{"id":18491,"date":"2019-12-20T10:33:13","date_gmt":"2019-12-20T09:33:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=18491"},"modified":"2019-12-20T15:20:52","modified_gmt":"2019-12-20T14:20:52","slug":"das-maerchen-von-den-zu-hohen-lohnnebenkosten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=18491","title":{"rendered":"Das M\u00e4rchen von den zu hohen Lohnnebenkosten"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal denke ich, dass wir hier im Lande &#8222;Peterchens Mondfahrt&#8220; oder irgendein anderes M\u00e4rchen auff\u00fchren, aber nicht wirklich Politik machen in den Parlamenten, den Talkshows oder wo auch immer gerade \u00f6ffentlich das St\u00fcck &#8222;Gesellschaft&#8220; aufgef\u00fchrt wird. Alle reden davon, es besser zu k\u00f6nnen als die anderen, aber niemand scheint wirklich zu wissen, wie. Sie k\u00f6nnen dies auch ungestraft tun, weil sie nicht als das erkannt werden, was sie in der gro\u00dfen Mehrzahl sind: M\u00e4rchenerz\u00e4hler.<\/p>\n<p>M\u00e4rchen, M\u00e4rchen, wohin man nur schaut, derzeit wieder einmal das M\u00e4rchen von den zu hohen Lohnnebenkosten und wie man sie durch Privatisierung der Daseinsvorsorge senken k\u00f6nne, ohne dabei die Gesellschaft zu zerst\u00f6ren, sie sogar besser machen k\u00f6nnte. Selten, sehr selten habe ich ein d\u00fcmmeres M\u00e4rchen zu h\u00f6ren bekommen.<\/p>\n<p>Wer diese Gesellschaft wieder zu einer besseren Gesellschaft machen will, der darf die Lohnnebenkosten nicht weiter senken, muss sie sogar erh\u00f6hen, muss die Steuerzusch\u00fcsse erh\u00f6hen und damit \u00c4nderungen bei der Besteuerung von Einkommen, Verm\u00f6gen und Erbschaften durchsetzen, die diese Steuerzusch\u00fcsse dann erm\u00f6glichen. Auf keinen Fall darf er die Verbrauchssteuern noch weiter erh\u00f6hen, denn wer das macht, macht die Gesellschaft zu einer schlechteren Gesellschaft.<\/p>\n<p>Wer die Lohnnebenkosten nicht erh\u00f6hen will, auf Private setzt, der muss die L\u00f6hne erh\u00f6hen, die Brutto- wie die Nettol\u00f6hne, und zwar drastisch. Denn das Private muss bezahlt werden k\u00f6nnen, auch von denen, die es derzeit nicht bezahlen k\u00f6nnen, wenn wir wirklich Altersarmut, Kinderarmut und die vielen anderen Notst\u00e4nde beheben wollen.<\/p>\n<p><strong>So oder so, aber ohne Erh\u00f6hung der Arbeitskosten geht es nicht<\/strong><\/p>\n<p>Wer will, dass die Gesellschaft besser wird, der darf keine M\u00e4rchen erz\u00e4hlen, der muss die Arbeitskosten erh\u00f6hen f\u00fcr die Betriebe, denn Arbeitskosten f\u00fcr die Betriebe sind das Einkommen der Belegschaften, sind deren Anteil an der Wertsch\u00f6pfung, sind Nachfrage, auch Nachfrage nach Alters- und Gesundheitssicherung, die damit aus den Arbeitskosten von den meisten zu zahlen sind, ganz gleich, ob daf\u00fcr Lohnnebenkosten benutzt werden oder die Nettol\u00f6hne oder &#8211; wie bei der betrieblichen Altersversorgung &#8211; die Bruttol\u00f6hne. Wer anderes behauptet erz\u00e4hlt M\u00e4rchen.<\/p>\n<p>Wer alles will, Lohnnebenkosten senken, L\u00f6hne niedrig halten, die Wohlhabenden vor Steuern besch\u00fctzen, das Klima oder was auch immer \u00fcber Verbrauchssteuern retten, der wird die Gesellschaft weiter schlechter machen, noch aggressiver, noch k\u00e4lter, noch geteilter. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Denn so sind die Zusammenh\u00e4nge und nicht anders in einer Gesellschaft, die sich der Marktwirtschaft verschrieben hat: Was von Wert ist, das kostet Geld, und irgendwer muss es irgendwie bezahlen, wenn es gebraucht wird. Ein sicheres Leben im Alter, gute Gesundheit und Pflege, werden gebraucht, mehr denn je werden sie gebraucht. Noch weniger davon k\u00f6nnen wir nicht gebrauchen. Beides, gute Versorgung und immer weniger daf\u00fcr bezahlen zu m\u00fcssen, ist Nonsens und bleibt Nonsens. Wer anderes erz\u00e4hlt, erz\u00e4hlt Mumpitz, erz\u00e4hlt M\u00e4rchen, und es ist bewusste T\u00e4uschung von denen, die sie erz\u00e4hlen, und jeder, der sie glaubt, w\u00e4re gut beraten, sich das auch klarzumachen.<\/p>\n<p><strong>M\u00e4rchen und ihre Erz\u00e4hler<\/strong><\/p>\n<p>Vom BDI, von den Banken, von deren Lobbyisten, auch denen in den beiden marktradikalen Parteien FDP und AfD, kann ich diese T\u00e4uschung ja noch ertragen, ist sie normal, denn denen geht es nicht um Gesellschaft, sondern um ihre Profite, um das, was sie uns t\u00e4glich um die Ohren hauen, weil ihnen ja sonst auch nichts anderes einf\u00e4llt, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit n\u00e4mlich. Alte, Kranke, Pflegebed\u00fcrftige, hohe L\u00f6hne und Geh\u00e4lter, Arbeitslose, die Kinder der anderen, hohe Sozialausgaben stehen dieser im Wege. Verst\u00e4ndlich, dass sich die, die von dieser Wettbewerbsf\u00e4higkeit reden, von ihr profitieren, nichts anderes mehr im Kopf haben, als diese Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Es scheint ihnen schon in den Privatschulen und Privatunis eingetrichtert worden zu sein, vielleicht saugen sie es aber auch schon mit der Muttermilch auf. Manch eine arrogante \u00c4u\u00dferung, mich f\u00fcr dumm verkaufen wollende Argumentation aus diesen Kreisen l\u00e4sst mich das vermuten, viele Gesetze aus den letzten Dekaden auch.<\/p>\n<p>Wenn aber Gewerkschaften und Parteien mich f\u00fcr dumm halten (oder selbst dumm sind, ich wei\u00df es nicht), dann schmerzt mich das. Denn dann hei\u00dft das nur eines: Es wird so weitergehen, wie es seit Jahrzehnten hier geht. Der Kleine zahlt die Zeche f\u00fcr den Gro\u00dfen, denn der Kleine wird immer weniger \u00fcbrig haben, um f\u00fcr das Alter, die Pflege, die Gesundheit auch vorsorgen zu k\u00f6nnen. Viele Kleine, immer mehr Kleine, werden gar nicht mehr vorsorgen k\u00f6nnen, werden von Almosen leben m\u00fcssen, seien es die der Tafeln oder des Staates.<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t mit den Wohlhabenden, mehr Solidarit\u00e4t scheint es in Deutschland nicht zu brauchen, um sich als Partei und als Gewerkschaft noch das M\u00e4ntelchen von Solidarit\u00e4t umh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Wirkliche Solidarit\u00e4t sehe anders aus, w\u00e4re kein M\u00e4rchen, wie es uns derzeit rund um die Uhr erz\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p>H\u00f6rt also bitte auf, mich f\u00fcr dumm zu halten. H\u00f6rt auf, mir immer wieder erz\u00e4hlen zu wollen, dass es das Perpetuum mobile geben w\u00fcrde, ihr M\u00e4rchenerz\u00e4hler von links bis rechts, ihr M\u00e4rchenerz\u00e4hler der CDU\/CSU, der FDP, der Gr\u00fcnen und der SPD, ihr M\u00e4rchenerz\u00e4hler in Regierung und Opposition.<\/p>\n<p><strong>Nichts ist umsonst, auch der Sozialstaat nicht<\/strong><\/p>\n<p>Der Sozialstaat kostet Geld, und irgendwoher muss das Geld kommen. Wer weniger Geld f\u00fcr den Sozialstaat aufbringen will, weil ihm die Wettbewerbsf\u00e4higkeit wichtiger ist, der soll das zugeben, der soll endlich ehrlich sagen, dass Humanit\u00e4t nicht die erste Priorit\u00e4t hat in seinem und ihrem Denken und aufh\u00f6ren, so zu tun, als ob. Er und sie sollte sich nicht hinter Gerechtigkeitsgeschwafel verstecken, \u00fcber Generationsgerechtigkeit labern, wenn es ihm und ihr doch nur um eines geht, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Wirtschaft und damit um die Kapitalprofite. Sie sollten zugeben, dass ihnen die Wertsch\u00f6pfung der Belegschaft genauso am verl\u00e4ngerten R\u00fccken runterrutscht wie eine gerechte, weil wieder wirklich solidarische Gesellschaft.<\/p>\n<p>Weder die Quadratur des Kreises ist m\u00f6glich, noch gibt es das Perpetuum mobile, und wer anderes erz\u00e4hlt, der und die sollte seine und ihre Zertifikate zur\u00fcckgeben, denn sie taugen nichts, oder sich dorthin scheren, wo der Pfeffer w\u00e4chst, solange er dort noch wachsen kann. Am besten machen sie beides!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal denke ich, dass wir hier im Lande &#8222;Peterchens Mondfahrt&#8220; oder irgendein anderes M\u00e4rchen auff\u00fchren, aber nicht wirklich Politik machen in den Parlamenten, den Talkshows oder wo auch immer gerade \u00f6ffentlich das St\u00fcck &#8222;Gesellschaft&#8220; aufgef\u00fchrt wird. Alle reden davon, es besser zu k\u00f6nnen als die anderen, aber niemand scheint wirklich zu wissen, wie. Sie k\u00f6nnen dies auch ungestraft tun, weil sie nicht als das erkannt werden, was sie in der gro\u00dfen Mehrzahl sind: M\u00e4rchenerz\u00e4hler.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[50,52,51],"tags":[888,887,889,885,886,426,653,485],"class_list":["post-18491","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politisches","category-soziales","category-wirtschaftliches","tag-bdi","tag-gewerkschaften","tag-lobbyisten","tag-lohnnebenkosten","tag-maerchen","tag-parteien","tag-solidaritaet","tag-sozialstaat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18491"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18491\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18533,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18491\/revisions\/18533"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}