{"id":18315,"date":"2019-12-09T12:21:26","date_gmt":"2019-12-09T11:21:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=18315"},"modified":"2019-12-09T12:21:26","modified_gmt":"2019-12-09T11:21:26","slug":"ludwig-erhard-der-erfinder-der-sozialen-marktwirtschaft-von-wegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=18315","title":{"rendered":"Ludwig Erhard, der Erfinder der sozialen Marktwirtschaft? Von wegen!"},"content":{"rendered":"<p>Ludwig Erhard genie\u00dft ja in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung, de Politik und auch der Medien fast schon so etwas wie einen Heiligenstatus, da er als Erfinder der sozialen Marktwirtschaft gilt. Doch ist das eben so gar nicht der Fall, sondern vielmehr eine geschickt und recht dreist gestrickte Legende, mit der sich der im Grunde marktgl\u00e4ubige CDU-Wirtschaftsminister etwas zu eigen machte, was sich eigentlich gegen seine Politik richtete. Populismus par excellence, w\u00fcrde ich das nennen.<\/p>\n<p>Ich selbst habe auch bis vor Kurzem an diese Erz\u00e4hlung geglaubt, dass eben Ludwig Erhard das Konzept der sozialen Marktwirtschaft entwickelt \u00a0und somit entscheidend zum deutschen Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg beigetragen habe.<\/p>\n<p>Bis ich dann einen <a href=\"https:\/\/taz.de\/70-Jahre-soziale-Marktwirtschaft\/!5591244\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kommentar von Uwe Fuhrmann in der <em>taz<\/em><\/a> vom Mai dieses Jahres las, in dem das Ganze etwas anders berichtet wird: Erhard habe so zun\u00e4chst einmal nach der W\u00e4hrungsreform im Jahr 1948 komplett auf die freie Marktwirtschaft gesetzt, was dann allerdings reichlich nach hinten losgegangen ist und massive Proteste seitens der Bev\u00f6lkerung sowie sogar den letzten deutschen Generalstreik zur Folge hatte.<\/p>\n<p>Dieser Druck &#8222;von der Stra\u00dfe&#8220; f\u00fchrte dann dazu, dass Erhard einlenkte und sich einfach die Begrifflichkeit seiner Kritiker aneignete, indem er den von diesen verwendeten Begriff der &#8222;sozialen Marktwirtschaft&#8220; adaptiert, in der CDU-Programmatik verankerte und so untrennbar mit seinem Namen verband.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte nun als kleine Posse der Geschichte abgetan werden, wenn dies nicht letztlich die Grundlage daf\u00fcr w\u00e4re, warum der Neoliberalismus sich nicht nur Ende der 70er-Jahre als Ideologie durchsetzen konnte, sondern sich nach wie vor trotz seines offensichtlichen Scheiterns nach wie vor behaupten kann: Die CDU als einer der Hauptprotagonisten des Neoliberalismus in Deutschland wird eben immer noch dank der Erhard-Legende mit sozialer Marktwirtschaft in Verbindung gebracht und nicht mit einem Marktradikalismus, der unter Erhard schon 1948 gescheitert ist.<\/p>\n<p>Und so bekommt man diese Gegenerz\u00e4hlung eben nur in einem Kommentar in der taz vorgesetzt, was viel zu wenige Menschen \u00fcberhaupt mitbekommen, w\u00e4hrend \u00fcberall anders der falsche Mythos von Erhard als Erfinder der sozialen Marktwirtschaft verbreitet und aufrechterhalten wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ein guter Grund, zumindest hier noch mal auf diese Richtigstellung aufmerksam zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig Erhard genie\u00dft ja in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung, de Politik und auch der Medien fast schon so etwas wie einen Heiligenstatus, da er als Erfinder der sozialen Marktwirtschaft gilt. 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