{"id":17961,"date":"2019-11-12T15:38:53","date_gmt":"2019-11-12T14:38:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=17961"},"modified":"2019-11-12T15:38:53","modified_gmt":"2019-11-12T14:38:53","slug":"noch-mal-was-zur-nachfrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=17961","title":{"rendered":"Noch mal was zur Nachfrage &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Vor fast f\u00fcnf Jahren schrieb ich hier auf <em>unterstr\u00f6mt<\/em> schon mal einen <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2480\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel zu dem Thema &#8222;Angebot und Nachfrage&#8220;<\/a>, in dem ich aufzeigte, dass das Angebot die Nachfrage bestimmt &#8211; und nicht umgekehrt. Da sich allerdings immer noch der Mythos h\u00e4lt, dass die Nachfrage einen entscheidenden Einfluss auf das Angebot h\u00e4tte, hier noch mal eine kleine Erg\u00e4nzung zum damaligen Artikel.<\/p>\n<p>Im Rahmen meines gerade vollzogenen Umzugs habe ich n\u00e4mlich die reichlich Erfahrung mit einer &#8222;Errungenschaft&#8220; unserer Zeit machen m\u00fcssen: Callcenter. Wenn man etwas von gr\u00f6\u00dferen Unternehmen m\u00f6chte und deswegen dort anruft, landet man eigentlich mittlerweile fast immer zun\u00e4chst in irgendwelchen Warteschleifen, bekommt zuweilen auch eine automatische Stimme, die einige Angaben abfragt, an die Strippe, und schlie\u00dflich hat man dann einen Callcenter-Mitarbeiter am Apparat, dem man sein Anliegen schildern kann.<\/p>\n<p>Kennt Ihr irgendjemanden, der das toll findet, der meint, dass dieses Prozedere besser w\u00e4re als der klassische Sachbearbeiter? Dieses Hotline-Callcenter-Ged\u00f6ns ist ja auch etwas, was durchaus Nerven kosten kann: Man h\u00e4ngt in Warteschleifen fest, was u. U. viel Zeit kostet, man wird zuweilen komplett abgeb\u00fcgelt, ohne mit einem richtigen Menschen gesprochen zu haben, man wird aufgefordert, sp\u00e4ter noch mal anzurufen, da gerade niemand Zeit f\u00fcr einen h\u00e4tte, und wenn man wegen eines Vorgangs mehrmals anrufen muss, dann darf man den ganzen Sermon jedes Mal von Neuem berichten, da man in den seltensten F\u00e4llen zweimal den gleichen Callcenter-Agent am Telefon haben d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Mir ist zumindest nicht bekannt, dass es vor einigen Jahren mal eine Nachfrage nach derartigem Service gegeben h\u00e4tte &#8211; und dennoch wird man heute andauernd damit konfrontiert, ob man nun will oder nicht.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung daf\u00fcr ist die gleiche wie immer: Nicht die Nachfrage bestimmt das Angebot, sondern das Angebot wird von Rentabilit\u00e4ts\u00fcberlegungen und Profitstreben dominiert, und im Zweifel wird dann eben noch mithilfe von Werbung, PR und Marketing daf\u00fcr gesorgt, dass der Konsument das auch haben will.<\/p>\n<p>So wie beispielsweise bei den SUVs. Kennt Ihr jemanden, der vor 15 Jahren gesagt hat: &#8222;Och, so ein Pseudogel\u00e4ndewagen mit enormen Ausma\u00dfen, das w\u00e4re doch genau das Richtige f\u00fcr den Stadtverkehr &#8211; so was m\u00fcsste es mal geben!&#8220;? Ich nicht &#8230; Und dennoch fahren diese h\u00e4ssliche Proll-Panzer heute in gro\u00dfen Massen in den St\u00e4dten umher. Ein sehr offensichtliches Beispiel, wie sich die Nachfrage \u00fcber Werbung ihre Nachfrage schafft.<\/p>\n<p>Wobei nat\u00fcrlich Callcenter nicht beworben werden m\u00fcssen. Aber hier greift dann ein anderer Mechanismus, n\u00e4mlich dass gro\u00dfe und marktbeherrschende Unternehmen eben einfach Dinge nicht im Sinne der Verbraucher, sondern des eigenen Profits machen. Da werden die Kunden erst mittels Werbung gek\u00f6dert, und wenn man sie dann erst am Haken hat, springt man mit ihnen um, wie man m\u00f6chte, und nervt sie mit Callcentern und Hotlines sowie dem daraus resultierenden miesen Service. Und solange die Mitbewerber das auch alle so machen, ist es f\u00fcr den Kunden auch letztendlich wurscht, mit welchem Unternehmen er sich rum\u00e4rgert.<\/p>\n<p>Doch mit der Legende der Nachfrage, die das Angebot bestimmt, l\u00e4sst sich ja auch so sch\u00f6n Stimmung machen im Sinne der marktradikalen Ideologie, denn man kann darauf abstellen, dass der Einzelne ja durch sein (Konsum-)Verhalten gro\u00dfen Einfluss auf das Gebaren von Unternehmen habe. Dass das nicht so ist, hat vor einiger Zeit ja bereits die Autorin Kathrin Hartmann in einem sehr lesenswerten <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/interview-zu-konsumverhalten-es-gibt-heute-mehr-sklaven-als-zur-zeit-des-sklavenhandels-1.3923268\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Interview zum Thema Greenwashing<\/a> in der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em> treffend beschrieben. Nur ist eben so die Politik sch\u00f6n aus dem Schneider, wenn der Konsument angeblich komplett selbst die Verantwortung h\u00e4tte, und man kann allen Ansinnen nach Regulierung mit dem Totschlagargument kommen, dass ja die Freiheit angeblich durch \u00fcberm\u00e4\u00dfige Verbote eingeschr\u00e4nkt wurde.<\/p>\n<p>Denn eines muss man sich vor Augen halten: Solche neoliberalen Mythen werden nicht umsonst am Leben gehalten, obwohl sie mit der Realit\u00e4t nichts zu tun haben, sondern dienen immer dem Zweck, die marktradikale Agenda in den K\u00f6pfen der Menschen zu manifestieren. Weswegen man diesem Umfug auch tunlichst widersprechen sollte, wenn man ihm begegnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor fast f\u00fcnf Jahren schrieb ich hier auf unterstr\u00f6mt schon mal einen Artikel zu dem Thema &#8222;Angebot und Nachfrage&#8220;, in dem ich aufzeigte, dass das Angebot die Nachfrage bestimmt &#8211; und nicht umgekehrt. 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