{"id":2001,"date":"2014-11-06T21:25:35","date_gmt":"2014-11-06T19:25:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2001"},"modified":"2014-11-06T21:25:35","modified_gmt":"2014-11-06T19:25:35","slug":"hetzjagd-auf-die-gdl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2001","title":{"rendered":"Hetzjagd auf die GDL"},"content":{"rendered":"<p>Putin und IS waren gestern, es gibt eine neue Personifizierung des einzig wahren Satans in Deutschland: Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivf\u00fchrer (GDL). Der Postillon hat dies <a href=\"http:\/\/www.der-postillon.com\/2014\/11\/bild-zeitung-entlarvt-gdl-chef-claus.html\" target=\"_blank\">hier<\/a> auf seine eigene satirische Art sehr treffend dargestellt (wie immer mit einer ordentlichen Portion Wahrheit darin), und von den meisten der sogenannten Leitmedien aufgestachelt, ergehen sich immer mehr Menschen in w\u00fctenden \u00c4u\u00dferungen in Richtung der GDL: Da ist von reinen Machtspielen die Rede und dem Unding, die Vertretung der eigenen Interessen so auf dem R\u00fccken der B\u00fcrger auszutragen, an Wortgewalt mangelt es dabei zudem auch nicht, wenn die GDL als &#8222;Terroristen&#8220; und Weselsky als &#8222;Taliban&#8220; bezeichnet werden. Dabei wird dann erschreckend h\u00e4ufig der Verstand ausgeschaltet und nur das nachposaunt, was einem BILD, Spiegel und Co. vorsetzen und was eben auch den Frust \u00fcber ein Umdisponieren der eigenen Bahnfahrerei unterf\u00fcttert. Solidarit\u00e4t mit den Streikenden? Fehlanzeige!<\/p>\n<p>Doch es gibt sie tats\u00e4chlich, die Stimmen, die sich f\u00fcr das Anliegen der GDL einsetzen und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr deren Vorgehen aufbringen. Diese will ich hier mal ein bisschen geb\u00fcndelt pr\u00e4sentieren, um so ein etwas differenzierteres Bild zu vermitteln als das, was medieninduziert zurzeit bei vielen Deutschen vorherrscht und vor allem auch durch soziale Medien weitere Verbreitung findet.<\/p>\n<p>Etwas \u00fcberraschend schl\u00e4gt sich die in letzter Zeit doch zunehmend neoliberaler und damit arbeitnehmerunfreundlicher agierende Zeit auf die Seite der GDL. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2014-11\/lokfuehrer-streik-gdl-kommentar\" target=\"_blank\">Einen Orden f\u00fcr den GDL-Chef <\/a>ist dort ein Kommentar von Ludwig Greven betitelt, der dann auch acht gute Gr\u00fcnde liefert, warum das Vorgehen der GDL nicht nur legitim, sondern sogar vorbildlich\u00a0 ist. Der ebenfalls dort erschienen Artikel <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2014-11\/lokfuehrer-streik-arbeitskampf-historisch\" target=\"_blank\">114 Tage Streik<\/a>\u00a0ordnet das Ganze dann auch mal in die bundesrepublikanisch Historie ein, sodass man sieht, dass es schon deutlich gr\u00f6\u00dfere und l\u00e4ngere Streiks gab &#8211; nur dass sich da dann eben weite Teile der Bev\u00f6lkerung mit den Streikenden solidarisch gezeigt haben.<\/p>\n<p>Diese Aspekt der fehlenden Solidarit\u00e4t nahm sich auch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uddyvXiXjTk\" target=\"_blank\">Max Uthoff in der letzten Folge der Anstalt<\/a> vor, als er auf den GDL-Streik zu sprechen kam &#8211; pointiert, wie man es von ihm stets gewohnt ist. Sehenswerte zwei Minuten!<\/p>\n<p>Auf den Nachdenkseiten liefert Jens Berger in dem Artikel <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23772\" target=\"_blank\">Bahnstreik &#8211; Ich bin ein GDL-Versteher<\/a>\u00a0interessante Hintergrundinfos zur Entstehung und Geschichte der beiden bei der Deutschen Bahn konkurrierenden Gewerkschaften GDL und EVG. Nach der Lekt\u00fcre wird einem klar, warum die EVG zurzeit immer als &#8222;die Guten&#8220; dargestellt werden, da diese Gewerkschaft selten im Interesse der Arbeitnehmer gehandelt und sich oft zu halbseidenen Kompromissen bereiterkl\u00e4rt hat. Norbert Hanse, der der EVG (damals noch unter ihrem alten Namen Transnet) vorstand, wurde f\u00fcr ein derartig arbeitnehmerfeindliches Verhalten dann auch direkt mit einem Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn belohnt, der ihm in knapp zwei Jahren mehr als drei Millionen Euro einbrachte. Irgendwie nachvollziehbar, dass die GDL auf diesen Verein nicht so richtig gut zu sprechen ist &#8211; und dass die Arbeitnehmerseite sich nat\u00fcrlich solche Gewerkschaftsvertreter wie die EVG w\u00fcnscht, da sie mit diesen machen kann, was sie will. Ebenfalls auf den Nachdenkseiten \u00e4u\u00dfert sich Jens Berger dann auch noch in dem Artikel <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23849\" target=\"_blank\">Bahnstreik &#8211; Aus den Zeilen tropft Hass<\/a>\u00a0\u00fcber die vollkommen unangebrachte und hetzerische Rezeption in den meisten Medien, teilweise arg unter der G\u00fcrtellinie und bar jeden journalistischen Anstands, wenn beispielsweise BILD die Telefonnummer von Weselsky und Focus sogar ein Bild vom Haus inklusive Ortsangabe des (laut dem Magazin) &#8222;meistgehassten Deutschen&#8220; ver\u00f6ffentlichen. Einen interessanten Gedanken wirft Berger am Ende des Artikels auf:<\/p>\n<blockquote><p>Warum stellt die Deutsche Bahn sich bei den Verhandlungen mit der GDL eigentlich derart stur? Nur um einen Arbeitskampf anzuzetteln, den sie nach realistischer Einsch\u00e4tzung gar nicht gewinnen kann? Oder k\u00f6nnte es vielmehr so sein, dass die Deutsche Bahn von Seiten der Arbeitgeber als \u201eAgent Provocateur\u201c dient, um Seit\u00b4 an Seit\u00b4 mit den Medien und der Gro\u00dfen Koalition die \u00f6ffentliche Meinung zugunsten einer gesetzlichen Beschneidung der Arbeitnehmerrechte zu drehen? Wenn dieser Gedanke nicht all zu abwegig sein sollte, dann wird der Michel seinen \u201egerechten Zorn\u201c auf die Lokf\u00fchrer noch teuer bezahlen. Ein Grund mehr, sich solidarisch mit dem Arbeitskampf der GDL zu erkl\u00e4ren und der Hetzkampagne der Medien zu widerstehen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/a170edde378a49879c4ed066faf0b2a9\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/bahn-streik-der-lokfuehrer-arbeitskampf-ist-ein-geschenk-a-1001337.html\" target=\"_blank\">Bahn-Streik: Ein Dank an die Lokf\u00fchrer<\/a>\u00a0ist der Titel der Jakob-Augstein-Kolumne auf Spiegel online (eine der wenigen noch lesenswerten Sachen auf dem Portal), in dem auch er eine Lanze f\u00fcr Weselsky bricht und zudem ebenfalls in der momentanen Reaktion vieler Deutscher auf den Streik eine deutliche Entsolidarisierung erkennt. Den gleichen Tenor hat auch die Wutrede <a href=\"http:\/\/www.theeuropean.de\/alexander-wallasch\/9200-bahn-streik-die-gdl-macht-alles-richtig\" target=\"_blank\">Claus Weselsky Superstar<\/a> von Alexander Wallsch auf The European.<\/p>\n<p>Der Artikel <a href=\"http:\/\/le-bohemien.net\/2014\/10\/21\/die-neidgesellschaft\/\" target=\"_blank\">Die Neidgesellschaft<\/a>\u00a0von Sebastian M\u00fcller auf dem Blog Le Bohemian ordnet das unsolidarische Verhalten vieler Deutscher in Bezug auf den GDL-Streik als unserem derzeitigen Wirtschaftssystem immanent ein und beschreibt, wie diejenigen, die sehr wenig haben, neidisch gemacht werden auf diejenigen, die auch wenig, aber eben etwas mehr haben. Die Resultate dessen habe ich ja k\u00fcrzlich schon mal hier auf unterstr\u00f6mt in dem Artikel <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=1893\" target=\"_blank\">Die Verrohung des B\u00fcrgertums<\/a> geschildert.<\/p>\n<p>Viel zu lesen also, was eine etwas andere Sichtweise des Bahnstreiks erm\u00f6glicht. Der Versuch eines kurzen Fazits dieser ganzen interessanten Artikel: Nach der Privatisierung der Bahn sind die Lokf\u00fchrer nicht mehr verbeamtet (was mit einigen Nachteilen f\u00fcr sie verbunden ist) und haben somit aber auch das Recht zu streiken. Hiervon machen sie nun Gebrauch, und das das dann zwangsweise mit Einschr\u00e4nkungen im Bahnverkehr verbunden ist, reicht ordentlich Stimmungsmache gegen die GDL aus, um einen Gro\u00dfteil der eh schon entsolidarisierten Bev\u00f6lkerung gegen dieses vollkommen legitime Mittel des Arbeitskampfes aufzubringen. Auch vonseiten der Politik ist da (bis auf die Linkspartei oder vereinzelter Stimmen, wie zum Beispiel Hans-Christian Str\u00f6bele von den Gr\u00fcnen) keine Unterst\u00fctzung zu erwarten, ganz im Gegenteil: Arbeitsministerin Andrea Nahles, Bundesministerin f\u00fcr Arbeit und Soziales, prescht mit einem Gesetzentwurf vor, der unter dem Deckm\u00e4ntelchen der Tarifeinheit kleinere Gewerkschaften wie die GDL quasi zur Handlungsunf\u00e4higkeit verdammen will.<\/p>\n<p>Insgesamt stellt dies einen bezeichnenden Vorgang f\u00fcr den Zustand unserer Gesellschaft da: Die sogenannten Leitmedien betrieben Kampagnenjournalismus in gro\u00dfem Stil und hetzen dabei ohne jeden Anstand gegen unliebsame Personen, der Gro\u00dfteil der B\u00fcrger glaubt den Kram auch, ohne mal dar\u00fcber nachzudenken, ob es nicht f\u00fcr ihn selbst auch von gro\u00dfem Nachteil sein k\u00f6nnte, wenn nun (wie in diesem Fall) dann als Resultat das Streikrecht beschnitten wird, die SPD hat mit sozialdemokratischen Ideen oder gar Arbeitnehmervertretung nichts mehr am Hut &#8211; und die eigene Bequemlichkeit geht vielen deutlich \u00fcber einen solidarischen Zusammenhalt mit eigentlich Gleichgesinnten. So sieht ein Volk von bequem zu ihrem eigenen Nachteil zu regierenden Untertanen aus, nicht ein Volk von m\u00fcndigen B\u00fcrgern! Gute Nacht, Deutschland!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Putin und IS waren gestern, es gibt eine neue Personifizierung des einzig wahren Satans in Deutschland: Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivf\u00fchrer (GDL). Von den meisten der sogenannten Leitmedien aufgestachelt, ergehen sich immer mehr Menschen in w\u00fctenden \u00c4u\u00dferungen in Richtung der GDL: Da ist von reinen Machtspielen die Rede und dem Unding, die Vertretung der eigenen Interessen so auf dem R\u00fccken der B\u00fcrger auszutragen, an Wortgewalt mangelt es dabei zudem auch nicht, wenn die GDL als &#8222;Terroristen&#8220; und Weselsky als &#8222;Taliban&#8220; bezeichnet werden. Dabei wird dann erschreckend h\u00e4ufig der Verstand ausgeschaltet und nur das nachposaunt, was einem BILD, Spiegel und Co. vorsetzen und was eben auch den Frust \u00fcber ein Umdisponieren der eigenen Bahnfahrerei unterf\u00fcttert. Solidarit\u00e4t mit den Streikenden? 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