{"id":16127,"date":"2019-08-07T09:01:32","date_gmt":"2019-08-07T07:01:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=16127"},"modified":"2019-08-07T15:21:27","modified_gmt":"2019-08-07T13:21:27","slug":"das-zauberwort-heisst-wertschaetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=16127","title":{"rendered":"Das Zauberwort hei\u00dft Wertsch\u00e4tzung"},"content":{"rendered":"<p>Der Hass im Netz, aber auch analog ist gewaltig geworden. Kaum ein Tag, an dem der Hass nicht zu erleben w\u00e4re. Kaum ein Tag, an dem sich nicht Menschen in Politik, Medien und Gesellschaft \u00fcber den Hass beklagen, beklagen m\u00fcssen. Oft, viel zu oft, wo Hass auch Taten zur Folge hat. Von Drohungen bis hin zu tats\u00e4chlichen k\u00f6rperlichen Angriffen. Nicht nur in den USA, lange schon bei uns.<\/p>\n<p>Karl schrieb einen sehr bemerkenswerten und gut recherchierten Artikel \u00fcber die Instrumentalisierung des Hasses: <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=15966\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Allt\u00e4glichkeit rechten Terrors<\/a> . Ich habe dem nichts hinzuzuf\u00fcgen. Er ist eineindeutig in seiner Richtigkeit. Mir geht es heute und hier deshalb auch nicht um diese Instrumentalisierung, sondern um die Ursachen des Hasses, wenn sie nicht im Hass auf die Menschen, im Rassismus und Antisemitismus, generell begr\u00fcndet sind. Gegen Rassisten und Antisemiten hilft keine Medizin, gegen deren Hass hilft nur der Chirurg am Ende, der die Krebszelle herausschneidet, sodass wir sie isolieren, wegsperren k\u00f6nnen, am Wachsen hindern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mir geht es um die Ursachen, warum dieser Hass &#8211; den es immer gab und geben wird &#8211; auf so fruchtbaren Boden wieder fallen kann, sodass er wieder instrumentalisiert werden kann, warum wir das beklagen m\u00fcssen, was Karl so trefflich darlegte.<\/p>\n<p>Dass wir diesen Hass beklagen, ertragen m\u00fcssen, auch weit unter der terroristischen Schwelle, hat f\u00fcr mich eine wesentliche Ursache. Es mangelt an Wertsch\u00e4tzung in dieser Gesellschaft; sie ist nicht mehr wertsch\u00e4tzend genug; sie zerst\u00f6rt sogar das bisschen Wertsch\u00e4tzung, welches noch \u00fcbrig geblieben ist. Es liegt also am Umgang, am Miteinander, am Immer-mehr-Gegeneinander, welches letztendlich zum Hass und zu vielen Taten aus Hass gef\u00fchrt hatte und, ich f\u00fcrchte, weiterhin f\u00fchren wird.<\/p>\n<p>Fehlt die Wertsch\u00e4tzung &#8211; und sie fehlt, gerade durch den Kotau der SPD vor dem Neoliberalismus durch die Hartz-Gesetzgebung &#8211; in der Gesellschaft, so wird sie vermisst. Es entsteht Zorn bei denen, die sie vermissen m\u00fcssen, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger, aber Zorn entsteht immer. Sloterdijk hat hier v\u00f6llig recht gehabt, diesen Zusammenhang zwischen mangelnder Wertsch\u00e4tzung und Zorn ausdr\u00fccklich zu benennen.<\/p>\n<p>Aus Zorn wird schnell Wut, gerade dann, wenn er auf Ignoranz und Ignoranten trifft, wobei auch hier die SPD &#8222;gegl\u00e4nzt&#8220; hatte und immer noch &#8222;gl\u00e4nzt&#8220;. Allerdings nicht allein, Gr\u00fcne, Gelbe, Schwarze sind nicht frei von Schuld. Im Gegenteil, sie haben einen geh\u00f6rigen Anteil am berechtigten Zorn gro\u00dfer Teile der Gesellschaft. Auch sie sind verantwortlich daf\u00fcr, dass schon Kinder aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden, wie eine <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/kinderarmut-wenn-das-geld-nicht-mehr-fuer-den-zoobesuch-reicht-a-1279987.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Studie des Parit\u00e4tischen Wohlfahrtsverbandes<\/a> aufzeigt. Die mitausgegrenzten Elternteile sollte man dabei ebenfalls bedenken.<\/p>\n<p>Schwarze, Gr\u00fcne, Gelbe sind vielleicht sogar noch viel verantwortlicher als die SPD, die wenigstens versucht, ein wenig dagegen anzugehen, mehr schlecht als recht zwar, weil notwendige Einsichten immer noch fehlen, aber immerhin. Die Haushalter, auch der Gr\u00fcnen, der Schwarzen, der Gelben, auch die der SPD, verhindern aber wirklich wertsch\u00e4tzende Ma\u00dfnahmen. Auch hier wirkt die Schuldenbremse, wird die Wertsch\u00e4tzung unserer Zukunft, die f\u00fcr mich immer noch im Kinde liegt, mit F\u00fc\u00dfen getreten. Sonntagsgelabere, Wahlgeschwafel, Versprechungen aller Art nehme ich deshalb schon lange nicht mehr ernst, diese Wertsch\u00e4tzung versage ich den Parteien. M\u00f6gen sie ruhig zornig auf mich sein. Ich bin es l\u00e4ngst auf sie.<\/p>\n<p>Wut, aus Zorn entstanden, gebiert schnell Hass. Man kann nicht dauerhaft w\u00fctend bleiben, ohne irgendwann Hass zu empfinden, auf die zu empfinden, die man als urs\u00e4chlich ansieht f\u00fcr die eigene Wut. Es w\u00e4re unmenschlich dies zu verlangen und dennoch tun wir es, weil wir dem Zorn, der sich immer \u00f6fter daran anschlie\u00dfenden Wut nicht die Gr\u00fcnde nehmen, nicht einmal dann, wenn der Zorn offensichtlich berechtigt ist, wenn n\u00e4mlich Menschen unter dem Entzug von Wertsch\u00e4tzung leiden, weil andere Dinge wichtiger scheinen, als den Menschen wertzusch\u00e4tzen, als alle Menschen wertzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Es wird also Zeit, endlich an die Wurzeln des Zorns zu gehen, vielleicht wird dann der Hass einsamer und legt sich dadurch, verschwinden wird er lange nicht, aber kleiner k\u00f6nnen wir ihn machen. Zu viel ist geschehen, was den Hass in die Gesellschaft getragen hatte, und zu viel geschieht noch, was den Zorn sch\u00fcrt und damit am Ende den Hass.<\/p>\n<p>Ich sehe allerdings derzeit nichts und niemanden, der hierzu bereit w\u00e4re, sodass ich f\u00fcrchte, dass wir noch lange mit dem Hass zu leben haben werden, weil wir noch lange die Wertsch\u00e4tzung vieler Menschen den \u00d6konomisten zuliebe mit F\u00fc\u00dfen treten werden. Es fehlt einfach an den richtigen Einsichten in Zeiten der Null. Es gibt halt kein richtiges Leben im Falschen, wie Adorno schon vor fast 80 Jahren zu Recht feststellte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Hass im Netz, aber auch analog ist gewaltig geworden. Kaum ein Tag, an dem der Hass nicht zu erleben w\u00e4re. Kaum ein Tag, an dem sich nicht Menschen in Politik, Medien und Gesellschaft \u00fcber den Hass beklagen, beklagen m\u00fcssen. Oft, viel zu oft, wo Hass auch Taten zur Folge hat. 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