{"id":12653,"date":"2018-11-06T16:32:42","date_gmt":"2018-11-06T15:32:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=12653"},"modified":"2018-11-06T16:33:49","modified_gmt":"2018-11-06T15:33:49","slug":"der-kapitalismus-im-spannungsfeld-des-technischen-und-des-gesellschaftlichen-fortschritts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=12653","title":{"rendered":"Der Kapitalismus im Spannungsfeld des technischen und des gesellschaftlichen Fortschritts"},"content":{"rendered":"<p>Der Kapitalismus wird nicht von M\u00e4rkten getrieben, nicht von Preisen und auch nicht von Geld und schon gar nicht von der Gier. Der Kapitalismus braucht auch den Wettbewerb nicht, sieht diesen meist sogar als hinderlich an, weshalb Kapitalisten auch immer bestrebt sind, den Wettbewerb als Allererstes auszuschalten. Schon Adam Smith wusste dies und forderte gerade deshalb einen starken Staat, wird immer noch zu Unrecht als Vater des Neoliberalismus in Anspruch genommen von meist wirtschaftsliberalen Menschen, also den Profiteuren einer neoliberalen, in Ungleichheit und Ungerechtigkeit, in Egoismus versinkenden Welt. Geld und Markt, und auch der Wettbewerb, sind ohne eine ordnende, garantierende Kraft gar nicht zu denken, und so lange wir nicht eine Welt der Konzerne haben, sondern eine der Staaten, kann nur der Staat diese ordnende Kraft sein &#8211; ob als Staat oder als Staatengemeinschaft ist dabei egal. M\u00e4rkte, Preise, Geld, Gier, Wachstum, Wettbewerb sind alles also nur Mittel des Kapitalismus &#8211; im Falle der Gier nur Symptom eines ungez\u00e4hmten Kapitalismus -, der auch &#8211; sieht man vom Geld ab, welches es fast von Anbeginn der Menschheit gab &#8211; ohne sie auskommen w\u00fcrde. Sie sind Mittel, aber nicht treibende Kr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Der Kapitalismus ist ein System, welches auf Fortschritt, meist technischem Fortschritt, aufbaut, von diesem getrieben wird und nach diesem strebt. Deshalb ist der Kapitalismus auch das effizienteste Wirtschaftssystem, welches der Mensch je erfunden hatte, welches der Liberalismus der Aufkl\u00e4rer entfesselte, aber welches diese Aufkl\u00e4rer nicht erfunden hatten, mit ihrer Aufkl\u00e4rung auch nicht z\u00e4hmen wollten &#8211; sie sahen, im Gegensatz zu vielen von uns heute, dazu gar keine Notwendigkeit, und zwar zu Recht, schaut man auf die Lebenswirklichkeit der Massen zu Zeiten der Aufkl\u00e4rung. Der Kapitalismus war und ist wie kein anderes System in der Lage, Wohlstand zu schaffen. Deshalb will auch ich ihn nicht \u00fcberwinden, sondern dazu beitragen, ihn zu z\u00e4hmen, um ihn wieder f\u00fcr alle, f\u00fcr die Massen, nutzbar zu machen.<\/p>\n<p>Z\u00e4hmen, nicht abschaffen, denn schaffte man ihn ab, so w\u00fcrde man den technischen Fortschritt behindern, ja verhindern, zum reinen Zufall wieder werden lassen. Das muss man auch bedenken, wenn man ihn z\u00e4hmen will und muss, wie wir es heute wieder tun m\u00fcssen. Der Kapitalismus muss gez\u00e4hmt werden, wieder in gesellschaftlich ad\u00e4quate Bahnen gelenkt werden, den Gesellschaften dienen und nicht, wie derzeit, dass Gesellschaften allein dem Kapital zu dienen haben und damit den wenigen, die \u00fcber das Kapital verf\u00fcgen k\u00f6nnen. Auch um die Demokratie zu retten, ist es unumg\u00e4nglich, zwingend geboten, den Kapitalismus und damit die Kapitalisten wieder zu z\u00e4hmen.<\/p>\n<p>Technischer Fortschritt, die Triebfeder des Kapitalismus, hat und hatte immer Einfluss auf die Gesellschaften, ver\u00e4ndert diese und zwingt diese zur Ver\u00e4nderung, zwingt die Menschen zur Anpassung, auch die, die sich nicht anpassen k\u00f6nnen oder nicht so schnell, wie der technische Fortschritt das Tempo vorgibt. Um diese Ver\u00e4nderung muss es immer gehen, soll technischer Fortschritt nicht zum gesellschaftlichen R\u00fcckschritt werden. Immer, nicht nur in Zeiten wie diesen, wo wir mittendrin sind in einer neuen technischen Revolution, genannt Digitalisierung. Das dazu erfundene Mittel, der eigentliche gesellschaftliche Fortschritt nach der industriellen Revolution, war der Sozialstaat und ist es noch, eine Alternative dazu sehe ich nicht, gerade dann nicht, wenn wir den Kapitalismus nicht \u00fcberwinden wollen oder k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir leben in einer Zeit, in der dieser technische Fortschritt schon zum gesellschaftlichen R\u00fcckschritt gef\u00fchrt hat. Das ist nicht Schuld des Kapitalismus, sondern Schuld der Politik, die nicht mehr &#8211; seit dem Neoliberalismus gar nicht mehr &#8211; bereit war, den Kapitalismus zu z\u00e4hmen, den technischen Fortschritt und den gesellschaftlichen Fortschritt gemeinsam zu bedenken, die von Neuland sprach und nicht bereit war, das Neuland auch zu beackern &#8211; vor allem gesellschaftlich nicht -, immer noch nicht dazu bereit ist, lieber von Heimat schwafelt, von R\u00fcckabwicklung vieler gesellschaftlicher Errungenschaften tr\u00e4umt, den Sozialstaat privatisiert und dem Kapitalismus und seinen Gesetzen damit ungesch\u00fctzt zu \u00fcbertragen gedachte und weiterhin gedenkt. &#8211; Es ist nur noch ein kleiner Schritt, bis zur Heimat die Ehre sich hinzugesellt und damit aus Nationalstolz Nationalehre werden k\u00f6nnte, verletzte Nationalehre sogar; auch dies gelte es zu bedenken.<\/p>\n<p>Fortschritt, auch gesellschaftlicher, verl\u00e4uft nicht in einer Geraden, die best\u00e4ndig nach oben weist. Fortschritt verl\u00e4uft in Wellen, und Wellen \u00e4ndern auch immer mal die Richtung, weisen nach oben und weisen nach unten. Fortschritt, gerade gesellschaftlicher, geht deshalb auch immer mit R\u00fcckschritten einher, dennoch kann die Tendenz durchaus positiv bleiben.<\/p>\n<p>Ich behaupte, dass wir gerade in einer solchen Zeit leben, in der der R\u00fcckschritt gr\u00f6\u00dfer ist als der gesellschaftliche Fortschritt, und dass das die Menschen merken, im Bauch und nicht so sehr in ihren K\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Ich behaupte weiter, dass das die meist neoliberal denkenden Eliten noch nicht begriffen haben, immer noch nicht begriffen haben und deshalb auch nichts gegen diese gesellschaftliche R\u00fcckschritte unternehmen wollen. Ihre Wirklichkeit ist eine andere als die vieler Massen. Sie sehen f\u00fcr sich immer noch gesellschaftliche Fortschritte, behaupten diese Fortschritte f\u00fcr die sie unterst\u00fctzenden Massen, w\u00e4hrend sie die gesellschaftlichen R\u00fcckschl\u00e4ge immer weiter ignorieren; und wenn sie diese nicht mehr ignorieren k\u00f6nnen, dann weisen sie die Schuld eindeutig denen zu, die unter den R\u00fcckschl\u00e4gen am meisten leiden m\u00fcssen; versch\u00e4rfen damit deren Lebensumst\u00e4nde noch mehr und wundern sich dann, dass die Wut, der Hass auf, der Widerstand gegen diese Eliten und gegen das System nur noch gr\u00f6\u00dfer geworden sind, immer gr\u00f6\u00dfer werden.<\/p>\n<p>Letztendlich war und ist es also die Ignoranz der Eliten, sind es ihre sozio\u00f6konomischen Irrt\u00fcmer, welche sie durch den Neoliberalismus t\u00e4glich gr\u00f6\u00dfer werden lassen, die den gesellschaftlichen Fortschritt wieder in den R\u00fcckw\u00e4rtsgang versetzt hatten und diesen Gang unter allen Umst\u00e4nden beizubehalten gedenken.<\/p>\n<p>Da kann man nicht viel machen derzeit, denn Bildung &#8211; an der mangelt es meiner Meinung nach, und zwar meist bei den gut ausgebildeten Menschen, welche sich Elite derzeit nennen; weniger bei denen, die unter dieser &#8222;Verbildung&#8220; derzeit leiden m\u00fcssen &#8211; kann man nicht erzwingen. Bildung muss auch der haben wollen, dem man sie antr\u00e4gt. Ich sehe nicht, dass die derzeitigen Eliten dazu eine gro\u00dfe Bereitschaft an den Tag legen. Das Gegenteil meine ich beobachten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kapitalismus wird nicht von M\u00e4rkten getrieben, nicht von Preisen und auch nicht von Geld und schon gar nicht von der Gier. Der Kapitalismus braucht auch den Wettbewerb nicht, sieht diesen meist sogar als hinderlich an, weshalb Kapitalisten auch immer bestrebt sind, den Wettbewerb als Allererstes auszuschalten. Schon Adam Smith wusste dies und forderte gerade deshalb einen starken Staat, wird immer noch zu Unrecht als Vater des Neoliberalismus in Anspruch genommen von meist wirtschaftsliberalen Menschen, also den Profiteuren einer neoliberalen, in Ungleichheit und Ungerechtigkeit, in Egoismus versinkenden Welt. 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