{"id":13898,"date":"2019-02-15T22:35:04","date_gmt":"2019-02-15T21:35:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=13898"},"modified":"2019-02-16T10:04:27","modified_gmt":"2019-02-16T09:04:27","slug":"gutmensch-erklaert-vegetarismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=13898","title":{"rendered":"Gutmensch trifft: Vegetarismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der mittlerweile zum Kampfbegriff mutierte Titel \u201eGutmensch\u201c wird auf vielseitige Art und Weise verwendet: Ob zum Diffamieren von \u00f6kologisch engagierten Menschen oder wie in diesem Fall zur \u00fcberheblichen Selbstbetitelung eines M\u00f6chtegernweltretters. An dieser Stelle soll es aber nicht um den Gutmenschen an sich gehen, sondern um seine verkl\u00e4rte und pedantische Weltanschauung sowie seine gern bel\u00e4chelte oder beleidigte Weltverkomplizierung bis hin zur Selbstgei\u00dfelung.<\/strong><\/p>\n<p>Vor einigen Wochen durfte ich das erste Mal ein Krankenhaus als Patient zwecks \u00dcbernachtung besuchen. Ich bekam ein Blatt in die Hand, das nicht nach Vorerkrankungen, Glaubensfragen oder Schlafgewohnheiten fragte, sondern nach Zusammenstellung der drei Hauptmahlzeiten (Fr\u00fchst\u00fcck, Mittagessen und Abendbrot). Ja, des Deutschen Leib und Seele wird durch das Essen zusammengehalten! Entz\u00fcckt stellte ich fest, dass es auch ein Ankreuzchen f\u00fcr Vegetarier gab, welches ich dann auch sogleich markierte.<\/p>\n<p>Nun sei vorab erkl\u00e4rt, dass es auch in der Spezies der Vegetarier verschiedene Unterklassen gibt: W\u00e4hrend einige sogar noch Fisch und Meeresfr\u00fcchte konsumieren, m\u00f6chten andere nicht auf Milch und Eier verzichten, und wieder andere leben komplett vegan (komplett ohne tierische Erzeugnisse). Zu meinem ersten Abendbrot gab es Lachs (den ich nicht besonders vegetarisch finde), am kommenden Mittag Pudding mit Gelatine (ein Bindemittel aus gekochten Schweineknochen) und am n\u00e4chsten Tag zu Mittag Backfisch mit Gem\u00fcse. Da die Portion durch das Weglassen des Fisches doch arg klein war, bat ich (das erste Mal) um eine Alternative zum Fisch (auf dem, wie die Tage zuvor, ein Plastikschild mit der Aufschrift \u201evegetarisch\u201c thronte). Die Antwort der Krankenpflegerin passte dann aber so sch\u00f6n ins Weltbild eines Gutmenschen, dass ich diese hier nicht vorenthalten m\u00f6chte:<\/p>\n<blockquote><p>Ach, das m\u00f6gen Sie auch nicht?<\/p><\/blockquote>\n<p>Gern h\u00e4tte ich entgegnet:<\/p>\n<blockquote><p>Den meisten mir bekannten Vegetariern geht es beim Verzicht auf Fleisch oder alle tierischen Produkte nicht um den Geschmack. Ein geringer Teil tut dies aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden, weil sie z. B. Rheuma oder andere Krankheiten haben, die durch eine vegetarische Ern\u00e4hrung abgeschw\u00e4chter verlaufen. Dann gibt es die zweitgr\u00f6\u00dfte Gruppe, bei denen der Umweltschutz das Hauptargument f\u00fcr den Verzicht ausmacht (die Herstellung von Fleisch verbraucht z. B. bei Rindfleisch achtmal so viel Getreide, wie am Ende pro Kilo dabei herauskommt &#8230; mal abgesehen von den 15.400 l Wasser und den 22 kg Treibhausgasen pro Kilo Rindfleisch). Der absolut gr\u00f6\u00dfte Teil isst keine Tiere, weil diese Gutmenschen es einfach f\u00fcr unethisch halten, dass Tiere f\u00fcr ihr Ern\u00e4hrung get\u00f6tet werden. W\u00fcrde ich Ihnen eine gebratene Hauskatze servieren, w\u00fcrden Sie das wohl ekelig, absto\u00dfend oder krank nennen. Ich nenne es Selbstbetrug.<\/p><\/blockquote>\n<p>Jedem Tierchen sein Pl\u00e4sierchen und jedem Menschen sein Fleisch! Und das meine ich so, wie ich es schreibe. Jeder soll doch essen, was moralisch, ethisch oder einfach geschmacklich vertretbar ist. Nicht ohne Grund haben wir noch Rei\u00dfz\u00e4hne, der ausgewogenen Ern\u00e4hrung \u00fcber Jahrtausende wegen. Aber so gilt eben auch jedem Menschen sein Nicht-Fleisch. Und wenn der eigene Horizont eben nur bis zum eigenen Geschmack geht, dann ist auch das, wie es ist: okay. Nat\u00fcrlich kann ich mir etwas mehr Empathie und etwas weniger Anfeindung w\u00fcnschen, vielleicht sogar hoffen, aber sicher nicht einfordern.<\/p>\n<p>* Wie armselig meine unausgesprochene Argumentation gegen\u00fcber der Krankenpflegerin war, fand ich gerade bei <em>Utopia<\/em>, die mit\u00a0\u201e<a href=\"https:\/\/utopia.de\/11-nachhaltige-gruende-vegetarier-zu-sein-1387\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">11 nachhaltige Gr\u00fcnde, Vegetarier zu sein<\/a>\u201c einen Beitrag \u00fcber ein Buch ver\u00f6ffentlicht haben, dass wiederum 111 Gr\u00fcnde hervorkramen soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der mittlerweile zum Kampfbegriff mutierte Titel \u201eGutmensch\u201c wird auf vielseitige Art und Weise verwendet: Ob zum Diffamieren von \u00f6kologisch engagierten Menschen oder wie in diesem Fall zur \u00fcberheblichen Selbstbetitelung eines M\u00f6chtegernweltretters. 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