{"id":17296,"date":"2019-09-30T10:08:05","date_gmt":"2019-09-30T08:08:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=17296"},"modified":"2019-10-01T09:01:25","modified_gmt":"2019-10-01T07:01:25","slug":"erwartet-nicht-zu-viel-umso-weniger-werdet-ihr-enttaeuscht-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=17296","title":{"rendered":"Erwartet nicht zu viel, umso weniger werdet ihr entt\u00e4uscht werden"},"content":{"rendered":"<p>Es wird keinen Richtungswechsel auf absehbare Zeit geben. Weder bei der Mobilit\u00e4t noch in der Bewirtschaftung des Waldes oder gar in der Landwirtschaft, auch nicht bei der Tierhaltung oder was auch immer einen solchen verlangen wird. Es wird bei Anpassungen bleiben, bei ein wenig Stellschrauben drehen. Wirkliche Richtungs\u00e4nderung sind sehr unwahrscheinlich, besonders im Lande des Mythos einer sozialen Marktwirtschaft und bei diesen vielen, vielen Mystikern hier.<\/p>\n<p>Warum?<\/p>\n<p>Ein Richtungswechsel w\u00fcrde das Primat der Politik voraussetzen, und dem steht die Marktwirtschaft entgegen, die n\u00e4mlich das Primat der M\u00e4rkte ist und nichts anderes letztendlich auch durchzusetzen wei\u00df.<\/p>\n<p>M\u00e4rkte sind auf Anpassung gepolt, und zwar auf Anpassung an die M\u00e4rkte, nicht an die gesellschaftlichen Notwendigkeiten. Der Preis ist ihr Steuerungselement, und Preise m\u00fcssen sich immer auf M\u00e4rkten rechtfertigen, nicht gesellschaftlich. Die Gesellschaft hat sich an diese Preise anzupassen, fast nie umgekehrt, seit es der \u00d6konomie gelungen war, der Natur und der Arbeitskraft einen Marktpreis zuzuordnen, einen fiktiven Preis, wie Karl Polanyi, Wirtschaftshistoriker, es schon in den 1940er-Jahren zu Recht benannt hatte, seit die \u00d6konomie die soziale Frage zu einer \u00f6konomischen Frage machen konnte, sie entpolitisieren konnte.<\/p>\n<p>Die Interessen der Gesellschaft interessieren die Marktwirtschaft und ihre Vertreter nur dann, wenn sie nicht mehr zu leugnen sind und wenn sie dadurch zu einer Gefahr f\u00fcr die M\u00e4rkte und die Marktwirtschaftler werden, wenn, wie ich es sage, \u201eMarktwirtschaft auf die Realit\u00e4t trifft&#8220;, die Verwerfungen \u00fcber Gegenbewegungen (Polanyi) zu einem Preisverfall f\u00fchren k\u00f6nnten. Man bedenke dabei, dass Preise letztendlich Einkommen darstellen, der Preis deshalb auch &#8222;hei\u00df&#8220; sein muss!<\/p>\n<p>Greta Thunbergs Leistungen sind enorm, aber sie reichen nicht aus, denn eines scheinen mir die Kids auch noch nicht verstanden zu haben, den richtigen Adressaten zu benennen: die Marktwirtschaft.<\/p>\n<p>Es ist die Marktwirtschaft, die seit mehr als 200 Jahren den Kapitalismus in eine h\u00e4ssliche und gef\u00e4hrliche Richtung geleitet hatte, weil die Preise die Richtung bestimmen und nicht mehr die Vernunft. Das zu erkennen wird \u00fcberlebenswichtig werden, und erst wenn die Bewegungen dies erkennen, werden sie auch dagegenhalten k\u00f6nnen, werden sie vielleicht den Richtungswechsel auch einleiten k\u00f6nnen. Bisher sehe ich das nicht, was allerdings kein Vorwurf ist. Zu gro\u00df ist die Mystifizierung der Marktwirtschaft, die Verkl\u00e4rung und Verbr\u00e4mung des Kapitalismus, die Ideologisierung auf allen Seiten.<\/p>\n<p>Deshalb erwartet nicht zu viel, damit eure Entt\u00e4uschung nicht zu gro\u00df wird, euer Zorn sich in Grenzen halten kann, nicht auch noch zu Wut und Hass und vielleicht dann Gewalt wird. Adressiert richtig und helft mit die Gesellschaft des Preises wieder zu einer Gesellschaft des politischen und damit demokratischen Willens zu machen. Ich jedenfalls werde mich bem\u00fchen, dies zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird keinen Richtungswechsel auf absehbare Zeit geben. Weder bei der Mobilit\u00e4t noch in der Bewirtschaftung des Waldes oder gar in der Landwirtschaft, auch nicht bei der Tierhaltung oder was auch immer einen solchen verlangen wird. Es wird bei Anpassungen bleiben, bei ein wenig Stellschrauben drehen. 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