Interessantes aus KW 32/2017

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. In einem Artikel auf neulandrebellen stellt sich Roberto J.De Lapuente die durchaus berechtigte Frage, warum denn in letzter Zeit immer mehr Kriminelle bei der Ausübung ihrer unlauteren Tätigkeit ihren Ausweis am Tatort vergessen. Dies ist nämlich nicht nur bei Terroristen der Fall, wofür ja dann immer (wenn auch nicht wirklich stimmige) Erklärungen abgegeben wurden, sondern auch bei ganz normalen Einbrechern und Kleinkriminellen. Er spekuliert ein wenig herum und kommt zur Überlegung, ob eventuell eine Art Code dahintersteckt, mit dem in der Presse verschleiert werden soll, dass umfassende Überwachungsmaßnahmen, die so nicht in die Öffentlichkeit gelangen sollen, zum Aufspüren des Täters führten. Vorstellbar ist ja vieles – nur eben in der Tat nicht, dass ausgerechnet Kriminelle unter einer Ausweisvergessensdemenz leiden. [Karl]

2. Ein Artikel in der taz berichtet von einem spektakulären Waffenfund in Hamburg in der Wohnung eines im April verstorbenen Rechtsextremisten. Was neben der Tatsache, dass damit ein ganzer Sturmtrupp hätte ausgerüstet werden können, vor allem beunruhigend ist, ist das Verhalten der Polizei: Die sah es nämlich zum einen nicht nur als nicht notwendig an, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, zum anderen wurden auch sämtliche Papiere und der Computer in der Wohnung nicht zur Auswertung mitgenommen, sondern per Anordnung vernichtet. Aus einem weiteren Artikel in der taz geht dann hervor, dass der Verstorbene Neonazi sogar schon wegen unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt war – das wird ja immer unglaublicher, wie hier mal wieder die Polizei Rechtsterrorismus verharmlost, duldet und eventuell sogar deckt. Ein Artikel in der jungen Welt zu diesem Vorfall betont zudem, wie unterschiedlich vonseiten der Polizei bei einem deutlich harmloseren Waffenfund bei jemandem aus dem linksextremen Spektrum vorgegangen wurden – bezeichnend! [Karl]

3. Kritische Wissenschaft ist ein wichtiger Bestandteil der demokratischen Kultur, und wenn darin von staatlicher Seite eingegriffen wird (wie beispielsweise in der Erdogan-Türkei zurzeit), dann hagelt es zu Recht Kritik. Nun gibt es solche Vorgänge aber allem Anschein nach auch in Deutschland, wie ein Artikel auf Spiegel Online darlegt: In Berlin bekam der renommierte Polizeiwissenschaftler Prof. Dr. Michael Knape keinen neuen Lehrauftrag an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR), nachdem er sich in einem Zeitungsartikel kritisch zum Test von Tasern bei der Berliner Polizei geäußert hat – was dem Polizeipräsidenten Klaus Kandt gar nicht gefallen hat. Sollte dies tatsächlich so abgelaufen sein, dann wäre das ein inakzeptabler Eingriff der Exekutive in die Wissenschaftsfreiheit. [Karl]

4. Neues von der Fraktion der „Lügenpresse!“-Krakeeler, die es selbst mit der Wahrheit nicht ganz so genau nehmen: Einem Artikel auf Thüringen24 zufolge hat die rechte Facebook-Seite Erfurt sagt nein eine Grafik online gestellt, auf der die Ergebnisse einer Umfrage zu sehen sind, wie zurzeit die Thüringer bei der Bundestagswahl abstimmen würden. Dabei wurden dann mal eben die Resultate von CDU (39 %) und der von dieser Hetzseite favorisierten AfD (18 %) vertauscht. Rechte machen sich also mal wieder die Welt, wie sie ihnen gefällt – und stellen das dann auch noch kackfrech als Realität dar. Wie armselig! [Karl]

5. Ralf Hutter setzt ich in einem Artikel auf Über Medien mit der Polizeigewalt gegen Journalisten im Zuge der Zwangsräumung eines Wohnprojekts in Berlin und des G20-Gipfels in Hamburg auseinander. Dabei kommt er zum Schluss, dass Journalisten eine andere Perspektive einnehmen sollten, als dies zurzeit meistens der Fall ist, wenn Polizeiberichte und -aussagen vollkommen unkritisch als Tatsachen übernommen und so darüber berichtet wird. Schließlich sei die Polizei auch eine Konfliktpartei, die mit ihrer Kommunikation Interessen wahrnehme, sodass hier eine kritische Distanz geboten wäre, damit der Journalismus wieder seine Funktion als Gegengewicht zur Macht wahrnehmen würde. [Karl]

6. Die BILD hat mal wieder Stimmungsmache betrieben mit verfälschten Aussagen, wie ein Artikel auf BILDblog. berichtet. Der Sportredaktion von Deutschlands Hetzblatt Nummer eins sind nämlich anscheinend Ultras – extrem engagierte, aber oft auch kritische Fans von Fußballvereinen – ein Dorn im Auge, sodass nun dem Gladbacher Fußballprofi Jannik Vestergaard eine Anti-Ultra-Aussage in den Mund gelegt wurde, die er so gar nicht getätigt hat. Auch wenn man sich nicht für Fußball interessiert, so ist dieser Vorgang doch bezeichnend für das manipulative und unsaubere „journalistische“ Vorgehen von Springers Hetzpostille. [Karl]

7. Vier Youtuber sollen demnächst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) interviewen. Wie unsinnig dieses Unterfangen sein dürfte, stellt Maria Fiedler in einer Glosse im Tagesspiegel fest: Dem Medienprofi Merkel dürften die Videoblogger kaum gewachsen sein, sodass das Ganze wohl eher zu einer Wahlwerbeveranstaltung für Merkel werden dürfte. Da das Format zudem zeitlich sehr begrenzt ist, wird wohl auch kaum kritisches Nachfragen zu erwarten sein. Tja, so lässt man sich dann eben für Partei-PR missbrauchen – und die CDU wird schön bei der jungen Zielgruppe punkten können. [Karl]

8. Rudolf Walther beschreibt in einem Kommentar in der taz die drei verschiedenen Formen von EU-Kritik in Deutschland, die sich seit der Finanzkrise 2008 einiger Popularität erfreuen: die deutsch-nationale, die wohlstandschauvinistische und die radikal-populisitische. Allen drei gemeinsam ist, dass ihre argumentative Grundlage reichlich an der Realität vorbei gestrickt ist, was die aus dem politisch eher rechten Spekrtum kommenden Vertreter dieser Ansätze (wen wundert’s) nicht sonderlich stört. [Karl]

9. Dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben würden, ist ein Mythos der immer noch aufrechterhalten wird von vielen Politikern und Medien. Die Realität sieht jedoch anders aus, wie aus einem Artikel in der Zeit hervorgeht: Wohlstand lässt sich heute kaum noch erarbeiten, sondern wird zum größten Teil vererbt – was wiederum dazu führt, dass ohnehin schon materiell gut gestellte Menschen noch reicher werden. Als Resultat steigt die Ungleichheit immer weiter an, was sich letztlich auch demokratiegefährdend auswirken kann, wie der in dem Artikel zu Wort kommende Peter Ackermann, selbst Selfmade-Millionär, treffend feststellt. [Karl]

10. Na so was! Nicht nur der niedersächsische Ministerpräsident Weil (SPD), der dafür ja gerade viel öffentliche Schelte erfährt, sprach sich in größerem Stil mit dem VW-Konzern ab, sondern die schwarz-gelbe Vorgängerregierung hat dies genauso gehandhabt, wie aus einem Artikel der Nordwest-Zeitung hervorgeht. Auch ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung greift dieses Thema auf, stellt darüber hinaus aber auch noch dar, dass diese Problematik durch das sogenannte VW-Gesetz allerdings auch schon quasi vorherbestimmt ist, sodass sich hier strukturell etwas ändern müsste. [Karl]

11. Und gleich noch was zur Automobilindustrie: Tom Wellbrock widmet sich in einem ausführlichen Artikel auf neulandrebellen der Geschichte der Autobranche in Deutschland – was zwangsläufig auch eine Geschichte der Verstrickungen mit der Politik ist. Dabei wird vor allem deutlich, dass mittlerweile die Politik nicht nur die deutschen Autohersteller gewähren lässt, sondern vielmehr ein komplett höriger Dienstleister für diese bzw. deren Profitmaximierung mittels eines nicht mehr zeitgemäßen Produkts ist – zum Schaden von Mensch und Umwelt. Unbedingt lesenswert! [Karl]

12. Und noch was dazu Passendes: In einem Artikel auf Klimaretter.info wird berichtet, dass in Deutschland im ersten Halbjahr 2017 fünf Millionen Tonnen CO2 mehr emittiert wurden als im Vorjahreszeitraum. So dürfte – trotz Ratifizierung des Pariser Klimaschutzabkommens – das Ziel der Emissionsreduzierung auf 750 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2020 in immer weitere Ferne rücken. Interessant vor allem: Während alle Bereiche ihre Emissionen seit 1990 reduziert haben, ist beim Verkehr ein Anstieg von zwei Prozent zu verzeichnen. Gründe: immer mehr Straßengüterverkehr und immer mehr überdimensionierte Dieselkisten … [Karl]

13. Jens Berger beschäftigt sich in einem Artikel auf den NachDenkSeiten mit den Wahlplakaten der sechs Parteien, die aller Voraussicht nach nach dem 24. September im Bundestag vertreten sein werden. Auf amüsante und pointierte Art und Weise stellt er die Slogans vor, kommentiert die optische Gestaltung und diagnostiziert bei fast allen eine erschreckenden Inhaltslosigkeit – was wohl damit zusammenhängen dürfte, dass die CDU eh schon als Gewinner feststeht. Dennoch eine sehr kurzweilige Lektüre mit Biss! [Karl]

14. In den USA ist gerade eine Sammlung von historischen Dokumenten, die bis in die 1920er-Jahre zurückreichen, unter dem Namen „Poison Papers“ veröffentlicht worden, wie ein Artikel auf Telepolis berichtet. Darin finden sich etliche Beweise für geheime Absprachen zwischen Unternehmen der chemischen Industrie und den Behörden, deren Aufgabe es eigentlich ist, die Menschen vor gefährlichen Chemieprodukten zu schützen. So wurden jahrelang Stoffe in Umlauf gebracht, deren schädliche Wirkungen hinreichend auch den Regulierungsstellen bekannt waren. Ein sehr erschreckendes Beispiel, wie skrupellos der Grundsatz „Profit zählt mehr als Mensch und Umwelt“ mit staatlicher Hilfe umgesetzt wird. [Karl]

15. Ein deutliches Statement gegen den Nationalismus findet sich in einem Gastartikel von Norbert Blüm in der Süddeutschen Zeitung. Das ist insofern bemerkenswert, als dass Blüm ja nun kein Linker, sondern als ehemaliger Bundesarbeitsminister immer noch Mitglied der CDU ist. Mit treffenden Worten beschriebt er nicht nur die Willkürlichkeit von nationalen Grenzen, sondern zeigt auch auf, dass die europäische Kulturtradition schon immer eine grenzenlose war. Ein Plädoyer gegen die Abschottung, dass sich seine Parteikameraden (und nicht nur die) doch bitte mal zu Herzen nehmen mögen. [Karl]

16. Immer wieder Betrug, Vetternwirtschaft und sonstiger Missbrauch in der Politik: Frontal21 berichtet in einem achtminütigem Video während seiner Sommerpause von dem Leerstand der Flüchtlingsheime in der gesamten Bundesrepublik. Der Durchschnitt beträgt satte 54 %! Das liegt aber nicht nur an mangelnder oder fehlerhafter Planung, sondern auch (mal wieder) an Geschenken der Politiker an Unternehmen oder sich selbst! So dreist wie der SPD-Abgeordnete Arndt Gabriel, der Gebäude kurzfristig erworben und dann drei Monate später überteuert an die Stadt Essen als Flüchtlingsunterkunft vermietet hat. [Dirk]

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