{"id":10807,"date":"2018-05-22T11:16:35","date_gmt":"2018-05-22T09:16:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=10807"},"modified":"2018-05-22T12:08:50","modified_gmt":"2018-05-22T10:08:50","slug":"der-umgang-mit-den-provokationen-der-afd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=10807","title":{"rendered":"Der Umgang mit den Provokationen der AfD"},"content":{"rendered":"<p>Letzte Woche war die AfD nach einer Rede von Alice Weidel in der Haushaltsdebatte des Bundestages ja mal wieder in aller Munde, da die AfD-Vorsitzende nat\u00fcrlich mal wieder nicht Inhaltliches oder gar Konstruktives beizutragen hatte, sondern nur mit rassistischer Hetze (ich gebe jetzt hier nicht wieder, was Weidel von sich gegeben hat) provozierte &#8211; das \u00fcbliche Vorgehen der AfD, was ja Alexander Gauland vor etwa eineinhalb Jahren genau so in einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZPRJYeCOcFs\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview mit dem <em>ZDF Morgenmagazin<\/em><\/a> auch ganz eindeutig und offen benannte. Man k\u00f6nnte diesen Vorfall also eigentlich unbeachtet zu den Akten legen, allerdings war genau dies nicht der Fall: Es wurde ausgiebig dar\u00fcber berichtet und sich echauffiert &#8211; also genau das gemacht, was Weidels alleinige Intention bei ihrer Rede gewesen sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Entsprechende Reaktionen gab es dann auch auf diese Rede bzw. die Berichterstattung dar\u00fcber, exemplarisch zu sehen auf der <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/berichtausberlin\/videos\/1957700710915609\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Facebook<\/em>-Seite vom <em>Bericht aus Berlin<\/em><\/a>, einer Sparte der <em>ARD tagesschau<\/em>.\u00a0Wenn man sich die Kommentare der AfD-J\u00fcnger dort anschaut, dann sieht man, was passiert, wenn man auf diese gezielten Provokationen von Weidel und Co. eingeht und dar\u00fcber berichtet: Man liefert der Meute Futter.<\/p>\n<p>Nun frage ich mich: Ist man hier beim \u00f6ffentlich-rechtlichen <em>Bericht aus Berlin<\/em> wirklich so journalistisch unbeschlagen, um das nicht zu erkennen, oder macht man das extra, um das Ganze in eine Art AfD-Fanseite ausarten zu lassen? Nat\u00fcrlich mag es auch sein, dass in der Hektik des journalistischen Alltags, der ja auch durch eine immer st\u00e4rker zunehmende Arbeitsverdichtung gekennzeichnet ist, solche Frage nicht bedacht oder gar er\u00f6rtert werden, aber auch das w\u00e4re ja nicht gerade ein Ruhmesblatt f\u00fcr journalistische Qualit\u00e4t, oder?<\/p>\n<p>Wie man&#8217;s also dreht und wendet: Es ist in jedem Fall ein Trauerspiel, wie hier von \u00f6ffentlich-rechtlicher Seite der AfD zugearbeitet wird (und das ja \u00fcbrigens nicht zum ersten Mal, wie ich <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=9323\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> bereits schon einmal beschrieben habe).<\/p>\n<p>Und genau das ist ja auch die Strategie der AfD: Mangels konstruktiver Inhalte wird auf Provokation gesetzt. Weidel h\u00e4lt also ganz bewusst ein St\u00f6ckchen hin, denn sie wei\u00df, wie die \u00d6ffentlichkeit reagieren wird, wenn sie so was in einer Bundestagsrede von sich gibt. Ihre J\u00fcnger feiern sie, alle anderen (und eben leider auch professionelle Journalisten, deren Aufgabe es eigentlich sein sollte, so was zu erkennen) springen \u00fcber das hingehaltene St\u00f6ckchen und berichten emp\u00f6rt dar\u00fcber, was wiederum nicht nur Werbung f\u00fcr die AfD ist, sondern auch in Form von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Framing_(Kommunikationswissenschaft)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Framing<\/a> deren Inhalte weiterverbreitet.<\/p>\n<p>Und wenn das Ganze dann schon mal so in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit gezerrt wurde, dann kann danach auch noch aufgrund der einkalkulierten Emp\u00f6rung und der R\u00fcge durch Bundestagspr\u00e4sident Wolfgang Sch\u00e4uble (CDU) sch\u00f6n weiter am Opfermythos der AfD gestrickt werden: Alle gegen uns, wir gegen das Establishment! Dass der Support hierf\u00fcr vor allem vom medialen Establishment kommt, wird dabei dann nat\u00fcrlich komplett ausgeblendet.<\/p>\n<p>So simpel und vorhersehbar, und dennoch machen alle wieder munter mit, auch Profijournalisten, denen derartige Mechanismen ja eigentlich klar sein sollten.<\/p>\n<p>Das soll nun nicht hei\u00dfen, dass man die AfD komplett ignorieren sollte, ganz im Gegenteil. Schlie\u00dflich gibt es doch so viele Sachen, die man noch mit gr\u00f6\u00dferer Verbreitung \u00fcber die AfD berichten k\u00f6nnte, die der Partei gar nicht so recht sind und die diese nicht prominent im \u00f6ffentlichen Diskurs haben m\u00f6chte, so z. B. deren \u00fcberproportionaler Hang zu Kriminalit\u00e4t (s. <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/afd--so-kriminell-sind-die-abgeordneten-der-rechtspopulisten-7973706.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.swp.de\/suedwesten\/staedte\/heidenheim\/vorermittlungen-gegen-heidenheimer-afd-abgeordneten-heiner-merz-25451582.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Oder die marktradikal-unsozialen Aspekte aus deren Parteiprogramm, die ja von vielen AfD-Fans nur allzu gern ausgeblendet werden. Oder die immer offensichtlicheren Verbindungen der Partei zu Rechtsextremen und Neonazis (s. <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Eine-ganz-normale-Nazi-Partei-4049159.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Aber davon bekommen die meisten deutschen Mediennutzer dann eher weniger mit.<\/p>\n<p>Und \u00fcber solche Verbalausf\u00e4lle wie jetzt aktuell von Alice Weidel k\u00f6nnte man beispielsweise folgenderma\u00dfen berichten, um sich nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sehen, die AfD einfach zu ignorieren (denn dann k\u00f6nnten die wieder ihre hei\u00df geliebte Opferrolle betonen):\u00a0\u201eIn der Haushaltsdebatte im Bundestag hatte die AfD wieder einmal nichts Inhaltliches beizutragen, sondern hat sich ausschlie\u00dflich in rassistischer Stimmungsmache ge\u00fcbt, um zu provozieren. Daf\u00fcr gab es dann vom Bundestagspr\u00e4sidenten auch eine R\u00fcge, um deutlich zu machen, dass derartige Aufwiegelei in einem konstruktiven politischen Diskurs nichts zu suchen hat.\u201c Und fertig. Dass n\u00e4mlich sonst bei Zitaten aus Weidels Rede genau die von der AfD so gern verwendeten hetzerischen Begriffe und Formulierungen immer weiter im \u00f6ffentlichen Diskurs etabliert werden, wird von der Rechtspartei ja gerade auch einkalkuliert. Aber derartige Berichterstattung findet man dazu leider kaum bis gar nicht.<\/p>\n<p>So best\u00e4tigt sich die (<a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=10084\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> bereits formulierte) Vermutung, dass die neoliberalen\u00a0\u201eEliten\u201c in Politik, Medien und Wirtschaft nach wie vor die AfD nutzen, um sich selbst und das immer offensichtlicher marode Wirtschaftssystem zu st\u00fctzen, indem sie deren primitiver und destruktiver Strategie der ausschlie\u00dflichen Provokation eine gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeit verschaffen. Gerade Journalisten sollten dabei dann vielleicht mal einen genaueren Blick auf das Programm der AfD und die entsprechenden Aussagen von deren Personal werfen, was denn dort so von der Pressefreiheit gehalten wird. Dann sollte dem einen oder anderen der schreibenden Zunft vielleicht klar werden, dass zu eifriges St\u00f6ckchenspringen dann doch mal zur Abschaffung des eigenen Berufsstandes f\u00fchren k\u00f6nnte &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche war die AfD nach einer Rede von Alice Weidel in der Haushaltsdebatte des Bundestages ja mal wieder in aller Munde, da die AfD-Vorsitzende nat\u00fcrlich mal wieder nicht Inhaltliches oder gar Konstruktives beizutragen hatte, sondern nur mit rassistischer Hetze (ich gebe jetzt hier nicht wieder, was Weidel von sich gegeben hat) provozierte &#8211; das \u00fcbliche Vorgehen der AfD, was ja Alexander Gauland vor etwa eineinhalb Jahren genau so in einem Interview mit dem ZDF Morgenmagazin auch ganz eindeutig und offen benannte. Man k\u00f6nnte diesen Vorfall also eigentlich unbeachtet zu den Akten legen, allerdings war genau dies nicht der Fall: Es wurde ausgiebig dar\u00fcber berichtet und sich echauffiert &#8211; also genau das gemacht, was Weidels alleinige Intention bei ihrer Rede gewesen sein d\u00fcrfte.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[67,50],"tags":[141,288],"class_list":["post-10807","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medial-manipulatives","category-politisches","tag-afd","tag-rechtsruck"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10807","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10807"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10807\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10847,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10807\/revisions\/10847"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10807"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10807"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10807"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}