{"id":19852,"date":"2020-03-16T07:30:38","date_gmt":"2020-03-16T06:30:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=19852"},"modified":"2020-03-16T16:56:41","modified_gmt":"2020-03-16T15:56:41","slug":"von-hysterie-und-egoismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=19852","title":{"rendered":"Von Hysterie und Egoismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Derzeit dominiert das Corona-Virus \u201eARS CoV 2\u201c nicht nur die Medien, sondern auch die pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4che und Stammtische weltweit. Nicht selten herrschen sehr unterschiedliche Meinungen vor, und gelegentlich kommt es dabei zu Auseinandersetzungen dar\u00fcber, ob der pers\u00f6nliche Umgang mit dem Virus und dessen Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung angemessen ist. F\u00fcr mich erkenne ich oft die gleichen Argumentationsmuster, wie es beim Thema Klimawandel seit Jahren der Fall ist: Entweder man wird in die Hysterie-Ecke gestellt oder gilt als Egoist oder Leugner. Auch hier wird seitens der Medien wieder kr\u00e4ftig gespalten, wo eigentlich ein Konsens gesucht werden sollte.<\/strong><\/p>\n<p>Die beiden scheinbar unvereinbaren Seiten sind relativ leicht abgrenzbar: Die einen machen weiter wie bisher, die anderen passen ihr pers\u00f6nliches Verhalten im Rahmen ihrer Komfortzone an (von Egoismus bis Hysterie). Allerdings sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr dieses Verhalten vielf\u00e4ltig und deshalb nicht pauschal gut oder schlecht. Im Fall des Corona-Virus ist es etwas einfacher zu erkl\u00e4ren: Verhalte ich mich wie gewohnt, dann gehe ich das Risiko ein, mich selbst und andere zu infizieren. Es steht nat\u00fcrlich jedem frei, kein Problem mit der eigenen Infektion zu haben, aber das Virus von A nach B zu \u00fcbertragen und damit f\u00fcr die Infektion oder gar den Tod von B oder auch C verantwortlich zu sein, l\u00e4sst sich so nicht ausschlie\u00dfen. Sprich: Ich gehe wie jeden Samstag in die Bar meines Vertrauens, infiziere mich dort und trage diese Infektion unbemerkt noch 10 bis 20 Tage umher. In der Zeit stecke ich den Gem\u00fcseh\u00e4ndler an, der wiederum Herrn Meyer aus dem dritten Stock ansteckt (ob \u00fcber den Kontakt mit Geld, T\u00fcrgriffen oder das Anniesen). Da Herr Meyer bereits 87 Jahre alt ist, legt der sich nach Ausbruch des Virus gepflegt in die Kiste unter der Erde, w\u00e4hrend ich nur erk\u00e4ltungs\u00e4hnliche Symptome habe (nat\u00fcrlich gibt es mehr Gr\u00fcnde zur \u201eHysterie\u201c als diesen, z. B. auch das medizinischem Personal, dass man durch die eigene Infektion von den Patienten abzieht, die sie dringender ben\u00f6tigen, etc.).<\/p>\n<p>Im Prinzip ist es mit dem Klimawandel nicht viel anders, allerdings ist es hier einfacher, die Tatsachen zu leugnen, da die Auswirkungen nicht so direkt sp\u00fcrbar sind. So ist es m\u00f6glich, dass der Egoismus in Sachen Klimaschutz gar nicht als solcher wahrgenommen wird, denn man zweifelt ja bereits an der (weltweit anerkannten und in <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/umwelt\/2018-11\/klimagipfel-in-katowice-klimawandel-fakten-mythen-globale-erwaermung-wissenschaft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fachkreisen praktisch v\u00f6llig unumstrittenen<\/a>) Tatsache, dass es den menschgemachten Klimawandel \u00fcberhaupt gibt. Ausgangspunkt ist aber auch hier: weitermachen wie bisher! Ein Konzept, dass tief im menschlichen Verhalten verankert ist, denn wir alle geben bisher erfolgreiche Konzepte sehr ungern auf. Diese Konzepte gehen von \u201eWenn ich esse, werde ich satt\u201c \u00fcber \u201eWenn ich meinem Partner Komplimente mache, dann bekomme ich Zuneigung&#8220; bis zu \u201eWenn ich etwas vehement ablehne, dann lassen mich die Leute damit in Ruhe\u201c.<\/p>\n<p>Was sich eben noch in der Debatte gleicht: Jegliche Bem\u00fchungen zum Schutz der Gemeinschaft werden gern als \u201eHysterie\u201c verunglimpft bzw. die Person wird diffamiert. Auch dieses Verhalten scheint zutiefst menschlich, denn in meinen \u00fcber 20 Jahren als Vegetarier wurde ich schon so h\u00e4ufig ohne vorherige Diskussion oder sonst einen Anlass verh\u00f6hnt oder angefeindet, dass es das schlechte Gewissen zu sein scheint, was Ausl\u00f6ser f\u00fcr solch ein herabw\u00fcrdigendes Verhalten ist. Frei nach dem Motto: \u201eWenn ich mir nur oft und intensiv genug etwas einrede, dann wird es schon wahr werden (zumindest f\u00fcr mich).\u201c<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich habe auch ich blinde Flecken in meinen Bem\u00fchungen, Virus oder Klimawandel zu begrenzen, die ich meiner Komfortzone wegen auch blind halten m\u00f6chte &#8211; typisch menschlich. Und nat\u00fcrlich gibt es auch Verhaltensweisen, die ich derma\u00dfen \u00fcberzogen finde, dass ich den Begriff \u201eHysterie\u201c nicht g\u00e4nzlich abwegig finde (was sich teilweise beim Hamsterkaufverhalten der Leute abspielt, das ist schon abenteuerlich). Das Wort \u201emenschlich\u201c ist in diesem Zusammenhang kein positives f\u00fcr mich, denn zu oft erkl\u00e4ren sich unsoziale Verhaltensweisen mit ebendieser uns alle vereinigenden Eigenschaft: \u201eMenschlichkeit\u201c. Und trotzdem appelliere ich an die Vernunft und den Gerechtigkeitssinn aller Menschen, wenn ich schreibe: Akzeptanz ist eines unserer h\u00f6chsten G\u00fcter, und wo es um Gerechtigkeit geht, da geht es immer um das \u201eWir\u201c und nicht um das \u201eIch\u201c. Inwieweit man sich aus seiner Komfortzone bewegt, das wird jeder selbst entscheiden. Aber die Verantwortung f\u00fcr mein Handeln muss ich selbst tragen und ertragen, egal wie ich auf andere schaue und schimpfe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit dominiert das Corona-Virus \u201eARS CoV 2\u201c nicht nur die Medien, sondern auch die pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4che und Stammtische weltweit. Nicht selten herrschen sehr unterschiedliche Meinungen vor, und gelegentlich kommt es dabei zu Auseinandersetzungen dar\u00fcber, ob der pers\u00f6nliche Umgang mit dem Virus und dessen Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung angemessen ist. 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