{"id":1417,"date":"2014-04-15T23:01:04","date_gmt":"2014-04-15T21:01:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=1417"},"modified":"2019-08-20T23:13:34","modified_gmt":"2019-08-20T21:13:34","slug":"der-markt-wirds-schon-richten-fehlanzeige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=1417","title":{"rendered":"Der Markt wird&#8217;s schon richten? Fehlanzeige!"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Markt<\/em> oder\u00a0<em>die M\u00e4rkte<\/em> sind ja Instanzen, denen mittlerweile vonseiten der Politik und Medien immer wieder nahezu gottgleiche Eigenschaften zugesprochen werden: Sie irren sich nicht, sie m\u00fcssen beruhigt werden, sie regulieren alles, wenn man sie nur l\u00e4sst. Wenn sich die Menschheit in ihren zivilisatorischen Anf\u00e4ngen allerdings auf solche G\u00f6tter verlassen h\u00e4tte, dann w\u00fcrden wir heute als Spezies vermutlich schon lange nicht mehr existieren &#8230;<\/p>\n<p>Heute las ich einen interessanten Artikel auf der Webseite <em>Wirtschaft und Gesellschaft<\/em>\u00a0(leider nicht mehr online aufrufbar) in dem ein Auszug aus dem Buch\u00a0<em>Machtwirtschaft nein danke!<\/em> von Gerhard Schick vorgestellt wird. Hierin wird deutlich, warum das von neoliberalen oder gar libert\u00e4ren Kreisen (im besten Fall aus naiven, im schlimmsten aus b\u00f6swilligen Gr\u00fcnden) propagierte Weltbild, dass eine komplett freie und entfesselte Marktwirtschaft im Endeffekt zum Wohle aller sei, kompletter Mumpitz ist. Je st\u00e4rker eine staatliche Regulierung als Schutzma\u00dfnahme f\u00fcr schw\u00e4chere Marktteilnehmer und zur Aufrechterhaltung der Vielfalt reduziert wird, desto mehr bilden sich Kartelle, Monopole und Seilschaften heraus, die zu ihrem eigenen Vorteil und zum Nachteil aller anderer die Wirtschaft dominieren. Schick liefert daf\u00fcr eindrucksvolle Zahlen:<\/p>\n<blockquote><p>Damit schafft es eine Gruppe von nur 147 Unternehmen, [&#8230;] durch Anteilsverflechtungen die Kontrolle \u00fcber sage und schreibe knapp 40 Prozent der Unternehmenswerte aller transnationalen Konzerne weltweit (!) auszu\u00fcben. Das ist der Kern der Machtwirtschaft. 0,3 Prozent kontrollieren 40 Prozent \u2013 eine unglaubliche Macht! Noch unheimlicher wird es, da diese 147 nicht etwa in Konkurrenz zueinander stehen, sondern sich fast vollst\u00e4ndig auch selbst kontrollieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>So richtig \u00fcberraschend ist dies nat\u00fcrlich nicht, wenn man die Entwicklung der Weltwirtschaft sp\u00e4testens seit Thatcher und Reagan verfolgt, denn das Verdr\u00e4ngen einzelner kleinerer Marktteilnehmer von immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Konzernen ist ja nun seitdem im zunehmenden Ma\u00dfe zu beobachten gewesen, oft auch mit hilfreicher Unterst\u00fctzung des Gesetzgebers, wie zum Beispiel sehr offensichtlich beim <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Telecommunications_Act_of_1996\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Telecommunications Act<\/a> in den USA von 1996. Wikipedia schreibt dazu recht lapidar:<\/p>\n<blockquote><p>Ziel des Gesetzes war die Aufhebung von Wettbewerbsbeschr\u00e4nkungen und die Verst\u00e4rkung des Wettbewerbes. Dazu wurden Marktbarrieren entfernt, welche bisher einen direkten Wettbewerb der Anbieter verhindert hatten. Beispielsweise wurde nun Wettbewerb zwischen lokalen Telefonanbietern erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Das Ziel des Gesetzes der Erh\u00f6hung des Wettbewerbes konnte nicht erreicht werden. Vielmehr verst\u00e4rkte sich die Marktmacht\u00a0einzelner Anbieter.<\/p><\/blockquote>\n<p>Solche Beispiele lassen sich noch viele finden, aber in einem so konkret beschriebenen globalen Ma\u00dfstab wie bei Schick wird einem doch klar, mit welcher Machtkonzentration man es zu tun hat (s. hierzu auch den Beitrag <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=1234\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Globale Konzerne vs. nationale Staaten<\/a> hier auf unterstr\u00f6mt). Und vor allem auch, dass diese zwangsl\u00e4ufige Konzentration von (Markt-)Macht in den H\u00e4nden von immer weniger immer gr\u00f6\u00dferen Konzernen durch eine st\u00e4ndig weitergehende Deregulierung absolut nicht zum besten aller ist.<\/p>\n<p>Auch ein weiterer Mythos der neoliberalen Propaganda wurde heute wieder einmal eindrucksvoll widerlegt: Privat ist immer besser als staatlich! Unter dieser Maxime wurden in den vergangenen Jahren ja zunehmend staatliche Betriebe privatisiert oder teilprivatisiert und sogenannte\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Public_Private_Partnership\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PPPs (Public Private Partnerships)<\/a>\u00a0abgeschlossen \u2013 in der Regel immer zum Nachteil der \u00f6ffentlichen Kassen. Auch im Bildungswesen wird zunehmend auf private Hochschulen gesetzt, oft mit elit\u00e4rem Anspruch und hohen Studiengeb\u00fchren. Trotzdem geraten diese Institute h\u00e4ufiger in wirtschaftliche Schieflage und sind auf \u00f6ffentliche Gelder angewiesen (die eigentlich f\u00fcr die staatlichen Hochschulen besser ausgegeben worden w\u00e4ren, in denen h\u00e4ufig genug Schmalhans K\u00fcchenchef ist, was beispielsweise die Streichung von Studienangeboten und den Zustand der Geb\u00e4ude betrifft), so zum Beispiel die Bremer \u00a0Jacobs University oder die Berliner Humboldt-Viadrina School of Governance. Besonders pikant wird es dann nat\u00fcrlich, wenn diese \u00f6ffentlichen Gelder auch noch veruntreut werden und in privaten Taschen versickern, so wie dies jetzt anscheinend <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/unispiegel\/studium\/ebs-durchsuchung-der-privathochschule-wiesbaden-nach-betrugsvorwurf-a-963887.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">bei der European Business School in Wiesbaden der Fall ist<\/a>. Nun sollte einen kriminelles Gebaren gerade in einem solchen Umfeld nicht allzu sehr verwundern, allerdings ist es schon ziemlich dreist, Business vermitteln zu wollen, seinen eigenen Laden allerdings nicht ohne steuerliche St\u00fctze f\u00fchren zu k\u00f6nnen und sich dann noch selbst die Taschen unlauter damit vollzustopfen (na ja, Business-Style halt &#8230;).<\/p>\n<p>Zwei Beispiele, die zeigen, dass es so ganz ohne Staat nicht geht, wie uns ja immer wieder weisgemacht werden soll. Bestimmte gesellschaftlich wichtige Infrastruktur geh\u00f6rt einfach nicht in die H\u00e4nde profitinteressierter Investoren. Und\u00a0<em>die M\u00e4rkte<\/em> sind auch nur f\u00fcr einige wenige Heilsbringer, wenn man sie komplett aus dem Ruder laufen l\u00e4sst, die gro\u00dfe Masse der Menschen schaut dann nur ziemlich in die R\u00f6hre eines in zunehmenden Ma\u00dfe kartell-monopolitisch organisierten Angebots, was mit der eigenen Nachfrage nicht mehr viel zu tun hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Markt oder die M\u00e4rkte sind ja Instanzen, denen mittlerweile vonseiten der Politik und Medien immer wieder nahezu gottgleiche Eigenschaften zugesprochen werden: Sie irren sich nicht, sie m\u00fcssen beruhigt werden, sie bekommen schon alles reguliert, wenn man sie nur l\u00e4sst. 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