{"id":1494,"date":"2014-05-28T12:44:39","date_gmt":"2014-05-28T10:44:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=1494"},"modified":"2014-06-30T19:21:08","modified_gmt":"2014-06-30T17:21:08","slug":"von-rechts-fuer-den-frieden-das-passt-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=1494","title":{"rendered":"Von rechts f\u00fcr den Frieden \u2013 das passt nicht"},"content":{"rendered":"<p>Vorgestern auf der Montagsdemo\/Mahnwache in Hamburg klang bei ein paar Rednern an, dass es doch egal sei, aus welcher politischen Ecke Menschen k\u00e4men, wenn sie sich nur f\u00fcr den Frieden ausspr\u00e4chen (ich unterstelle diesen Rednern keine rechte Gesinnung, sie \u00e4u\u00dferten sich auch nicht entsprechend, ich hatte vielmehr den Eindruck, dass diese Aussagen vor allem als Reaktion auf die immer wieder vorgebrachten medialen Vorw\u00fcrfe der rechten Ausrichtung der Montagsdemos erfolgten). Dem kann ich nicht zustimmen, denn auch wenn sich jemand nicht im Sinne rechter politischer Positionen \u00e4u\u00dfert, so ist es trotzdem ein Widerspruch an sich, wenn sich ein Anh\u00e4nger rechten Gedankenguts oder rechter Parteien zum Frieden per se bekennt. Dies liegt in der Grundstruktur rechten Denkens und rechter Anschauungen begr\u00fcndet, die genau das auszeichnet, was eben auch eine der Grundlagen daf\u00fcr ist, Menschen \u00fcberhaupt zu kriegerischen Handlungen bewegen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ebenfalls bei einer der Montagsdemos in Hamburg sagte vor ein paar Wochen ein Redner am offenen Mikrofon, dass er die Ursache f\u00fcr Kriege in der heutigen Zeit darin sieht, dass sich die Kontrahenten nicht mehr in die Augen schauen, sondern eben auf gro\u00dfe Entfernung t\u00f6ten mittels Schusswaffen, Granaten, Bomben, Raketen und Drohnen. Dieser Umstand vereinfacht das T\u00f6ten eines Feindes mit Sicherheit, allerdings scheint mit die Aussage trotzdem nicht zuzutreffen, denn schlie\u00dflich wurden auch schon zu Zeiten, als man noch mit Hieb- und Stichwaffen aufeinander losgegangen ist, viele Menschen in kriegerischen Auseinandersetzungen get\u00f6tet. Und auch in Konflikten der Neuzeit wird nicht ausschlie\u00dflich aus der Ferne gemordet, man denke da zum Beispiel nur an den Genozid in Ruanda vor 20 Jahren, als der Gro\u00dfteil der Opfer mit Macheten umgebracht oder bestialisch verst\u00fcmmelt wurde. Auch die Toten in Odessa von vor ein paar Wochen wurden mit Schlagwaffen attackiert, bevor sie in ein Geb\u00e4ude getrieben wurden, das dann in Brand gesteckt wurde &#8211; hier besteht ebenfalls kein wirklicher r\u00e4umlicher Abstand zwischen M\u00f6rder und Ermordetem.<\/p>\n<p>Was bringt also Menschen dann dazu, sich in Kriegen gegenseitig umzubringen? M. E. ist die Entmenschlichung des Gegners die daf\u00fcr entscheidende Voraussetzung. Jemand wird nicht mehr als Mensch wahrgenommen, sondern als Angeh\u00f6riger eine bestimmten, extrem negativ bewerteten Gruppe. Hierbei wird die negative Beurteilung nicht auf das Handeln eines Menschen zur\u00fcckgef\u00fchrt, sondern auf Merkmale, die in der Regel feststehend und vom Individuum nicht wirklich beeinflussbar sind: Nationalit\u00e4t, Zugeh\u00f6rigkeit zu einer ethnischen Gruppe, Religion, sexuelle Orientierung, Geschlecht, Hautfarbe &#8230; Hieraus wird dann (in der Regel von den Herrschenden) ein Feindbild entwickelt, das nach dem Motto &#8222;Wir gegen die anderen&#8220; funktioniert, sodass der Einzelne nicht mehr als Mensch, sondern nur noch als Angeh\u00f6riger einer Gruppe gesehen wird &#8211; und diese Gruppe wird eben generell als b\u00f6se, als S\u00fcndenbock, als feindlich dargestellt. Dadurch verschwindet die individuelle Pers\u00f6nlichkeit, l\u00f6st sich auf in einem Feindbild, das mit Hass und \u00e4hnlichen destruktiven Gef\u00fchlen aufgeladen ist, die dann schlie\u00dflich dazu f\u00fchren, dass Menschen mit Gewalt aufeinander losgehen. Seine perverse Perfektionierung erfuhr dieses Prinzip sicherlich bei den Nationalsozialisten in Dritten Reich, aber im Endeffekt ist es die Grundlage jeden (B\u00fcrger-)Krieges und jeden Genozids: Derjenige, der gestern noch der nette Nachbar (wobei <em>Nachbar<\/em> sich hier auch auf eine Bewohner einer benachbarten Nation beziehen kann) war, ist heute ein entmenschlichtes Objekt, das vernichtet werden, dem ich mit Gewalt begegnen oder das ich zumindest verachten muss.<\/p>\n<p>Erich Maria Remarque beschrieb in seinem Roman &#8222;Im Westen nichts Neues&#8220; dieses Ph\u00e4nomen beziehungsweise dessen Aufl\u00f6sung, als sein Protagonist in einem Artillerietrichter Deckung sucht und dort dann einen franz\u00f6sischen Soldaten ersticht, der das Gleiche vorhat. Neben dem qualvoll Sterbenden kauernd, wird aus dem r\u00f6chelnden K\u00f6rper des Feindes schlie\u00dflich ein Mensch, und nach dessen Tod erfolgt die Erkenntnis:<\/p>\n<blockquote><p>Jetzt sehe ich erst, dass du ein Mensch bist wie ich. Ich habe gedacht an deine Handgranaten, an dein Bajonett und deine Waffen; &#8211; jetzt sehe ich deine Frau und dein Gesicht und das Gemeinsame. Vergib mir, Kamerad! Wir sehen es immer zu sp\u00e4t. Warum sagt man uns nicht immer wieder, dass ihr ebenso arme Hunde seid wie wir, dass eure M\u00fctter sich ebenso \u00e4ngstigen wie unsere und dass wir die gleiche Furcht vor dem Tode haben und das gleiche Sterben und den gleichen Schmerz. &#8211; Vergib mir, Kamerad &#8211; wie konntest du mein Feind sein? Wenn wir diese Waffen und diese Uniform fortwerfen, k\u00f6nntest du ebenso mein Bruder sein wie Kat und Albert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und genau diese Entmenschlichung finden wir auch heute noch in gro\u00dfem Ma\u00dfe, und zwar in immer st\u00e4rkerer Art und Weise, je weiter es politisch nach rechts geht: die Ausl\u00e4nder, die Moslems, die Sinti und Roma, die Juden, die Hartzer, die Schwulen &#8230; Die Liste kann leider noch lang fortgesetzt werden. Hierbei werden in der Regel diffuse \u00c4ngste gesch\u00fcrt, die (mitunter frei erfundene) Einzelbeispiele dazu nutzen, eine ganze Gruppe zu diffamieren &#8211; und \u00c4ngste sind ein gutes Hilfsmittel zur Erzeugung von Irrationalit\u00e4t. Rein rational betrachtet, k\u00f6nnte es n\u00e4mlich so einfach sein: Beurteile einen Menschen danach, was er sagt und wie er handelt, und nicht aufgrund von Faktoren, f\u00fcr die er nichts kann, so wie seine Nationalit\u00e4t, seine Religion usw., die zudem auch noch stets extrem heterogene Gruppen zusammenfassen.<\/p>\n<p>Nun ist jeder rechten Gruppierung eigen, dass sie genau dieses Denken negiert, auf vereinfachende Weise Feindbilder aufbaut und den Hass gegen diese sch\u00fcrt. Da muss man sich nur die Wahlplakate und Wahlkampfaussagen von NPD, AfD und leider mittlerweile auch CDU\/CSU anschauen, aber nat\u00fcrlich wird man da auch bei Hetzern wie Sarrazin, Pirincci oder Broder mehr als f\u00fcndig (jetzt mal nur auf Deutschland bezogen, in anderen L\u00e4ndern sind das nat\u00fcrlich andere Protagonisten mit anderen Feindbildern). Wer sich auf solche Parteien\/Gestalten beruft, kann also auch nicht wirklich f\u00fcr Frieden eintreten, da er so die Entmenschlichung unterst\u00fctzt, die auch grundlegend daf\u00fcr benutzt wird, um die abscheulichsten (Kriegs-)Verbrechen, ja Krieg generell \u00fcberhaupt erst zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorgestern auf der Montagsdemo\/Mahnwache in Hamburg klang bei ein paar Rednern an, dass es egal sei, aus welcher politischen Ecke Menschen k\u00e4men, wenn sie sich nur f\u00fcr den Frieden ausspr\u00e4chen. Dem kann ich nicht zustimmen. Auch wenn sich jemand nicht im Sinne rechter politischer Positionen \u00e4u\u00dfert, so ist es trotzdem ein Widerspruch an sich, wenn sich diese Person zum Frieden per se bekennt. Dies liegt in der Grundstruktur rechten Denkens und rechter Anschauungen begr\u00fcndet, die genau das auszeichnet, was eben auch eine der Grundlagen daf\u00fcr ist, Menschen \u00fcberhaupt zu kriegerischen Handlungen bewegen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[50,52],"tags":[],"class_list":["post-1494","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politisches","category-soziales"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1494","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1494"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1494\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1497,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1494\/revisions\/1497"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1494"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1494"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1494"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}