{"id":1555,"date":"2014-06-23T00:14:17","date_gmt":"2014-06-22T22:14:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=1555"},"modified":"2014-06-30T23:59:09","modified_gmt":"2014-06-30T21:59:09","slug":"die-achse-des-guten-antijournalismus-von-rechts-aussen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=1555","title":{"rendered":"Die Achse des Guten &#8211; Antijournalismus von rechts au\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>Wer sich selbst schon als <em>gut<\/em>\u00a0(und das auch noch im Titel) bezeichnet, vor dem sollte man sich in Acht nehmen. So verh\u00e4lt es sich auch mit der Hetzseite von Henryk M. Broder, einem stramm neoliberal Marktradikalen, der diese Ideologie dann noch mit Ausl\u00e4nderfeindlichkeit und Sozialdarwinismus mischt &#8211; also im Prinzip einen bunten Cocktail an Menschenverachtung braut und diesen wortgewaltig \u00fcber das Volk erbricht (Broder schreibt zum Beispiel regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr Springer). Seine Webseite nennt sich\u00a0<em>Die Achse des Guten<\/em>, und da merkt man schon, wo es langgeht: Tea-Party-Gedankengut, Antiislamismus, also vieles, was den einfach gestrickten Stammtischt\u00f6lpel erfreut.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich treibe ich mich nicht auf solchen Seiten herum, allerdings bekomme ich \u00fcber Facebook manchmal mit, was dort geschrieben wird, wenn irgendjemand dort diesem Geschmier (warum auch immer) ein\u00a0<em>Like<\/em> verpasst. So war es auch mit Folgendem Artikel von Jennifer Nathalie Pyka, einer Journalistenkarikatur, die so schlecht und unreflektiert schreibt, dass sie selbst bei der Achse des Guten das hetzseiteninterne Niveaulimbo deutlich gewinnen d\u00fcrfte. Damit keiner auf diese Seite klicken muss und dem Schmutz somit noch Klicks beschert, habe ich den Text hier mal zitiert und mit ein paar Anmerkungen versehen.<\/p>\n<blockquote><p>Es ist nicht alles schlecht im Zweistromland<\/p>\n<p>Allm\u00e4hlich wird es eng f\u00fcr Vollzeit-Pazifisten und Teilzeit-K\u00e4\u00dfmannisten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Gleich mal am Anfang zeigen, wo der Hammer h\u00e4ngt. Klar, Pazifisten sind ja sowieso schei\u00dfe, und der K\u00e4\u00dfmann mit ihrem Bem\u00fchen um religi\u00f6se Integration kann man ja auch gleich mal einen mitgeben. So was passt alles nicht in das doch recht schlicht gestrickte Weltbild von Frau Pyka.<\/p>\n<blockquote><p>Von Nigeria und Kenia \u00fcber Gaza bis hin nach Kabul bringt sich mittlerweile jede sadistisch veranlagte Gestalt in Stellung, die bislang noch nicht zum Zug gekommen ist. Die Frage, ob man da mit Boko Haram, Hamas oder doch wie gewohnt den Taliban beten soll, ist keineswegs leicht zu beantworten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier h\u00e4tte sich Frau Pyka vielleicht mal ein bisschen informieren sollen, wen sie da alles in einen Topf schmei\u00dft. Gut, f\u00fcr sie sind das vermutlich eh nur alles unzivilisierte Wilde, die irgendwas mit Islam zu tun haben (also prinzipiell schon mal b\u00f6se sind), aber gerade Boko Haram ist dann doch ein sehr spezifisch nigerianisches Ph\u00e4nomen, was durchaus auch einen weltlichen machtpolitischen Bezug zu den dortigen Eliten hat und insofern nicht so ganz das Gleiche ist wie die anderen beiden genannten Gruppierungen. Ich empfehle hierzu <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2014\/juni\/boko-haram-nigerias-entfesseltes-monster\" target=\"_blank\">diesen erhellenden Text von Marc Engelhardt<\/a>, der in den Bl\u00e4ttern f\u00fcr deutsche und internationale Politik erschienen ist.<\/p>\n<div>\n<blockquote><p>Seit Kurzem gibt es jedoch wieder Hoffnung. Denn zwischen Raqqa und Mossul, inmitten des Zweistromlands, keimt nun wahre Menschlichkeit auf. So zumindest entwarnt die S\u00fcddeutsche Zeitung, deren Leser sich bei Bedarf \u00fcber \u201eTerror und Verbraucherschutz\u201c aus dem Hause ISIS informieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir erfahren: Es ist nicht alles schlecht im Zweistromland. Anders als in Deutschland, wo Millionen Menschen an sozialer K\u00e4lte leiden (Tendenz: steigend), wissen die ISIS-K\u00e4mpfer n\u00e4mlich noch, wie soziale Gerechtigkeit funktioniert. Wenn die sympathischen \u201eMilitanten\u201c nicht gerade \u00f6ffentliche Massenexekutionen organisieren, begl\u00fccken sie ihre Umwelt durch ihre \u201everbraucherorientierte\u201c Ader und wohltuende \u201eSozialleistungen\u201c. Denn bei ISIS gibt es nicht nur einen G\u00fcnter Wallraff, der sich um Kebab-St\u00e4nde und Gammelfleisch k\u00fcmmert, sondern auch f\u00e4hige Verkehrspolitiker, die Schlagl\u00f6cher beseitigen. Selbst an \u201eSpa\u00dftagen\u201c f\u00fcr die lieben Kleinen fehlt es nicht &#8211; \u00d6lquellen und Banken, die sich unkompliziert enteignen lassen, sei Dank. Glauben Sie nicht? Bitte sehr:<\/p><\/blockquote>\n<p>Das soll jetzt hier wohl witzige Ironie sein, allerdings offenbart sich hier schon, was gleich beim Lesen des Zitats deutlich wird: Frau Pyka hat anscheinend die Zusammenh\u00e4nge nicht so ganz verstanden. Man sollte sich vielleicht nicht unbedingt \u00fcber Sachen lustig machen, die anscheinend den eigenen intellektuellen Horizont ein wenig \u00fcbersteigen &#8230;<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAber die Islamisten, so schildert es die Zeitschrift The Atlantic , haben in der Tat auch eine verbraucherorientierte, ja fast soziale Seite, auch dies lernt man aus dem syrischen Raqqa. Hier zwangen sie Frauen, sich bis zu den Augen zu verschleiern, setzten Gebetspflicht durch, aber sie richteten auch ein Verbraucherschutzb\u00fcro ein, schlossen Kebab-St\u00e4nde wegen schlechter Qualit\u00e4t, konfiszierten gef\u00e4lschte Medikamente, sch\u00fctteten Schlagl\u00f6cher auf den Stra\u00dfen zu und installierten neue Stromleitungen. Sie gr\u00fcndeten Koranschulen f\u00fcr M\u00e4dchen und Spa\u00dftage f\u00fcr Kinder mit aufblasbaren Rutschen und Eis. Die Dschihadisten verteilten Gem\u00fcse an Bed\u00fcrftige, betrieben eine Suchstelle f\u00fcr Waisen und eine Armenk\u00fcche. Anders als die impfscheuen Taliban f\u00fchrte Isis in Raqqa sogar Kampagnen gegen Kinderl\u00e4hmung durch, so der Bericht.\u201c\u00a0<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/islamistengruppe-isis-terror-und-verbraucherschutz-1.2002712\" target=\"_blank\">http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/islamistengruppe-isis-terror-und-verbraucherschutz-1.2002712<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Nun k\u00f6nnte man anhand dieses Artikels erl\u00e4utern, warum denn wohl die ISIS diese Dinge macht, und dann k\u00e4me man vermutlich zu dem Schluss, dass das zwar extremistische und radikale Islamisten sind mit deutlichem Hand zu bestialischer Gewalt (also wahrlich keine Sympathietr\u00e4ger), aber eben auch keine kompletten Volltrottel. Immerhin haben sie verstanden, dass eine Bewegung wie die ihre auch einen gewissen R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung braucht, um erfolgreich operieren und sich auch einmal zur\u00fcckziehen zu k\u00f6nnen, und diesen R\u00fcckhalt bekommt man eben nicht, wenn man nur draufhaut und Leute massakriert oder verst\u00fcmmelt, sondern eben dadurch, dass man die Bed\u00fcrfnisse er Bev\u00f6lkerung erkennt und dieser, gerade in so gebeutelten Regionen wie dem Irak, das Gef\u00fchl gibt, f\u00fcr die Menschen da zu sein und deren Leben zu verbessern. Das ist clever (und \u00fcbersteigt damit vermutlich jedes Verst\u00e4ndnis von doch anscheinend eher limitierten Denkern wie Frau Pyka) und macht so eine Gruppierung wie ISIS noch deutlich gef\u00e4hrlicher, als sie es eh schon ist.<\/p>\n<blockquote><p>Sollte ISIS sich jetzt noch f\u00fcr M\u00fclltrennung stark machen und einen \u201eVeggie Day\u201c einf\u00fchren, d\u00fcrfte dem Friedensnobelpreis wirklich nichts mehr im Wege stehen. Zumindest von M\u00fcnchen aus betrachtet.<\/p><\/blockquote>\n<p>Noch ein Schenkelklopfer zum Ausklang, die Stammtischler werden schon schmunzeln, denn M\u00fclltrennung und <em>Veggie Day<\/em> finde die ja auch schei\u00dfe. Dass im Artikel der S\u00fcddeutschen gar nicht die Rede davon ist, dass das geschilderte Vorgehen der ISIS nun besonders toll oder lobenswert w\u00e4re, interessiert Frau Pyka auch nicht so wirklich, denn das h\u00e4tte ihr ja die schwachbr\u00fcstige Pointe versaut.<\/p>\n<p>Wir auf unterstr\u00f6mt sind ja durchaus dem medialen Mainstream gegen\u00fcber auch recht kritisch eingestellt, wenn die Medienkritik dann allerdings auf einem solchen unterirdischen Niveau stattfindet wie hier von\u00a0<em>Der Achse des Guten<\/em>, dann ist das zum einen schon ein St\u00fcck weit beleidigend f\u00fcr jeden ernsthaften Blogger, zeigt aber andererseits auch, dass von rechts eben doch nur verbaler Durchfall kommt, der recht schnell als solcher zu enttarnen ist.<\/p>\n<p>In jedem Fall ist hier eine Warnung auszusprechen: <em>Die Achse des Guten<\/em> und das Geschreibe von Frau Pyka gef\u00e4hrden Ihre geistige Gesundheit und verursachen intellektuellen Brechreiz. Also Vorsicht vor dieser Seite!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Korrektheit halber soll hier nat\u00fcrlich noch die <a href=\"http:\/\/www.achgut.com\/dadgdx\/index.php\/dadgd\/article\/es_ist_nicht_alles_schlecht_im_zweistromland\" target=\"_blank\">Quelle des oben Zitierten<\/a> genannt verlinkt werden. Aber, wie gesagt: bitte nicht draufklicken.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich selbst schon als gut (und das auch noch im Titel) bezeichnet, vor dem sollte man sich in Acht nehmen. So verh\u00e4lt es sich auch mit der Hetzseite von Henryk M. Broder, einem stramm neoliberal Marktradikalen, der diese Ideologie dann noch mit Ausl\u00e4nderfeindlichkeit und Sozialdarwinismus mischt &#8211; also im Prinzip einen bunten Cocktail an Menschenverachtung braut und diesen wortgewaltig \u00fcber das Volk erbricht (Broder schreibt zum Beispiel regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr Springer). Seine Webseite nennt sich Die Achse des Guten, und da merkt man schon, wo es langgeht: Tea-Party-Gedankengut, Antiislamismus, also vieles, was den einfach gestrickten Stammtischt\u00f6lpel erfreut.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[67],"tags":[],"class_list":["post-1555","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medial-manipulatives"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1555","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1555"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1555\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1565,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1555\/revisions\/1565"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1555"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1555"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1555"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}