Interessantes aus KW 52/2017

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Georg Sesslen beschäftigt sich in einem Artikel in der Spex mit dem mittlerweile auch in der Popmusik und -kultur deutlich wahrnehmbaren Rechtsruck. Dabei beschreibt er, wie teilweise harmlos aussehende Phänomene dazu führen, dass zunehmend rückwärtsgewandte bis offen rechte Inhalte im Pop transportiert werden. In jedem Fall ein interessanter Blick auf unsere derzeitige Kultur – und dann schafft es Sesslen auch noch, das Ganze mit einem zumindest dezent positiven Ausblick enden zu lassen. [Karl]

2. Eine Meldung auf der Website Sonnenseite berichtet von neuen Erkenntnissen von japanischen Forschern, die sich mit der Frage beschäftigt haben, was vor 52 bis 56 Mio. Jahren zu einem Stopp der Erderwärmung mit darauf folgender Abkühlung führte. Diese geht auf vermehrtes pflanzliches Wachstum in den Ozeanen zurück. Nun erhofft man sich, hieraus ableiten zu können, wie wir selbst mit der CO2-bedingten Erderwärmung umgehen bzw. etwas dagegen machen können. [Karl]

3. G20 und kein Ende. Und schon wieder mal besticht die Polizei mit nicht eben rechtsstaatlichem Verhalten. Laut einem Artikel auf Spiegel Online haben die in einem Prozess gegen einen tatverdächtigen Randalierer befragten Polizisten vor ihrer Aussage die Vernehmungsprotokolle von anderen Polizisten zum Tathergang gelesen. Institutionalisierter Korpsgeist – der laut dem Anwalt eines der Angeklagten dazu führt, dass die Polizei die Ermittlung des tatsächlichen Sachverhalts torpediert. [Karl]

4. Im Rahmen der Serie „10 nach 8“ auf Zeit Online zeigt ein Artikel von Angelika Nguyen auf, wie alltäglich Rassismus in der ehemaligen DDR schon war, bevor dort Ende der 70er-Jahre eine aktive und militante Neonazi-Szene entstand. Die Autorin hat selbst als Kind in der Schule Rassismus erleben müssen, und 25 Jahre später, als es die DDR schon lange nicht mehr gab, erfuhren ihre Kinder dann das Gleiche. Insofern ist es kein Wunder, dass die AfD mit rassistischen Parolen so erfolgreich ist: Die Rechtspartei verbalisiert und kanalisiert einfach nur das, was an fremdenfeindlichen Ressentiments ohnehin schon mehr oder weniger latent in der Gesellschaft vorhanden ist. [Karl]

5. In einem zweiteiligen Interview mit den NachDenkSeiten äußert sich der Politikwissenschaftler und Rechtsextremismusexperte Halo Funk ausführlich zur Rolle des Verfassungsschutzes im NSU-Komplex und auch im damit zusammenhängenden Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter sowie auch weiterer Terroraktivitäten (Oktoberfest-Anschlag, Buback-Mord, Anis-Amri-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt)  in Deutschland. Sein Fazit spiegelt sich im Titel seines aktuellen Buchs wieder: „Sicherheitsrisiko Verfassungsschutz“. Erschreckend! [Karl]

6. Viele Menschen glauben ja immer noch, dass die Grünen vor allem für Umweltpolitik stünden. Dass das nicht so ist – und schon gar nicht in Baden-Württemberg mit dem grünen Ministerpräsidenten Kretschmer – belegt ein Artikel in der KONTEXT: Wochenzeitung, in dem es um Überschreitung der Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid in Stuttgart geht. Anstatt konsequent dagegen vorzugehen, weigern sich die Grünen auf allen politischen Ebenen, zu handeln und die Stadt wieder lebenswerter zu machen – immer schön diensteifrig als Handlanger der Industrie. [Karl]

7. Pünktlich, mit auch meinen besten Wünschen für das kommende Jahr, hat Spektrum einen Beitrag zum Rausch im Tierreich ins Netz gestellt. Während Silvester werden wohl viele Flaschen Sekt und Bier ihren Weg in die Blutbahn der feiernden Menge finden. Auf welche Weise andere Tiere diesen Rausch suchen, ist hier unterhaltsam zu elektronischem Papier gebracht. Prost und frohes neues Jahr! [Dirk]

8. Auch dieses Jahr kann es zu Silvester nicht schaden, auf Brot statt Böller hinzuweisen. Das evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung sammelt mit dem Projekt Brot für die Welt Spenden für weltweite Ernährungshilfe, wo immer sie benötigt wird. Die Website klärt auf, dass wir derzeit jährlich über 100 Millionen Euro für Feuerwerk in Deutschland ausgeben und dass man mit dem Geld auch etwas Sinnvolleres anstellen könnte. Es muss ja nicht gleich komplett auf die Neujahrsraketen verzichtet werden!? [Dirk]

9. Mit dem Wirbel um die zusätzlichen Polizeikräfte in Köln wegen der Übergriffe im vorletzten Jahr beschäftigt sich ein Beitrag von Sebastian Weiermann auf den Übermedien. Wie die Klatschpresse von BILD und WELT dem Thema begegnet und wie das mediale Bild der vergangenen Vorkommnisse nachhallt, ergibt eine mit reichlich Links unterlegte Lektüre. [Dirk]

10. Ein überraschendes Interview mit einem pensionierten Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte findet sich auf dem Blog von Lars Schall. Zum Ende seiner Laufbahn wechselte der Befehlshaber Lawrence B. Wilkerson nach über 30 Jahren in der Army ins Außenministerium und verblieb dort noch knapp 10 Jahre bis zur Pension. Seine kritischen Worte in Bezug auf die Kriegstreiberei der amerikanischen Streitkräfte sind sehr offen und deutlich. Auf jeden Fall lesenswert und vor allem erfrischend kritisch. [Dirk]

11. Im Lauf der Jahre habe ich den Eindruck gewonnen, das Computer eine Menge schädlicher (Neben)wirkungen haben. Es werden z.B. Ideologien transportiert (u.a. mit Betriebssystemen und Software) und der Gebrauch von PC, Handy, usw. wirkt sich psychisch, wie auch körperlich aus. In diesem mehrteiligen Interview auf Telepolis (Artikel 1, 2, 3.) mit Werner Seppmann wird deutlich, wie weitreichend diese Einflüsse sind und welche Konsequenzen sie haben. Sehr lesenswert!
Passend dazu: Smartphones reduzieren die kognitive Leistung bereits, wenn sie nur in der Nähe sind! [Gerald]

12. Mit der Frage, ob Depressionen biologische oder psychosoziale Ursachen haben, befassen sich diese Artikel (Teil 1, Teil 2) auf Telepolis. Man bedenke: der biologische Ansatz ist lukrativ für die Pharmaindustrie, der psychosoziale eher ein volkswirtschaftlicher Kostenfaktor. Aber nicht nur deshalb, sondern aus der persönlichen Erfahrung heraus, sehe ich die psychosozialen Faktoren als relevanter an und gehe davon aus, dass der Anstieg von psychischen Krankheiten zu einem recht großen Teil der neoliberalen Umformung der Arbeitswelt zuzuschreiben ist, wie auch diese lesenswerten Artikel nahelegen! [Gerald]

Druckansicht

Leserbrief verfassen

Kommentar absenden