{"id":10937,"date":"2018-06-06T21:15:34","date_gmt":"2018-06-06T19:15:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=10937"},"modified":"2018-06-10T20:30:48","modified_gmt":"2018-06-10T18:30:48","slug":"vielfalt-und-einfalt-der-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=10937","title":{"rendered":"Vielfalt und Einfalt der Medien"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt unz\u00e4hlige Tageszeitungen, Nachrichtensendungen und Apps, um sich auf dem Laufenden zu halten. Dabei sind die Unterschiede in Qualit\u00e4t, politischer Ausrichtung und Art der Pr\u00e4sentation teilweise gravierend und teilweise eben auch erschreckend gering. Wie sorge ich f\u00fcr einen weit gef\u00e4cherten Medienkonsum und informiere mich vielseitig? Wie vermeide ich die sogenannte Filterblase und den Elfenbeinturm? Und welche Medien sollte ich besser meiden?<\/p>\n<p>Um es kurz zu machen: Es gibt keine universelle Antwort, genauso wenig wie es eine universelle Quelle der Wahrheit gibt! Dabei ist die Komplexit\u00e4t der Information ein entscheidendes Kriterium, ob vielleicht eine Quelle ausreicht (bei Fu\u00dfballergebnissen und Lottozahlen ist die Fehlerquote eher gering, und eine Quelle sollte langen). Sobald aber ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der aus mehr als nackten Zahlen besteht, beginnt es knifflig zu werden. Dazu f\u00e4llt mir auch gleich mal ein bekanntes Zitat ein:<\/p>\n<blockquote><p>Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>&#8211; Andr\u00e9 Gide<\/em><\/p>\n<p>Das Thema kommt hier immer wieder zur Sprache, sodass ich nun auch mal zum Punkt kommen m\u00f6chte: Zu jedem Beitrag, der meiner Meinung entspricht, sollte ich zumindest einen Beitrag lesen, der eine komplett andere Meinung beleuchtet. Das kann einfach sein, wenn es z. B. um klassisch linke oder rechte Positionen geht. Um hier eine Einsch\u00e4tzung leisten zu k\u00f6nnen, hilft der\u00a0\u201e<a href=\"https:\/\/swprs.org\/medien-navigator\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Medien-Navigator<\/a>\u201c der <em>Swiss Propaganda Research<\/em>. Hier werden bekannte Tages- und Wochenzeitungen nach ihrer politischen und geopolitischen Ausrichtung in einem Diagramm dargestellt. In der PDF-Version gelangt man direkt zur Website der Zeitung und kann sich so schnell \u00fcber die Suche zu einem Thema bei einem anders ausgerichteten Medium informieren.<\/p>\n<p>Wie sehr die \u00f6ffentliche Meinung von der Presse gelenkt wird, wurde gerade erst wieder an der einseitig russlandfeindlichen Berichterstattung in den Nachrichten der \u00f6ffentlich-rechtlichen TV-Sender deutlich: der Fall Skipal. Einen sehr guten <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2018\/mai\/der-fall-skripal-schwarze-paedagogik-einer-wertegemeinschaft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bericht zum Thema<\/a> hatten wir hier vor Kurzem in den w\u00f6chentlichen Hinweisen verlinkt, weshalb ich den Beitrag in den <em>Bl\u00e4ttern f\u00fcr deutsche und internationale Politik<\/em> gern noch einmal verlinken m\u00f6chte. Gerade bei dieser Diskussion fiel es mir in den vergangenen Tagen auf, wie einfach wir Menschen es uns machen, mehr aus dem Bauch heraus als mit dem Verstand zu argumentieren: Ist eine Zeitung oder eine Sendung gegens\u00e4tzlich zu meiner Meinung positioniert, finde ich schnell Gr\u00fcnde, dieses Medium f\u00fcr unseri\u00f6s zu erkl\u00e4ren (wobei von mir favorisierte Medien sich vielleicht schon den gleichen Schnitzer erlaubt haben, der dort aber toleriert worden ist).<\/p>\n<p>Einen unterhaltsamen, informativen und nat\u00fcrlich kritischen Beitrag zum Thema lieferte der Schweizer Historiker\u00a0Daniele Ganser mit einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4bF-3rulJz0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">einst\u00fcndigen Vortrag Anfang M\u00e4rz in Basel<\/a>. Der Titel\u00a0\u201eK\u00f6nnen wir den Medien vertrauen?\u201c zeigt dabei schon, dass es um die kritische Hinterfragung popul\u00e4rer Leitmedien geht. Es geht eindeutig nicht um die Verteuflung der Leitmedien, sondern um den kritischen Blick und die eigene Reaktion auf Bilder und Schlagzeilen. Vor allem der Hinweis auf die \u00fcberschaubare Anzahl an Presseagenturen und deren Einheitsbrei hatte ja auch <em>Die Anstalt<\/em> <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MOpNkgFTuBU\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">k\u00fcrzlich prima verwurstet<\/a>. Da von Vielfalt zu schreiben ist wahrlich eine Farce von mir.<\/p>\n<p>Am Ende stehen immer der eigene Kopf und die Schranken, die wir selbst errichtet haben und nun verteidigen. Da wir unsere gefestigte Meinung als Teil unseres Selbstbildes wahrnehmen, werden gegenl\u00e4ufige Meinungen und Kritik an unserer Meinung als Angriff auf unsere Person gewertet und entsprechend abgestraft. Wenn ich also h\u00f6re, dass z. B. in Darmstadt\u00a0\u201edie Fl\u00fcchtlinge 2 % der Bev\u00f6lkerung ausmachen, aber f\u00fcr 11 % der Sexualdelikte verantwortlich sind\u201c, dann suche ich sofort nach Gegenargumenten und stehe der Aussage sehr kritisch gegen\u00fcber. Anders herum nehme ich jeden m\u00f6glichen Bestechungsvorwurf an Spitzenpolitiker dankend in meine Meinungsbibliothek auf. Auch hier hilft nur die kritische Selbstreflexion, um auch unangenehmen Sachverhalten eine Chance auf einen gewissen Wahrheitsgehalt zu geben. Wie in den meisten F\u00e4llen stehen wir uns auch bei diesem Thema mehr selbst im Weg, als dass wir andere daf\u00fcr verantwortlich machen k\u00f6nnen &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt unz\u00e4hlige Tageszeitungen, Nachrichtensendungen und Apps, um sich auf dem Laufenden zu halten. 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