{"id":10138,"date":"2018-03-15T11:35:18","date_gmt":"2018-03-15T10:35:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=10138"},"modified":"2019-02-01T19:34:58","modified_gmt":"2019-02-01T18:34:58","slug":"eine-geizige-gesellschaft-ist-eine-kranke-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=10138","title":{"rendered":"Eine geizige Gesellschaft ist eine kranke Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Eine Gesellschaft, die einem Kind in Hartz-Fear 2,77 \u20ac f\u00fcr das t\u00e4gliche Brot zugesteht, ist kleinlich, und die, die daf\u00fcr Verantwortung tragen, sind Kr\u00e4merseelen. Ich muss es mal so deutlich sagen!<\/p>\n<p><em>Ein Gastartikel von Heinz Peglau<\/em><\/p>\n<p>Politiker und Politikerinnen, die solche Berechnungen in Auftrag geben, sie dann auch noch rechtfertigen, sind Geizh\u00e4lse, und deren Geiz, wie der ihrer W\u00e4hler und W\u00e4hlerinnen, ist nicht geil, dieser Geiz ist krank, und damit ist diese Gesellschaft krank zu nennen. Auch hier muss ich mal deutlich werden!<\/p>\n<p>Die Krankheit hei\u00dft aber nicht Hartz-Fear, Hartz-Fear ist nur Symptom. Die Krankheit hat tiefere Ursachen, und an diese Ursachen muss man ran, wenn man die Krankheit wirklich besiegen will.<\/p>\n<p>Eine der Ursachen ist, dass nur in Besitz und Eigentum gedacht wird, Wohlstand nur \u00fcber Besitz und Eigentum, und zwar privaten Besitz und privates Eigentum, gedacht wird. Leider dann auch nur statistisch, im Mittel und nicht in der tats\u00e4chlichen Wirklichkeit. Der Reichtum geht dabei unter, wird relativiert, wie vieles derzeit nur relativiert wird und damit aus dem Fokus ger\u00e4t. Der Wohlstand aller spielt dann keine Rolle mehr, das Eigentum aller kann dann \u201everscherbelt\u201c werden, das Gemeinwohl verliert dadurch ebenso an Bedeutung wie diejenigen, die das Gemeinwohl brauchen, die die Gesellschaft brauchen, um t\u00e4glich \u00fcber die Runden zu kommen. Und dort, wo es noch besteht, wird es oft genug f\u00fcr die nur noch zug\u00e4nglich, die es sich auch leisten k\u00f6nnen. Vor Ort bei mir an den Eintrittspreisen f\u00fcr das bedeutende Museum und das Bad unschwer abzulesen, sicher auch in anderen Kommunen ablesbar f\u00fcr die, die Augen und Ohren \u00f6ffnen und nicht wieder relativieren, dem Ungeist unserer Tage fr\u00f6nen.<\/p>\n<p>Jeder wird durch dieses Denken in Besitz und Eigentum seines Gl\u00fcckes Schmied, und wer eben kein Gl\u00fcck hat, der hat nur nicht gut genug geschmiedet. Mehr noch wird der Mensch \u201egez\u00fcchtet\u201c, ist er \u201egez\u00fcchtet\u201c worden, der Besitz und Eigentum, seinen Besitz und sein Eigentum, zu verteidigen, zu sch\u00fctzen und damit andere davon fernzuhalten wei\u00df. Die Folge war und ist, dass jeder f\u00fcr sich und kaum jemand mehr f\u00fcr alle denkt und handelt. Maximal denkt und handelt Mann\/Frau f\u00fcr ein Projekt, ein Bauvorhaben beispielsweise, ein Bad, ein Museum, eine Sportst\u00e4tte vielleicht. Egoismus hei\u00dft diese Krankheit, und in Zeiten des Neoliberalismus ist sie sehr ausgepr\u00e4gt. Nur das, was mir selbst dient, hilft, Nutzen bringt, ist es noch wert, sich daf\u00fcr auch in der Gemeinschaft zu engagieren.<\/p>\n<p>Die eigentliche Krankheit ist damit der Individualismus, die \u00dcbertreibung des Ichs, welchem diese Gesellschaft sich verschrieben hat, die den Egoismus zum Leitbild erhoben hat.<\/p>\n<p>Die Heilung dieser Krankheit hie\u00dfe Gemeinschaft, denn die bringt erst die Solidarit\u00e4t hervor, welche dem egoistischen Handeln entgegengestellt werden kann. Nur kann man die nicht \u00fcber Geiz organisieren. Dazu braucht man Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, dazu braucht man eine gro\u00dfz\u00fcgige Gesellschaft, eine, die wieder zum Teilen bereit ist.<\/p>\n<p>Dann erst wird es auch gro\u00dfz\u00fcgige Politiker und Politikerinnen geben, die diesen Auftrag umsetzen und Hartz-Fear beenden werden. Solange Egoismus und der Geiz die Menschen jedoch \u201ebeseelen\u201c, dies die tonangebende Moral der Zeit bleibt, wird das aber nichts werden mit der Heilung der Gesellschaft, werden am Ende Spahns Vorstellungen vom Sozialen, sein Gesellschaftsbild weiter bestehen bleiben, wird der Sturm, der derzeit herrscht, bald wieder zum Wind und dann zum lauen L\u00fcftchen werden, wird sich f\u00fcr die, die zu den Verlierern dieser Wohlstands-, Besitzstands-, Eigent\u00fcmergesellschaft geh\u00f6ren, die unter dem Individualismus und dem Egoismus leiden, nichts \u00e4ndern, werden Kinder weiterhin mit 2,77 \u20ac am Tag von ihren M\u00fcttern und V\u00e4tern verpflegt werden m\u00fcssen, mit abgetragenen Kleidern zur Schule gehen und die Eltern sich einer unbeschreiblichen, unverst\u00e4ndlichen B\u00fcrokratie ausgesetzt sehen, wenn die Schule mal mehr unternehmen will, als nur im Klassenraum gemeinsam zu lernen, wird die soziale Ausgrenzung weiter stattfinden, der Frust der unteren Schichten damit zunehmen. So lange werden Politiker und Politikerinnen dieses System der Sippenhaft weiterhin als n\u00fctzlich und richtig bezeichnen, als ausreichend rechtfertigen. Sie sind nur Spiegel der Gesellschaft, der Mehrheitsgesellschaft in diesem Falle.<\/p>\n<p>Die Wohlfahrtsverb\u00e4nde haben deshalb recht, wenn sie fordern, dass die S\u00e4tze stark erh\u00f6ht werden m\u00fcssen, auch um endlich das Urteil des Verfassungsgerichts von 2010 zu erf\u00fcllen, um eine tats\u00e4chliche Teilnahme dieser Kinder am gesellschaftlichen Leben wieder zu erm\u00f6glichen. Dass die Eltern dabei im Forderungs- und F\u00f6rderwahn der Hartz-Fear-Gesellschaft eine Rolle spielen werden, dass deren Teilhabe verbessert werden k\u00f6nnte, das habe ich mir \u201eabgeschminkt\u201c zu erwarten, zu hoffen, aber wenigstens die Kinder sollten ein wenig W\u00e4rme zu sp\u00fcren bekommen. Nur denke ich, dass auch das ein frommer Wunsch von mir bleiben wird, denn diese Gesellschaft ist krank, wie schon geschrieben, und muss erst einmal geheilt werden, bevor sie dann den Kindern wirklich wird helfen k\u00f6nnen und nicht nur, wie diese GroKo wieder, vorgibt zu helfen, nur leider nicht denen, die die Hilfe am n\u00f6tigsten br\u00e4uchten. \u000b\u000bWir leben in Zeiten der Mehrheit von geizigen Individualisten &#8211; man\/frau m\u00f6ge mir verzeihen, dass ich das so deutlich sage, keine M\u00f6rdergrube aus meinem Herzen mache -, welche die Mehrheit stellen und die Macht aus\u00fcben, und erst wenn sich diese Zeiten \u00e4ndern, dieser Zeitgeist \u00e4ndert, wird sich auch das Leben aller Menschen und nicht nur einer immer geringeren Zahl von Menschen verbessern, wird man auch endlich wieder \u00f6konomische L\u00f6sungen suchen, die nicht allein den Bilanzen dienen, sondern den Mensch und seine Umwelt wieder in den Fokus nehmen &#8211; die eigentliche Zielrichtung, welche die \u00d6konomie eigentlich haben sollte, und nicht die, die sie derzeit hat, weil die \u00d6konomen verlernt haben, in gesellschaftlichen Kontexten zu denken, wie viele Politologen \u00fcbrigens auch.<\/p>\n<p>Zu alledem allerdings, was ich zu ver\u00e4ndern f\u00fcr n\u00f6tig halte, braucht es Zeit, viel Zeit und leider noch gr\u00f6\u00dfere Not, denn die schon gro\u00dfe Not reicht noch nicht, damit die mutma\u00dflichen Eliten in Kommunen, in den L\u00e4ndern, im Bund und in Europa die Notwendigkeiten einsehen und angehen. Dieser Sturm, den Spahn verursacht hat, wird sich &#8211; das sage ich mit gro\u00dfer Sicherheit voraus &#8211; bald legen, zu einem Wind und dann zu einem lauen L\u00fcftchen werden. Die n\u00e4chste Sau steht schon bereit, die durchs Dorf getrieben werden kann. Er wird jedoch wiederkommen, heftiger und zerst\u00f6rerischer, da kann man\/frau ganz sicher sein. Ich bin es!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/29214155_2187065171520947_3536082787218751026_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-10140 size-medium\" src=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/29214155_2187065171520947_3536082787218751026_n-300x296.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/29214155_2187065171520947_3536082787218751026_n-300x296.jpg 300w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/29214155_2187065171520947_3536082787218751026_n.jpg 472w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastartikel von Heinz Peglau<\/p>\n<p>Eine Gesellschaft, die einem Kind in Hartz-Fear 2,77 \u20ac f\u00fcr das t\u00e4gliche Brot zugesteht, ist kleinlich und die, die daf\u00fcr Verantwortung tragen sind Kr\u00e4merseelen. 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