{"id":12185,"date":"2018-10-09T22:40:25","date_gmt":"2018-10-09T20:40:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=12185"},"modified":"2020-03-04T11:25:25","modified_gmt":"2020-03-04T10:25:25","slug":"ja-ich-bin-links-oder-warum-deutliche-positionen-heute-wieder-wichtig-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=12185","title":{"rendered":"Ja, ich bin links. Oder: warum deutliche Positionen heute wieder wichtig sind."},"content":{"rendered":"<p>Ich bin in keiner Partei, in keinem Verein, habe keine Clique und nicht mal ein Zeitschriftenabo. Kurz gesagt: Ich hatte generell nie so sehr das Bed\u00fcrfnis, f\u00fcr irgendwas Flagge zu zeigen. Das hat sich in den letzten Monaten ge\u00e4ndert. Ausschlaggebend ist die zunehmende Diffamierung von &#8222;links&#8220; bzw. die mediale Gleichsetzung von &#8222;links&#8220; und &#8222;rechts&#8220;. Beide Trends machen es meiner Meinung nach notwendig, sich zu positionieren, auch und vor allem \u00f6ffentlich.<\/p>\n<p><strong>Schubladendenken?<\/strong><\/p>\n<p>Links, rechts, oben, unten &#8230; Braucht man diese Zuordnungen und, wenn ja, wozu eigentlich? Diese Frage finde ich wirklich sehr spannend und sie begegnet mir oft in sozialen Netzwerken, z. B. so:<\/p>\n<p>&#8222;Vielleicht sollte man sich gar nicht fragen, was \u201alinks\u2018 ist. Man sollte eher fragen, was allgemein \u201asozial\u2018, \u201ademokratisch\u2018 und \u201amenschenw\u00fcrdig\u2018 ist &#8211; und so viele andere Dinge, die noch dazugeh\u00f6ren.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Und aufh\u00f6ren, alle Menschen in Schubladen ablegen zu wollen. Weder ist links richtig noch rechts! Diese Spaltung ist einfach nur noch l\u00e4cherlich!&#8220;<\/p>\n<p>Spontan m\u00f6chte ich beiden recht geben, denn sie kommen mir und meiner Meinung entgegen: Schubladen brauche ich nicht, und was die Definition von &#8222;menschenw\u00fcrdig&#8220; angeht, kann es ja sowieso nur die eine, einzig wahre geben, oder?<\/p>\n<p><strong>Der Streit um die Definitionshoheit<\/strong><\/p>\n<p>Das Problem: Der Streit darum, was &#8222;gut&#8220; ist, hat l\u00e4ngst begonnen. Oder genauer gesagt: der Streit dar\u00fcber, wer &#8222;das Gute&#8220; definiert, vertritt, durchsetzt. Und wer glaubt, es gebe f\u00fcr Schlagw\u00f6rter wie z. B. &#8222;Gerechtigkeit&#8220; und &#8222;sozial&#8220; nur die eine Definition, der irrt.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren wurde deutlich: Traditionell &#8222;links&#8220; zu verortende Begrifflichkeiten werden ebenso gern von Gruppierungen verwendet, die sich weiter &#8222;rechts&#8220; im politischen Spektrum einordnen.<\/p>\n<p>Seinen vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt findet das im Stichwort &#8222;Linke Sammlungsbewegung&#8220;, und genau hier ist auch das o. g. Zitat einzuordnen. Also die Fragestellung: gute Idee, aber wieso muss das &#8222;links&#8220; definiert sein?<\/p>\n<p>Und hier ist mir klar geworden: Weil es nur SO sein kann. Es ist eine &#8222;linke&#8220; Bewegung, weil es um Grunds\u00e4tze geht, die eine VERBINDENDE Wirkung innerhalb der Gesellschaft haben, und es um GleichWERTIGKEIT innerhalb einer Gesellschaft geht. Und ja, das unterscheidet sich &#8211; muss sich unterscheiden &#8211; von Bewegungen des rechten Spektrums.<\/p>\n<p><strong>Die Nuancen sind entscheidend<\/strong><\/p>\n<p>In der \u00f6ffentlichen Debatte scheinen viele Ziele unterschiedlicher politischer Gruppen auf den ersten Blick gleich zu sein. Gute Jobs und gute Bezahlung f\u00fcr alle, eine gesunde Umwelt &#8230; Das ist ja auch nur logisch, eine Frage des &#8222;gesunden Menschenverstandes&#8220;, solche Ziele zu vertreten.<\/p>\n<p>Die Weichen werden aber im &#8222;Kleingedruckten&#8220; gestellt. Eines der Hauptmerkmale in der Unterscheidung zwischen &#8222;links&#8220; und &#8222;rechts&#8220; ist die vorgesehene Stellung der Menschen zueinander: W\u00e4hrend in &#8222;linken&#8220; Ausrichtungen Menschen mehrheitlich als gleichwertig angesehen werden, werden diese in &#8222;rechten&#8220; Gruppierungen aufgrund von unver\u00e4nderlichen Merkmalen gern mal hierarchisch angeordnet. Also in \u201eoben\u201c und \u201eunten\u201c.<\/p>\n<p>Das klingt zwar ein wenig kompliziert, wird aber in der Praxis einfach sichtbar: immer feste druff auf Gruppierungen von Menschen, die als minderwertig diffamiert werden.<\/p>\n<p>Eine &#8222;rechte&#8220; Sichtweise impliziert eben auch: Es gibt Menschen, die &#8222;es verdient haben&#8220;, hier zu leben, die aber auch permanent &#8222;bedroht&#8220; werden von &#8222;anderen&#8220;. Da wird kommunikativ gearbeitet mit dem Stilmittel &#8222;Angst&#8220; und der daraus folgenden &#8222;Notwendigkeit der Verteidigung&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Das &#8222;Rechts-Links-Denken&#8220; nicht ablegen, sondern verst\u00e4rken<\/strong><\/p>\n<p>Die so definierte Unterscheidung macht es mir pers\u00f6nlich sehr leicht, mich zu definieren:\u00a0 Das &#8222;Miteinander&#8220; ist mir wichtig, ich m\u00f6chte kein Gegeneinander. Gerechtigkeit ist mir wichtig, aber nicht auf Kosten anderer. Ich bin links, alles andere ist indiskutabel.<\/p>\n<p>In der allt\u00e4glichen Bewertung von Themen, Meinungen bedeutet das: Je mehr &#8222;gleiche&#8220;, \u00fcbergeordnete Ziele es auf der politischen Landkarte gibt, umso mehr muss ich auf die Feinheiten achten. Es macht sehr wohl einen Unterschied, welche Partei &#8222;soziale Gerechtigkeit&#8220; fordert!<\/p>\n<p>Auch scheint es mir umso wichtiger, die eigene generelle Position nicht nur f\u00fcr mich selbst durchzudefinieren, sondern in Diskussionen auch \u00f6ffentlich kundzutun.<\/p>\n<p>Denn wenn &#8222;Links&#8220; meine Geisteshaltung ist, habe ich keine grunds\u00e4tzliche Basis, mit &#8222;Rechts&#8220; konstruktiv zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Was n\u00fctzt es da, vereinzelte Themen &#8222;gemeinsam zu haben&#8220; und sich f\u00fcr solch einen Fall zu &#8222;verbr\u00fcdern&#8220; oder auch nur nett zueinander zu sein? Ich meine: Damit unterst\u00fctze ich nur Menschen und Ideen des rechten Spektrums dabei, &#8222;salonf\u00e4hig&#8220; zu werden, und das hie\u00dfe dann, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p>Linke Ideen, Ziele und Bewegungen sollten als das verteidigt werden, was sie sind: links. Sicher sind sie auch universellerer Natur, aber eine solche Definition \u00f6ffnet nur T\u00fcr und Tor f\u00fcr Kaperer, die sich Ideen zu eigen machen, aber andere Ziele verfolgen.<\/p>\n<p>Was links ist, soll links bleiben. Oder, und auch das ist ein Zitat aus einer Facebook-Diskussion: &#8222;Was Du mit \u201alinks\u2018 ausgedr\u00fcckt hast, sind Vorstellungen und Ideen des &#8218;Herzens&#8216;, und das sitzt nun mal links.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastartikel von Tina Voggenreiter<\/p>\n<p>Ich bin in keiner Partei, in keinem Verein, habe keine Clique und nicht mal ein Zeitschriftenabo. Kurz gesagt: Ich hatte generell nie so sehr das Bed\u00fcrfnis, f\u00fcr irgendwas Flagge zu zeigen. Das hat sich in den letzten Monaten ge\u00e4ndert. Ausschlaggebend ist die zunehmende Diffamierung von &#8222;links&#8220; bzw. die mediale Gleichsetzung von &#8222;links&#8220; und &#8222;rechts&#8220;. Beide Trends machen es meiner Meinung nach notwendig, sich zu positionieren, auch und vor allem \u00f6ffentlich.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[50,52],"tags":[541,542,554],"class_list":["post-12185","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politisches","category-soziales","tag-links","tag-rechts","tag-schubladendenken"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12185","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12185"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12185\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19699,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12185\/revisions\/19699"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12185"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12185"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}