{"id":10302,"date":"2018-04-05T23:34:25","date_gmt":"2018-04-05T21:34:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=10302"},"modified":"2018-04-06T09:21:08","modified_gmt":"2018-04-06T07:21:08","slug":"konsumverzicht-wie-klingt-konsumfreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=10302","title":{"rendered":"Konsumverzicht! Wie klingt Konsumfreiheit?"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem k\u00fcrzlich bei\u00a0<em>scobel<\/em>\u00a0(<em>3sat<\/em>) das Thema \u201eMacht der Lobbyisten\u201c meine Aversion gegen den blinden Konsum der Menschen sch\u00fcrte, hatte ich mal wieder den Gedanken, dieses Verhalten ins Bewusstsein der Leute\/Leser zu holen. Gibt es eigentlich schon einen internationalen Tag des Konsumverzichts? Und ist der Name nicht irgendwie unpassend, da\u00a0\u201eVerzicht\u201c nicht gerade einen positiven Anreiz verspricht?\u00a0Gerade habe ich das Buch\u00a0\u201e<a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=9409\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gute-Macht-Geschichten<\/a>\u201c durchgelesen, das sich mit der Umdeutung von Begriffen durch politische Akteure besch\u00e4ftigt (danke f\u00fcrs ausleihen, Karl). Ein klassisches Beispiel (welches mir schr\u00e4g im Magen liegt) w\u00e4re\u00a0\u201esozial Schwache\u201c: Menschen, die kaum finanzielle M\u00f6glichkeiten haben, die sind\u00a0\u201ewirtschaftlich schwach\u201c. Sozial schwach sind Leute wie Jens Spahn, die sich asozial und soziopathisch verhalten.<\/p>\n<p>Um mit dem Wort\u00a0\u201eVerzicht\u201c nicht gleich eine Abwehrhaltung bei den Leuten zu erzeugen, hatte ich dann eher an\u00a0\u201eTag der Konsumfreiheit\u201c gedacht (oder wie w\u00e4re \u201eTag der Produktsparsamkeit\u201c?). Eine kurze Suche ergab dann aber, dass es einen solchen Tag schon seit fast 20 Jahren in Deutschland gibt und dieser Tag sogar in bereits 60 L\u00e4ndern zelebriert wird: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kauf-nix-Tag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kauf-nix-Tag<\/a>. In diesem Jahr wird es der 23. November sein (in Deutschland immer der letzte Samstag im November, in den USA der letzte Freitag), kurz bevor Weihnachten die Leute wieder dazu bringt, unn\u00fctze Dinge zu kaufen, um nicht mit leeren H\u00e4nden dazustehen. Auch mir passierte das schon mit meiner Frau, denn \u201eeigentlich\u201c wollen wir uns nichts mehr schenken &#8230;<\/p>\n<p>Warum denn eigentlich auf den blinden Konsum aufmerksam machen (siehe <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=XBOsrd4_nEA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>\u00a0in einem zehnmin\u00fctigen Video)? Bin ich einfach nur neidisch, dass ich nicht das neuste iPhone, die freshesten Snipes Hoody oder die \u00fcberdimensionierteste Glotze in der Wohnk\u00fcche habe? G\u00f6nne ich den kapitalistischen Investoren die satten Gewinne nicht, die auf Kosten der \u00e4rmsten Menschen und ohne R\u00fccksichtnahme auf die Umwelt gemacht werden?\u00a0Vielleicht spielen diese Argumente (unbemerkt) eine Rolle, aber in erster Linie sehe ich, was die Macht der gro\u00dfen Konzerne mit uns allen und der Umwelt anstellt. Und was ich da so sehe, das macht mir schon zu einem gewissen Ma\u00dfe Angst (wenn ich nicht gerade lauthals \u00fcber die Bl\u00f6dheit der Menschheit an sich loslache).<\/p>\n<p>Bereits 2007 hatten Forscher des Z\u00fcricher Instituts f\u00fcr Systemgestaltung eine Studie ver\u00f6ffentlicht, die <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/Planet-Wissen\/Rund-150-Konzerne-regieren-die-Welt\/SWR-Fernsehen\/Video?bcastId=25233996&amp;documentId=47335468\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">147 Konzerne<\/a> (mehrheitlich Finanzkonzerne) als Inhaber der meisten Unternehmen weltweit ausmachte (wahrscheinlich hat sich die Lage seit den vergangenen zehn Jahren auch noch weiter zugespitzt). Diese Konzerne k\u00fcmmern sich folglich nicht um nationales Recht, denn durch die Ausnutzung von (sehr wahrscheinlich <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/wolfgang-schaeuble-wusste-frueh-von-steuertricks-der-banken-a-1133059.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">absichtlich durch die politischen Marionetten geschaffene<\/a>) Steuerl\u00fccken k\u00f6nnen Gewinne maximiert und Handelsauflagen umgangen werden (wie gerade die \u201e<a href=\"https:\/\/projekte.sueddeutsche.de\/paradisepapers\/politik\/das-ist-das-leak-e229478\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Paradise Papers<\/a>\u201c wieder eindrucksvoll gezeigt haben). Eine solche M\u00f6glichkeit des Vorteils durch Steuervermeidung und -verschiebung hat der einzelne Konsument und Steuerzahler nicht.<\/p>\n<p>Da wir also offensichtlich nicht auf die korrumpierten Politiker in Berlin zu hoffen brauchen, bleibt nur, das eigene Handeln zu hinterfragen und auf diese Weise seine politische, soziale und\/oder \u00f6kologische Meinung kundzutun. Und eine gewichtige und wenig aufwendige M\u00f6glichkeit ist es, sich beim Konsum von den Gro\u00dfkonzerne abzuwenden. Einfach ist es bei unn\u00f6tigen K\u00e4ufen: Dinge, die wir bereits besitzen, von denen wir aber mehrere oder das neuste Modell meinen zu ben\u00f6tigen (Smartphone, Tablets, Fernseher &#8230;). Dann kommen die Dinge, die wir nur ben\u00f6tigen, weil andere sie auch haben: Quadrocopter, Mode, Handwerksger\u00e4te (die nur einmal im Jahr benutzt werden und deshalb besser geliehen werden k\u00f6nnten). Als N\u00e4chstes habe ich die Abonnements im Auge, die nur anfangs intensiv genutzt werden und dann eigentlich wieder abbestellt geh\u00f6ren: Apple-Music, Spotify, Deezer, Netflix, Amazon Prima &amp; Co. Am Ende kommen die Lebensmittel: Auch hier k\u00f6nnte man sich \u00fcberlegen, ob unterwegs wirklich jeder Kaffee to go, jeder Energydrink, jede Backware oder jede S\u00fc\u00dfigkeit \u201esinnvoll\u201c sind (\u00f6kologisch, \u00f6konomisch und f\u00fcr die eigene Figur).<\/p>\n<p>Dann noch ein kleiner Nachtrag zur gerade genannten Aufstellung: was f\u00fcr viele ein unverzichtbarer Teil ist wegen seiner vermeintlichen Kostenlosigkeit (man zahlt mit seinen Daten und denen seiner Kontakte): (Un)Social Media wie Facebook, WhatsApp, Google und dergleichen. Das sind die gr\u00f6\u00dften und m\u00e4chtigsten Firmen nach den Finanzdienstleistern. Und genau diese stehen nun am Ende meiner Aufz\u00e4hlung: Finanzprodukte und die Maximierung der sogenannten\u00a0\u201eGewinne\u201c (angelegtes Geld bei Banken, was letzten Endes Geld ist, dass von den \u00c4rmsten zu den reichen Industrienationen umgeschichtet wird). Auch mit der Anlage unseres Geldes finanzieren fast alle Banken die Gesch\u00e4fte der \u201eBig Player\u201c (R\u00fcstungsgesch\u00e4fte, Pharmakonzerne, Nestl\u00e9 &#8230;).<\/p>\n<p>Ich habe den Kauf-nix-Tag zwar relativ sp\u00e4t entdeckt, allerdings ist bei mir fast immer Konsumfreiheit. Kein Produkt ist so umwelt- und portemonnaifreundlich wie ein nicht produziertes Produkt! Und kein Schn\u00e4ppchen dieser Welt bringt den Konzernen weniger Gewinn (denn den Preisnachlass zahlt der Einzelhandel, nicht der Produzent). Und f\u00fcr alle, die es noch nicht wussten: Weniger Krempel bedeutet auch weniger Zeugs, um das man sich sorgen, es verstauen oder sonst wie k\u00fcmmern muss (Reparaturen, Aufladen, Verleihen, im Auge behalten &#8230;). KonsumFREIHEIT eben! ;)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem k\u00fcrzlich bei scobel\u00a0(3sat) das Thema \u201eMacht der Lobbyisten\u201c meine Aversion gegen den blinden Konsum der Menschen sch\u00fcrrte, hatte ich mal wieder den Gedanken, dieses Verhalten ins Bewusstsein der Leute\/Leser zu holen. Gibt es eigentlich schon einen internationalen Tag des Konsumverzichts? 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