{"id":12783,"date":"2018-11-13T15:45:04","date_gmt":"2018-11-13T14:45:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=12783"},"modified":"2018-11-13T15:45:04","modified_gmt":"2018-11-13T14:45:04","slug":"ein-buchtipp-von-katrin-goering-eckardt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=12783","title":{"rendered":"Ein Buchtipp von Katrin G\u00f6ring-Eckardt"},"content":{"rendered":"<p>Im E-Mail-Newsletter von <em>abgeordnetenwatch.de<\/em> sind am Ende immer drei Fragen von B\u00fcrgern an Politiker und deren Reaktionen darauf aufgef\u00fchrt. Das ist mitunter recht interessant, was da geantwortet oder eben auch nicht geantwortet wird. In der aktuellen Ausgabe habe ich nun die Anfrage eines Vaters an Katrin G\u00f6ring-Eckardt gelesen, wobei die ehemalige Gr\u00fcnen-Parteivorsitzende am Ende noch einen Buchtipp gab, den ich schon sehr bezeichnend finde.<\/p>\n<p>Die Anfrage und die Antwort von Katrin G\u00f6ring-Eckardt kann man auf der <a href=\"https:\/\/www.abgeordnetenwatch.de\/profile\/katrin-goring-eckardt\/question\/2018-10-26\/305905?pk_campaign=nl20181111\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Website von <em>abgeordnetenwatch.de<\/em><\/a> nachlesen. Es ging dabei darum, dass der Anfragende versucht hatte, seiner neunj\u00e4hrigen Tochter zu erkl\u00e4ren, warum einige Menschen reich und andere arm sind. Das brachte ihn laut eigener Aussage schnell in die Bredouille, sodass er sich nun von G\u00f6ring-Eckardt eine Antwort erhoffte.<\/p>\n<p>Deren B\u00fcro antwortete nun, dass dieser Umstand so auf die Schnelle nicht erl\u00e4utert werden k\u00f6nnte, sodass man lieber zwei Buchtipps gab: f\u00fcr die Tochter das Was-ist-was-Buch (wobei die Reihe als &#8222;Was ist das&#8220; bezeichnet wurde) Nummer 78 mit dem Titel &#8222;Geld&#8220;, f\u00fcr die Eltern &#8222;Der Aufstieg des Geldes&#8220; von Niall Ferguson.<\/p>\n<p>Nun wollte ich doch wissen, welcher Wirtschaftsfachmann da im Namen von Katrin G\u00f6ring-Eckardt den Eltern ans Herz gelegt wurde, zumal bei dem Namen Niall Ferguson bei mir irgendwie nicht so richtig Sch\u00f6nes mit anklang. Also schnell mal die Suchmaschine meines Vertrauens (<a href=\"https:\/\/www.ecosia.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ecosia<\/a>) bem\u00fcht, und schon war ich auf dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Niall_Ferguson\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Wikipedi<\/em>a-Eintrag<\/a> zu Ferguson.<\/p>\n<p>Ein paar Zitate daraus:<\/p>\n<blockquote><p>2018 trat Ferguson von seinem Posten an der Stanford-Universit\u00e4t zur\u00fcck, als bekannt wurde, dass er nach Protesten gegen den Auftritt von Charles Murray konservative Studenten dazu aufgefordert hatte, Hintergrundinformationen \u00fcber einen linksgerichteten Studenten zu recherchieren (&#8222;opposition research&#8220;) und in diesem Zusammenhang u.\u00a0a. an John Rice-Cameron, Sohn von Susan Rice und Vorsitzender des Studentenverbandes der Republikaner an der Stanford-Universit\u00e4t geschrieben hatte: &#8222;Jetzt wenden wir uns dem feineren Spiel zu, sie im Studentenausschuss zu zerm\u00fcrben. Der Preis der Freiheit ist st\u00e4ndige Wachsamkeit.&#8220; Rice-Cameron antwortete: &#8222;Wir werden den Widerstandsgeist der Linken langsam weiter zermalmen, denn unter Druck werden sie brechen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Na, was f\u00fcr ein Herzchen! Scheint mir ja reichlich reaktion\u00e4r zu sein, der Gute. Aber was hat er denn zu Wirtschaftsthemen zu sagen?<\/p>\n<blockquote><p>2008 ver\u00f6ffentlichte er das Buch The Ascent of Money: A Financial History of the World (dt: \u201eDer Aufstieg des Geldes: eine Finanzgeschichte der Welt\u201c); es wurde im selben Jahr mit ihm f\u00fcr den britischen Channel 4 als sechsteilige Fernsehreihe mit zu Boom and Bust abgewandelten Untertitel produziert. Ferguson hob unter anderem hervor, dass das Wirtschaftswachstum Chiles nach der Intervention der Chicago Boys tats\u00e4chlich h\u00f6here Wachstumsraten aufwies. Unverst\u00e4ndnis erntete er von Teilen des Publikums daf\u00fcr, dass er bei seiner Abhandlung des Sozialstaates zwar Gro\u00dfbritannien und Japan, aber nicht die skandinavischen L\u00e4nder wie Schweden erw\u00e4hnte. Da Buch und Fernsehserie vor dem globalen Finanzcrash 2008 desselben Jahres ver\u00f6ffentlicht wurden, bot unter anderem seine Huldigung von Hedgefonds ein besonders leichtes Angriffsfeld f\u00fcr Kritiker.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da ist dann also auch das von G\u00f6ring-Eckardts B\u00fcro empfohlene Buch. Und wie es aussieht, ist das knallharter Neoliberalismus: Die Chicago Boys h\u00e4tten Wirtschaftswachstum in Chile erzielt (welches allerdings alles andere als nachhaltig war, und zudem wurden die entsprechenden Ma\u00dfnahmen unter dem Diktator Auguste Pinochet umgesetzt), und Hedgefonds sind super. Und das wird Menschen empfohlen, die wissen wollen, warum einige Menschen immer reicher und viele immer \u00e4rmer werden. Ernsthaft jetzt? Dass G\u00f6ring-Eckardt von \u00d6konomie keine Ahnung hat, ist nun nicht gerade neu oder \u00fcberraschend f\u00fcr mich, aber das finde ich dann doch schon ziemlich Hardcore. Irgendein FDP-Lulli h\u00e4tte ja vermutlich nicht viel anderes empfohlen.<\/p>\n<p>Und auch ansonsten scheint Ferguson eher der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tea-Party-Bewegung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tea Party<\/a> zugeneigt zu sein, wenn man so etwas liest:<\/p>\n<blockquote><p>Niall Ferguson unterst\u00fctzte in der Vergangenheit oft die Au\u00dfenpolitik des US-amerikanischen Pr\u00e4sidenten George W. Bush, wie etwa die Irakinvasion 2003; dazu vgl. auch Fergusons Colossus. The Rise and Fall of the American Empire (dt. 2004: Das verleugnete Imperium. Chancen und Risiken amerikanischer Macht), wo Ferguson f\u00fcr die Notwendigkeit eines globalen \u201eHegemons\u201c eintritt. Er trat ebenso f\u00fcr eine st\u00e4rkere K\u00fcrzung der sozialen Mittel in den USA ein, da es ansonsten seiner Meinung nach zu ernsten finanzpolitischen Problemen kommen w\u00fcrde. Nachdem die Regierung Bush dies nicht in dem von Ferguson als notwendig erachteten Ma\u00dfe umgesetzt hatte, sprach er sich im Jahr 2004 gegen die Wiederwahl Bushs aus.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ob nun Katrin G\u00f6ring-Eckardt wirklich begeisterte Ferguson-Leserin ist oder ihr B\u00fcropersonal das irgendwie rausgekramt hat, in jedem Fall finde ich es hinreichend grotesk, aber eben auch bezeichnend, dass jemand, der einer prominenten Gr\u00fcnen-Politikerin eine \u00f6konomische Frage stellt, dann einen solchen Lesetipp bekommt. Die Kretschmanisierung der Gr\u00fcnen ist eben nicht nur an ebendiesem Kretschmann festzumachen (wozu Heinz ja gerade vor ein paar Tagen schon einen <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=12745\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel hier auf <em>unterstr\u00f6mt<\/em><\/a> schrieb), sondern scheint in der Partei auch in der Breite fest verankert zu sein.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass sich die Gr\u00fcnen so gut mit der CDU verstehen. Zum linken Spektrum sollten man diese &#8222;FDP mit Dosenpfand&#8220; (Volker Pispers) dann allerdings nicht mehr rechnen und insofern auch keine progressive Politik von den Gr\u00fcnen erwarten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im E-Mail-Newsletter von abgeordnetenwatch.de sind am Ende immer drei Fragen von B\u00fcrgern an Politiker und deren Reaktionen darauf aufgef\u00fchrt. Das ist mitunter recht interessant, was da geantwortet oder eben auch nicht geantwortet wird. 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