{"id":16202,"date":"2019-08-05T08:58:44","date_gmt":"2019-08-05T06:58:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=16202"},"modified":"2019-08-08T00:39:39","modified_gmt":"2019-08-07T22:39:39","slug":"das-dilemma-mit-der-massentierhaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=16202","title":{"rendered":"Das Dilemma mit der Massentierhaltung"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Gastartikel von Markus Mansius<\/em><\/p>\n<p>2017 starben ca. 771 Millionen Tiere in der Massentierhaltung.[1] Das sind 771 Millionen Schicksale, denn dass Tiere Schmerzen empfinden und z. B. Schweine sich ihrer selbst bewusst sind (sie erkennen sich im Spiegel), sollte inzwischen allgemein bekannt sein.<\/p>\n<p>Ich will mich vorerst auch nur auf die Schweine konzentrieren, sonst wird es zu ausf\u00fchrlich.<\/p>\n<p>Das Leben von Mastschweinen ist kurz und grausam. Kaum sind sie auf der Welt, werden m\u00e4nnliche Ferkel noch immer bet\u00e4ubungslos kastriert, vielen Ferkeln wird obendrein der Schwanz abgeschnitten, um Kannibalismus zu vermeiden. Normalerweise sind Schweine ja gesellige und soziale Tiere, doch bei dem Stress, dem sie in der Enge der Massentierhaltung ausgesetzt sind, gilt das nichts mehr. Ein Mastschwein sieht wohl nie das Sonnenlicht, wenn \u00fcberhaupt, dann h\u00f6chstens vielleicht am Ende seines Lebens, wenn es einen kurzen Blick durch den schmalen Schlitzen des Tiertransportes auf dem Weg zum Schlachthaus erheischen kann. Es ist jetzt gerade einmal sechs bis sieben Monate alt (ein Schwein kann 20 Jahre alt werden), hat sein trauriges Dasein auf einer Fl\u00e4che von 0,8 m\u00b2 verbracht, wiegt ca. 125 kg,[5] und sein letztes St\u00fcndchen hat &#8211; f\u00fcr den menschlichen Hunger nach Fleisch &#8211; gerade geschlagen. Ist ihm jetzt das Gl\u00fcck kurz hold und es landet in einem kleinen Schlachthof, wird es mit der Elektrozange bet\u00e4ubt, in einem gro\u00dfen Schlachthaus hingegen z\u00e4hlt nur Effektivit\u00e4t, daher wird das arme Schwein hier mit Kohlendioxid bet\u00e4ubt, nach 10 bis 20 Sekunden Atemnot und Panik hat es dann auch hier sein Bewusstsein verloren. Nun wird es kopf\u00fcber an einen Haken geh\u00e4ngt, und die Halsschlagader wird aufgeschnitten.[2] Das traurige Leben endet nun durch Verbluten genauso, wie es begonnen hat: anonym und w\u00fcrdelos.<\/p>\n<p>Dieses Schicksal erleiden jeden Tag ca. 160.000 Schweine.[2] \u00dcbrigens: Hatte das Schwein etwas mehr Gl\u00fcck und wurde in einem Biobetrieb gem\u00e4stet, so endet vor den Toren des Schlachthaus das Gl\u00fcck schlagartig, denn es wird i . d. R. genauso geschlachtet wie ein Schwein aus konventioneller Haltung.[8]<\/p>\n<p>Soviel zum Schicksal unserer Schnitzel, Filets und W\u00fcrste. Jetzt kommen wir zur Auswirkung auf unsere Umwelt &#8211; und die sind katastrophal.<\/p>\n<p>Durch die Haltung in viel zu engen R\u00e4umen und die dadurch auftretende Gefahr von Masseninfektionen ist der Einsatz von Antibiotika unerl\u00e4sslich, dieser erfolgt oft auch pr\u00e4ventiv.[9] 2017 wurden insgesamt 733 Tonnen des Medikamentes eingesetzt, das ist zwar im Vergleich zu 2011 weniger als die H\u00e4lfte, aber daf\u00fcr verschreiben die Tier\u00e4rzte inzwischen immer mehr Reserveantibiotika, die eigentlich eben nur im Notfall angewendet werden sollen.[3] Das ist reiner Irrsinn, denn inzwischen haben sich durch den massenhaften Einsatz so viele Resistenzen gebildet, dass skrupellose Tier\u00e4rzte es anscheinend f\u00fcr n\u00f6tig halten, unsere letzten Reserven einzusetzen, sodass es inzwischen auch schon dagegen Resistenzen gibt. J\u00e4hrlich sterben in Deutschland nach Sch\u00e4tzungen 2300 bis 40.000 Menschen an Antibiotikaresistenzen, die Zahlen klaffen allerdings weit auseinander, bis zu einer Millionen erkranken,[4] viele behalten langfristige oder gar bleibende Sch\u00e4den zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Kommen wir zum Futter. 4,5 Millionen Tonnen Soja sind als Tierfutter 2015 importiert worden.[6] F\u00fcr Soja wird der Regenwald abgeholzt, es ist in der Regel gentechnisch ver\u00e4ndert, damit es gegen das Herbizid Glyphosat resistent ist. Dieses wird dann teilweise in gro\u00dfe Mengen auch per Flugzeug und in der N\u00e4he von Siedlungen gespritzt. Der massive Einsatz f\u00f6rdert neben Erkrankungen der Bewohner zudem Superresistenzen bei den bek\u00e4mpften Wildkr\u00e4utern, was den Einsatz von noch mehr Giften zur Folge hat.[7] Der Transport per Schiff ist zudem sehr umwelt- und klimasch\u00e4dlich.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein Kilogramm Fleisch ben\u00f6tigt man im Schnitt 7 \u00a0bis 16 Kilogramm Getreide und \u00fcber 8500 Liter Wasser, f\u00fcr ein Kilogramm Gem\u00fcse und Fr\u00fcchte etwas \u00fcber 400 Liter, bei Getreiden, H\u00fclsenfr\u00fcchten und Reis sind es 1600 Liter, bei Eiern und Milch knapp 2500 Liter.[10] Neben dem Import von Soja werden in Deutschland 57 % der landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen f\u00fcr Futterpflanzen verwendet, dem stehen lediglich 26,5 % f\u00fcr pflanzliche Nahrungsmittel gegen\u00fcber.[11]<\/p>\n<p>Die Massentierhaltung tr\u00e4gt zudem nicht unwesentlich zum Klimawandel bei, der auch durch von Rindern produziertes Lachgas und Methan weiter verst\u00e4rkt wird.<\/p>\n<p>Was bleibt einem nun \u00fcbrig? Nur noch Biofleisch essen? Vegetarier oder Veganer werden?<\/p>\n<p>Das alles w\u00fcrde einem zwar selbst ein ruhigeres Gewissen verschaffen, aber dieses Problem leider nicht l\u00f6sen. Denn der weltweite Hunger nach Fleisch steigt immer weiter an und damit auch die Massentierhaltung in Deutschland. Es ist schlicht egal, was man selbst tut, man kann Massentierhaltung so nicht verhindern. Dabei w\u00e4re die L\u00f6sung ganz einfach: Der Gesetzgeber m\u00fcsste sich nur an seine Gesetze halten, denn \u00a7 1 des deutschen Tierschutzgesetzes lautet:<\/p>\n<blockquote><p>Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen f\u00fcr das Tier als Mitgesch\u00f6pf dessen Leben und Wohlbefinden zu sch\u00fctzen. Niemand darf einem Tier ohne vern\u00fcnftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Sch\u00e4den zuf\u00fcgen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es muss nicht mal ein Verbot her, die Politik muss nur endlich ihre eigenen Gesetze anwenden und Massentierhaltung mit Berufung auf den \u00a7 1 des Tierschutzgesetzes endlich verbieten, zumal Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist.<\/p>\n<p>Doch das umzusetzen, wird schwierig, denn Tiere haben keine Lobby, daf\u00fcr schmecken sie vielen leider einfach zu gut, und das scheint den Leuten wohl ein hinreichend &#8222;vern\u00fcnftiger Grund&#8220; zu sein &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/albert-schweitzer-stiftung.de\/aktuell\/schlachtzahlen-2018\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/albert-schweitzer-stiftung.de\/aktuell\/schlachtzahlen-2018<\/a><\/p>\n<p>[2] <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/mediathek\/video\/sendungen\/quarks-und-co\/video-so-funktioniert-eine-schweine-schlachtung-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www1.wdr.de\/mediathek\/video\/sendungen\/quarks-und-co\/video-so-funktioniert-eine-schweine-schlachtung-100.html<\/a><\/p>\n<p>[3] <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/medizin\/antibiotika-in-der-tiermast-abgegebene-menge-nimmt-ab-a-1219888.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/medizin\/antibiotika-in-der-tiermast-abgegebene-menge-nimmt-ab-a-1219888.html<\/a><\/p>\n<p>[4] <a href=\"https:\/\/medtipp.com\/index.php\/allgemeines\/1125-krankenhauskeime-40000-tote-jaehrlich-in-deutschen-hospitaelern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/medtipp.com\/index.php\/allgemeines\/1125-krankenhauskeime-40000-tote-jaehrlich-in-deutschen-hospitaelern<\/a><\/p>\n<p>[5] <a href=\"https:\/\/albert-schweitzer-stiftung.de\/massentierhaltung\/schweine\/mastschweine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/albert-schweitzer-stiftung.de\/massentierhaltung\/schweine\/mastschweine<\/a><\/p>\n<p>[6] <a href=\"http:\/\/www.harbuch.de\/frische-themen-artikel\/aguma-harburg-und-die-sojabohne.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.harbuch.de\/frische-themen-artikel\/aguma-harburg-und-die-sojabohne.html<\/a><\/p>\n<p>[7] <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_VO2E4O0YhU&amp;fbclid=IwAR0HibRWIMK4vXq2nmUhFaTcT0KDn9SJX5vD2hEbljEIbEH7m8X_EbejriY\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_VO2E4O0YhU&amp;fbclid=IwAR0HibRWIMK4vXq2nmUhFaTcT0KDn9SJX5vD2hEbljEIbEH7m8X_EbejriY<\/a><\/p>\n<p>[8] <a href=\"https:\/\/schrotundkorn.de\/lebenumwelt\/lesen\/schlachtet-bio-besser.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/schrotundkorn.de\/lebenumwelt\/lesen\/schlachtet-bio-besser.html<\/a><\/p>\n<p>[9] <a href=\"https:\/\/utopia.de\/doku-killer-keime-aus-dem-stall-63113\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/utopia.de\/doku-killer-keime-aus-dem-stall-63113<\/a><\/p>\n<p>[10] <a href=\"https:\/\/www.swissveg.ch\/wasserverbrauch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.swissveg.ch\/wasserverbrauch<\/a><\/p>\n<p>[11] <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Umwelt\/Publikationen\/Querschnitt-Sonstiges\/fachbericht-flaechenbelegung-pdf-5385101.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Umwelt\/Publikationen\/Querschnitt-Sonstiges\/fachbericht-flaechenbelegung-pdf-5385101.pdf<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2017 starben ca. 771 Millionen Tiere in der Massentierhaltung.[1] Das sind 771 Millionen Schicksale, denn dass Tiere Schmerzen empfinden und z. 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