{"id":20125,"date":"2020-04-13T17:27:22","date_gmt":"2020-04-13T15:27:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=20125"},"modified":"2020-04-14T16:54:08","modified_gmt":"2020-04-14T14:54:08","slug":"sinn-und-unsinn-des-wirtschaftlichen-tuns-in-einer-vom-sinn-befreiten-denkweise-ueber-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=20125","title":{"rendered":"Sinn und Unsinn des wirtschaftlichen Tuns in einer vom Sinn befreiten Denkweise \u00fcber Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die Wirtschaft, das Wirtschaften hat seinen Sinn eingeb\u00fc\u00dft. Es wird Zeit, dar\u00fcber zu reden, insbesondere deshalb, weil gerade wieder Vorschl\u00e4ge Hochkonjunktur haben wie das BGE, die diesem sinnlosen Treiben der Wirtschaft nur weitere Zeit verschaffen wollen, deren Bef\u00fcrworter nicht mehr als eine fadenscheinige Moraldebatte daf\u00fcr einzusetzen wissen. Sie werden dem Neoliberalismus damit die Zeit verschaffen, noch wirkungsm\u00e4chtiger zu werden, gerade weil sie dem Individualismus weitere Zeit verschaffen werden mit allen seinen unsinnigen Folgen und Nebenwirkungen. Um dem aber gleich vorzubeugen, den Reaktionen der vielen Mandelkerne hier eine andere Richtung zu geben: Im Folgenden geht es nicht prim\u00e4r um das BGE, schon gar nicht um das F\u00fcr und Wider, wie es \u00fcblicherweise als Schlagabtausch der \u00dcberzeugten und der Gegner stattfindet. Mir ist es auch v\u00f6llig egal, ob es kommt oder nicht. \u00c4ndern daran kann ich sowieso nichts, entscheiden werden es andere, und an dieser Entscheidung werde ich mit Sicherheit nicht teilnehmen k\u00f6nnen. Auch w\u00fcrde ich sogar davon profitieren k\u00f6nnen, auf Kosten allerdings einer wirklich erstrebenswerten Zukunft f\u00fcr meine Kinder und mein Enkelkind. Hier geht es um den Sinn der Wirtschaft und damit um den Sinn des Lebens letztendlich, welches wir auch der Wirtschaft zu widmen haben, ungerechtfertigter Weise viel zu viel zu widmen haben. Das BGE spielt hier nur ein Nebenrolle.<\/p>\n<p><strong>Eine wichtige Einsicht &#8211; eine bisher weitgehend ignorierte Einsicht<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir nach der Krise anders handeln wollen, als vor der Krise gehandelt worden ist, so ist eine Einsicht zu diesem besseren Handeln ganz wichtig. Die Einsicht n\u00e4mlich, dass der Sinn des wirtschaftlichen Handelns in den Vordergrund ger\u00fcckt werden muss, den reinen Einkommensinteressen Platz machen muss.<\/p>\n<p><strong>Status quo<\/strong><\/p>\n<p>Wir wirtschaften derzeit nur des Einkommens wegen, aus welcher Verwertung von Produktionsfaktoren wir es auch beziehen. Kein Bed\u00fcrfnis, welches derzeit von gro\u00dfem Wert zu sein scheint, kann ohne entsprechendes Einkommen befriedigt werden. Die Masse an Bed\u00fcrfnissen ist riesig geworden, sowohl die des Einzelnen als auch des Schwarms, wobei hier die gro\u00dfe Unterschiedlichkeit an Bed\u00fcrfnissen eine gro\u00dfe Rolle spielt, ebenso wie das Bed\u00fcrfnis, sich von der Masse abzusetzen, den eigenen Selbstwert aus der Befriedigung der Bed\u00fcrfnisse zu ziehen, zu erhalten und nach au\u00dfen hin auch darzustellen. Wir verkaufen dazu unsere Leistung \u00fcber die Produktionsfaktoren, welche uns individuell zur Verf\u00fcgung stehen &#8211; meist nur Hand und Hirn -, und erzielen \u00fcber die Preise dann unser Einkommen. Alles ist zum Preis geworden, und diese Preise werden \u00fcber den Handel am Markt bestimmt, und letztendlich sind es die Preise, die ausschlie\u00dflich auch noch dar\u00fcber entscheiden, welche Transfers am Ende gezahlt werden k\u00f6nnen, um der reinen Marktpreisbildung die Spitzen der Verwerfungen zu nehmen, die wir so zulassen, dass sie \u00fcberhaupt erst entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Ein kurzer pers\u00f6nlicher Einwurf<\/strong><\/p>\n<p>Um es vorwegzunehmen: Der Markt ist nicht der Schuldige, und dem Markt und damit der Marktwirtschaft soll hier auch kein anderes System entgegengestellt werden, denn alle Systeme m\u00fcssen irgendwie Preise bilden und damit Ungerechtigkeiten und Verwerfungen zulassen, je nachdem, welcher Produktionsfaktor dann die Priorit\u00e4t \u00fcbertragen bekommt. Es geht hier einzig und allein um eine Einsicht in den Prozess des Wirtschaftens, der meiner Meinung nach des Sinns immer mehr beraubt worden war und weiterhin wird.<\/p>\n<p><strong>Was sollte Wirtschaft leisten k\u00f6nnen und was sie davon derzeit leistet<\/strong><\/p>\n<p>Wirtschaft muss dem Menschen dienen, und dem Menschen dient Wirtschaft dann, wenn die Wirtschaft die Bed\u00fcrfnisse decken kann, die der Mensch zu decken w\u00fcnscht. Deshalb stellt sich die Frage nach dem Bedarf, aus dem die Bed\u00fcrfnisse dann abzuleiten sind. Die Frage muss also gestellt werden d\u00fcrfen:<\/p>\n<p><em>Ist jegliches Bed\u00fcrfnis auch als Bedarf zu betrachten?<\/em><\/p>\n<p>Diese Frage hat die reine Marktwirtschaft im Wesentlichen beantwortet und zwar mit Ja. Alles, was der Mensch an Bed\u00fcrfnissen hat, darf auch als Bedarf gewertet werden und dann als Angebot auch bereitgestellt werden. Weniges ist davon ausgeschlossen im neoliberalen Denken (aber auch im ordoliberalen Denken), oft recht willk\u00fcrlich sogar. Dass Heroin davon ausgeschlossen ist, ist einzusehen. Dass das Gleiche bei Cannabis gilt, ist f\u00fcr viele von uns schon mit Zweifeln belegt. Dass meiste jedoch wird, ohne es zu hinterfragen, als Angebot bereitgestellt, auch dann, wenn es nur darum geht, individuelle Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen, sogar dann, wenn klar ist, dass diese individuelle Bed\u00fcrfnisbefriedigung der Allgemeinheit schadet. Mehr als diese Bed\u00fcrfnisbefriedigung, ist sie als sch\u00e4dlich erkannt, zu bremsen, meist \u00fcber Verbrauchssteuern, ist man nicht bereit. Die CO2-Steuer, die Energiesteuer, Steuererm\u00e4\u00dfigungen auf die Umsatzsteuer, oft willk\u00fcrlich und wenig nachvollziehbar, m\u00f6gen hier exemplarisch als Beispiele dienen. Dass damit auch ein Umverteilungsprozess von unten nach oben einhergeht, ist den wenigsten bewusst, soll hier auch nur wieder einmal Erw\u00e4hnung finden, zumal deshalb, weil die meisten BGE-Vorschl\u00e4ge auf einer Refinanzierung durch Verbrauchssteuern aufbauen.<\/p>\n<p><strong>Fakt ist: <\/strong><\/p>\n<p><em>Erlaubt ist, was nicht grunds\u00e4tzlich verboten ist in dieser reinen Marktwirtschaft, welche wir wieder zur Anwendung gebracht haben.<\/em><\/p>\n<p><strong>Das System bedient sich daf\u00fcr der Ideologie des Individualismus<\/strong><\/p>\n<p>Ob es sinnvoll ist, entscheidet das Bed\u00fcrfnis, insbesondere das vom Angebot organisierte Bed\u00fcrfnis des Individuums, \u00fcber die Masse an nachfragenden Individuen, nicht der tats\u00e4chliche Sinn, nicht der sinnvolle Bedarf, schon gar nicht der eigentlich unverzichtbare Bedarf der Gesamtgesellschaft, auch Gemeinwohl genannt. Die Allmende ist entmachtet zugunsten eines zunehmend zerst\u00f6rerischen Individualismus, einer Ideologie, die, wie jede Ideologie, nur am Ende in die Irre f\u00fchren kann und l\u00e4ngst auch uns gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Dass das so ist, dass wir l\u00e4ngst in die Irre gef\u00fchrt worden sind, unseren Beitrag selbst dazu geleitestet haben (und viele wohl auch gern und schnell wieder leisten wollen), dass es oft sinnlos ist, was der Schwarm derzeit meint, dass es richtig, weil unverzichtbar w\u00e4re, ist durchaus zu sehen, wenn man sich Bilder von Kreuzfahrern in Venedig vor Augen f\u00fchrt, wo die Br\u00fccke des Schiffes weit \u00fcber die h\u00f6chsten H\u00e4user der Stadt hinausragt, der Abstand zu den H\u00e4usern auf Metern geschrumpft ist. Ob es sinnvoll ist, entscheidet der Individualismus, an dem sich das Angebot orientiert, ganz im Sinne von Says Diktum &#8222;das Angebot schafft sich immer seine eigene Nachfrage&#8220;, weil es die reinen individuellen W\u00fcnsche sind &#8211; die das Angebot durchaus zu wecken wei\u00df; man spricht deshalb auch von latenter Nachfrage in diesem Zusammenhang &#8211; welche fast allein ausschlaggebend geworden ist. Individualismus und Neoliberalismus, schon der Ordoliberalismus, gehen hier Hand in Hand, f\u00fchren uns, weil wir uns dieser F\u00fchrung auch anvertraut hatten.<\/p>\n<p><strong>Die Krise offenbart, was lange nicht offensichtlich war<\/strong><\/p>\n<p>Alles kein Problem, mag man meinen, und ja, alles kein Problem, solange jedenfalls ist es kein Problem, wie die Nachfrage auch nach sinnvollen G\u00fctern und Dienstleistungen nicht darunter leidet. Aber genau das k\u00f6nnen wir beobachten, m\u00fcssen wir gerade in dieser Krise feststellen. Nicht nur, dass wichtige G\u00fcter zum Schutz der Pflegekr\u00e4fte und der Bev\u00f6lkerung nun fehlen, weil der Bedarf &#8211; und damit die Produktion &#8211; sich eben nicht aus dem Sinn, sondern aus den individuellen Bed\u00fcrfnissen ableitete, sondern auch dass der individuelle Wunsch, zur\u00fcck zu dieser Normalit\u00e4t zu gehen, immer gr\u00f6\u00dfer wird. Nichts anderes ist n\u00e4mlich gerade zu beobachten als der Wunsch, wieder individuell zu bestimmen, was sinnvoll ist und was nicht, den eigentlichen Sinn des Wirtschaftens weiterhin im meinen Augen zu pervertieren, das sinnvolle Tun damit, welches jahrtausendelang die Menschen verfolgten, die durch ihr Wirtschaften nicht nur den t\u00e4glichen Bedarf, sondern auch die Sicherheit in der Zukunft und damit die Zuversicht im Auge behielten. &#8211; Wir sind weit zur\u00fcckgefallen im Denken, das muss ich an dieser Stelle mal feststellen.<\/p>\n<p><strong>Der eigentliche Sinn der Wirtschaft und des Wirtschaftens<\/strong><\/p>\n<p>Wirtschaft sollte und m\u00fcsste mehr erreichen, als sie derzeit als Aufgabe und Ziel gestellt bekommen hat &#8211; wenn man \u00fcberhaupt noch davon sprechen kann, dass man ihr Aufgabe und Ziel stellen w\u00fcrde; auch das wage ich n\u00e4mlich anzuzweifeln. Sie muss mehr leisten, als nur ein gutes Leben im Hier und Jetzt, und das auch nicht nur f\u00fcr m\u00f6glichst viele Menschen, wie die Liberalen meinen, die jedenfalls, die sich immer noch nicht vom Naturalismus \u00e0 la Malthus und Franklin trennen k\u00f6nnen. Sie muss f\u00fcr alle Menschen einer Gesellschaft und auch einer Gemeinschaft von Gesellschaften leisten, nicht nur f\u00fcr die immer weniger werdenden Menschen, f\u00fcr die sie im Neoliberalismus dann aber alles zu leisten vermag, auch deren unsinnigsten Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen wei\u00df.<\/p>\n<p>Wirtschaft soll und m\u00fcsste Sicherheit schaffen, und zwar im Hier und Jetzt und vor allem auch in der f\u00fcr uns alle unsicheren Zukunft. Sicherheit ist dabei mehr als nur die \u00e4u\u00dfere und innere Sicherheit, mehr als satt, trocken, warm im sozialen Bereich. Sicherheit hei\u00dft auch Zuversicht, hei\u00dft Zufriedenheit und beides dann f\u00fcr alle Menschen in der Gesellschaft, nicht nur f\u00fcr die wenigen, die sich diese Sicherheit auch kaufen k\u00f6nnen, weil ihr Preis stimmt, sie die Preise daf\u00fcr zahlen k\u00f6nnen, oft auch bei gleichzeitiger Verschwendung von individuellen Existenzen, nur um diesen Individuen und ihrer Verschwendung &#8211; oft mit Suchtpotenzial &#8211; weiterhin zu dienen, die dann ma\u00dfgeblich dazu beitragen, und dies oft ganz bewusst sogar, wie die Klimadebatte schon gezeigt hatte, welche im Grunde eine Egoismusdebatte war und wieder sein wird, dass das System weder in der Richtung noch im Inhalt eine \u00c4nderung erf\u00e4hrt. &#8211; Warum auch? Ist doch alles so sch\u00f6n und k\u00f6nnte noch sch\u00f6ner werden, wenn wir auch noch ein BGE zur eigenen Bed\u00fcrfnisbefriedigung dazubek\u00e4men.<\/p>\n<p><strong>Wirtschaft hat den Menschen zu dienen und nicht umgekehrt<\/strong><\/p>\n<p>Wirtschaft, will sie diesen Anspr\u00fcchen gerecht werden, muss deshalb eine Wirtschaft sein, die allen Menschen dienen will, die genau diese Zukunft versucht im Blick zu behalten, die vorsorgend wirtschaftet, f\u00fcr das Allgemeinwohl ebenso mitwirtschaftet wie f\u00fcr die individuellen Bed\u00fcrfnisse, und zwar im Hier und Jetzt und f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>Wirtschaft muss sich am Bedarf orientieren und nicht allein an den Bed\u00fcrfnisse derer, die meinen, \u00fcber den Bedarf allein bestimmen zu k\u00f6nnen, zu d\u00fcrfen, zu wissen, was f\u00fcr uns alle gut w\u00e4re, und doch nur ihr eigenes Wohl dabei im Auge haben.<\/p>\n<p>Das allerdings kann der Preis nicht allein leisten, der ja nur die Ressourcen zu verteilen gedenkt, auch dahin, wo sie wenig Sinn ergeben oder sogar gar keinen, au\u00dfer f\u00fcr das Individuum, welches unbedingt dieses, sein Bed\u00fcrfnis zu befriedigen sucht. Dazu ist mehr notwendig, um diesen Anspr\u00fcchen gerecht zu werden. Wie schon so oft von mir gesagt:<\/p>\n<p><em>Eine reine Preisgestaltung \u00fcber die M\u00e4rkte, dem puren Egoismus folgend, wie seit Smith dies opportun geworden ist, f\u00fchrt immer mehr zur Verschwendung durch die Individuen, die zwangsl\u00e4ufig nicht das Gro\u00dfe und Ganze \u00fcberblicken k\u00f6nnen und damit auch das Leben anderer Individuen verschwenden.<\/em><\/p>\n<p><strong>Auf das Gro\u00dfe und das Ganze kommt es an<\/strong><\/p>\n<p>Das Gro\u00dfe und Ganze zu \u00fcberblicken, darauf kommt es beim Wirtschaften an. Etwas, was das einzelne Individuum nie leisten wird k\u00f6nnen und auch die viel beschworene Schwarmintelligenz, die schon von Smith indirekt suggeriert worden war, als er den Egoismus des Einzelnen f\u00fcr den Wohlstand aller urs\u00e4chlich erkl\u00e4rte, nicht im Schwarm von individuellen Interessen leisten kann, nie leisten k\u00f6nnen wird.<\/p>\n<p>Smith gab eine Erkl\u00e4rung vor, welcher wir immer noch Folge leisten, mehr denn je Folge leisten, viel zu viel Aufmerksamkeit widmen und unhinterfragten Wahrheitsgehalt zusprechen, wahrscheinlich auch deshalb, weil sie den Egoismus rechtfertigt, auch da, wo er ungerechtfertigt letztendlich ist und wirkt, auch unseren eigenen Egoismus. Wohin der Egoismus f\u00fchrte, sah man an Cum-Ex, an den Steuerfl\u00fcchtlingen, an vielen anderen Verwerfungen, die alle immer aufregen, an deren Ursache sie aber nicht heranwollen, ihren eigenen egoistischen Interessen geschuldet. Wohin er f\u00fchren k\u00f6nnte, ist derzeit wohl wieder eindr\u00fccklich an der Diskussion um das &#8222;Zur\u00fcck zur Normalit\u00e4t&#8220; (der alten Normalit\u00e4t nat\u00fcrlich) zu sehen, k\u00f6nnte auch bald wieder abzulesen sein an den Sterberaten, vor allem unter alten und\/oder kranken Menschen, dann n\u00e4mlich, wenn der Egoismus der vielen Einzelnen dazu f\u00fchren k\u00f6nnte, dass die Wirtschaft, so wie wir sie bisher recht rudiment\u00e4r und sehr oberfl\u00e4chlich denken, fr\u00fchzeitiger wieder in Gang gesetzt wird, als diese alten und\/oder kranken Menschen es ertragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Das Primat der Politik, des Politischen<\/strong><\/p>\n<p>Das Gro\u00dfe und Ganze zu \u00fcberblicken ist Aufgabe der Politik, ist Aufgabe der Philosophie und Sozialwissenschaften &#8211; die \u00d6konomie der reinen individuellen Bed\u00fcrfnisbefriedigung f\u00e4llt leider derzeit weitgehend aus; sieht sich hier auch l\u00e4ngst nicht mehr als Teil der Sozialwissenschaften an, meint, selbst bestimmend sein zu d\u00fcrfen, auch \u00fcber die anderen Wissenschaften; auch das muss sich dringend \u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>Das Primat der Politik muss sich am Bedarf orientieren und nicht weiterhin an den Bed\u00fcrfnissen und da dann an den Bed\u00fcrfnissen einiger weniger, meist sehr wohlhabenden Menschen fast allein<\/strong><\/p>\n<p>Das Gro\u00dfe und Ganze muss dabei den Bedarf im Blick haben, diesen anders als derzeit definieren, demokratischer definieren, als das derzeit der Fall ist, wo jeder selbst entscheidet \u00fcber seinen eigenen Anspruch, aufgrund seiner eigenen Bed\u00fcrfnisse, was Bedarf zu sein hat, wo die, die gr\u00f6\u00dfte Entscheidungsgewalt haben, deren Preis am Markt am h\u00f6chsten ist, wo diese Preisprofiteure deshalb auch bestimmen, was zu gelten hat und was nicht zu gelten hat in dieser Gesellschaft, eben weil sie die Profiteure auch des reinen Marktgedankens derzeit sind, den Sinn der Wirtschaft auf den Preis reduzieren konnten, sie die Wirtschaft deshalb auch des Sinnes entleeren konnten, dem Primat der Politik und damit des gesellschaftlichen Handelns, erst ein ordoliberales, bald schon ein neoliberales, immer aber ein rein \u00f6konomisches Primat anstelle des politischen Primats und damit des gesellschaftlichen Primats setzen konnten, die Politik dadurch mehr als nur ihres Primates berauben konnten, die Politik damit auch dienstbar machen konnten, allein ihren Interessen dienstbar machen konnten, und &#8211; nicht zu vergessen &#8211; nun vielen anderen aufzwingen k\u00f6nnen, was ihnen als Bedarf zugestanden werden soll, wenn sie allein nicht in der Lage dazu sind, f\u00fcr die Deckung ihres Bedarfs den dazu n\u00f6tigen Preis auf dem Markt zu erwirtschaften. Die uns\u00e4gliche Diskussion \u00fcber die Hartz-S\u00e4tze, ein Almosen \u00e4hnlicher als einer sozialstaatlicher Versorgung, diese uns\u00e4gliche, rein demografische Rentendebatte, auch mit Expertenunterst\u00fctzung, sollten hier durchaus mal mitbedacht werden, auch als Erkl\u00e4rung dienen, was f\u00fcr ein Monster wir uns mittlerweile geschaffen haben, welchem Monster wir alle zu Diensten derzeit sind und sein m\u00fcssen, warum der Staat bei vielen B\u00fcrgern l\u00e4ngst in Verruf geraten ist.<\/p>\n<p>Warum dies alles beim BGE nicht gelten soll, was derzeit gilt, ist mir deshalb auch noch nie hinreichend erkl\u00e4rt worden, kann es wohl auch nicht, es sei denn, man glaubt an das Gute im Menschen, an den nur guten Menschen, an den ich allerdings nicht glauben kann, aus Erfahrungen heraus n\u00e4mlich nicht, insbesondere aus meinen Erfahrungen aus den Diskussionen um Hartz herum nicht.<\/p>\n<p>Noch leben wir nicht in der kantschen Vorstellung des moralischen Imperativs &#8211; ich m\u00f6chte gar nicht in ihr leben, nebenbei bemerkt. Der Zwang, nur meinem Gewissen folgen zu m\u00fcssen, w\u00e4re mir viel zu gro\u00df, zu mittelalterlich im Denken, als der Zwang nur ein anderer gewesen war, einer auf Gott und seinen Willen reduzierter.<\/p>\n<p>Noch leben wir in einer Welt, die Brecht besser beschreiben konnte: &#8222;Erst kommt das Fressen, dann die Moral&#8220;, wobei auch Brecht sicher mehr unter &#8222;dem Fressen&#8220; verstand als nur die Nahrungsaufnahme und die Reproduktion der eigenen Art. Und mehr wird deshalb auch kein BGE je nur leisten k\u00f6nnen, jedenfalls nicht in diesem ordo-neoliberalen System des Primates des Preises.<\/p>\n<p>Das BGE ist Ausdruck auch dieser individuellen Interessen, die, nur hinter Moral versteckt, dennoch wirksam sind. Es geht letztendlich nur darum, das tun zu d\u00fcrfen, was man tun will, und die daf\u00fcr zahlen zu lassen, die dann das auch tun, was \u00fcberhaupt erst notwendig ist, damit sie tun k\u00f6nnen, was sie wollen, nicht tun zu m\u00fcssen, was sie eigentlich tun m\u00fcssten. Das BGE ist deshalb nichts anderes als eine besondere Form des Egoismus, ein Massenegoismus quasi, ein moralgetriebener, nicht einer der Vernunft und des Verstandes.<\/p>\n<p><strong>Aus Einsicht hier deshalb gefordert, und zwar ohne die Moral allzu sehr bem\u00fchen zu m\u00fcssen<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich muss jetzt offensichtlich sein, was ich fordere von der Politik, von der \u00d6konomie, von den Sozialwissenschaften und der Philosophie, aber hier noch mal zusammengefasst f\u00fcr den Leser und die Leserin:<\/p>\n<p>Gebt der Wirtschaft wieder einen Sinn, einen \u00fcber den reinen Preisgedanken hinaus; befreit sie von der reinen Abh\u00e4ngigkeit vom Individualismus. Und lasst bitte die Spielereien mit kosmetischen Operationen, wie beispielsweise dem BGE, welchem auch immer, nur um beim alten Sinn des Wirtschaftens letztendlich bleiben zu k\u00f6nnen, diesen Unsinn hier fortsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gebt dem Leben einen anderen Sinn, als nur dem Preis zu dienen, als nur denen zu dienen, die die Macht \u00fcber die Preise haben, unsere Individualit\u00e4t schamlos ausnutzen k\u00f6nnen im Neoliberalismus, dem letztendlich auch das BGE zu dienen wei\u00df und zu dienen hat.<\/p>\n<p>Beendet den Drogenrausch des Konsum-Kapitalismus, welcher letztendlich nur den Shareholdern dient. Dann sorgt ihr auch f\u00fcr eine Gesundung der Gesellschaft. Kommt endlich zur Einsicht, und zwar bevor hier alles letztendlich den Bach heruntergeht.<\/p>\n<p>Denkt mehr in Allmende als im eigenen Egoismus, und dann wird das auch wieder was mit der Gesellschaft, dann wird sie sich wieder mit Sinn f\u00fcllen und nicht so, fast jeden Sinns entleert, vor sich hin d\u00fcmpeln wie die letzten Dekaden, den Dekaden des Individualismus.<\/p>\n<p>Die Zeit ist reif daf\u00fcr, tiefer zu denken und breiter zu denken, die Grenzen des Denkbaren auszuweiten und sich von L\u00f6sungen zu trennen, die nur im neoliberalen System Sinn ergeben, wie das BGE beispielsweise, unn\u00f6tig n\u00e4mlich, \u00e4ndert man den Sinn des Wirtschaftens, gibt man diesem einen besseren, weil anderen Sinn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wirtschaft, das Wirtschaften hat seinen Sinn eingeb\u00fc\u00dft. Es wird Zeit, dar\u00fcber zu reden, insbesondere deshalb, weil gerade wieder Vorschl\u00e4ge Hochkonjunktur haben wie das BGE, die diesem sinnlosen Treiben der Wirtschaft nur weitere Zeit verschaffen wollen, deren Bef\u00fcrworter nicht mehr als eine fadenscheinige Moraldebatte daf\u00fcr einzusetzen wissen. Sie werden dem Neoliberalismus damit die Zeit verschaffen, noch wirkungsm\u00e4chtiger zu werden, gerade weil sie dem Individualismus weitere Zeit verschaffen werden mit allen seinen unsinnigen Folgen und Nebenwirkungen. Um dem aber gleich vorzubeugen, den Reaktionen der vielen Mandelkerne hier eine andere Richtung zu geben: Im Folgenden geht es nicht prim\u00e4r um das BGE, schon gar nicht um das F\u00fcr und Wider, wie es \u00fcblicherweise als Schlagabtausch der \u00dcberzeugten und der Gegner stattfindet. Mir ist es auch v\u00f6llig egal, ob es kommt oder nicht. \u00c4ndern daran kann ich sowieso nichts, entscheiden werden es andere, und an dieser Entscheidung werde ich mit Sicherheit nicht teilnehmen k\u00f6nnen. Auch w\u00fcrde ich sogar davon profitieren k\u00f6nnen, auf Kosten allerdings einer wirklich erstrebenswerten Zukunft f\u00fcr meine Kinder und mein Enkelkind. Hier geht es um den Sinn der Wirtschaft und damit um den Sinn des Lebens letztendlich, welches wir auch der Wirtschaft zu widmen haben, ungerechtfertigter Weise viel zu viel zu widmen haben. 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