{"id":13788,"date":"2019-01-28T19:35:41","date_gmt":"2019-01-28T18:35:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=13788"},"modified":"2019-01-28T19:35:41","modified_gmt":"2019-01-28T18:35:41","slug":"die-afd-als-prueffall-des-verfassungsschutzes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=13788","title":{"rendered":"Die AfD als Pr\u00fcffall des Verfassungsschutzes"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen hat das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz verlautbaren lassen, dass die AfD zum Pr\u00fcffall erkl\u00e4rt w\u00fcrde. Das bedeutet, dass nun weiteres Material \u00fcber die Rechtsau\u00dfenpartei gesammelt wird, um festzustellen, ob tats\u00e4chlich eine generelle Bedrohung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Landes von der AfD in ihrer Gesamtheit ausgeht (die Jugendorganisation der Partei Junge Alternative [JA] und der sogenannte Teil &#8222;Der Fl\u00fcgel&#8220; um Bj\u00f6rn H\u00f6cke sind bereits eine Stufe weiter und zum Verdachtsfall erkl\u00e4rt worden). Prima, mag sich da nun der eine oder andere denken ob der immer wiederkehrenden rassistischen, menschenverachtenden, v\u00f6lkischen, nationalistischen und antisemitischen Aussagen von AfDlern &#8211; doch so wie das Ganze nun bisher abgelaufen ist, profitiert vor allem einer davon: die AfD selbst.<\/p>\n<p>Das klingt vielleicht erst mal ein bisschen merkw\u00fcrdig, allerdings wird das deutlicher, wenn man sich anschaut, was Heinrich Schmitz in einem <a href=\"https:\/\/diekolumnisten.de\/2019\/01\/26\/prueffall-afd-haldenwangs-fehler\/?fbclid=IwAR3Zu1VkZonoUCz94UwhK454rJ3W6e0D_O113Gdlw4gzojrkcUaod2KfW_0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel auf <em>Die Kolumnisten<\/em><\/a> zu diesem Vorgang schreibt. Er stellt n\u00e4mlich zu Recht die Frage, warum der Umstand, dass die AfD zum Pr\u00fcffall erkl\u00e4rt wurden, \u00fcberhaupt explizit so in die \u00d6ffentlichkeit getragen wurde. Dies ist n\u00e4mlich keinesfalls ein \u00fcbliches Vorgehen, zumal es ja auch nur um eine Pr\u00fcfung geht.<\/p>\n<p>So fasst Schmitz das auch folgenderma\u00dfen zusammen:<\/p>\n<blockquote><p>1. Es gab keine Notwendigkeit, dies der \u00d6ffentlichkeit mitzuteilen, da ein Pr\u00fcffall nichts besonderes, sondern eigentlich nur der Alltag des Dienstes ist und nach dessen eigener Einsch\u00e4tzung die \u201eVerdachtssplitter\u201c sich (noch) nicht verdichtet haben. Da h\u00e4tte man dann halt im Geheimen pr\u00fcfen sollen bis man etwas handfestes nachweisen kann, wie es sich f\u00fcr einen Geheimdienst geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>2. Bereits die Mitteilung \u00fcber eine Befassung des Verfassungsschutzes mit einer Partei k\u00f6nnte diese in ihren Rechten auf Chancengleichheit der Parteien aus Art. 21 Abs. 1 S. 2 GG beeintr\u00e4chtigen. Die AfD k\u00f6nnte die Rechtswidrigkeit gerichtlich feststellen lassen. Die Erfolgschancen d\u00fcrften gar nicht so schlecht sein.<\/p>\n<p>3. Die AfD kann nun nicht nur eine gro\u00dfe Opferarie anstimmen, sondern auch noch f\u00fcr den Fall, dass sie den \u201ePr\u00fcffall\u201c unbeschadet \u00fcbersteht, behaupten sie sei eine vom Verfassungsschutz \u00fcberpr\u00fcfte Partei, habe also quasi ein staatliches Pr\u00fcfsiegel der Verfassungstreue bekommen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und siehe da, am gleichen Tag, als Schmitz&#8216; Kolumne erschien, wurde dann auch vermeldet (s. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2019-01\/prueffall-afd-verfassungsschutz-einstufung-eilantrag-gutachten?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.facebook.ref.zeitde.share.link.x&amp;utm_medium=sm&amp;utm_source=facebook_zonaudev_ext&amp;utm_campaign=ref&amp;utm_content=zeitde_share_link_x&amp;fbclid=IwAR3tG1VQTFGy-R2hUAVbZ-Aq4ja-1aOSllsSrCqbZ2VhXNmZpa0iTwoAqZ8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), dass die AfD tats\u00e4chlich eine Klage gegen die \u00dcberpr\u00fcfung durch den Verfassungsschutz einreichen will. Punkt 3. wird dabei nat\u00fcrlich auch sogleich bem\u00fcht, denn die Opferrolle nimmt die AfD ja st\u00e4ndig nur allzu gern an.<\/p>\n<p>Schmitz bezeichnet das Ganze als &#8222;Fehler&#8220; des neuen Pr\u00e4sidenten des Verfassungsschutz Thomas Haldewang, der ja erst k\u00fcrzlich den AfD-Freund Hans-Georg Maa\u00dfen nach zahlreichen Fehltritten und offensichtlicher Rechtslastigkeit im Amt beerbt hat. Doch ist jemand wie Haldewang wirklich so naiv, um nicht zu sagen d\u00e4mlich, die Folgen einer solchen Ank\u00fcndigung nicht vorhersehen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Es ist ja nun nicht so, dass davon ausgegangen werden muss, dass nach Maa\u00dfens Abgang keine Rechtsextremen mehr beim Verfassungsschutz ihr Unwesen treiben. Um sich dessen klar zu sein, reicht es ja bereits aus, die Rolle der Verfassungssch\u00fctzer beim NSU-Komplex zu ber\u00fccksichtigen, und auch sonst hat sich der Inlandsgeheimdienst ja schon des \u00d6fteren als Hort rechter Gesinnung pr\u00e4sentiert. K\u00f6nnte es also nicht vielmehr sein, dass Haldewang gar keinen Fehler beging, sondern der AfD mit voller Absicht eine Steilvorlage gab, indem er deren \u00dcberpr\u00fcfung \u00f6ffentlich erkl\u00e4rte?<\/p>\n<p>Ich f\u00e4nde das zumindest nicht allzu weit hergeholt &#8230;<\/p>\n<p>Denn dass der Verfassungsschutz nun nicht pl\u00f6tzlich ein Hort der Transparenz geworden ist, sieht man ja auch daran, dass das Gutachten zur Verfassungsfeindlichkeit der AfD sch\u00f6n unter Verschluss gehalten werden sollte. Das hat allerdings nich so richtig gut geklappt, sodass sich nun <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2019\/wir-veroeffentlichen-das-verfassungsschutz-gutachten-zur-afd\/?fbclid=IwAR3_AqXo5y8tQY-ivf-TkSbkE02eiK9OVcZtiGvXkwDkSt91n4WhfFrTHWI\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auf <em>Netzpolitik.org<\/em> eine vollst\u00e4ndige Version dieser Verfassungsschutzanalyse<\/a> findet, die so der \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Damit d\u00fcrfte man auf Seiten des Verfassungsschutzes wohl eher weniger gerechnet haben.<\/p>\n<p>Die sich in diesem Gutachten findenden brisanten und die AfD belastenden Tatsachen w\u00e4ren n\u00e4mlich, so sch\u00e4tze ich mal, im Fall eines positiven Klagebescheids im Sinne der AfD (von dem, wie Schmitz erl\u00e4utert, aus juristischer Sicht auszugehen ist) einfach in einer Schublade oder in einem Schredder verschwunden &#8211; und das w\u00e4re es dann gewesen.<\/p>\n<p>Der Schaden ist so nun durch das Verhalten Haldewangs eh schon gro\u00df genug: Der Verfassungsschutz kann sagen, er wollte ja die AfD pr\u00fcfen, diese wird dann doch nicht \u00fcberpr\u00fcft und kann einfach so weitermachen wie bisher, und der gesamte rechte Rand der Republik freut sich.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich sieht das also eher nach einer Schmierenkom\u00f6die aus, mit welcher der Verfassungsschutz vermeiden wollte, gegen die Gesinnungsgenossen von der AfD ernsthaft vorgehen zu m\u00fcssen. Der neue Pr\u00e4sident des Dienstes haut zwar nicht so offensichtlich (und offensiv) daneben wie sein Vorg\u00e4nger, macht seinen Job aber leider auch nicht besser &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen hat das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz verlautbaren lassen, dass die AfD zum Pr\u00fcffall erkl\u00e4rt w\u00fcrde. Das bedeutet, dass nun weiteres Material \u00fcber die Rechtsau\u00dfenpartei gesammelt wird, um festzustellen, ob tats\u00e4chlich eine generelle Bedrohung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Landes von der AfD in ihrer Gesamtheit ausgeht (die Jugendorganisation der Partei Junge Alternative [JA] und der sogenannte Teil &#8222;Der Fl\u00fcgel&#8220; um Bj\u00f6rn H\u00f6cke sind bereits eine Stufe weiter und zum Verdachtsfall erkl\u00e4rt worden). 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