{"id":16242,"date":"2019-08-08T08:41:18","date_gmt":"2019-08-08T06:41:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=16242"},"modified":"2019-08-08T08:41:18","modified_gmt":"2019-08-08T06:41:18","slug":"e-scooter-wahnsinn-mit-ansage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=16242","title":{"rendered":"E-Scooter &#8211; Wahnsinn mit Ansage?"},"content":{"rendered":"<p>Kann es sein, dass nicht der E-Scooter das eigentliche Problem ist, sondern der Verleih dieser Fahrzeuge, das Gesch\u00e4ft damit?<\/p>\n<p>Sind dieses Gesch\u00e4ft und seine Folgen nicht sogar hinweisgebend, auf mehr sogar als nur diesen Missstand?<\/p>\n<p>Kann es sein, dass dieses Sharing-Konzept zu gr\u00f6\u00dferen Problemen f\u00fchrt als die Probleme, die es zu l\u00f6sen verspricht?<\/p>\n<p>Kann es sein, dass hier geradezu auch eine Rechtfertigung des privaten Eigentums zu finden ist, des kleinen zumindest, f\u00fcr den eigenen Gebrauch?<\/p>\n<p>Kann es nicht sogar sein, dass die Probleme mit dem E-Scooter gar keine neuen Probleme sind, diese durch das Gesch\u00e4ft mit dem Fahrradverleih in den Gro\u00dfst\u00e4dten zumindest erahnbar gewesen w\u00e4ren?<\/p>\n<p>Kann es deshalb auch sein, dass weder die Politik in Berlin noch die der L\u00e4nder, auch nicht die der jetzt betroffenen Kommunen allzu \u00fcberrascht sein d\u00fcrfte von den nun offensichtlichen Problemen mit diesem E-Scooter?<\/p>\n<p>Ich meine, dass man durchaus diese Fragen stellen muss. Mehr noch, vor der Genehmigung h\u00e4tte man sie stellen sollen, weil man besser dann vielleicht auch gehandelt h\u00e4tte. Noch wichtiger allerdings w\u00e4re, sich diese Fragen zu stellen, bevor man weiterhin unreflektiert auf ein \u00f6konomisches Modell des Teilens setzt, es derart hypt wie derzeit, wie es auch von \u00d6konomen und \u00d6konominnen gehypt wird im Bereich der Energie- und Verkehrswende.<\/p>\n<p>Dass das Sharing-Modell E-Scooter, schon das Sharing-Modell Fahrrad, Probleme verursacht, ist offensichtlich. Unf\u00e4lle, Behinderungen des flie\u00dfenden Verkehrs, Umweltprobleme und vieles mehr werden t\u00e4glich in den Medien breitgetreten. Warnungen gab es gen\u00fcgend, aber die sind wieder einmal in den Wind geschlagen worden. Fu\u00dfg\u00e4nger, die die Lautlosigkeit und Geschwindigkeit beklagen, Autofahrer, die nun einem noch un\u00fcbersichtlicheren Verkehr gegen\u00fcberstehen, noch dazu in Ballungsr\u00e4umen, wo der Verkehr sowieso mehr steht als f\u00e4hrt, der Stresspegel h\u00f6chste H\u00f6hen erreicht hat, waren die erwartbaren Folgen. Diese h\u00e4tten bedacht werden m\u00fcssen, bevor diese Entscheidung, die E-Scooter als Verkehrsmittel zuzulassen, getroffen worden war. Ja, das Schlimmste ist verhindert worden: Man hat den Strahlemann Scheuer ausgebremst, ein wenig zumindest. Dennoch sind die Folgen nach kurzer Zeit schon f\u00fcr viele Mitb\u00fcrger eingetreten, meist f\u00fcr die, die selbst diese <em>Dinger<\/em> gar nicht nutzen. Die E-Scooter, wie vorher die Fahrr\u00e4der, liegen rum an Stellen, wo sie oft gef\u00e4hrlich f\u00fcr die Menschen sein k\u00f6nnen, an Treppen, auf den Fu\u00dfwegen, achtlos weggeworfen, nutzlos eben f\u00fcr den vorherigen Nutzer. &#8222;Nach mir die Sintflut.&#8220; &#8222;Sollen sich andere darum k\u00fcmmern. Ich habe ja schlie\u00dflich f\u00fcr die Nutzung bezahlt.&#8220; &#8222;Ich, ich, ich und nochmals ich.&#8220;<\/p>\n<p>Wobei wir nun schon die erste Frage beantworten k\u00f6nnen. Es ist das Gesch\u00e4ft mit dem E-Scooter, welches die Probleme verursacht. Nicht das Gesch\u00e4ft an sich, sondern die Basis, auf der dieses Gesch\u00e4ft stattfindet, dem Gedanken des vern\u00fcnftigen, r\u00fccksichtsvollen Individuums, welches jede technische Neuerung verantwortungsvoll zu nutzen w\u00fcsste. Die Naivit\u00e4t, an ein solches Individuum in der Mehrheit der Menschheit noch zu glauben, scheint ungebrochen, scheint nicht nur den Lindners vorbehalten zu sein.<\/p>\n<p>Warum mache ich das Gesch\u00e4ftsmodell hauptverantwortlich? Niemand Vern\u00fcnftiges k\u00e4me auf die Idee, mit seinem Eigentum so umzugehen, wie es hier mit fremden Eigentum geschieht. Wen wundert es, wenn die durchschnittliche Haltbarkeit eines verliehenen E-Scooters nur etwa ein Vierteljahr betr\u00e4gt? Mich nicht und die Verleiher auch nicht, denn die haben diese Ressourcenverschwendung schon mit eingepreist. H\u00e4tten sie es nicht, so w\u00e4ren sie schnell pleite. Mindestens sie sind nicht naiv im Glauben an die Kraft des allseits Guten im Menschen.<\/p>\n<p>Auch die zweite Frage ist schnell beantwortet. Ja, dieses Sharing-Konzept f\u00fchrt zu gr\u00f6\u00dferen Problemen, als es sie l\u00f6sen kann. Wobei ich nicht einmal sicher bin, dass das E-Scooter-Sharing \u00fcberhaupt irgendwelche Probleme l\u00f6st, eher glaube ich, dass es nur geeignet ist, diese zu schaffen. Wer leiht sich schon einen E-Scooter f\u00fcr die letzte Meile von Bus und Bahn zur Arbeitsst\u00e4tte und zur\u00fcck? Kaum jemand. Diese M\u00e4r ist doch von vornherein eine M\u00e4r gewesen. Es geht um Spa\u00df, es geht um das Gesch\u00e4ft mit dem Spa\u00df, wie so oft in unserer Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die Frage nach dem Eigentum, habe ich eigentlich schon beantwortet bei der Beantwortung der ersten Frage. Ja, das private Eigentum erf\u00e4hrt hier eine gewisse Rechtfertigung, weil es Verantwortung schafft und Einsicht in diese Verantwortung. Niemand wird sich ein teures Gut anschaffen, um es dann so achtlos zu behandeln, wie es hier behandelt wird. In gewissen Grenzen ergibt Eigentum also Sinn, ist es sinnvoller, als Eigentum anderer zu mieten oder zu pachten. Dann n\u00e4mlich, wenn die notwendigen Einsichten fehlen, wenn die M\u00f6glichkeiten fehlen, diese Einsichten auch \u00fcber Sanktionen herzustellen.<\/p>\n<p>Nun zur Frage danach, was man h\u00e4tte wissen k\u00f6nnen. Ja, man h\u00e4tte es wissen k\u00f6nnen, im Bund, in den L\u00e4ndern und in den Kommunen. Die nun hervorgezauberte \u00dcberraschung ist wohlfeil. Man h\u00e4tte es sehen k\u00f6nnen, wenn man sich angeschaut h\u00e4tte, welche gro\u00dfen Probleme schon der Fahrradverleih in den Gro\u00dfst\u00e4dten verursacht, wie wenig wertsch\u00e4tzend das Eigentum der Verleiher von denen behandelt wird, die ausleihen. Nein, hier \u00dcberraschung nun zu vermelden, das ist Heuchelei.<\/p>\n<p>Ob eine Sharing-\u00d6konomie also funktioniert, wenn Sharing Miete ist, wenn Sharing das Eigentum Dritter verwendet, wage ich immer mehr anzuzweifeln. Sharing braucht Regeln und Verantwortung und nicht reines gesch\u00e4ftliches Denken. Ich wage sogar zu behaupten, das die Ressourcenverschwendung noch zunehmen k\u00f6nnte, w\u00fcrde auf ein solches \u00f6konomisches Sharing zuk\u00fcnftig gebaut werden. Es mag beim Auto noch funktionieren, aber beim E-Scooter und beim Fahrrad funktioniert es nicht.<\/p>\n<p>Das Auto als teures Wirtschaftsgut zu sichern scheint im Interesse der Verleiher zu sein, weshalb ich durchaus annehme, dass ein Carsharing unter gewissen Bedingungen sinnvoll sein kann, aber nicht sein muss. Je niedriger allerdings die Anschaffungskosten sind, die Kosten der Wiederbeschaffung, desto h\u00f6her allerdings die Kosten der Eigentumssicherung im Verh\u00e4ltnis zu den Wiederbeschaffungskosten, umso eher die Idee, die Verluste hinzunehmen, einzupreisen. Insofern f\u00fchrt diese Sharing-\u00d6konomie auf den direkten Weg in die Wegwerfgesellschaft. Ein klimapolitischer, \u00f6konomischer Fauxpas erster Ordnung, den sich die Politik, die Verkehrspolitiker hier wieder geleistet haben. Klimapolitisch, weil die Ziele damit konterkariert werden. \u00d6konomisch, weil wir als Gesellschaft wieder auf den Kosten h\u00e4ngen bleiben, die der Individualismus, dieses <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=14326\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Ich zuerst<\/em><\/a>, hier verursachen.<\/p>\n<p>Neu denken, anders denken, besser denken, auch hier wieder als Forderung von mir aufgestellt. Weniger Markt und mehr Vernunft ist endlich auch von den Politikern zu fordern, die auch diesen Irrsinn in St\u00e4dten h\u00e4tten leicht verhindern k\u00f6nnen, h\u00e4tten sie sich die M\u00fche des Denkens im Vorfeld schon gemacht und nicht wieder erst im Nachhinein.<\/p>\n<p>Fazit: Der E-Scooter als Sharing-Modell ist Ausdruck des politischen Versagens von Berlin bis hinunter in die Kommunen. Eines wiederholten Versagens, wie die Probleme beim Fahrrad-Sharing zeigen. Ein zwangsl\u00e4ufiges Versagen, eben weil nur dem Angebot im Denken Rechnung getragen wird, die Nachfrage als Masse, die sich dem Angebot anzupassen h\u00e4tte, betrachtet wird und damit die Gesellschaft als Ganzes ignoriert wird. Zwangsl\u00e4ufig und wiederholend, einer neoliberalen Denkweise in Politik und Verwaltungen geschuldet, die dem Angebot und dem Anbieter alle Vorrechte einzur\u00e4umen geneigt ist.<\/p>\n<p>Das Fragezeichen in der \u00dcberschrift ist damit auch obsolet, kann gedanklich gestrichen werden. Mehr noch, muss ich immer mehr an Shakespeare denken dieser Tage: &#8222;Das ist die Seuche unserer Zeit: Verr\u00fcckte f\u00fchren Blinde.&#8220; (K\u00f6nig Lear)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann es sein, dass nicht der E-Scooter das eigentliche Problem ist, sondern der Verleih dieser Fahrzeuge, das Gesch\u00e4ft damit?<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[616,50,52],"tags":[707,709,708],"class_list":["post-16242","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-umwelt","category-politisches","category-soziales","tag-e-scooter","tag-markt","tag-sharing-oekonomie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16242","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16242"}],"version-history":[{"count":48,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16242\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16301,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16242\/revisions\/16301"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16242"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16242"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16242"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}