{"id":16800,"date":"2019-09-03T09:13:43","date_gmt":"2019-09-03T07:13:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=16800"},"modified":"2019-09-03T09:13:43","modified_gmt":"2019-09-03T07:13:43","slug":"eine-kultur-der-wertschaetzung-friede-freude-eierkuchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=16800","title":{"rendered":"Eine Kultur der Wertsch\u00e4tzung &#8211; Friede, Freude, Eierkuchen?"},"content":{"rendered":"<p>Nein, das w\u00e4re keine Kultur der Wertsch\u00e4tzung. Es w\u00e4re das Gegenteil von Kultur. Kultur ist auch der Streit darum, was Kultur ist, was Kultur darf. Einzig die eine Antwort ist gegeben, was Kultur immer sein muss: wertsch\u00e4tzend n\u00e4mlich, wenn sie als Solche gelten will, wenn sie Grundlage einer solchen Gesellschaft sein will, sein muss, wie ich behaupte.<\/p>\n<p>Kritiker meiner Thesen m\u00f6gen es anders sehen. Auch das ist Wertsch\u00e4tzung, dies zu akzeptieren. Aber aus der Kritik entspringt auch der Beweis meiner These, dann zumindest, wenn die Begr\u00fcndung der Theorie auf Idealen beruht, die mit der Kritik durchgesetzt werden sollen. Gerade diese Ideale zeigen doch, wie wenig anderes als dieses Ideal wertgesch\u00e4tzt werden soll, wenn dieses Ideal am Ende bestimmen soll, welche Freiheit noch wert sein soll, verteidigt zu werden. Das Freiheits-Dilemma des Ideals wird auch in dieser Kritik deutlich.<\/p>\n<p>Die Frage, sofern sie von Kritikern kommt, &#8218;wie soll das gehen&#8216;, ist eine Kritik, der man sich allerdings auch stellen muss, der ich mich schon gestellt habe, der ich mich weiterhin widmen werde. Nichts anderes n\u00e4mlich waren die Artikel bisher, die ich ver\u00f6ffentlichte, als Hinweise, was es zu beachten g\u00e4be, auf dem vision\u00e4ren Weg hin zu einer Kultur der Wertsch\u00e4tzung und damit einer wertsch\u00e4tzenden Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Die Kultur der Wertsch\u00e4tzung, ebenso wie die darauf aufbauende Gesellschaft, muss wehrhaft sein<\/strong><\/p>\n<p>Wehrhaft zu sein, hei\u00dft zuerst einmal zu erkennen, das die Toleranz Grenzen haben muss. Die Grenze ist hier eindeutig: alles, was der Wertsch\u00e4tzung widerspricht, kann so lange toleriert werden, wie es die Wertsch\u00e4tzung nicht zu zerst\u00f6ren sucht.<\/p>\n<p>Wird versucht, von wem auch immer, die gegenseitige Wertsch\u00e4tzung zu zerst\u00f6ren, so ist dieses Handeln zu unterbinden und dieser Mensch oder diese Gruppe von Menschen auch zu bek\u00e4mpfen. Eine Wertsch\u00e4tzung der Nichtwertsch\u00e4tzung kann es nicht geben, genauso wenig, wie eine Toleranz der Intoleranz gegen\u00fcber. Auch die Wehrhaftigkeit muss deshalb Teil der Kultur sein, auch der, der Wertsch\u00e4tzung. Alles andere w\u00e4re suizidal!<\/p>\n<p>Auch daraus ergibt sich, das\u00a0<em>Friede, Freude, Eierkuchen\u00a0<\/em>nichts ist, was Attribut und damit Anspruch einer Kultur der Wertsch\u00e4tzung ist und soll sie erhalten bleiben, auch nie werden darf. Sie w\u00fcrde sich selbst zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Kultur der Wertsch\u00e4tzung ist deshalb der immerw\u00e4hrende Kompromiss und die Anerkenntnis, das kein Kompromiss je alle zufrieden stellen k\u00f6nnen wird, aber das er unbedingt wertsch\u00e4tzend erfolgen muss und im Ergebnis der wertsch\u00e4tzenden Gesellschaft auch Rechnung zu tragen hat und zwar immer ohne sie zu sch\u00e4digen.<\/p>\n<p>Friede, Freude, Eierkuchen oder sozialp\u00e4dafogische Stuhlkreise sind genau das Gegenteil und die falsche Antwort, die deshalb auch hier nicht gegeben worden ist oder behauptet worden ist. Die wehrhafte Demokratie ist eine der Antworten, die diskursive Demokratie eine weitere, aber Beide sind nichts ohne den Kompromiss und dieser braucht die Wertsch\u00e4tzung, soll nicht weiterhin als Diktat empfunden werden, von immer mehr Menschen, die l\u00e4ngst der Demokratie mehr als skeptisch gegen\u00fcber stehen, die den Ideologen damit wieder drohen auf den Leim zu gehen, den Kritikern meiner Vorstellung von Gesellschaft, was auf der Inhaltsebene zu erreichen ist.<\/p>\n<p><strong>Wertsch\u00e4tzung findet immer ihren Ausdruck auf der Beziehungsebene<\/strong><\/p>\n<p>Denn hier gilt Habermas, seine Unterscheidung der Inhalts- von der Beziehungsebene, die dennoch immer gleichzeitig pr\u00e4sent sind. Wer auf der Inhaltsebene streiten will, der muss auf der Beziehungsebene wertsch\u00e4tzend bleiben. Es kommt also auf den Umgang miteinander an, immer! Nur der Umgang, die Art und Weise des Umgangs miteinander, entscheidet letztendlich, ob auf der Inhaltsebene etwas erreicht werden kann oder nicht, ob das Erreichte dann auch nachhaltig wirken kann. Niemand, der sich auf der Beziehungsebene nicht wertgesch\u00e4tzt f\u00fchlt, wird auf der Inhaltsebene zu einem Kompromiss bereit sein. Im Gegenteil, er wird trotzig sich abwenden. Die Wahlen in Brandenburg und Sachsen, die Ergebnisse der AfD, sind, so meine ich, Beweis daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Inhaltlich absurd, die AfD zu w\u00e4hlen, aber \u00fcber die Beziehungsebene, \u00fcber die mangelnde Wertsch\u00e4tzung der Menschen auf dieser Ebene, f\u00fcr mich durchaus erkl\u00e4rbar, nicht entschuldbar und nicht zu rechtfertigen, aber erkl\u00e4rbar.<\/p>\n<p>Denn auch ich, \u00fcbrigens, ignoriere Menschen, die auf der Beziehungsebene mir nicht die ausreichende Wertsch\u00e4tzung entgegen bringen, versage mich der Diskussion auf der Inhaltsebene. Stimmt n\u00e4mlich das Verhalten auf der Beziehungsebene nicht, so kann auf der Inhaltsebene nichts viel mehr herauskommen, als Streit und gegenseitige Entt\u00e4uschung. Daf\u00fcr ist mir meine Lebenszeit zu schade.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, das w\u00e4re keine Kultur der Wertsch\u00e4tzung. Es w\u00e4re das Gegenteil von Kultur. Kultur ist auch der Streit darum, was Kultur ist, was Kultur darf. 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