Auschwitz. Das Projekt.

Auschwitz – es gibt wohl kaum ein Wort, was dermaßen für unvorstellbares Grauen steht. Der Film „Auschwitz. Das Projekt.“ von Emil Weiss, der gerade auf arte gezeigt wurde und dort noch in der Mediathek zu sehen ist, beschäftigt sich nun mit dem Gesamtkomplex rund um die polnische Stadt Oświęcim, der aus weitaus mehr als nur dem Vernichtungslager Auschwitz II – Birkenau bestand. Ein sehenswerter und erschütternder Blick auf die mit äußerster Präzision durchgeführte Entmenschlichung unter kranken ideologischen Vorzeichen.

In Auschwitz, so erfährt man in dem Film, gab es drei Lager: Auschwitz I, das vor allem ein Konzentrationslager für polnische und russische Kriegsgefangene war, Auschwitz II – Birkenau, das Vernichtungslager mit den Gaskammern, in dem etwa eine Million Menschen ermordet wurden, und das Arbeitslager Auschwitz III – Monowitz. Darüber hinaus fanden sich noch zahlreiche weitere Konzentrationslager im Umkreis von etwa hundert Kilometern um die Stadt.

Auschwitz sollte eine Art östlicher Brückenkopf des Nationalsozialismus in Mitteleuropa werden. Die Lager waren ein Teil des Konzepts, das zudem aus Landwirtschaft, Bergbau, Industrie und Forschung bestand. Dafür wurden polnische Einheimische enteignet und deutsche Reichsbürger sowie Industriebetriebe dort angesiedelt. Für Letztere war das ausgesprochen profitabel, denn sie konnten auf die Lagerinsassen als Sklaven zurückgreifen.

Zahlreiche Zitate von Zeitzeugen dokumentieren nicht nur das Grauen, das in den Lagern herrschte, und den Sadismus der SS-Schergen, sondern zeigen auch auf, mit welch perverser Organisiertheit und Genauigkeit dabei vorgegangen wurde: Menschen wurden auf eine Nummer reduziert und jeglicher Individualität beraubt, so zu einer reinen verfügbaren und bei Bedarf auch zerstörbaren Masse degradiert. Ich habe mich gefragt, was das bloß für Menschen gewesen sein müssen (und das waren eine ganze Menge), die Derartiges nicht nur haben geschehen lassen, sondern auch noch direkt aktiv daran beteiligt waren.

Die Bilder sind beeindruckend nüchtern, Musik fehlt vollkommen, und es zieht sich ein sachlicher Ton durch den gesamten Film, der die Abartigkeit dieser technokratischen deutschen Unmenschlichkeit noch einmal hervorhebt.

Unbedingt sehenswert, allerdings mittlerweile nur noch auf YouTube, da einem danach noch mal ein Stück weit deutlicher wird, warum Auschwitz niemals vergessen werden darf und die Erinnerung an diesen Tiefpunkt der menschlichen Geschichte unbedingt lebendig gehalten werden muss.

„Auschwitz. Das Projekt.“ Frankreich 2017. 57 Minuten. Regie: Emil Weiss.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak, hört den ganzen Tag Tonträger und treibt sich viel auf Konzerten rum. Außerdem geht er seit vielen Jahren zu den Spielen des FC St. Pauli.

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