{"id":13346,"date":"2018-12-16T13:25:50","date_gmt":"2018-12-16T12:25:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=13346"},"modified":"2019-04-02T07:31:45","modified_gmt":"2019-04-02T05:31:45","slug":"wer-nichts-hat-dem-kann-man-auch-nichts-mehr-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=13346","title":{"rendered":"Wer nichts hat, dem kann man auch nichts mehr nehmen"},"content":{"rendered":"<p>Denkste!<\/p>\n<p>Der neoliberale Staat kann dies, tut dies und wird dies weiterhin tun. Alle Vorschl\u00e4ge derzeit des neoliberalen Staates, der in ihm verantwortlich Handelnden in Regierung, Opposition oder in vielen der Wirtschaft nahestehenden Verb\u00e4nden, seien es die Vorschl\u00e4ge im Sozialen, die zur Umwelt, die zur Arbeitswelt und damit auch zu Wirtschaft und Finanzen, zeigen dies, atmen quasi den Neoliberalismus aus allen Poren aus.<\/p>\n<p>Er nimmt den Bed\u00fcrftigen und gibt es denen, die es nicht brauchen oder nur deshalb brauchen, weil er ihnen auch schon viel zu viel genommen hatte, sie aber noch braucht, um seine Werke fortzusetzen, weil er sie auf Spur halten will.<\/p>\n<p>Er tut dies rechtsstaatlich, mit Willen und Zustimmung des gr\u00f6\u00dften Teiles der W\u00e4hlerschaft, der Bev\u00f6lkerung und hat daf\u00fcr die notwendige Institutionen und Rechtfertigungen geschaffen.<\/p>\n<p>Er normiert den Menschen entlang dieser Rechtfertigungen und teilt so die Gesellschaft, sodass diese sich entweder in seinem Sinne verh\u00e4lt oder dazu angehalten wird, sich so zu verhalten, und den Teilen der Gesellschaft, die sich dem nicht f\u00fcgen wollen, zwingt er dieses Verhalten auf. Er bestimmt mit seinen Normen unser Denken &#8211; das der meisten zumindest &#8211; und erscheint deshalb auch als so alternativlos. Er verdummt uns mit seinen Normen, und wir lassen in der Mehrheit zu, dass wir auch verdummt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Er hat durch diese Verdummung der Massen eine Marktgl\u00e4ubigkeit geschaffen, die nur denen Nutzen bringt, die auf den M\u00e4rkten den Ton angeben, und denen die Schuld zuschiebt, die an den M\u00e4rkten verzweifeln, wenn sie dann scheitern, wenn die negativen Kausalit\u00e4ten eines solches Denkens allzu offensichtlich werden.<\/p>\n<p>Er hat sich die dazu notwendigen Parteien geschaffen, indem er auch in den Parteien diejenigen im Wettbewerb bevorteilt hatte und hat, die genau in dieser Marktgl\u00e4ubigkeit dann meinen, die Verwerfungen mit den Mitteln des neoliberalen Staates auch noch heilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der neoliberale Staat, der neoliberale Gedanke ist \u00fcberm\u00e4chtig geworden, bestimmt uns, unser Handeln, unser Denken, l\u00e4ngst unser Leben und nicht nur unseres, sondern immer mehr auch das der restlichen Welt.<\/p>\n<p>Der neoliberale Gedanke von Staat und Gesellschaft wird uns und unsere Welt zerst\u00f6ren, wenn er nicht rechtzeitig endet.<\/p>\n<p>Enden aber kann er nur durch Einsicht in den rechtzeitigen Verzicht. Nicht aber durch den Verzicht derer allein, die schon jetzt auf Kante leben &#8211; die sind oft dazu gar nicht mehr in der Lage -, sondern von denen, die immer noch meinen, leben zu k\u00f6nnen, als ob die Welt und ihre Ressourcen unendlich w\u00e4ren, als ob die Technologien der Science-Fiction-Filme heute schon zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden oder bald zur Verf\u00fcgung stehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Weniger ist mehr, und das gilt auch hier.<\/p>\n<p>Enden kann er nur, wenn der Verzicht unter dem Gesichtspunkt der Bed\u00fcrftigkeit stattfindet, dieser Gesichtspunkt wieder in den Fokus r\u00fcckt und nicht, wie heutzutage immer mehr \u00fcblich, durch eine Gie\u00dfkanne ersetzt wird, auch die belohnt, die eben nicht bed\u00fcrftig sind, sei es auch nur deshalb, damit die Bed\u00fcrftigen einfacher an ihr Recht kommen, menschenw\u00fcrdig zu leben, aber nicht wirklich mutig, um f\u00fcr die wirklichen Bed\u00fcrftigen einzutreten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Neoliberalismus hat eine oberfl\u00e4chliche Gesellschaft geschaffen, die nur noch \u00fcber Win-win-Verh\u00e4ltnisse zu denken wei\u00df, Verzicht nur gemeinsam \u00fcben kann, nie die allein deshalb zum Verzicht anh\u00e4lt, die verzichten k\u00f6nnten. Nein, jeder und jede oder keiner soll Verzicht \u00fcben, und das am besten noch freiwillig und erst, wenn es gar nicht mehr geht durch Steuern, Verbrauchssteuern am besten, weil diese ja direkt den Verbrauch treffen, was ja mikro\u00f6konomisch logisch erscheint, makro\u00f6konomisch jedoch eine Blendgranate ist. Was sogar dumm ist, wenn diese mikro\u00f6konomische Sichtweise auch noch auf die globalisierte Welt \u00fcbertragen werden soll. Hauptsache ist nur noch, dass es der Wirtschaft, den Bilanzen dort, nicht schadet, was der Einzelne tut, was die Masse geschehen l\u00e4sst, wie sie sich verh\u00e4lt. Mehr von dem einen, weniger von dem anderen, und dann wird im Nullsummenspiel die Welt schon zu retten sein, mehr kann der Neoliberalismus nicht anbieten, und nicht einmal dieses Versprechen kann er halten; er kann sich allerdings immer wieder herausreden, weil nat\u00fcrlich nicht das System schlecht ist, sondern nur der Mensch, der Einzelne sich falsch verh\u00e4lt; weil er uns das glauben gemacht hat, uns glauben machen konnte &#8211; ich schrieb es schon.<\/p>\n<p>Nur der Einzelne, wie es uns der Neoliberalismus predigt, um uns gleichzeitig zu z\u00fcchtigen und anzuspornen, vom eigentlich richtigen Tun abzuhalten, wird leider nichts erreichen k\u00f6nnen, wenn er bessere Einsichten hat, sich daran h\u00e4lt, aber dann mit ansehen muss, wie die Mehrheit sich weiterhin anders verh\u00e4lt, falsch verh\u00e4lt, wenn er gleichzeitig mit ansehen muss, wie Staaten und Konzerne, die Wirtschaft im Allgemeinen sich neoliberal weiterhin verhalten, das zerst\u00f6ren, was er unbedingt zu erhalten sucht.<\/p>\n<p>Der Einzelne wird an seinen eigenen moralischen Anspr\u00fcchen scheitern, wird vielleicht sogar auf kurze oder lange Sicht pers\u00f6nlich gescheitert sein, entweder verzweifeln oder vielleicht sogar dann der Masse derer angeh\u00f6ren, die jetzt schon unter dem Neoliberalismus leiden. Manche werden auch beides erleiden, erleiden es, wie ich, schon lange. Der Einzelne wird pers\u00f6nlich scheitern, wenn er wirklich konsequent zu handeln bereit sein sollte, sein Leben anders zu leben versucht, als die Normen des Neoliberalismus es vorgeben. Die, die das derzeit fordern, werden allerdings kaum dazugeh\u00f6ren. Die wissen schon, wie sie weiterhin im Neoliberalismus sich zu verhalten haben werden, um zu verhindern, dass sie es nicht sind, die tats\u00e4chlich verzichten werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der Neoliberalismus wird erst enden, wenn der Verzicht beginnt und die Gesellschaft als Ganzes diesen Verzicht auch \u00fcbt, keine Ausnahmen mehr zul\u00e4sst, vor allem keine bei denen, die es sich leisten k\u00f6nnten, Verzicht zu \u00fcben, wenn der Egoismus als treibende Kraft von der Solidarit\u00e4t, vom Gemeinsamen, vom Gemeinwohl wieder abgel\u00f6st worden sein wird.<\/p>\n<p>Der Neoliberalismus wird deshalb erst dann enden k\u00f6nnen, wenn Eigentum kein Selbstzweck mehr sein darf, nicht nur dem Einzelnen dienen darf, es wieder dem Allgemeinwohl dienen muss und nicht als Macht weiterhin missbraucht werden kann. Es ist die Macht des Eigentums, welche den Neoliberalismus so m\u00e4chtig erh\u00e4lt, weil es diesem ausschlie\u00dflich zu dienen wei\u00df. Deshalb gelte es, diese erst wieder durch den Neoliberalismus \u00fcberm\u00e4chtig gewordene Macht erneut wieder zu begrenzen, dem Menschen, der Umwelt, der Zukunft zuliebe.<\/p>\n<p>Der Einzelne w\u00fcrde hieran jedoch scheitern, und genau das &#8222;wei\u00df&#8220; das neoliberale System, weshalb es ja auch die Verantwortung dem Einzelnen zuzuweisen wei\u00df, seiner Schw\u00e4che entsprechend eine Solidarit\u00e4t der Menschen zu verhindern wei\u00df, welche die Masse einst hatte. Deshalb baut der Neoliberalismus auf den Individualismus auf, ist dieser f\u00fcr den Neoliberalismus unverzichtbar. So und nicht anderes h\u00e4tte man Thatcher verstehen m\u00fcssen, als sie sagte: &#8222;And, you know, there is no such thing as society. There are individual men and women, and there are families.&#8220; Nur dem &#8222;Teile und herrsche&#8220; und denen, die diese Technik einzusetzen wussten und wissen &#8211; Karl und auch ich schrieben schon oft dar\u00fcber -, hat diese Sichtweise genutzt. Uns hat sie geschadet, allen, nicht nur den Armen, denn nicht nur die Armen brauchen Luft zum Atmen, ertr\u00e4gliche Temperaturen, sauberes Wasser, Nahrung, eben eine lebensgerechte Umwelt.<\/p>\n<p>Es wird Zeit, sich diesem Gedanken von einer nicht existierenden Gesellschaft wieder entgegenzustellen, sich nicht weiterhin teilen und beherrschen zu lassen, um dem Neoliberalismus ein Ende zu setzen, bevor er uns ein Ende setzt, es wirklich nichts mehr gibt, was man uns noch nehmen k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Denkste!<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[52],"tags":[166],"class_list":["post-13346","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-soziales","tag-neoliberalismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13346","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13346"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13346\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13373,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13346\/revisions\/13373"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13346"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13346"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13346"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}