{"id":17223,"date":"2019-09-17T09:04:04","date_gmt":"2019-09-17T07:04:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=17223"},"modified":"2019-10-17T11:21:35","modified_gmt":"2019-10-17T09:21:35","slug":"hoecke-im-zdf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=17223","title":{"rendered":"H\u00f6cke im ZDF"},"content":{"rendered":"<p>Wie ja schon vor einiger Zeit in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=9323\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel hier auf <em>unterstr\u00f6mt<\/em><\/a> festgestellt, bietet das \u00f6ffentlich-rechtliche Fernsehen der AfD immer wieder gern mal eine B\u00fchne, um deren Menschenverachtung in die \u00d6ffentlichkeit zu posaunen und somit den \u00f6ffentlichen Diskurs und das, was dabei ohne Scham gesagt werden kann, weiter nach zu verschieben. Leider scheint man da vonseiten der Journalisten nicht sehr lernf\u00e4hig zu sein, denn nun hat das ZDF sogar den Bj\u00f6rn H\u00f6cke zum Interview eingeladen. Dabei wollte man den AfD-Rechtsau\u00dfen wohl vorf\u00fchren, indem man ihm pr\u00e4sentiert, dass seine Parteikollegen nicht in der Lage waren, get\u00e4tigte Aussagen eindeutig H\u00f6cke oder Hitler zuzuordnen (s. <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute\/zdf-interview-mit-bjoern-hoecke-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>), doch das ging nat\u00fcrlich mal wieder nach hinten los.<\/p>\n<p>H\u00f6cke brach das Interview nach kurzer Zeit ab und verlie\u00df das Studio &#8211; kennt man von den AfD-Leuten ja schon hinreichend beispielsweise von Alice Weidel, und geh\u00f6rt eben auch zu deren Strategie. Sollte man eigentlich erwarten, dass Profijournalisten und -redakteure das mittlerweile auch mitbekommen haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Das scheint allerdings nicht der Fall zu sein, denn das Grundproblem bleibt nach wie vor, dass H\u00f6cke somit mal wieder vom \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen eine B\u00fchne geboten bekommen hat. Und es hat bisher eben auch noch nie geklappt, die AfD auf diese Weise zu &#8222;entzaubern&#8220;, sondern das Resultat war immer, dass der \u00f6ffentliche Diskurs weiter nach rechts verschoben wurden, dass die AfD-Begrifflichkeiten ein St\u00fcck weiter normal wurden, dass der Rechtsruck weiter befeuert wurde.<\/p>\n<p>Das ist die Kommunikationsstrategie der AfD. Weidel sah vermeintlich auch nicht gut aus, als sie vor ein paar Jahren aus einer Gespr\u00e4chsrunde gest\u00fcrmt ist, doch geschadet hat ihr das nicht. Es geht denen darum, den Platz im \u00f6ffentlichen Diskurs zu besetzen, danach wird das dann schon entsprechend so dargestellt (&#8222;Wir waren mal wieder das Opfer&#8220;, &#8222;Die Systemmedien haben uns zum Feind&#8220; usw.), dass der eigene Anhang was zum Abfeiern hat &#8211; und man kann sich selbst als Anti-Establishment-Partei (was die AfD ja in keiner Weise ist) darstellen.<\/p>\n<p>Die Versuche, mit Leuten zu diskutieren, deren Absicht es ist, den Diskurs zu zerst\u00f6ren, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt (s. dazu <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2018\/juni\/debatte-oder-protest-wie-weiter-gegen-rechts\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/franziskaschutzbach.wordpress.com\/2019\/06\/23\/rechtspopulismus-laesst-sich-mit-argumenten-nicht-entkraeften\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> &#8211; wichtige Artikel, auf die ich ja schon \u00f6fter hingewiesen habe). Da dies nun schon \u00f6fter zu beobachten war, sollte man meinen, dass sich bei Profijournalisten diese Erkenntnis auch durchgesetzt h\u00e4tte. Sind die nun einfach nur ein bisschen d\u00e4mlich oder steckt Absicht dahinter? Ersteres w\u00e4re f\u00fcr mich weniger erschreckend, aber leider auch wesentlich unwahrscheinlicher. So ist H\u00f6ckes Taktik, erst seine Weltanschauung in den \u00c4ther zu posaunen und dann abzuzischen, wenn es f\u00fcr ihn nichts mehr zu holen gibt, mal wieder aufgegangen.<\/p>\n<p>Es ist letztlich immer wieder der gleiche &#8222;Fehler&#8220;: zu glauben, dass man der AfD schadet, indem man sie \u00f6ffentlich auf sachliche Weise attackiert, um sie als rechtsextrem darzustellen. Das ist nichts Neues, das wei\u00df mittlerweile jeder AfD-W\u00e4hler auch, und die AfD kann ihr Opfer-Narrativ und ihren &#8222;Wir gegen die Etablierten&#8220;-Mythos weiterstricken. Auf dem Feld ist also nichts mehr zu holen &#8211; ganz im Gegenteil.<\/p>\n<p>Was hingegen der AfD tats\u00e4chlich schaden w\u00fcrde, w\u00e4re, sie mal auf sozialpolitische Themen festzunageln. Da liegt sie ja ziemlich auf einer unsozialen Linie mit FDP und CDU, was nur wenigen W\u00e4hlern der Blaubraunen \u00fcberhaupt klar sein d\u00fcrfte, die sich von den rassistischen Parolen und den damit zusammenh\u00e4ngenden S\u00fcndenbockmodellen einfangen lie\u00dfen. Doch genau diese Themensetting findet so gut wie nicht statt. Warum wohl?<\/p>\n<p>Weil man auf diese Weise n\u00e4mlich auch die marktradikale Regierungspolitik der letzten Jahrzehnte hinterfragen und kritisieren m\u00fcsste. Und das ist in den Radaktionen, wo halt vor allem eine besser verdienende W\u00e4hlerklientel von FDP und CDU zugange ist, nicht so richtig angesagt. Es k\u00f6nnte ja den eigenen Besitzstandswahrungsinteressen entgegenlaufen &#8230;<\/p>\n<p>Also bietet man der AfD eine Plattform, um diese weiter zu st\u00e4rken oder zumindest konstant auf ihrem derzeitigen Niveau zu halten. Die Neoliberalen haben n\u00e4mlich selbst nichts Positives mehr zu bieten, da immer offensichtlicher wird, dass ihr System komplett scheitert (immer mehr Armut und Ungerechtigkeit bei steigender Umweltzerst\u00f6rung) und dabei die ganze Menschheit zu vernichten droht (Klimakatastrophe). Also braucht man ein inszeniertes Feindbild innerhalb des eigenen Systems, um sich so selbst als &#8222;die Guten&#8220; darstellen zu k\u00f6nnen und die Unzufriedenen von Systemkritik abzuhalten, indem man ihnen ein rassistisches Sammelbecken anbietet (wie ich ja vor einigen Jahren <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=6796\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> schon mal ausf\u00fchrlich schilderte).<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns dabei immer vor Augen halten: Der Neoliberalismus braucht die Demokratie und den Rechtsstaat nicht, das hat man ja schon beim ersten neoliberalen &#8222;Gro\u00dfexperiment&#8220; im Pinochet-Chile gesehen. Wenn diese Errungenschaften hinderlich sind, dann werden sie eben zugunsten von oligarchischen (die ohnehin schon im System angelegt sind) und auch totalit\u00e4ren Strukturen ersetzt. Hauptsache, der Religion des Marktradikalismus kann weiter gefr\u00f6nt werden.<\/p>\n<p>Und anstatt diese Fehlentwicklung aufzugreifen und zu kritisieren, tun leider viel zu viele Journalisten dabei mit, inszenieren immer wieder einen &#8222;Theaterdonner&#8220; um die AfD, nur um diese als mittlerweile relevanten systemerhaltenden Bestandteil zu st\u00e4rken. Fatale Entwicklung &#8211; und dazu noch komplett idiotisch, wenn man mal in die AfD-Programme schaut, was diese denn so von freiem Journalismus halten. Aber das ist diesen redaktionellen Schergen anscheinend auch egal &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ja schon vor einiger Zeit in einem Artikel hier auf unterstr\u00f6mt festgestellt, bietet das \u00f6ffentlich-rechtliche Fernsehen der AfD immer wieder gern mal eine B\u00fchne, um deren Menschenverachtung in die \u00d6ffentlichkeit zu posaunen und somit den \u00f6ffentlichen Diskurs und das, was dabei ohne Scham gesagt werden kann, weiter nach zu verschieben. Leider scheint man da vonseiten der Journalisten nicht sehr lernf\u00e4hig zu sein, denn nun hat das ZDF sogar den Bj\u00f6rn H\u00f6cke zum Interview eingeladen. 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