Captain Fantastic

Auch wenn der Titel spontan an das Marvel-Universum denken lässt, geht es hier um einen wunderbar kontroversen Film von Regisseur und Drehbuchautor Matt Ross. Der deutsche Untertitel lässt schon erahnen, dass es eher um ein gesellschaftskritisches Werk geht: „Einmal Wildnis und zurück“. Das Drama um einen Familienvater und seine sechs Kinder, die nach dem unerwarteten Tod ihrer Mutter aus ihrem Leben in der freien Natur in die Konsumgesellschaft eintauchen müssen, um der Beerdigung ihrer Mutter beizuwohnen.

So aufregend das Leben in der Wildnis am Anfang des Films ist, so kontrovers gestaltet sich das Zusammentreffen mit dem „American way of life“ und dem Rest der Familie. Stück für Stück tun sich Risse im Leben der Kleinen auf, und die rohe und direkte Erziehung des Vaters gerät zunehmend in die Kritik. So gut die Familie als Gruppe funktioniert, so fremd und unerfahren sind sie den Stadtmenschen gegenüber und sind die Stadtmenschen auch ihnen. Und anders herum glänzen die sechs Kinder mit ihrer Auffassungsgabe, ihrer Achtsamkeit und dem empathischen Zusammenspiel als Familie.

Natürlich hat mich der Gedanke, ein Leben außerhalb der neoliberalen und konsumorientierten Gesellschaft zu führen, gleich gefangen genommen. Doch die schonungs- und bedingungslos ehrliche Lebensweise scheint mir für Kinder zu verstörend. Und so ist es auch mit dem Film: Die FSK-12-Empfehlung unterschreibe ich, da viele Dialoge und teilweise verstörende Handlungen nicht kindgerecht sind und auch nicht verstanden werden können (weshalb von meinen drei Söhnen nur der Zwölfjährige den Film schauen durfte und seine jüngeren Bruder dies erst in einigen Jahren nachholen dürfen). Aber gerade das macht den Film auch so interessant für Erwachsene!

Ich wünsche Euch also einen „Happy Noam Chomsky Day“ und empfehle dieses herausragende Stückchen Filmkunst aus dem Jahr 2016 von Matt Ross und mit Viggo Mortensen. Die knapp 120 Minuten vergehen wie im Flug, und hinterher ist jede Menge geistiger Spielraum und Kontroverse geschaffen, um über das eigene Handeln und Leben zu sinnieren. Daumen hoch!

Captain Fantastic“ bei universum film, ca. 115 Minuten, USA 2016

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Dirk

Jahrgang 1974, in erster Linie Teil dieser Welt und bewusst nicht fragmentiert und kategorisiert in Hamburger, Deutscher, Mann oder gar Mensch. Als selbstständiger IT-Dienstleister (Rechen-Leistung) immer an dem Inhalt und der Struktur von Informationen interessiert und leidenschaftlich gerne Spiegel für sich selbst und andere (als Vater von drei Kindern kommt dies auch familiär häufig zum Einsatz). Seit vielen Jahren überzeugter Vegetarier und trotzdem der Meinung: „Alles hat zwei Seiten, auch die Wurst hat zwei!“

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