{"id":16598,"date":"2019-08-20T11:00:18","date_gmt":"2019-08-20T09:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=16598"},"modified":"2019-08-20T11:28:11","modified_gmt":"2019-08-20T09:28:11","slug":"gesellschaft-zum-verzeifeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=16598","title":{"rendered":"Gesellschaft zum Verzweifeln"},"content":{"rendered":"<p>Kaum kommt von einem Politiker der Vorschlag, Fleisch h\u00f6her zu besteuern, laufen die Medien und mit ihnen viele Menschen Amok. Das ist nicht zu fassen. Dabei geht es mir in erster Linie gar nicht um die Frage, ob das nun sinnvoll oder gerecht ist, es geht darum, dass der hemmungslose Fleischkonsum in hohem Ma\u00dfe zum Klimawandel beitr\u00e4gt und nebenbei Antibiotikaresistenzen f\u00f6rdert, global unsere Umwelt zerst\u00f6rt, von den Qualen der Tiere mal ganz abgesehen. Und dann kommen ernsthaft solche Fragen wie von der <em>Zeit<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2019-08\/fleischsteuer-mehrwertsteuer-tierwohl-klimaschutz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ob Fleisch zu billig w\u00e4re<\/a>?<\/p>\n<p>Da muss man sich wirklich fragen, was die Leute in den letzten Jahrzehnten so angestellt haben, wenn sie in gro\u00dfen Teilen immer noch nicht wissen, unter welchen Umst\u00e4nden ihre Lebensmittel erzeugt worden sind, bevor sie auf den Teller landen. Und das betrifft bei Weitem nicht nur Tierprodukte.<\/p>\n<p>Und es geht hier nicht einmal darum, dass der Preis verdoppelt oder verdreifacht werden soll, es geht lediglich um eine Erh\u00f6hung von ca. 11 %. Das Schweinefilet w\u00fcrde dann statt 4,75 Euro pro 500 g (Rewe, Ja,) 5,28 \u20ac kosten, H\u00fchnerbrust (Landjunker, Lidl, 600 g) statt 3,69 \u20ac 4,10 \u20ac. Beides erg\u00e4be eine Mahlzeit f\u00fcr mehrere Personen und ist immer noch viel zu billig, denn wenn das tats\u00e4chlich der Preis w\u00e4re, der Massentierhaltung und Umweltzerst\u00f6rung vermieden h\u00e4tte, w\u00e4re das schon ein uns\u00e4glicher Skandal, das nicht einmal so viel \u00fcber ist. Aber der Preis liegt schon um einiges h\u00f6her.<\/p>\n<p>Darauf will ich auch gar nicht n\u00e4her eingehen, es geht mir einfach nur darum, dass wirklich jeder Ansatz und Gedanke, umweltschonender zu leben, schon im Keim Emp\u00f6rung oder zumindest gro\u00dfe Verunsicherung ausl\u00f6st: Umweltschutz ja, aber blo\u00df nicht auf meine Kosten.<\/p>\n<p>Die Hauptfrage ist daher: Wie will man mit einer Gesellschaft, die in gro\u00dfen Teilen zwar erkannt hat, dass der Klimawandel menschengemacht ist und dass etwas ge\u00e4ndert werden muss, aber nicht in der Lage ist, das auch wirklich zu tun, irgendetwas erreichen? Soll man tats\u00e4chlich nur die Preise anheben wie mit der Fleischsteuer? Damit Wohlhabende, \u00fcbrigens auch die Gruppe mit der schlechtesten \u00d6kobilanz, weiter die Umwelt drangsalieren und den Klimawandel vorantrieben k\u00f6nnen, w\u00e4hrend der Rest verzichten muss? Ist das Klimagerechtigkeit? Ganz bestimmt nicht.<\/p>\n<p>Was also tun? (Finanzielle) Anreize schaffen? Und wenn, wie soll ein Anreiz aussehen, kein Fleisch mehr zu essen? Wie will man die Leute \u00fcberzeugen, freiwillig nicht mehr in den S\u00fcden zu fliegen? Wie erkl\u00e4rt man ihnen wirkungsvoll, dass sie keine Kreuzfahrten mehr machen sollten?<\/p>\n<p>Oder wollen wir doch so weitermachen, darauf warten, dass emmissionsfreie Schiffe und Flugzeuge marktreif werden (wohl am Sankt-Nimmerleins-Tag), und hoffen, dass es schon gut gehen wird? W\u00e4hrend das Eis schmilzt, die Arktis brennt, Permafrostb\u00f6den auftauen und immer mehr CO2 abgeben, t\u00e4glich irgendwo neue Temperaturrekorde gemessen werden?<\/p>\n<p>Nein, wir brauchen Ver\u00e4nderungen, Regeln und Verbote. Produktionsverbot von Ressourcen- und Benzinschleudern, daf\u00fcr Ausbau eines bezahlbaren \u00d6PNV, Abschalten von Kohlekraftwerken, daf\u00fcr massive Investitionen in erneuerbare Energien und Speichertechnologien, keine Inlandsfl\u00fcge mehr, daf\u00fcr die Bahn entprivatisieren und zukunftsf\u00e4hig &#8211; und damit ist nicht gewinntr\u00e4chtig gemeint &#8211; aufstellen, Massentierhaltung abschaffen, Importverbot von Futtermitteln, deren Herstellung die Umwelt sch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Das alles kann Teil der Ver\u00e4nderung sein, aber auch wir m\u00fcssen alle zu mehr Bescheidenheit bereit sein. Muss man tats\u00e4chlich jeden Schnickschnack kaufen? Braucht man alle zwei Jahre ein neues Smartphone, ein neuen Fernseher, st\u00e4ndig neue M\u00f6bel? Muss es wirklich die Fernreise sein?<\/p>\n<p>Vielleicht sollten die Angeh\u00f6rigen des Mittelstands auch mal hinterfragen, was in ihrem Leben falsch l\u00e4uft, dass sie sich mit sinnlosem Konsum gl\u00fccklich machen, sich selbst darstellen oder zumindest befriedigen m\u00fcssen? Und sich deswegen dann oft in stressigen Jobs kaputt arbeiten.<\/p>\n<p>Ist die Gesellschaft tats\u00e4chlich bereit daf\u00fcr? Ich bef\u00fcrchte nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum kommt von einem Politiker der Vorschlag, Fleisch h\u00f6her zu besteuern, laufen die Medien und mit ihnen viele Menschen Amok. Das ist nicht zu fassen. 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