{"id":14124,"date":"2019-03-14T17:02:55","date_gmt":"2019-03-14T16:02:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=14124"},"modified":"2019-03-14T17:02:55","modified_gmt":"2019-03-14T16:02:55","slug":"eye-in-the-sky","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=14124","title":{"rendered":"Eye in the Sky"},"content":{"rendered":"<p>Letzte Woche habe ich einen exzellenten und sehr spannenden Film aus dem Jahr 2015 gesehen, der sich mit einer ausgesprochen brisanten Thematik besch\u00e4ftigt: dem Drohnenkrieg. &#8222;<a href=\"https:\/\/www.imdb.com\/title\/tt2057392\/?ref_=nv_sr_1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eye in the Sky<\/a>&#8220; von Regisseur Gavin Hood fokussiert dabei auf einen einzigen Milit\u00e4reinsatz, der quasi in Echtzeit in den gut 100 Minuten gezeigt wird. Dass das Ganze mit Helen Mirren und (in seiner letzten Rolle) Alan Rickmann in zwei tragenden Hauptrollen auch noch erstklassig besetzt ist, ist dann noch das T\u00fcfelchen auf dem i.<\/p>\n<p>Zur Handlung: Das britische Milit\u00e4r will in Ostafrika einige der meistgesuchten Terroristen der Region festnehmen, die sich einem Haus in Kenias Hauptstadt Nairobi treffen sollen. Es kommt dann allerdings alles ein bisschen anders, da sich die Zielpersonen vor dem Zugriff in einen Stadtteil begeben, der von islamistischen Milizen kontrolliert wird, sodass dort keine kontrollierte Festnahme m\u00f6glich w\u00e4re. Also wird ein Plan B in die Wege geleitet, mittels von einer Drohne abgeschossenen Hellfire-Raketen den neuen Treffpunkt mitsamt den Terroristen dem Erdboden gleichzumachen.<\/p>\n<p>Als dann jedoch ein neunj\u00e4hriges M\u00e4dchen mehr oder weniger in die Schusslinie ger\u00e4t, wird es hektisch bei den \u00fcber den halben Erdball verteilt agierenden Kommandierenden &#8230;<\/p>\n<p>Mehr will ich hier nun nicht verraten, denn es baut sich eine extreme Spannung aus dieser Situation heraus auf, die ohne gro\u00dfe Effekte, aber mit viel Schauspielkunst inszeniert wird.<\/p>\n<p>Interessant ist nun das Verhalten der Akteure, denn man merkt, dass eigentlich keiner die Verantwortung zu \u00fcbernehmen bereit ist f\u00fcr einen Angriff, bei dem eventuell sehenden Auges ein Kind get\u00f6tet werden k\u00f6nnte. Jeder versucht sich entweder bei Untergebenen eine Legitimierung zu holen oder sich von H\u00f6hergestellten absichern zu lassen, indem diesen die Entscheidung, ob der Angriff nun durchgef\u00fchrt werden soll oder nicht, aufs Auge gedr\u00fcckt wird. Die \u00dcberlegungen, die dabei angestellt werden, machen einem die Protagonisten nicht eben sympathisch, aber genau das d\u00fcrfte auch die Intention von Regisseur Hood gewesen sein.<\/p>\n<p>Auf diese Weise wird die Unmenschlichkeit, die gerade von so einem \u00fcber Drohnen ferngesteuert gef\u00fchrten Krieg ausgeht, ausgesprochen gut verdeutlicht: Alle, die da \u00fcber Leben und Tod zu entscheiden haben, sitzen weit weg vom Ort des Geschehens in England oder Las Vegas, haben also mit dem schmutzigen Gesch\u00e4ft der Kriegsf\u00fchrung nur \u00fcber Displays und Monitore etwas zu tun. Und aus dieser Situation lassen sich nat\u00fcrlich auch wohlfeil Spekulationen \u00fcber Kollateralsch\u00e4den oder Abw\u00e4gungen bez\u00fcglich eventueller medialer Reaktionen und der damit verbundenen Imagesch\u00e4den vornehmen.<\/p>\n<p>Die wenig actionlastige, teilweise fast schon kammerspielartige Inszenierung einzelner Schaupl\u00e4tze des Geschehens schafft eine Eindringlichkeit und Ernsthaftigkeit, die nicht durch spektakul\u00e4re Sequenzen verschleiert wird, sondern den Zuschauer fesselt und (mich zumindest) w\u00fctend macht: Die Technokratie, mit der einige der Protagonisten vorgehen sowie ihre Entscheidungen treffen und zu legitimieren versuchen, st\u00f6\u00dft ab und offenbart die Perversit\u00e4t moderner Kriegsf\u00fchrung, die so gar nichts Heroisches mehr an sich hat, womit die Gr\u00e4uel kaschiert werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Wenn man sich dann noch \u00fcberlegt, dass solche Waffensysteme in nicht allzu ferner Zukunft komplett autonom und ohne jeglichen menschlichen Einfluss (inklusive der damit zusammenh\u00e4ngenden Bedenken) agieren sollen, dann d\u00fcrfte es den meisten bei dieser Vorstellung grausen &#8211; und das sehr zu Recht!<\/p>\n<p>&#8222;Eye in the Sky&#8220; ist somit f\u00fcr mich ein gro\u00dfartiger Film, bei dem das Milit\u00e4r alles andere als gut wegkommt und die Bestialit\u00e4t von Krieg ausgesprochen deutlich dargestellt wird. Und da der Film nicht mehr ganz brandaktuell ist (vom Erscheinungsdatum her, thematisch hingegen schon), bekommt man den mittlerweile auch f\u00fcr deutlich unter zehn Euro als DVD.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche habe ich einen exzellenten und sehr spannenden Film aus dem Jahr 2016 gesehen, der sich mit einer ausgesprochen brisanten Thematik besch\u00e4ftigt: dem Drohnenkrieg. &#8222;Eye in the Sky&#8220; von Regisseur Gavin Hood fokussiert dabei auf einen einzigen Milit\u00e4reinsatz, der quasi in Echtzeit in den gut 100 Minuten gezeigt wird. 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