{"id":10223,"date":"2018-03-23T15:06:30","date_gmt":"2018-03-23T14:06:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=10223"},"modified":"2018-03-23T15:06:30","modified_gmt":"2018-03-23T14:06:30","slug":"facebook-und-die-daten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=10223","title":{"rendered":"Facebook und die Daten"},"content":{"rendered":"<p><em>Facebook<\/em> steht zurzeit massiv in der Kritik aufgrund der Enth\u00fcllungen eines Whistleblowers der Firma Cambridge Analytica. Da ist von Datenklau und Gef\u00e4hrdung der Demokratie durch Manipulation von W\u00e4hlern die Rede, sodass mittlerweile schon die User vonseiten einige Medien und Politiker dazu aufgefordert werden, ihren Account beim weltweit gr\u00f6\u00dften sozialen Netzwerk zu l\u00f6schen (eine gute Zusammenfassung des Geschehens und der Reaktionen darauf findet sich in einem <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Datenskandal-Cambridge-Analytica-Facebook-Chef-Mark-Zuckerberg-raeumt-Fehler-ein-4000885.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel auf <em>heise online<\/em><\/a>). Das Feindbild passt ja auch zu sch\u00f6n, denn Cambridge Analytica hat US-Pr\u00e4sident Donald Trump in seinem Wahlkampf unterst\u00fctzt. Dennoch bekomme ich den Eindruck, dass diese Diskussion weitgehend in eine vollkommen falsche Richtung l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Zum eine sollte doch eigentlich jedem, der im Internet unterwegs ist, klar sein, dass da alles M\u00f6gliche ohne sein Wissen gespeichert und weitergegeben wird. Oder wie kommt es sonst, dass einem auf Amazon Produktvorschl\u00e4ge unterbreitet werden, die unmittelbar mit einer Suche, die man zuvor auf Google get\u00e4tigt hat, zusammenh\u00e4ngen? Auch die Werbebanner, die uns auf verschiedensten Seiten angezeigt werden, h\u00e4ngen oft damit zusammen, wo wir vorher im Netz unterwegs waren. Ralph Benz, Redakteur bei der <em>3sat<\/em>-Sendung <em>nano<\/em>, bringt das in einem <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/3satnano\/videos\/2041362085892675\/?fref=mentions\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Video-Statement<\/a> recht gut auf den Punkt: Im Netz ist nichts umsonst, wir bezahlen als User dort immer mit unseren Daten und sollten uns insofern schon ein paar Gedanken dazu machen, was wir denn wo \u00fcberhaupt alles teilen, einstellen und verbreiten.<\/p>\n<p>Es gibt wahrlich genug an <em>Facebook<\/em> zu kritisieren, und ich pers\u00f6nlich finde ja auch, dass das durchaus ein fieser Laden ist, aber hier scheint mir nun vor allem ein S\u00fcndenbock aufgeblasen zu werden &#8211; gerade auch wenn man die Doppelmoral ber\u00fccksichtigt, dass n\u00e4mlich die gleichen Politiker, die sich nun \u00fcber <em>Facebook<\/em> echauffieren, dann selbst mit immer totalit\u00e4reren \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen aufwarten, wie beispielsweise die <em>ARD<\/em>-Sendung <em>Monitor<\/em> neulich in einem <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/daserste\/monitor\/videos\/video-die-totale-ueberwachung-seehofers-plaene-fuer-deutschland-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erschreckenden Bericht<\/a> f\u00fcr Bayern dokumentiert hat.<\/p>\n<p>Und was viele Menschen freiwillig an Daten preisgeben durch die Nutzung von Amazons Alexa und anderem Smart-Home-Ged\u00f6ns, ist ja nun auch nicht gerade ohne. Zu glaube, dass derartige Daten, die noch in viel gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe die t\u00e4glichen Lebensgewohnheiten einer Person nachzeichnen, als dies bei einem <em>Facebook<\/em>-Profil der Fall ist, nicht in irgendeiner Form analytisch oder auch manipulativ verwendet werden, kann man nur als reichlich naiv bezeichnen.<\/p>\n<p>In seiner <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/cambridge-analytica-der-eigentliche-skandal-liegt-im-system-facebook-kolumne-a-1199122.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kolumne auf <em>Spiegel Online<\/em><\/a> bringt Sascha Lobo sinnvollerweise noch einige andere Aspekte dieses\u00a0\u201eSkandals\u201c aufs Tableau, beispielsweise dass von einem Datenklau nur sehr bedingt die Rede sein kann, da n\u00e4mlich viele dieser Daten f\u00fcr jeden ganz \u00f6ffentlich einsehbar sind, wenn man auf <em>Facebook<\/em>-Profile von Usern schaut, die keine entsprechenden Einstellungen zum Verbergen ihrer Vorlieben vorgenommen haben.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus merkt Lobo nachvollziehbar an, dass Cambridge Analytica mit den gesammelten Daten nun auch nicht Menschen total umpolen konnte, sondern lediglich W\u00e4hler, die ohnehin Trump ihre Stimme geben wollten oder das zumindest als M\u00f6glichkeit in Betracht gezogen haben, in ihrer Ansicht best\u00e4rkt werden konnten. Nat\u00fcrlich wird auch <em>Facebook<\/em> selbst kritisiert, da sich das Unternehmen schon seit Jahren nicht darum k\u00fcmmert, was mit den User-Daten, die das Gesch\u00e4ftsmodell darstellen, sonst noch alles angestellt werden kann &#8211; Hauptsache, es wird viel Werbung gestaltet und somit Gewinn generiert.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde in diesem Punkt dann allerdings noch einen Schritt weiter gehen als Lobo: Ein kapitalistischer Konzern handelt so, wie kapitalistische Konzerne eben zu tun pflegen &#8211; man schaut nur auf den eigenen Profit, ethische, moralische und zur Not auch rechtliche Aspekte spielen dabei dann nur eine untergeordnete Rolle. Surpirse, surprise &#8230; Wer heute noch kein Produkt von einem Konzern gekauft oder genutzt hat, der genauso vorgeht, der werfe den ersten Stein! Eine Kritik an <em>Facebook<\/em> und seinen Praktiken sollte also zwingend auch immer eine Kritik an dem System, was derartige Konzerne erm\u00f6glicht, beinhalten, sonst bleibt sie in der reinen Skandalisierung mit Einzelfallcharakter stecken, die sp\u00e4testens dann uninteressant wird, wenn die n\u00e4chste Sau durchs Dorf getrieben wird.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es gen\u00fcgend Stimmen in Politik und Medien, die sich allerdings auch diebisch dar\u00fcber freuen, nun gegen <em>Facebook<\/em> schie\u00dfen zu k\u00f6nnen (und die vermutlich alle auch f\u00fcr das Verbreiten ihrer eigenen Ansichten selbst\u00a0<em>Facebook<\/em> nutzen): Zuckerbergs Netzwerk ist n\u00e4mlich schon auch eine Struktur, die Deutungshoheiten infrage stellt, die bis vor wenigen Jahren noch einige Medien ziemlich exklusiv innehatten. Denn Facebook ist f\u00fcr viele Menschen eine wichtige Informationsquelle geworden, auf der nun mal ungefiltert jeder Statements, Kommentare und Meinungs\u00e4u\u00dferungen hinterlassen kann. Dass dann auch viel Mumpitz dabei ist &#8211; bis hin zu inakzeptabler Hetze &#8211; liegt in der Natur der Sache, allerdings sollte Social Media nicht nur auf diesen Aspekt reduziert werden.<\/p>\n<p>Ich informiere mich beispielsweise auch viel \u00fcber <em>Facebook<\/em>, weil ich dort mit viele interessanten Leuten verbunden bin, die auch interessante Sachen posten und teilen, auf die ich sonst nie gekommen w\u00e4re. Heinz Peglau und Michael Bond, die beide ja auch schon Gastartikel hier auf <em>unterstr\u00f6mt<\/em> ver\u00f6ffentlicht haben, kenne ich beispielsweise nur \u00fcber <em>Facebook<\/em>. (Man kann dort nat\u00fcrlich auch nur Katzenbilder und sein Mittagessen posten, aber das liegt, wie bei allen Medien, ja immer auch am Einzelnen, wie er das nutzt.) Und genau diese M\u00f6glichkeit, sich unabh\u00e4ngig und selbstst\u00e4ndig zu informieren und auszutauschen, d\u00fcrfte eben genau jenen Politikern und auch Medienvertretern ein Dorn im Auge sein, die den Menschen lieber sagen, was sie wissen und am besten auch denken sollen. Bei aller Fragw\u00fcrdigkeit der verwendeten Algorithmen und der mitunter ekligen Firmenpolitik von <em>Facebook<\/em>, so bietet das Netzwerk doch letztlich auch eine zumindest in Teile anarchistische Spielwiese f\u00fcr unangepasste Meinungen.<\/p>\n<p>Oder um es mal auf diesen Blog zu beziehen: Ohne <em>Facebook<\/em> w\u00fcrden viele von Euch genau diese Zeilen gerade \u00fcberhaupt nicht lesen.<\/p>\n<p>Bei dem Popanz, zu dem Facebook gerade gemacht wird, sollte man also immer auch ber\u00fccksichtigen, dass es durchaus Leute gibt, die ein Interesse daran haben, dass weniger Menschen dieses Netzwerk nutzen, genauso wie man immer auch die Scheinheiligkeit mitdenken sollte, dass n\u00e4mlich nun diejenigen sich sehr echauffieren und den Untergang der Demokratie herbeireden, die selbst mit teilweise wesentlich fieseren \u00dcberwachungsmethoden, die jeden Datenschutz mit F\u00fc\u00dfen treten, arbeiten.<\/p>\n<p>Wie bei fast allem, so gilt auch hier (und vielleicht auch in Besonderem): Es ist nicht alles einfach nur schwarz-wei\u00df.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Facebook steht zurzeit massiv in der Kritik aufgrund der Enth\u00fcllungen eines Whistleblowers der Firma Cambridge Analytica. 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