{"id":12829,"date":"2018-11-19T12:50:05","date_gmt":"2018-11-19T11:50:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=12829"},"modified":"2019-04-02T07:32:23","modified_gmt":"2019-04-02T05:32:23","slug":"ueber-falsche-narrative-die-uns-leiten-und-eine-nur-noch-rudimentaere-sicht-unserer-tage-auf-die-errungenschaft-unternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=12829","title":{"rendered":"\u00dcber falsche Narrative, die uns leiten und die nur noch rudiment\u00e4re Sicht unserer Tage auf die Errungenschaft &#8222;Unternehmen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Falsche Narrative verhindern immer wieder, so auch dieser Tage, den sozialen und gesellschaftlichen Fortschritt, ebenso wie die derzeitige nur noch rudiment\u00e4re Sicht auf Unternehmen, welche urs\u00e4chlich auch f\u00fcr diese Narrative oft ist. Das Hartz-4-System und die Shareholder-Value-Betriebswirtschaft unserer Tage, die Akzeptanz dieser Betriebswirtschaft auch in der Politik und den Verwaltungen h\u00e4ngen zusammen, k\u00f6nnen nicht getrennt werden. Und allem liegen die falschen Narrative zugrunde, welchen wir hier weiterhin aufsitzen, weil sie ja auch oft genug wiederholt worden sind und werden und damit zur &#8222;Wahrheit&#8220; stilisiert worden sind und bleiben. &#8222;Hartz-4 war gut und richtig&#8220; ist ein solches Narrativ, ebenso wie &#8222;Geht es der Wirtschaft gut, geht es den Menschen gut&#8220;. Get\u00fcrkte Arbeitslosenzahlen auf der einen Seite und st\u00e4ndige B\u00f6rsenberichterstattungen auf der anderen Seite suggerieren dabei den richtigen Weg, suggerieren damit auch, dass die Verwerfungen, die Probleme, gerade die der unteren Schichten, als Kollateralsch\u00e4den zu betrachten seien. Was f\u00fcr ein fataler und zunehmend immer gef\u00e4hrlicher werdender Irrtum.<\/p>\n<p>Solange das falsche Narrativ \u00fcber Hartz 4 erz\u00e4hlt werden wird und von den Menschen hier geglaubt werden wird, solange werden wir auch mit Hartz 4 leben m\u00fcssen und damit mit der Dem\u00fctigung von Menschen in unserer Gesellschaft. Da n\u00fctzt es nichts, argumentativ, auch nicht argumentativ \u00f6konomisch, dagegenzuhalten, die schlimmen Folgen einer auf Dumping setzenden Wirtschaftspolitik beispielsweise aufzuzeigen. Da n\u00fctzt es nichts, die Statistiken zu bem\u00fchen, die durchaus anderes zeigen, als dass Hartz hier ein Segen gewesen w\u00e4re f\u00fcr die Gesellschaft. Der Populismus der angeblich erfolgreichen Hartz-Gesetzgebung wird weiterbetrieben werden. Mit Vernunft ist diesem Narrativ nicht beizukommen.<\/p>\n<p>Das falsche Narrativ wird allen gesellschaftlichen Fortschritt weiterhin verhindern, und kein Argument dagegen &#8211; und derer gibt es viele &#8211; wird dieses Narrativ aus der deutschen Politik verbannen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es wird weiter wirken, weiterhin M\u00e4nnern wie Stegner (&#8222;Jeder, der arbeiten kann, muss auch arbeiten&#8220;), wie Altmeier (&#8222;Wir d\u00fcrfen und werden Hartz 4 nicht abschaffen&#8220;), wie Lindner (&#8222;Andrea Nahles f\u00fchrt den Begriff B\u00fcrgergeld ad absurdum&#8220;) und nun auch Hoffmann vom DGB (&#8222;Der Deutsche Gewerkschaftsbund lehnte insbesondere die Pl\u00e4ne der Gr\u00fcnen ab, eine &#8218;Garantiesicherung&#8216; einzuf\u00fchren und den Zwang zur Arbeitsaufnahme abzuschaffen&#8220;) dazu dienen, dass sich im Wesentlichen nichts \u00e4ndern wird, au\u00dfer dass die Bedingungen, unter denen wir Gesellschaft denken m\u00fcssen, immer schwieriger werden und uns eines Tages \u00fcber den Kopf wachsen werden.<\/p>\n<p>Arbeit ist mehr als nur Broterwerb, da haben Hoffmann und Stegner recht, aber Menschen zur Arbeit zwingen zu wollen hei\u00dft, Zwangsarbeit zu bef\u00f6rdern, hei\u00dft auch, Unternehmen dazu anzuhalten, diese Zwangsarbeit bereitzustellen (zwingen muss man sie leider nicht). Kinder in Bedarfsgemeinschaften dann noch mit zu strafen, wenn diesem Zwang von den Eltern nicht Folge geleistet wird, hei\u00dft, Sippenhaft zu bef\u00f6rdern. Dies scheint allen oben Genannten nicht klar zu sein oder von ihnen billigend in Kauf genommen zu werden. Menschenw\u00fcrde zweiter Klasse, mehr scheinen diese Herren nicht mehr im Sinn zu haben, und mit den bestehenden Narrativ &#8222;Hartz war gut und richtig&#8220; wird dies auch weiterhin gesellschaftsf\u00e4hig bleiben k\u00f6nnen. Wir waren mal weiter im Denken als diese Herren. Lang, lang ist es her, leider.<\/p>\n<p>Weder Stegner noch Altmeier, Hoffmann nicht und Lindner sowieso nicht, wie meist auch die vielen anderen Verfechter von Hartz 4, werden dann darunter leiden m\u00fcssen, dass wir ihren Irrt\u00fcmern gefolgt sind als Gesellschaft. Die haben ihre Sch\u00e4flein l\u00e4ngst im Trockenen, die brauchen nichts zu f\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Sie alle brauchen auch nicht zu begreifen, wie M\u00e4rkte und Unternehmen wirklich funktionieren, denen reicht ihr rudiment\u00e4res Wissen aus; sie k\u00f6nnen wirklich weiter falsch denken und weiter falsch behaupten, dass nur die Gewinne ein Unternehmen ausmachen w\u00fcrden und die M\u00e4rkte nur \u00fcber Gewinne funktionieren w\u00fcrden. Alles andere kann f\u00fcr sie weiterhin nur als Kosten gelten, Kosten, die man m\u00f6glichst gering halten muss. Welch fataler Irrtum dieser Herren (und oft auch Damen) f\u00fcr die modernen Gesellschaften.<\/p>\n<p>Deren Bildungsdefizit &#8211; ob bewusst oder unbewusst ist eigentlich v\u00f6llig egal &#8211; scheint mir die einzige einigerma\u00dfen vern\u00fcnftige Erkl\u00e4rung &#8211; au\u00dferhalb der \u00fcblichen meist nicht sehr wertsch\u00e4tzenden Erkl\u00e4rungen &#8211; f\u00fcr dieses populistische Festhalten an diesen falschen Narrativen noch zu sein. Diese ihre Art des Denkens ist f\u00fcr mich Grundlage f\u00fcr die Vermutung, dass sie alle nur noch eine Betriebswirtschaft im Denken haben, die mit guter Betriebswirtschaft, wie sie einst hier gepflegt wurde, nicht mehr viel zu tun hat. Gut, weil sie einst die gesamte Wertsch\u00f6pfung im Unternehmen zu betrachten wusste und nicht nur die Gewinne. Ich durfte sie noch lernen. Heute scheint diese Betriebswirtschaft aus der Mode gekommen zu sein.<\/p>\n<p>Meine, zugegeben derzeit unmoderne, Denkweise \u00fcber Betriebswirtschaft und damit \u00fcber das Unternehmen (welches ich durchaus als menschliche Errungenschaft betrachte) dient deshalb allen im Unternehmen und damit auch allen in der Gesellschaft. Ihre Denkweise \u00fcber Betriebswirtschaft dient ausschlie\u00dflich noch dem Nutzen der Shareholder, und das ohne R\u00fccksicht auf die Stakeholder und die Gesellschaft. Ihre Politik und ihre Rechtfertigungen zu ihrer Politik bringen dies f\u00fcr mich t\u00e4glich zum Ausdruck. Ihnen fehlen entweder fundamentale Kenntnisse \u00fcber die eigentlichen Funktionen und die eigentliche Aufgaben von Unternehmen oder sie ignorieren sie bewusst.<\/p>\n<p>Sie sehen nur den Egoismus des Shareholders, welcher im Unternehmen zum Ausdruck gebracht werden soll, nicht mehr das Gemeinsame, welches im Unternehmen eigentlich zum Ausdruck kommen sollte und einst auch kam. Sie begreifen nicht, dass das gesamte Unternehmen im Zentrum zu stehen hat, alle daran Beteiligten und damit die komplette Wertsch\u00f6pfung, nicht ausschlie\u00dflich der Gewinn, der B\u00f6rsenwert. Sie begreifen nicht, dass der Unternehmenswert nicht, wie heutzutage gern populistisch im Sinne der Shareholder behauptet, der B\u00f6rsenwert ist, sondern der wahre Wert jedes Unternehmens in den Einkommen liegt, die in ihm, durch es geschaffen werden. Sie begreifen nicht, dass man die Summe von Gewinn, L\u00f6hnen und Geh\u00e4ltern, Sozialabgaben, Fremdkapitalzinsen und auch die Steuern als Wertsch\u00f6pfung zu betrachten hat. Sie k\u00f6nnen deshalb auch nicht mehr begreifen, dass genau deshalb ein Senken von der einen Wertsch\u00f6pfungskomponente zugunsten einer anderen oft den wahren Wert des Unternehmens f\u00fcr die Volkswirtschaft senkt und deshalb mit Bedacht vorzunehmen ist, mit Verantwortung f\u00fcr das Ganze vorzunehmen ist und nicht, wie derzeit, nur zugunsten der Shareholder. Ihre ganze Politik, ob die Sozialpolitik, die Finanzpolitik, die Wirtschaftspolitik, ist von diesem ihrem Nichtbegreifen gepr\u00e4gt, wie mir scheint.<\/p>\n<p>Dieses ihr Defizit (Vorst\u00e4nde als leitende Angestellte der Shareholder k\u00f6nnen sich dieses Defizit leisten, wahre Unternehmer nicht, Gewerkschafter und Politiker schon gar nicht) f\u00e4llt uns derzeit vor die F\u00fc\u00dfe, ist ma\u00dfgeblich &#8211; so behaupte ich &#8211; verursachend f\u00fcr die vielen Verwerfungen in unserer Gesellschaft, einschlie\u00dflich der gr\u00f6\u00dften Ungleichheit, die je in diesem Lande messbar war, einschlie\u00dflich einer falschen Betrachtung von Wirtschaft und Sozialem im Gesamten. Der Mensch ist abstrahiert worden, im Gewinn und damit im Egoismus von wenigen aufgegangen, ja diesem unterworfen worden. Der eigentliche Sinn von Unternehmen, eine Unternehmung zugunsten und im Auftrag der Allgemeinheit zu sein n\u00e4mlich, ist damit verloren gegangen, den Egoismen der Shareholdern geopfert worden.<\/p>\n<p>Alles &#8211; auch die Umwelt &#8211; ist deshalb ausschlie\u00dflich noch diesen Gewinnen zuzuf\u00fchren, unterzuordnen, als Kosten zu minimieren, auch der Mensch, dessen Einkommen, auch als Lohn und Gehalt, nicht nur als Gewinn eigentlich Teil der Wertsch\u00f6pfung sein sollte und es schon lange nicht mehr ist; auch beim DGB-Vorsitzenden anscheinend nicht mehr, der auch \u00fcber Sanktionen die Ressource Mensch im Unternehmen zu nutzen allein gedenkt, nicht einmal dabei begreift, wie der Druck der Niedrigl\u00f6hne auch seinen Schutzbefohlenen Einkommen kostet, welchen h\u00f6chst negativen Einfluss zu niedrige Transferleistungen und die st\u00e4ndige Drohung, auf Hartz sanktioniert zu werden, auch auf die Steuerlast der Facharbeiter haben, auf ihren Wunsch, ihre berechtigten Anspr\u00fcche auch durchsetzen zu wollen.<\/p>\n<p>Und so kommt es, dass weiterhin am falschen Narrativ Hartz 4 festgehalten wird, weiterhin Steuersenkungen zugunsten der Gewinne gew\u00e4hrt werden, zulasten der Allgemeinheit, der wahre Wert der Unternehmen f\u00fcr die Gesellschaft verloren geht und weiterhin gehen wird, der Satz &#8222;Geht es der Wirtschaft gut, geht es dem Menschen gut&#8220; nur f\u00fcr die wenigen noch Geltung behalten wird, die noch profitieren k\u00f6nnen und nur so lange sie profitieren k\u00f6nnen und weiterhin die Shareholder mehr als alle anderen, die anderen sich mit den Resten weiterhin zu bescheiden haben werden, die ihnen von den Shareholdern noch zugebilligt werden &#8211; und, nicht zu vergessen, weiterhin die Natur zum Opfer gereicht werden wird. Ein armseliges System, dem wir hier folgen, meine ich, dem diese Herren weiter zu folgen bereit zu sein scheinen.<\/p>\n<p>Wer weiterhin an Hartz 4, an den Sanktionen des Systems festhalten will, Menschen weiterhin \u00fcber Sanktionen bezwingen will, sie zu dem\u00fctigen gedenkt, auch wenn man behauptet, sie doch nur zu ihrem Gl\u00fcck zwingen zu m\u00fcssen, denkt nur an die Gewinne, an die Shareholder und hat die Gesellschaft als Ganzes nicht mehr im Blick, auch wenn er anderes behauptet, schadet ihr deshalb jeden Tag aufs Neue.<\/p>\n<p>In der Politik beobachte ich dieses Denken schon lange, selbst in der Volkswirtschaft ist es Mainstream geworden. Welchen wirklichen Nutzen Wirtschaft und Unternehmen f\u00fcr die Gesellschaft entfalten k\u00f6nnten, ist dabei verloren gegangen. Welchen Schaden diese Denkweise mit sich gebracht hat, k\u00f6nnen wir auch an den Menschen sehen, die zu den Tafeln gehen, an denen, die arbeiten und dennoch aufstocken m\u00fcssen, an den Kindern in Hartz-Haushalten, die lange schon nicht mehr am gesellschaftlichen Leben ausreichend teilnehmen k\u00f6nnen, ja sogar Hunger leiden m\u00fcssen, wenn man denen Glauben schenkt, die sich ehrenamtlich f\u00fcr Schulspeisungen engagieren.\u00a0Kurz: an den vielen Kollateralsch\u00e4den dieses Systems, welche wir trotz Artikel 1 des Grundgesetzes, trotz Artikel 20 (1) des Grundgesetzes hier zulassen.<\/p>\n<p>Solange diese Betriebswirtschaft, diese vereinfachte Betriebswirtschaft, das Denken auch der Parteien und des DGB bestimmen wird, sie sich nicht wieder einer anderen Denkweise in der Betriebswirtschaft bedienen werden, wird dieses Narrativ der &#8222;guten Hartz-Reformen&#8220; sein Unwesen treiben k\u00f6nnen, werden Unternehmen sich weiterhin nicht als Teil der Gesellschaft, weil aus der Gesellschaft kommend, von der Gesellschaft geschaffen, und zwar von allen und nicht nicht nur dem Kapitalgeber, f\u00fchlen und verhalten k\u00f6nnen, sich als Akkumulationsorgane der Shareholder allein\u00a0 geb\u00e4ren k\u00f6nnen. Solange werden auch Menschen zur Arbeit gezwungen werden, auch zu Arbeiten, die wenig sinnvoll f\u00fcr den Menschen als Individuum und in seiner Gesamtheit sind, ihm Belastung auch deshalb bleiben werden, solange wird der technische Fortschritt weiterhin nicht prim\u00e4r zur Befreiung von M\u00fch und Plag eingesetzt werden, sondern fast ausschlie\u00dflich weiter denen dienen, die von den Gewinnen profitieren k\u00f6nnen. Nichts wird sich hin zum Positiven \u00e4ndern, eher das Gegenteil wird der Fall sein: M\u00fch und Plag, aber auch Dem\u00fctigungen werden uns erhalten bleiben, einer falschen Denkweise \u00fcber Menschen und Unternehmen geschuldet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Falsche Narrative verhindern immer wieder, so auch dieser Tage, den sozialen und gesellschaftlichen Fortschritt, ebenso wie die derzeitige nur noch rudiment\u00e4re Sicht auf Unternehmen, welche urs\u00e4chlich auch f\u00fcr diese Narrative oft ist. Das Hartz-4-System und die Shareholder-Value-Betriebswirtschaft unserer Tage, die Akzeptanz dieser Betriebswirtschaft auch in der Politik und den Verwaltungen h\u00e4ngen zusammen, k\u00f6nnen nicht getrennt werden. Und allem liegen die falschen Narrative zugrunde, welchen wir hier weiterhin aufsitzen, weil sie ja auch oft genug wiederholt worden sind und werden und damit zur &#8222;Wahrheit&#8220; stilisiert worden sind und bleiben. &#8222;Hartz-4 war gut und richtig&#8220; ist ein solches Narrativ, ebenso wie &#8222;Geht es der Wirtschaft gut, geht es den Menschen gut&#8220;. Get\u00fcrkte Arbeitslosenzahlen auf der einen Seite und st\u00e4ndige B\u00f6rsenberichterstattungen auf der anderen Seite suggerieren dabei den richtigen Weg, suggerieren damit auch, dass die Verwerfungen, die Probleme, gerade die der unteren Schichten, als Kollateralsch\u00e4den zu betrachten seien. 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