{"id":19958,"date":"2020-03-25T15:04:17","date_gmt":"2020-03-25T14:04:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=19958"},"modified":"2020-03-25T17:03:08","modified_gmt":"2020-03-25T16:03:08","slug":"wir-sind-so-stark-weil-wir-so-sparsam-waren-wirklich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=19958","title":{"rendered":"Wir sind so stark, weil wir so sparsam waren &#8211; wirklich?"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Narrativ h\u00f6rt man fast t\u00e4glich von den Verantwortlichen in der Regierung und auch von den &#8222;Experten&#8220; in den Parteien, also von Schwarzen, Roten, Gr\u00fcnen und Gelben, und auch die Blauen widersprechen nicht; von den Linken in ihrer Vielstimmigkeit wei\u00df man es nicht ganz genau, denn sie wissen es wohl selbst nicht so ganz genau, wie Th\u00fcringen erst vor einigen Tagen zeigte, als man auch dort die Schuldenbremse mit in die Verfassung schrieb, mit Stimmen der Linken.<\/p>\n<p>Dieses Narrativ ist falsch und stellt sich gerade t\u00e4glich als falsch heraus. Dennoch werden weder Scholz noch Altmeier, werden die Ministerpr\u00e4sidenten und Ministerpr\u00e4sidentinnen, die F\u00fchrer der Oppositionsparteien, dort wo sie Opposition sind, nicht m\u00fcde, dieses Narrativ zu wiederholen. Aus Gr\u00fcnden nat\u00fcrlich, vornehmlich aus dem einen Grund, nicht zugeben zu m\u00fcssen, dass sie &#8222;Schei\u00dfe&#8220; gebaut hatten und immer noch bereit sind, weiterhin &#8222;Schei\u00dfe&#8220; auch bauen zu wollen, nach der Krise nat\u00fcrlich erst.<\/p>\n<p>Es hat aber auch vor allem einen Grund: Sie verstehen Geld nicht in ihrer rudiment\u00e4ren betriebswirtschaftlichen Ausbildung, die noch dazu nur noch den Gewinn zu denken wei\u00df, die Wertsch\u00f6pfung in ihrer G\u00e4nze gar nicht mehr zu betrachten wei\u00df. Dazu habe ich gen\u00fcgend schon geschrieben, und wer sucht, wird hier auch f\u00fcndig werden.<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund ist, dass wir in der Mehrheit glauben, in der \u00fcbergro\u00dfen Mehrheit sogar, weil Journalismus es unhinterfragt verbreitet, was Lobbyorganisationen &#8211; hier sei stellvertretend der Bund der Steuerzahler erw\u00e4hnt &#8211; ihnen einfl\u00fcstern. Die Menschen glauben wirklich, dass der Staat \u00fcber Steuern und Abgaben finanziert w\u00fcrde, dass man nur das ausgeben k\u00f6nnte, was man vorher einnimmt, so wie in einem Kr\u00e4merladen. Die FDP hat hier wirklich sehr erfolgreich an der Verdummung der Menschen gearbeitet, das muss man ihnen schon zugestehen. Sie konnte das aus vorhergehendem Grund: Die Menschen verstehen das Geld nicht mehr, glauben wirklich, es w\u00e4re knapp, wie eine Ware, glauben wirklich, zu viel davon w\u00fcrde immer zur Inflation f\u00fchren, glauben wirklich, dass man den Parlamenten nicht vertrauen k\u00f6nne, wenn es um Geld geht &#8211; und ich muss sagen, derzeit vertraue ich ihnen auch nicht, denn auch da sitzen die, die Geld nicht verstehen, an den Schalthebeln der Macht.<\/p>\n<p>Dieser gro\u00dfe Irrtum der Politik von der notwendigen Sparsamkeit der \u00f6ffentlichen Haushalte, der auch tief verwurzelt ist in der Bev\u00f6lkerung, die damit meint, dass ein Staat und damit eine Gesellschaft wie ein Kr\u00e4merladen zu f\u00fchren ist, hat Folgen, fatale Folgen. Einige aktuelle seien hier erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>300.000 Menschen werden hier h\u00e4uslich durch Gastarbeiterinnen gepflegt. Sie k\u00f6nnen oft nicht kommen, viele wollen auch gar nicht kommen. Die Krankenh\u00e4user stehen am Rand ihrer Existenz und Leistungsf\u00e4higkeit, auch weil das notwendige Personal in der Decke auf Kante gen\u00e4ht worden war. Die Versorgung mit Schutzmasken und andere Schutzausr\u00fcstungen, die Versorgung mit Beatmungsger\u00e4ten steht am Rande des Kollaps, weil Vorratshaltung ja betriebswirtschaftlich ein Wettbewerbshemmnis w\u00e4re, auch die des Staates, der Staat ja nicht mehr als ein gro\u00dfes Unternehmen w\u00e4re. Welch Trugschluss sondergleichen!<\/p>\n<p>Viele notwendige Arbeitskr\u00e4fte haben jetzt Probleme, \u00fcberhaupt zur Arbeit zu kommen, Angst, dass sie durch ihre Arbeit ihre eigene Familie nicht mehr versorgen k\u00f6nnen. Arme, die auf Tafeln und damit auf Almosen angewiesen sind, weil man das Almosen zur Sozialpolitik erkl\u00e4rte &#8211; Karin G\u00f6hring-Eckardt hat dies in ihrem Buch recht deutlich gemacht. Sie wissen oft nicht, wie sie \u00fcberleben sollen. Vorr\u00e4te gehen zu neige, die f\u00fcr Krisen h\u00e4tten angelegt werden m\u00fcssen und nicht angelegt worden sind. Neue Vorr\u00e4te &#8211; insbesondere bei Nahrungsmitteln &#8211; werden kaum geschaffen. Die Landwirtschaft kann in der Erntesaison gar nicht ohne Erntehelfer auskommen.<\/p>\n<p>Entscheidungen wie die, die Unternehmen zur Produktion von wichtigen G\u00fcter anzuweisen, bleiben aus, auch weil der Markt es weiterhin richten soll, man ihn lieber leerkauft, es anderen weg kauft, die Probleme an die L\u00e4nder delegiert letztendlich, die nicht die Mittel dazu haben, auch weil wir in der EU und damit indirekt in vielen Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern daf\u00fcr gesorgt hatten, dass sie nicht \u00fcber die notwendigen Mittel dazu, uns nun Konkurrenz um die lebenswichtigen G\u00fcter zu machen, verf\u00fcgen. Weil wir Geld nicht verstehen, Gesellschaft nicht k\u00f6nnen, werden auch andere leiden &#8230;<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt uns nun alles auf die F\u00fc\u00dfe, was uns durch die Heiligkeit des Marktes und das moderne Kalb der schwarzen Null auf die F\u00fc\u00dfe fallen kann, einschlie\u00dflich dieser im Zuge dieses religi\u00f6sen Fanatismus entstandenen Priesterschaft, welche jetzt sich als &#8222;Krisenmanager&#8220; zu beweisen haben und nun nicht m\u00fcde werden, ihre falschen Narrative weiterhin unters Volk zu streuen.<\/p>\n<p>Dennoch, wir haben keine anderen &#8222;Krisenmanager&#8220;, denn die anderen, die vielleicht Besseren, die Krisen wirklich beherrschen k\u00f6nnten, sind ja auf dem Altar des Neoliberalismus und Individualismus geopfert worden, und Fehlentscheidungen der Vergangenheit kann man schwerlich r\u00fcckg\u00e4ngig machen. Wir m\u00fcssen halt zurechtkommen mit dem, was wir haben. Es bleibt uns nichts weiter derzeit \u00fcbrig. Hier hilft nur Kopf runter und durch und es mit Fatalismus zu ertragen. \u00c4ndern k\u00f6nnen wir es hoffentlich sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Was wir heute aber tun k\u00f6nnen, was ich hier zu tun beabsichtige, ist, dass nicht falsche Narrative nun wieder geglaubt werden, dass sie dadurch \u00fcberleben k\u00f6nnen, weil sie erz\u00e4hlt werden und \u00c4nderungen im Sp\u00e4ter damit helfen k\u00f6nnen zu verhindern. Was falsch war und ist, das sollte auch gesagt werden, auch dieser Tage, gerade dieser Tage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Narrativ h\u00f6rt man fast t\u00e4glich von den Verantwortlichen in der Regierung und auch von den &#8222;Experten&#8220; in den Parteien, also von Schwarzen, Roten, Gr\u00fcnen und Gelben und auch die Blauen widersprechen nicht; von den Linken in ihrer Vielstimmigkeit wei\u00df man es nicht ganz genau, denn sie wissen es wohl selbst nicht so ganz genau, wie Th\u00fcringen erst vor einigen Tagen zeigte, als man auch dort die Schuldenbremse mit in die Verfassung schrieb, mit Stimmen der Linken.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[595],"tags":[494,921,709,972,426],"class_list":["post-19958","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","tag-austeritaet","tag-krise","tag-markt","tag-narrative","tag-parteien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19958","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19958"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19958\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19983,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19958\/revisions\/19983"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19958"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19958"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}