Wer ist jetzt hier der Dumme? Eine Kritik.

Gedanken drehen sich im Kreis, Ideen und Vorstellungen kommen und ersetzen alte Gedanken, und je nach Blinkwinkel ergibt sich ein anderes Bild der Gesellschaft, der eigenen Meinung und Selbstreflexion. Die Tragweite vieler Dinge ergibt sich erst aus der Betrachtung im Nachhinein, genau wie deren Ausgang erst am Ende eines Prozesses feststeht. Und so stand ich gestern mal wieder deppert im Raum herum und fragte mich: Wer ist hier eigentlich jetzt der Dumme*?

Ausgangspunkt war der Umgang mit der „Neuen Rechten“ (wie man so sagt, also die Nazis mit stylischem Vollbart und sonstigen Trendmerkmalen … weitab von Bomberjacke und Vollglatze), nachdem ich die hier verlinkte Dokumentation „Die rechte Wende“ gesehen hatte und selbst auch meinen Senf dazu in die Welt posaunte. Nun stellt sich mir wieder und immer wieder die Frage: Wie soll man mit all diesen Kurz- und Flachdenkern umgehen? Welche Argumente stehen bei welchen Gruppen im Vordergrund? Was kann ich verallgemeinern, um einen Leitfaden für den Umgang mit unterschiedlichen Interessengruppen zu kreieren? Und sind wir nicht alle eine Mischung aus einer oder mehreren dieser (möglichen) Gruppen?

Als Erstes sind (bei mir im gedanklichen Ablauf) natürlich die neuen (und alten) Rechten an der Reihe, die einen riesigen Batzen Schuld an der Spaltungs- und Populismusmisere in unserer Gesellschaft zu verantworten haben. Wie kommen Menschen darauf, einen anderen Stellenwert zu haben, nur weil sie an einem bestimmten Ort oder von bestimmten Leuten geboren wurden? Zumal sie dafür nichts getan haben (geschweige denn hätten tun können) und deshalb keinen Grund haben, darauf „stolz“ zu sein?! Wenn man nun also mal nicht nur einen kleinen Ausschnitt der deutschen Geschichte betrachtet, dann ist gerade die kulturelle und genetische Vermischung Grundlage dessen, was „die Deutschen“ heute sind (und da steckt allerhand drin!). Wie dumm muss man also sein, die heute bestehenden Landesgrenzen als Maßstab für die Bewertung von Menschen zu nehmen?

Menschen und auch andere Spezies sind wahrscheinlich aus evolutionären Gründen xenophob (haben Angst vor dem oder den Fremden). Da komme ich dann auch ohne Umschweifen zur nächsten Gruppe der Dummen: den Politikern der Großparteien (und damit meine ich nicht die regional engagierten Kämpfer für ein besseres Leben im eigenen Stadtviertel). Angst ist ein allbekanntes Mittel zur Steuerung und Manipulation von Bevölkerungsgruppen (siehe auch den letzten Absatz zu den Rechten, die oft Angst vor Veränderungen und/oder dem/den Fremden haben). Ich könnte lang und breit über deren Intention spekulieren (was in den meisten Fällen das Spektrum von Selbstverliebtheit über Macht bis Gier abdecken würde), aber ihre Dummheit liegt in der einfachen (nicht immer, aber meistens „billigen“) Art und Weise, wie sich diese Gruppe von einer anderen Gruppe manipulieren lässt. Ein bisschen Publicity hier, ein wenig Geschäftsessen und -reisen dort und vielleicht die Aussicht auf einen gut bezahlten Posten nach der laufenden Amtszeit.

Und dann komme ich doch auch gleich zu der eben erwähnten Gruppe, die so manipulativ auf das politische Establishment einwirkt: Superreiche und Großkonzerne (vertreten durch Manager, Lobbyisten, Anwälte, Thinktanks und andere gesellschaftliche Schmarotzer und Wortverdreher). Ihr Antrieb ist in vielen Fällen wahrscheinlich das Wachstum. Allerdings geht es da nicht um die kleine Pflanze, die unter Kraftanstrengung durch den harten Boden stößt, um zu einem starken und Schutz bietenden Baum zu gedeihen. Es geht um die Art Wachstum, die ein Krebsgeschwür an den Tag legt! Unabhängig von den Konsequenzen ihres Handelns und Treibens wird gehortet und vermehrt auf Kosten aller anderen, auch ihrer selbst. Ja, auch ihrer selbst, denn das ist die Dummheit: Die Ungleichheit zu allen anderen erhöht die Angst, etwas oder alles wieder zu verlieren, und produziert Neider und Opfer in schwindelerregender Anzahl. Nicht selten geht es auch zulasten der Natur und damit im ursprünglichsten Sinne der Grundlage des eigenen Lebens und der Gesundheit (und aller, die nach einem folgen mögen).

Leider bin ich noch nicht durch, und trotzdem sprengt der Beitrag schon jetzt den kleinen Gedanken, den ich hatte und eigentlich nur kurz „zu Papier“ bringen wollte. Die letzten Gruppen fasse ich nun einfach mal zusammen, da ich vielen dieser Gruppen angehöre und der Beitrag auch irgendwann einmal ein Ende finden muss. Es geht um die Konsumenten, Wähler, Blogger, E-Aktivisten (seltsam, dass ich dieses Wort noch nie gehört oder gelesen habe), analogen Demonstranten und braven Bürger (es Bedarf eines weiteren Internets, hier allen Gruppen gerecht zu werden). Durch „Brot und Spiele“, Verlust- und Abstiegsangst, pseudodemokratische Teilhabe und veganes Gutmenschentum lassen wir uns von den himmelschreienden Ungerechtigkeiten dieser Welt ablenken. Es langt eine Shoppingtour (oder ein neues Smartphone), ein Klick auf einer E-Petition-Seite (oder das Teilen eines Protest-Links), ein kleiner Menschenauflauf vor dem Rathaus (und ein bisschen Schilder hochhalten und mal alles rausschreien) oder sich einfach vom alltäglichen Stress auffressen zu lassen, um das Ausmaß meiner eigenen Dummheit unter einem Berg von anderer Leute Dummheit zu begraben.

Eigentlich sollte ich das alles hier noch einmal lesen (bevor ich es in die digitale Welt entlasse), aber es ist spät (5 vor 12 sozusagen) und ich bin müde und ausgelaugt … wie so häufig … zu häufig. Wie dumm.

Mein Fazit ist also leider, wie sollte es auch anders sein, ein für mich zu erwartendes: Die Dummen sind wir alle. Wie schon die Mutter von Forrest Gump sagte: „Dumm ist der, der Dummes tut.“ Also fassen wir uns doch alle mal an die eigenen Nase und überlegen uns, was wir so Dummes tun (oder was wir lassen, sodass andere Dummes tun können). Und dabei ist es oft sehr hilfreich, die Perspektive zu wechseln und einmal die Position einzunehmen, die wir gerade für so schrecklich dumm halten. Und vielleicht kann man aus dieser Position sein eigenes Handeln und Nichthandeln dann viel umfassender und tiefgehender einschätzen und so selbst zu einem Schatz für die anderen 99,9 % Dummen werden … ich wünsche es uns allen: ein bisschen Dummheit verstehen ...

 

Ich entschuldige mich bei allen weiblichen Dummen, da ich ausschließlich die männliche Form in diesem Beitrag gewählt habe. Keine Sorge: Unter den weiblichen und andersgeschlechtlichen Lesern und Nichtlesern gibt es genauso viel Dummheit wie beim männlichen Anteil, ;)

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Dirk

Jahrgang 1974, in erster Linie Teil dieser Welt und bewusst nicht fragmentiert und kategorisiert in Hamburger, Deutscher, Mann oder gar Mensch. Als selbstständiger IT-Dienstleister (Rechen-Leistung) immer an dem Inhalt und der Struktur von Informationen interessiert und leidenschaftlich gerne Spiegel für sich selbst und andere (als Vater von drei Kindern kommt dies auch familiär häufig zum Einsatz). Seit vielen Jahren überzeugter Vegetarier und trotzdem der Meinung: „Alles hat zwei Seiten, auch die Wurst hat zwei!“

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