{"id":12241,"date":"2018-10-13T16:16:47","date_gmt":"2018-10-13T14:16:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=12241"},"modified":"2018-10-13T20:29:13","modified_gmt":"2018-10-13T18:29:13","slug":"eine-gewagte-ueberlegung-zum-nachdenken-zum-selbst-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=12241","title":{"rendered":"Eine gewagte \u00dcberlegung &#8211; zum Nachdenken, zum Selbstdenken"},"content":{"rendered":"<p>Selten \u00e4u\u00dfere ich mich zur Zukunft, male mir aus, wie die Zukunft sein k\u00f6nnte. Dazu ist die Zukunft zu chaotisch, die Wege, die wir einschlagen k\u00f6nnten, sind zu ungewiss. Meist besch\u00e4ftige ich mich mit dem Hier und Jetzt und mache Vorschl\u00e4ge, die im Hier und Jetzt, im Morgen, aber nicht im \u00dcbermorgen umzusetzen w\u00e4ren. Auch wenn ich als \u00f6konomisch ausgebildeter Mensch mich t\u00e4glich mit Prognosen besch\u00e4ftigen muss, so habe ich nie den Glauben an diese Prognosen verinnerlichen k\u00f6nnen, sie eher als Hilfsmittel zur Gedankensortierung angesehen denn als wissenschaftlich fundierte Handlungsanweisungen. Die Naivit\u00e4t der Politik in diese Akzeptanz, ja Allmacht der \u00d6konomie habe ich nie teilen k\u00f6nnen, auch nie verstehen wollen. Alfred Marshall, der gro\u00dfe \u00d6konom, war hier Leitbild f\u00fcr mich, der sagte &#8222;Verbrennt die Mathematik&#8220;, obwohl auch er sie nat\u00fcrlich benutzte, um seinen Gedanken ein gewisses Fundament zu geben. Er wusste schon, was er sagte, er wusste n\u00e4mlich, so wie ich es wei\u00df, dass die \u00d6konomie nur ein Teil der Wirklichkeit ist und oft nicht einmal der wichtigste Teil. Aber dazu ein andermal vielleicht mehr. Hier m\u00f6chte ich von dieser mir selbst gesetzten Beschr\u00e4nkung einmal abweichen und eine gewagte These zur Zukunft zum Nachdenken, zum Selbstdenken des geneigten Lesers in den Raum stellen. Denn sie besch\u00e4ftigt mich doch schon seit einiger Zeit und will \u00f6ffentlich gemacht werden.<\/p>\n<p>Ich behaupte: Je weiter der technische Fortschritt fortschreitet, desto mehr Konzentration, monet\u00e4re wie geografische, werden wir bekommen und umso weniger wird die Gesellschaft \u00fcber einen gemeinsamen Gesellschaftsvertrag zusammenzuhalten sein, weil dieser die Heterogenit\u00e4t der Interessen gar nicht mehr abbilden kann. F\u00fcr mich ist beides zwangsl\u00e4ufig, weil Folge eines v\u00f6llig missverstandenen Liberalismus, der weder der Eigentumsakkumulation in der H\u00f6he noch in der Zeit Grenzen zu setzen wei\u00df, diese auch gar nicht setzen will. Ich jedenfalls sehe keinerlei Anzeichen daf\u00fcr in den Gesellschaften, welche von Bedeutung w\u00e4ren, Bedeutung kurz- oder mittelfristig erlangen k\u00f6nnten, und auch deshalb wird in den Parteien des demokratischen Spektrums nicht einmal ansatzweise \u00fcber die angebliche Alternativlosigkeit des Neoliberalismus derzeit nachgedacht.<\/p>\n<p>Wir sind jetzt schon auf diesem Weg sehr weit fortgeschritten, sichtbar am vermeintlich Verbindenden des wiedererstarkten\u00a0<span class=\"text_exposed_show\">Patriotismus, an den Gerechtigkeitsanworten dieser Gesellschaft, an den Bewegungen, die sich den Folgen widmen, aber nicht den Ursachen, auch dann, wenn sie es vorgeben tun zu wollen.<\/span><\/p>\n<div class=\"text_exposed_show\">\n<p>Sichtbar an den Ballungsr\u00e4umen und ihrer politischen Dominanz \u00fcber die Regionen, deren Abh\u00e4ngigkeiten von den Ballungsr\u00e4umen, der Macht der Ballungsr\u00e4ume, die gesellschaftlich relevanten Themen setzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sichtbar auch an der Not in den Ballungsr\u00e4umen, welche l\u00e4ngst wieder eine Teilung in Diener und Bediente offensichtlich hat werden lassen. Noch nicht in der aristokratischen Version, aber l\u00e4ngst in einer b\u00fcrgerlichen, ja gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Auspr\u00e4gung in so manchen Stadtteilen.<\/p>\n<p>Sichtbar an den im Sozialen immer schw\u00e4cher und unglaubw\u00fcrdiger werdenden Staaten und deren gleichzeitiger Aufr\u00fcstung der inneren und \u00e4u\u00dferen Sicherheit, um gerade in den Ballungsr\u00e4umen den Frieden zu bewahren, den sie durch ihre eigene Politik erst in Gefahr gebracht hatten.<\/p>\n<p>Eine Beherrschung der Gesellschaft scheint sich anzubahnen, welche denen die Macht geben wird, welche die Ballungszentren beherrschen, eine Oligarchie der Stadt \u00fcber das Land und in den St\u00e4dten eine der Apartments und Villen \u00fcber die Randbereiche der Stadt, die Kellerwohnungen, scheint mir die Zukunft zu sein. Staaten werden dann nur noch \u00fcber die gemeinsame Fahne zusammenzuhalten sein, wenn \u00fcberhaupt. Ulrike Gu\u00e9rots Vision von einem Europa der Regionen k\u00f6nnte Wirklichkeit werden, anders allerdings, als sie sich das w\u00fcnscht, st\u00e4dtischer, b\u00fcrgerlicher, gro\u00dfb\u00fcrgerlicher, spie\u00dfb\u00fcrgerlicher, viel ungleicher, viel uneiniger, als eine Republik eigentlich sein sollte, sein darf.<\/p>\n<p>Man kann das alles nat\u00fcrlich nun \u00e4ngstlich betrachten und damit negativ. Man kann es jedoch auch als Herausforderung sehen, wie ich, sofern meine These stimmt, und sich fr\u00fchzeitig Gedanken machen, wie man auch solche Gemeinschaften organisieren kann, sodass einer Ausbeutung der Menschen von vornherein ein Riegel vorgeschoben werden kann, dass mehr als nur der Handel zwischen den St\u00e4dten, die Produktion und damit wieder nur die Konkurrenz und der Wettbewerb bestimmend sein werden.<\/p>\n<p>Aber auch wenn meine These nicht stimmt oder nur zu einem kleinen Teil stimmen sollte, so ist eines sicher in meinen Augen: Der Nationalstaat, eine R\u00fcckbesinnung darauf, wird keine Antworten geben k\u00f6nnen, welche der Herausforderung durch den technischen Fortschritt, durch die Eigentumsakkumulation und den damit Hand in Hand gehenden sozialen R\u00fcckschritten geben k\u00f6nnte. Die Welt ist daf\u00fcr zu klein geworden und wird nicht wieder schrumpfen, nur weil Nationalisten von gestern, von links oder rechts, dies gern so h\u00e4tten. Die Antworten m\u00fcssen wir mit anderen Mitteln suchen und finden.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selten \u00e4u\u00dfere ich mich zur Zukunft, male mir aus, wie die Zukunft sein k\u00f6nnte. Dazu ist die Zukunft zu chaotisch, die Wege, die wir einschlagen k\u00f6nnten, sind zu ungewiss. Meist besch\u00e4ftige ich mich mit dem Hier und Jetzt und mache Vorschl\u00e4ge, die im Hier und Jetzt, im Morgen, aber nicht im \u00dcbermorgen umzusetzen w\u00e4ren. Auch wenn ich als \u00f6konomisch ausgebildeter Mensch mich t\u00e4glich mit Prognosen besch\u00e4ftigen muss, so habe ich nie den Glauben an diese Prognosen verinnerlichen k\u00f6nnen, sie eher als Hilfsmittel zur Gedankensortierung angesehen denn als wissenschaftlich fundierte Handlungsanweisungen. Die Naivit\u00e4t der Politik in diese Akzeptanz, ja Allmacht der \u00d6konomie habe ich nie teilen k\u00f6nnen, auch nie verstehen wollen. 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