{"id":18783,"date":"2020-01-20T13:03:36","date_gmt":"2020-01-20T12:03:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=18783"},"modified":"2020-01-20T16:20:38","modified_gmt":"2020-01-20T15:20:38","slug":"digitalisierung-worst-practice-anstatt-best-practice-an-unseren-schulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=18783","title":{"rendered":"Digitalisierung &#8211; Worst Practice anstatt Best Practice an unseren Schulen?"},"content":{"rendered":"<p>Best Practice beruht auf einem uralten Gedanken, der nun neu aufgelegt, mit neuer Terminologie versehen, uns helfen k\u00f6nnte, bessere und effizientere Entscheidungen vorzubereiten und zu treffen. Best Practice hei\u00dft nicht viel mehr, als von den anderen zu lernen, an den Erfahrungen anderer zu partizipieren. Best Practice ist aber mehr als nur eine Technik, die nur angewendet die Effizienzen erh\u00f6ht. Best Practice muss gelebt werden. Best Practice hei\u00dft aber auch, dass wirklich das Beste aus der Praxis nachgeahmt, gelernt wird. Ich habe da meine Zweifel, dass das bei der anstehenden Digitalisierung der Schulen auch wirklich der Fall sein wird.<\/p>\n<p><strong>Best Practice vom Gedanken her im politischen Raum der kommunalen Entscheidungen<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Es geht bei politischem Best Practice um die B\u00fcndelung von Expertisen und Kompetenzen der kommunalen Akteure, um ihre Lernerfahrungen und Erfolgskonzepte. Wir k\u00f6nnen \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg von den zahlreichen erfolgreichen kommunalen Fallstudien, die die Stadien der Information, Problemfindung, Beteiligung, Beurteilung, die Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse bereits durchlaufen haben, lernen.&#8220; Isabel Wiest. Die Kolumnisten. <a href=\"https:\/\/diekolumnisten.de\/2020\/01\/16\/best-practices-fuer-die-politik\/?fbclid=IwAR0VtKL5BS6E8eVlMRWKxACMfpglcM2BnTRwi4301tluVxl1yGGCpRyCMCU\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Best Practice f\u00fcr die Politik<\/a>. 16.01.2020<\/p><\/blockquote>\n<p>Best Practice ist also nichts anderes, als von anderen zu lernen, m\u00f6glichst von denen zu lernen, die schon Teile oder vielleicht sogar das ganze Problem gel\u00f6st hatten, vor welches sich die Politik und damit auch die Gesellschaft gestellt sieht.<\/p>\n<p>Best Practice hie\u00dfe aber auch, Fehler anderer nicht zu wiederholen. Und genau durch die Wiederholung von Fehlern anderer durch unsere Landesregierungen, gest\u00fctzt durch den Bund und viele Eltern, scheint sich bei der Digitalisierung der Schulen in Deutschland, insbesondere in Niedersachsen, eine Worst Practice anzubahnen, sich ein weiteres Worst-Case-Scenario damit anzudeuten.<\/p>\n<p><strong>Digitalisierung der Schulen und die Ergebnisse der Wissenschaft<\/strong><\/p>\n<p>Deutschland steht vor einer Bildungskatastrophe, ich behaupte sogar, Deutschland ist mittendrin in dieser Katastrophe. In meinem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=18682\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lesef\u00e4higkeiten und Textverst\u00e4ndnis<\/a> machte ich dies deutlich, mit einer allerdings noch sehr positiven Sicht auf die Digitalisierung, eben weil ich das Digitale nicht als Zweck und Ziel verstehe, sondern immer schon als Mittel verstanden habe, als zus\u00e4tzliches Mittel, nicht als Ersatz, schon gar nicht als Ersatz f\u00fcr bew\u00e4hrte Mittel. Bei der Digitalisierung unserer Schulen geht es aber um genau das: den Ersatz, und zwar auch den Ersatz von eigentlich Bew\u00e4hrtem.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir haben eine Bildungskatastrophe. Sie wird nur kleingeredet von den Politikern. Sie k\u00f6nnen heute nicht mehr die gleichen Klassenarbeiten schreiben wie vor 20 Jahren. Sie bekommen nur F\u00fcnfen und Sechsen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Zu diesem vernichtenden Urteil kommt Manfred Spitzer in seinem sehr sehenswerten Vortrag &#8222;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MRrPbNLhEuQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Von der digitalen Demenz zur Smartphone-Pandemie<\/a>. RPP Institut. 2019&#8243; und ist nicht nur mit diesem Urteil auf der H\u00f6he der Wissenschaften und damit der Zeit. Ihm zuzuh\u00f6ren, seinen Hinweisen nachzugehen lohnt sich ebenso, wie den Hinweisen anderer deutscher Wissenschaftler Beachtung zu schenken und nicht unsere Kinder auf dem Altar der Marktwirtschaft und der marktbeherrschenden Digitalkonzerne zu opfern, wie, so viel sei hier schon festgestellt, diese Schulpolitik in Niedersachsen und in anderen Bundesl\u00e4ndern es gedenkt zu tun, wenn sie meint, dem Sch\u00fcler \u00fcber digitale Medien das beibringen zu k\u00f6nnen, was an Wissen und F\u00e4higkeiten immer mehr fehlt; wenn sie meinen, den R\u00fcckstand aufholen zu k\u00f6nnen, den sie durch ihre Sparpolitik an unseren Kindern und deren Eltern erst herbeigef\u00fchrt hatten.<\/p>\n<p><strong>Was die Marktwirtschaft verursacht hat, das kann die Marktwirtschaft nicht heilen<\/strong><\/p>\n<p>So viel \u00f6konomisches Grundverst\u00e4ndnis sollten unsere Politiker schon haben, erwarte ich von ihnen, vermisse ich aber seit Langem. Mehr noch, ich erwarte, dass sie nicht l\u00e4nger marktwirtschaftliche Ergebnisse ignorieren, zumal dann nicht, wenn die Wissenschaft die Mittel dazu l\u00e4ngst falsifiziert hatte, schon gar nicht dann, wenn die Marktwirtschaft als Folge und Nebenwirkung und im Ergebnis offensichtlich negativ gewirkt hat und wirkt. Die Forderung nach Digitalisierung der Schulen ist aber eine Forderung des Marktes und nicht der Vernunft und schon gar nicht des Verstandes, wie das Folgende zeigen wird.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Die Ergebnisse gro\u00dfer empirischer Studien zu den Auswirkungen digitaler Medien (z. B. OECD 2015, \u201eHamburger Netbook Projekt\u201c, \u201e1000 x 1000 Notebooks\u201c) zeigten aber, dass diese Lernen und Noten der Sch\u00fcler*innen nicht verbesserten, sondern keinen Einfluss hatten oder sogar die Noten verschlechterten. Insbesondere spricht die Studienlage daf\u00fcr, dass der Einsatz digitaler Medien gerade die schwachen Sch\u00fcler*innen noch weiter schw\u00e4cht.&#8220; Gunther Moll. <a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/2020\/01\/pisa-testung-mittelmass-und-umgekehrte-fragen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PISA-Testung, Mittelma\u00df und umgekehrte Fragen<\/a>. Makroskop. 07.01.2020<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Politik wird wieder versagen, weil sie wieder die Wissenschaften zu ignorieren gedenkt, der Wunsch ihr Vater des Gedankens ist, nicht die Realit\u00e4t, und dieses Versagen wird auch noch mit horrenden Summen aus den \u00f6ffentlichen Kassen finanziert werden. Gelder, die in Lehrer, Geb\u00e4ude und ja, auch hilfreicher Digitalisierung, besser angelegt w\u00e4ren, den Sch\u00fclern mehr helfen k\u00f6nnten. Digitalisierung ist als Hilfsmittel unverzichtbar, aber als Mittel, nicht als Zweck, nicht als Ersatz f\u00fcr bessere Mittel. Die Frage ist deshalb durchaus zu stellen: Warum handelt die Politik so und nicht anders?<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Geht es hierbei wirklich um die Verbesserung der Schulleistungen gerade der schwachen Sch\u00fcler*innen und um die &#8218;Beseitigung&#8216; der sozialen Ungerechtigkeit des deutschen Bildungssystems? Oder nicht vielmehr um wirtschaftliche Interessen, finanzielle Gewinne sowie Einfluss und Macht vor allem der gro\u00dfen Medienkonzerne?&#8220; Gunther Moll. PISA-Testung, Mittelma\u00df und umgekehrte Fragen. Makroskop. 07.01.2020<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir werden diese Frage zu beantworten haben, sie an unsere Politiker zu richten haben. Aber verweilen wir beim Lernen und den wissenschaftlichen Erkenntnissen dazu.<\/p>\n<p><strong>Lernen<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wenn Kinder, schon w\u00e4hrend der Schwangerschaft, nicht in gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Gesundheit aufwachsen sowie in ihrer Kindheit die grundlegenden motorischen, kognitiven, sozialen und kulturellen F\u00e4hig und Fertigkeiten nicht &#8211; vorbildlich vermittelt &#8211; ein\u00fcben und erlernen konnten, ist ein Nachholen im Jugendalter &#8211; aufgrund der Entwicklung und Biologie unseres Gehirns &#8211; fast nicht mehr m\u00f6glich. Dies ist in unserem Land bei jeder\/-m f\u00fcnften Jugendlichen, der\/die nicht richtig lesen und rechnen kann, und sogar jeder\/-m zweiten, dem\/der die Basisfertigkeiten f\u00fcr schulisches Lernen fehlen, der Fall.&#8220; Gunther Moll. PISA-Testung, Mittelma\u00df und umgekehrte Fragen. Makroskop. 07.01.2020<\/p><\/blockquote>\n<p>Es sind die Grundf\u00e4higkeiten, die erlernt werden m\u00fcssen, wie Gunther Moll hier deutlich macht, wie Manfred Spitzer in seinem Vortrag eindringlich hervorhob, bevor man \u00fcberhaupt an digitale Medien denken darf. Manfred Spitzer wird da ganz deutlich, auch emotional:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Mehr iPads im Kindergarten. Um Gottes willen. Mehr iPads in den Grundschulen. Um Gottes willen. Es schadet nachweislich der kindlichen Entwicklung.&#8220; Manfred Spitzer. Von der digitalen Demenz zur Smartphone-Pandemie. RPP Institut. 2019<\/p><\/blockquote>\n<p>Was will die Politik in Niedersachsen tun, was ist ihre Antwort auf das Versagen der Politik in den letzten mindestens vier Dekaden? Das iPad (Tablet) f\u00fcr jedes Kind, weil das iPad (Tablet) der Schl\u00fcssel zum Erfolg sein soll, wie die Bildungspolitiker meinen &#8211; die gleichen Bildungspolitiker \u00fcbrigens zumeist, die diesen Bildungsnotstand zu verantworten haben.<\/p>\n<p>Manfred Spitzer ist auch hierzu ganz deutlich:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wenn Sie Smartphones verschenken (Anm.: Ein Tablet ist nichts viel anderes, sieht man von der M\u00f6glichkeit zu telefonieren, die das Smartphone zus\u00e4tzlich bietet, ab), werden Sch\u00fcler schlechter. Wenn Sie Smartphones verbieten, werden sie besser. Das ist empirisch erwiesen, und zwar an 130.000 Zeugnissen (Anm.: von britischen \u00d6konomen in einer gro\u00df angelegten Recherche).&#8220; Manfred Spitzer. Von der digitalen Demenz zur Smartphone-Pandemie. RPP Institut. 2019<\/p><\/blockquote>\n<p>Und weiter:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Was am meisten rauskommt (Anm.: aus den Studien): Die schw\u00e4chsten Sch\u00fcler werden am st\u00e4rksten gesch\u00e4digt durch die Digitalisierung.&#8220; ebenda<\/p><\/blockquote>\n<p>Wollte man nicht genau diesen helfen? Sind es nicht gerade diese Sch\u00fcler, welche die Hilfe am meisten br\u00e4uchten? Wird nicht hier besonders deutlich, dass die Politik in Niedersachsen und der Restrepublik sehenden Auges genau das Gegenteil von dem erreichen wird, was man vorgibt erreichen zu wollen?<\/p>\n<p>Wo bleibt das Soziale? Wieder auf der Strecke? Ja, wenn Manfred Spitzer recht beh\u00e4lt.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Schulen zu digitalisieren ist mit das Unsozialste, was Sie machen k\u00f6nnen. Sie schaden dem schwachen Sch\u00fcler mit Abstand am meisten. Sie schaden allen Sch\u00fclern, aber den Schwachen am meisten.&#8220; ebenda<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie gesagt, Spitzer bezieht sich auf Hunderte von internationalen Studien zu diesem Thema, die sich der Empirie bedienen und nicht des W\u00fcnsch-Dir-Was unserer politischen Handlungstr\u00e4ger. Diese Studien zeigen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Je mehr Sie f\u00fcr Computer und Internetverbindungen an Schulen Geld ausgeben, desto schlechter werden die Sch\u00fcler.&#8220; ebenda<\/p><\/blockquote>\n<p>Das sollte doch zu denken geben, oder? Es sollte doch einleuchten, dass irgendwas nicht stimmen kann an der Behauptung, durch Digitalisierung die Wissensl\u00fccken wieder schlie\u00dfen zu k\u00f6nnen, wenn man wei\u00df, dass Finnland, einst Young Star bei PISA, nach der Digitalisierung auf das Mittelma\u00df zur\u00fcckgefallen ist, Tendenz weiter fallend, oder? Doch, ja und unbedingt, denn das hat Gr\u00fcnde:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Unterm Strich: Wenn Sie aus B\u00fcchern lesen, bleibt mehr h\u00e4ngen, als wenn Sie es vom Bildschirm lesen.&#8220; Manfred Spitzer. ebenda<\/p><\/blockquote>\n<p>Deutlicher kann man es nicht sagen. Das gute alte Buch, das Lesen im Buch ist immer noch das effizienteste technische Mittel zur Wissensvermittlung. Das Buch und die Bibliothek bleiben unverzichtbar, und hier w\u00e4ren deshalb auch die Anstrengungen zu maximieren, ber\u00fccksichtigte Mann\/Frau Politiker\/-in die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die uns nicht erst seit gestern zur Verf\u00fcgung stehen. Nur was erleben wir, und das auch nicht erst seit gestern? Bibliotheken, die in kleineren Kommunen ein Dasein fristen, welches mit dem Anspruch an Bildung nicht mehr viel zu tun hat, nach Kassenlage in Nebenstra\u00dfen, fern der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung verbannt, als unbedeutender Haushaltsposten im Haushalt, manchmal sogar unter Sonstiges aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist an der Digitalisierung kein Vorbeikommen und d\u00fcrfen wir sie nicht ignorieren. Es kommt jedoch sehr darauf an, wer mit digitalen Lerninhalten konfrontiert wird und wann, in welchem Alter und mit welchem Vorwissensstand. Manfred Spitzer macht dies in einem Satz deutlich:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Je mehr einer schon kann, desto besser lernt er.&#8220; Manfred Spitzer. ebenda<\/p><\/blockquote>\n<p>Das hei\u00dft nichts anderes, als dass wir durchaus digitalisieren k\u00f6nnen &#8211; sogar m\u00fcssen -, nur eben nicht von Anfang an, nicht in der Grundschule, schon gar nicht im Kindergarten, maximal in den letzten Klassen und da auch mit Fingerspitzengef\u00fchl. Kein Problem ist es n\u00e4mlich f\u00fcr einen Erwachsenen, seine Weiterbildung auch digital vorzunehmen, die Grundausbildung allerdings muss analog erfolgen, wie auch Spitzer deutlich in seinem Vortrag sagt. So kann das neue Produkt, die neue Technik durchaus im Betrieb per E-Learning vermittelt werden, nur bitte nicht das Grundwissen an unseren Schulen, denn:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Beim Einsatz digitaler Medien kommt es auf das Alter und die bisherige Entwicklung eines Kindes an. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen Schulen modern mit Hightech ausgestattet werden, mit Whiteboards, PCs, Notebooks und Tablets. Aber es m\u00fcssen die Lehrer*innen im Zentrum stehen und &#8211; vor allem in den ersten Schulklassen &#8211; das &#8218;Kreidezeitalter&#8216; beibehalten bleiben, bis alle Kinder selbst lesen, mit der Hand schreiben, mit dem Kopf rechnen und mit ihrem Gehirn selbstst\u00e4ndig denken k\u00f6nnen. Selbstst\u00e4ndig! Denn f\u00fcr die Beherrschung aller schulischen Fertigkeiten sind die gemeinsamen und aufeinander abgestimmten Entwicklungen der motorischen und der sensorischen Neuronensysteme (also nochmals betont: Lesen mit den Augen, Schreiben mit der Hand, Rechnen mit dem Kopf) grundlegend. Darauf aufbauend k\u00f6nnen sich Denkprozesse, Vorstellungen, Abstraktionen und Logik, Planung und Schlussfolgerungen ausbilden &#8211; und vor allem auch das Hinterfragen und Infragestellen k\u00f6nnen von Wahrnehmungen und Informationen aller Art.<br \/>\nWenn diese Entwicklungsprozesse nicht m\u00f6glich sind &#8211; und durch den zu fr\u00fchen Gebrauch digitaler Medien zudem noch &#8218;ausgelassen und \u00fcbergangen&#8216; werden &#8211; sind Manipulation und Fremdbestimmung &#8218;alle T\u00fcren ge\u00f6ffnet&#8216;. Dies f\u00fchrt &#8211; wieder &#8218;anders herum&#8216; &#8211; zur Frage: Ist nicht gerade dieser Einfluss \u00fcber Kinder und Jugendliche die Absicht von Politik wie der gro\u00dfen Wirtschaftskonzerne? Um von klein an &#8218;dressierte&#8216; Staatsb\u00fcrger*innen, Arbeiter*innen und Konsument*innen &#8218;gro\u00dfzuziehen&#8216;?&#8220; Gunther Moll. PISA-Testung, Mittelma\u00df und umgekehrte Fragen. Makroskop. 07.01.2020<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Frage stellt sich, mir ganz besonders, seit ich die Erfahrung machen musste, dass Hinweise an die Politik von der Politik als eher unerw\u00fcnscht angesehen werden. Manfred Spitzers Vortrag sandte ich an einen Landtagsabgeordneten der Gro\u00dfen Koalition in Niedersachsen mit der Bitte, doch auch den Ministerpr\u00e4sidenten und den Kultusminister daran teilhaftig werden zu lassen, um Fehler zu vermeiden, die sich hier anzubahnen scheinen. Mehr als den Eindruck, dass das unerw\u00fcnscht schien, habe ich allerdings aus der dann folgenden Antwort nicht gewinnen k\u00f6nnen. Richtig, man sollte nicht den ganzen H\u00fchnerstall nach einem blinden Huhn beurteilen, aber dennoch stellt man sich da schon Fragen, zumal dann, wenn man nicht parteipolitisch, sondern &#8222;nur&#8220; politisch sich engagiert, auch im Hinblick auf das Potenzial von Best Practice in einem solchem Umfeld, wo von &#8222;Zuschauerrolle&#8220; gesprochen wird von Parteipolitikern, wenn man nicht einer Partei angeh\u00f6rt, nur interessierter B\u00fcrger und W\u00e4hler ist. Abhalten von politischen Engagement sollte man\/frau sich allerdings nicht durch diese &#8222;im Korsett von Spargelfahrten, Braunkohlwanderungen und Preisskats&#8220; gefangenen (Isabel Wiest) und gest\u00e4hlten Patriarchen der Parteien, ganz im Gegenteil. Zur\u00fcck zum Thema.<\/p>\n<p><strong>Was wir wirklich br\u00e4uchten &#8230;<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Das Wichtigste, was unsere Schule brauchen, sind aber mehr Lehrer*innen, die den Sch\u00fcler*innen im direkten pers\u00f6nlichen Kontakt das freie, kritische und selbstst\u00e4ndige Denken und Handeln lernen und lehren. Denn jede*r Sch\u00fcler*in muss alles selbst unter Anleitung ein\u00fcben, mit Erkl\u00e4rungen unterst\u00fctzt verstehen und schlie\u00dflich alleine anwenden lernen, vom Lesen, Schreiben und Rechnen bis zu komplexen Sachverhalten und Zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr muss grunds\u00e4tzlich eine Personalausstattung f\u00fcr jede Schule mit einem Lehrer*innen zu Sch\u00fcler*innen Verh\u00e4ltnis von 1 zu 12 verf\u00fcgbar sowie eine von jeder Schule eigenst\u00e4ndig organisierbare Unterrichtsstruktur mit je nach Fach, Thema oder Zusammensetzung der Sch\u00fcler*innen flexiblen Zeiten und Klassenst\u00e4rken m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p>Die Schule entspricht so unserem Gehirn: eigenaktiv, selbstorganisierend, angepasst an die jeweiligen Umweltbedingungen und offen f\u00fcr die Zukunft. Dies verlangt auch eine Vielfalt in den Schularten, Schwerpunkten und Ausrichtungen der Schulen, entsprechend den Begabungen, Interessen und W\u00fcnschen der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Eltern, den Ideen und Konzepten der Lehrer*innen sowie den Gegebenheiten der Gemeinden, St\u00e4dte oder Regionen.<\/p>\n<p>Dabei ist nicht die Wiedergabe vorgegebener Wissensinhalte oder der messbare Nachweis bestimmter Qualifikationen entscheidend, sondern die volle und harmonische Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit, Begabungen und F\u00e4higkeiten eines jeden einzelnen Kindes &#8211; und dies alles &#8218;in gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichem Umfang&#8216; (UN-Kinderrechtskonvention). Daf\u00fcr ist ein breites F\u00e4cherangebot notwendig, mit Betonung auch des Sport- und Musik- sowie des Natur-, Kultur- beziehungsweise Kunstunterrichts.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt darf nicht vergessen werden, dass auch Lehrer*innen ein Gehirn besitzen &#8211; und dieses umso zufriedener und gl\u00fccklicher ist, je eigenaktiver, selbstbestimmter und f\u00fcr Neues offen es arbeiten kann. Und umso zufriedener und gl\u00fccklicher Lehrer*innen sind, umso besser ist ihr Unterricht und umso besser lernen ihre Sch\u00fcler*innen.<\/p>\n<p>Unter solchen Bedingungen entwickelt sich ein Schulsystem ganz von selbst und von sich heraus weiter \u2026&#8220; Gunther Moll. PISA-Testung, Mittelma\u00df und umgekehrte Fragen. Makroskop. 07.01.2020<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Was wir bekommen sollen &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Digitalisierung, mit allen Folgen und Nebenwirkungen, im harmonischen Chor aller in den Parlamenten vertretenen Parteien und Bildungspolitiker.<\/p>\n<p>Und warum?<\/p>\n<p>Weil man den Verlockungen und den Einfl\u00fcsterungen der digitalen Lobby bereit ist auf den Leim zu gehen, wissenschaftliche Ergebnisse ebenso ignoriert wie schlechte Erfahrungen in anderen L\u00e4ndern, Worst Practice anstatt Best Practice anzuwenden gedenkt.<\/p>\n<p><strong>Schlusswort<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Das Ganze ist demokratiefeindlich erster G\u00fcte, und das wollen wir nicht. Und wir wollen, dass die Digitalisierung uns guttut und nicht f\u00fcnf Milliard\u00e4re noch reicher macht. Das kann sich jeder selbst \u00fcberlegen, dass das keine gute Idee ist. Und es kann nicht sein, dass wir die n\u00e4chste Generation, das ist das Wichtigste, was wir haben, dem Profitstreben, noch mal, der reichsten Firmen der Welt, die noch mehr Profit machen wollen, einfach so kampflos \u00fcberlassen und unsere Politiker da noch mitmachen. Das ist v\u00f6llig unverantwortlich.&#8220; Manfred Spitzer. Von der digitalen Demenz zur Smartphone-Pandemie. RPP Institut. 2019<\/p>\n<p>Dem habe ich nicht mehr viel hinzuzuf\u00fcgen, au\u00dfer dass hier Worst Practice anstatt Best Practice sich anbahnt, denkt man nicht schleunigst um unter den vielen Bildungspolitikern und Entscheidern in Deutschland. Das Fragezeichen im Titel des Textes ist deshalb obsolet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Zu den zitierten Autoren:<\/em><\/p>\n<p><em>Isabel Wiest<\/em> ist Wirtschafts- und Verwaltungsjuristin. Um das n\u00f6tige Drama hinzuzuf\u00fcgen, schrieb sie als Ghostwriterin b\u00f6se Witze f\u00fcr eine bekannte Late-Night-Show. Derzeit ist sie Abgeordnete in einem Hamburger Bezirk und k\u00e4mpft, wo es nur geht, f\u00fcr politische Erleuchtung.<\/p>\n<p><em>Manfred Spitzer<\/em> ist Neurowissenschaftler und Psychiater. Er hat eine Professur an der Universit\u00e4t Ulm inne und ist \u00e4rztlicher Leiter der Psychiatrischen Universit\u00e4tsklinik Ulm.<\/p>\n<p><em>Professor Dr. Gunther Moll<\/em> ist Leiter der Kinder- und Jugendabteilung f\u00fcr Psychische Gesundheit am Universit\u00e4tsklinikum Erlangen. F\u00fcr die Freie W\u00e4hlergemeinschaft Erlangen ist er zudem im Stadtrat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Best Practice beruht auf einem uralten Gedanken, der nun neu aufgelegt, mit neuer Terminologie versehen, uns helfen k\u00f6nnte, bessere und effizientere Entscheidungen vorzubereiten und zu treffen. Best Practice hei\u00dft nicht viel mehr, als von den anderen zu lernen, an den Erfahrungen anderer zu partizipieren. Best Practice ist aber mehr als nur eine Technik, die nur angewendet die Effizienzen erh\u00f6ht. Best Practice muss gelebt werden. Best Practice hei\u00dft aber auch, dass wirklich das Beste aus der Praxis nachgeahmt, gelernt wird. Ich habe da meine Zweifel, dass das bei der anstehenden Digitalisierung der Schulen auch wirklich der Fall sein wird.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[595,50,585,52],"tags":[87,90],"class_list":["post-18783","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-politisches","category-psychologisches","category-soziales","tag-bildung","tag-schule"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18783","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18783"}],"version-history":[{"count":82,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18783\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18879,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18783\/revisions\/18879"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18783"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18783"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18783"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}