungen und Geschenke für die Reichsten. Zwar gibt es in Macrons Wahlverein En Marche nun auch schon ein paar dezente Gegenstimmen zu diesem Kurs – Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National dürfte sich dennoch freuen, dass so ihre Position für die nächsten Präsidentschaftswahlen in fünf Jahren gestärkt werden dürfte. [Karl]

13. Klare Worte findet Matthias Dell in einem etwa fünfminütigen Kommentar im Deutschlandfunk (dort auch in transkribierter Form vorliegend) zur nach dem G20-Gipfel wieder überall diskutierten linksextremistischen Gewalt, indem er aufzeigt, dass in puncto Rechtsterrorismus in Deutschland auch eine Art Vergessenskultur gepflegt wurde: Die RAF-Morde und -Attentate sind den meisten Deutschen noch geläufig, aber rechte Terroranschläge, wie beispielsweise mit dem Oktoberfest-Attentat von 1980 der nach wie vor verheerendste terroristische Akt der Bundesrepublik, sind bis in Politikkreise hinein nicht so präsent, da sie weniger mediale Rezeption und damit auch Erinnerung erfahren. Oder hättet Ihr jetzt so ad hoc gewusst, wer Gundolf Köhler war? [Karl]

14. In einem Kommentar auf neulandrebellen nimmt sich Roberto J. De Lapuente der Weltuntergangsszenarien an, die regelmäßig von Arbeitgebern, ihren Verbänden sowie ihren Mietfedern  und -mäulern prognostiziert werden, wenn Gewerkschaften mal so dreist sein sollten und bessere Löhne oder neue Arbeitszeitmodelle fordern. In pointierter Weise wird so aufgezeigt, dass diese Prognosen nicht nur nie eingetreten sind, sondern zudem auch noch ein Hinweise darauf sind, dass anscheinend Ausbeutung systemimmanent ist und somit unbedingt bewahrt werden muss. [Karl]

15. Schöne und amüsante Aktion in Göttingen: Seit ein paar Jahren sät dort eine Gruppe, die sich „Einige autonome Blumenkinder“ nennt, Hanfsamen im öffentlichen Raum aus. In einem Interview auf VICE erläutert nun ein Mitglied der lokalen Grünen Jugend, warum man dieses Aktion sympathisch findet und in Form von präsentierten Fotos der Pflanzen auch unterstützt. Kreativer Protest gegen die Cannabis-Kriminalisierung, die ja von immer mehr Menschen und Gruppierungen als unsinnig angesehen wird. [Karl]

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