{"id":20266,"date":"2020-04-20T11:23:16","date_gmt":"2020-04-20T09:23:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=20266"},"modified":"2020-04-20T11:23:16","modified_gmt":"2020-04-20T09:23:16","slug":"die-untertanen-ja-wo-laufen-sie-denn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=20266","title":{"rendered":"Die Untertanen &#8211; Ja, wo laufen sie denn?"},"content":{"rendered":"<p>Der Staat, insbesondere die Exekutive des Staates, muss die Sicherheit seiner B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen gew\u00e4hrleisten. Das ist oberste Pflicht und Rechtfertigung jedes Staatswesens.<\/p>\n<p><strong>Vorab<\/strong><\/p>\n<p>Unterstroemt ist ein Meinungs-Medium und wie alle Meinungs-Medien, die etwas auf sich halten k\u00f6nnen, so muss es auch hier unterschiedliche Meinungen geben, in Sachfragen und Sichtweisen. Diesem Anspruch versuche ich hier nun gerecht zu werden, in dem ich meine Meinung \u00e4u\u00dfere, die nicht der aller Autoren hier entspricht und sicherlich auch nicht der aller Leser und Leserinnen. Gute Debatten brauchen aber die Meinung und damit auch die Meinungsunterschiede.<\/p>\n<p><strong>Exekutive<\/strong><\/p>\n<p>Die Exekutive hat die Pflicht Schaden vom B\u00fcrger abzuhalten, muss daf\u00fcr die Unsicherheiten bedenken, abw\u00e4gen und m\u00f6glichst gering halten. Schafft sie das nicht, so entscheidet die Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t der Ma\u00dfnahmen dar\u00fcber, in welchem Ma\u00dfe sie den Schaden zumindest reduzieren respektive klein halten konnte, ob sie versagt hat oder nicht.<\/p>\n<p><strong>B\u00fcrger, Legislative und Umfragen<\/strong><\/p>\n<p>Der B\u00fcrger hat ein Recht dies zu verlangen, denn nur deshalb kann auch von ihm verlangt werden, das er sich an die Gebote und Verbote des Staates und seiner Exekutive h\u00e4lt. Daf\u00fcr w\u00e4hlt der B\u00fcrger die Legislative, welche dann die Exekutive w\u00e4hlt und mit der Aufgabe Schutz zu schaffen betraut, ganz im Sinne des Willens der Mehrheit der B\u00fcrger. Der B\u00fcrger und die B\u00fcrgerin, die diesen Schutz dann auch verlangen, handeln deshalb v\u00f6llig vern\u00fcnftig, wenn sie den Schutz einfordern und wenn sie sich an die Gebote und Verbote halten, die dazu notwendig sind. Das hat nichts mit Untertanen-Denken oder Untertanen-Handeln zu tun.<\/p>\n<p>Das hat mit Vertrauen zu tun, Vertrauen in die, die handeln. Umfragen k\u00f6nnen deshalb auch nicht mehr offenbaren, als das Vertrauen zu diesem Zeitpunkt. Sie sagen nichts dar\u00fcber aus, wie es um dieses Vertrauen auch in Zukunft bestellt sein wird, sie sagen deshalb auch nichts dar\u00fcber aus, wie sich der Souver\u00e4n nach der Krise verhalten wird, wenn wieder andere Priorit\u00e4ten Geltung erlangen, als die, die in der Krise priorit\u00e4r geworden waren. Nichts anderes als Vermutungen sind deshalb gerechtfertigt und damit auch die Vermutung, dass eine Exekutive, die in den Augen der B\u00fcrger richtig und vern\u00fcnftig handelt, auch vom B\u00fcrger dann &#8222;belohnt&#8220; werden k\u00f6nnte. Ob das so sein wird, ist derzeit noch gar nicht absehbar, weil das Ende der Krise noch gar nicht absehbar ist.<\/p>\n<p>Erst wenn der Staat und die Exekutive Ma\u00dfnahmen vom B\u00fcrger verlangen oder Ma\u00dfnahmen ergreifen, die nicht ausschlie\u00dflich zu seinem Schutz getroffen werden oder die sogar diesen Schutz verringern, weil anderes wichtiger erscheint als der Schutz des B\u00fcrgers, kann, muss aber nicht, dann von Untertanen-Denken und Untertanen-Handeln gesprochen werden, wenn der B\u00fcrger n\u00e4mlich anderes will, sich aber dennoch der Exekutive und damit dem Staat beugt und dies auch erst dann, wenn diese Ma\u00dfnahmen vornehmlich und ohne ausreichende Rechtfertigung gegen ihn getroffen werden, mit dem Ziel getroffen werden, ihn in seiner Souver\u00e4nit\u00e4t einzuschr\u00e4nken, um Macht \u00fcber ihn aus\u00fcben zu k\u00f6nnen und auch erst dann, wenn dies auf Dauer angelegt sein soll und angelegt wird. Dar\u00fcber kann aber im Heute noch gar keine Aussagen getroffen werden, auch dann nicht, wenn es Versuche dazu geben sollte, denn dar\u00fcber wird der B\u00fcrger erst in Zukunft entscheiden, sagen, ob er das weiterhin zulassen will. Ein wenig mehr Vertrauen in den B\u00fcrger und seine Widerstandskraft w\u00e4re hier wohl angeraten. Ich habe es!<\/p>\n<p><strong>Judikative<\/strong><\/p>\n<p>Um solche Ma\u00dfnahmen erst gar nicht m\u00f6glich zu machen, gibt es die Gerichte, gibt es das Grundgesetz und insbesondere die Verfassungsgerichte. Solange diese funktionieren, solange der B\u00fcrger und die B\u00fcrgerin darin Vertrauen haben, solange ist kein B\u00fcrger ein Untertan, auch wenn er sich Ma\u00dfnahmen unterwirft, die seine Freiheit beschr\u00e4nken. Er tut dies souver\u00e4n und aus Einsicht, nimmt sich die Freiheit dazu, seine Freiheit f\u00fcr die Gesellschaft als Ganzes beschr\u00e4nken zu lassen.<\/p>\n<p><strong>Parlamente<\/strong><\/p>\n<p>Um von vornherein das Risiko zu minimieren, dass Ma\u00dfnahmen gegen den Willen der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung getroffen werden, gibt es Parlamente. Kein B\u00fcrger, zumal keiner in einer Demokratie, der sich an die dortigen Beschl\u00fcsse h\u00e4lt, ist deshalb ein Untertan. Er ist im Gegenteil ein Demokrat, ein guter Demokrat sogar, wenn er andere Beschl\u00fcsse gew\u00fcnscht h\u00e4tte und sich dennoch an die Beschl\u00fcsse der Mehrheit h\u00e4lt und zwar solange bis die Gerichte vielleicht etwas anderes sagen oder die Parlamente anders entscheiden.<\/p>\n<p><strong>Meine derzeitige sinnliche Wahrnehmung und damit meine Wahrheit<\/strong><\/p>\n<p>Ich sehe nicht, dass diese Regeln der Demokratie hier bei uns au\u00dfer Kraft gesetzt w\u00e4ren, nur weil der Schutz der Gesundheit der Menschen derzeit vor den Schutz des privaten Eigentums geht, Menschen auch ihr privates Eigentum f\u00fcr die eigene Sicherheit einzusetzen haben, also entsparen m\u00fcssen. Ich sehe eher das Gegenteil, Menschen n\u00e4mlich, die \u00fcber gro\u00dfe Verm\u00f6gen verf\u00fcgen und nun sich nicht an den Kosten der Herausforderungen beteiligen, die sogar \u00fcber ihre Interessenvertreter versuchen diese Kosten auf andere zu verlagern. Vor allem sehe ich dies f\u00fcr nach der Krise, als gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr die Gesellschaft sogar, als in der Krise l\u00e4ngst vorbereitet an.<\/p>\n<p>Ich sehe aber nicht, dass die Regeln der Demokratie hier ausgesetzt w\u00e4ren, nur weil einige Freiheiten derzeit beschr\u00e4nkt oder gar nicht gegeben sind, weil sie dem Schutz der Bev\u00f6lkerung gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel 2 des Grundgesetzes<\/a> entgegenstehen w\u00fcrden, w\u00fcrde man einige Freiheiten nicht beschr\u00e4nken und einige sogar aussetzen, weil sie beschr\u00e4nkt und ausgesetzt werden m\u00fcssen. Im Gegenteil, ich sehe diesen Artikel im Zentrum des Denkens und Handelns der meisten Verantwortlichen in diesen Tagen, sehe manche Kritiker und auch manche Verantwortliche eher au\u00dferhalb dieser Norm des Grundgesetzes in ihren Forderungen und Handlungen.<\/p>\n<p>Ich sehe nat\u00fcrlich auch Menschen, deren Existenz auf dem Spiel steht, die nicht nur existentiell mit den derzeitigen Herausforderungen nicht mehr zurecht kommen, sondern oftmals auch mental damit gro\u00dfe Schwierigkeiten haben, wie ich auch viele Menschen sehe, die, trotz wirtschaftlicher Absicherung, mental mit der Zwangspause, mit der Ruhe nicht zurecht kommen. Ich sehe vor allem, dass Kinder in prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen durchaus mehr unter den Umst\u00e4nden leiden, als andere Kinder, deren Eltern nicht in prek\u00e4ren Umst\u00e4nden leben. Insgesamt sehe ich das Kind nie ohne seine Eltern und damit sehe ich immer auch die Umst\u00e4nde der Eltern als ma\u00dfgebend f\u00fcr die Situation der Kinder an. Aber ich sehe auch die Versuche ihnen zu helfen von Seiten des Staates, das Bem\u00fchen dazu. Leider muss auch ich feststellen, dass hier die Regeln vor der Krise auch in der Krise oftmals gelten und die Priorit\u00e4ten nicht so gesetzt werden, wie ich mir das w\u00fcnschen w\u00fcrde. Weiterhin scheint zu gelten, wer am n\u00fctzlichsten nach den alten Kriterien der Systemrelevanz ist, dem zu helfen, hat leider auch jetzt wieder h\u00f6chste Priorit\u00e4t und n\u00fctzlich ist, wer der Wirtschaft dienen kann, wer sie am Laufen halten kann. An dieser grunds\u00e4tzlichen Kritik halte ich fest und ich denke auch, dass wir im Autoren-Team da durchaus einer Meinung sind.<\/p>\n<p>Ich sehe deshalb auch viele Regeln und Vorgehensweisen, die auch mir nicht passen, weil mein Bild vom Menschen eben nicht so schlecht ist, wie es die wohl haben, die die Gesetze machen und meine Priorit\u00e4ten auch nicht auf dem Eigentum liegen, dem sich die Parlamente (leider auch die Gerichte) mehr verpflichtet f\u00fchlen als dem Menschen; und weil Eigentum im Kapitalismus nicht von der Wirtschaft getrennt werden kann, diese in den Parlamenten l\u00e4ngst den Ton angibt, bestimmt welche Musik gespielt wird, oft zum Nachteil vieler Menschen und der Natur. Dennoch halte ich mich an die Regeln und sehe mich deshalb immer noch nicht in der Rolle eines Untertanens. Denn die Regeln lassen sich immer noch \u00e4ndern, wenn die Mehrheit sie \u00e4ndern will. Ich sehe auch mich als durchaus beherrscht vom Primat der Wirtschaft an, aber nicht erst jetzt in der Krise, sondern schon lange vorher und dass sich das \u00e4ndern muss, dass wird wohl auch im Autoren-Team hier bei uns unbestritten sein.<\/p>\n<p>Was ich wirklich sehe, das sind deshalb Interessenkonflikte, auch Angstkonflikte &#8211; die einen haben zur Zeit Angst vor dem Virus und die anderen Angst vor der Bevormundung durch den Staat, beide \u00c4ngste sind individuelle \u00c4ngste und k\u00f6nnen auch nur vom Individuum allein beherrscht werden, stehen aber zwischen den Individuen in Konflikt -, und eine politische Elite, die von diesen Interessenkonflikten und Angstkonflikten getrieben wird und deshalb sehe ich an vielen Stellen derzeit Ma\u00dfnahmen, die nur halbherzig getroffen werden, vermisse ich Ma\u00dfnahmen, die gar nicht getroffen worden sind, sehe ich Ma\u00dfnahmen, die nicht oder zumindest noch nicht h\u00e4tten getroffen werden d\u00fcrfen. Was ich nicht sehe, dass sind Untertanen, Menschen, die sich ihre Souver\u00e4nit\u00e4t von der Obrigkeit h\u00e4tten nehmen lassen.<\/p>\n<p>Ich sehe nicht einmal die Gefahr dazu dieser Tage, denn die, welche die Exekutive bilden, sind viel zu schwach und viel zu wenig durchsetzungsf\u00e4hig dazu. W\u00e4ren sie n\u00e4mlich st\u00e4rker und durchsetzungsf\u00e4higer, so w\u00fcrden sie sich nicht so von den Interessengruppen treiben lassen, wie sie sich derzeit treiben lassen, ja, bei einigen sehe ich sogar, dass sie sich vorf\u00fchren lassen. Das macht mir Sorgen, denn das ist die wahre Gefahr dieser Tage, dass n\u00e4mlich Interessen die Oberhand gewinnen k\u00f6nnten, die nicht mehr ausreichenden Wert, vielleicht gar keinen Wert mehr auf die Sicherheit des B\u00fcrgers legen k\u00f6nnten, diese und damit den B\u00fcrger und die B\u00fcrgerin noch mehr zu einem Handelsgut machen k\u00f6nnten, als er es jetzt schon im reinen marktwirtschaftlichen Denken geworden ist.<\/p>\n<p><strong>Noch mal: <\/strong><\/p>\n<p>Ich sehe Manns Untertanen nicht, den andere seit langem hier behaupten, dass es ihn in einer gro\u00dfen Mehrheit in dieser Bev\u00f6lkerung geben w\u00fcrde. Ich sehe \u00fcberwiegend vern\u00fcnftige und sehr viele nachdenkliche Menschen. Ich sehe Disziplin und kein Anwachsen des Obrigkeitsdenkens. Ich sehe Geduld und Ungeduld und ich sehe die Ungelduldigen gerade die Oberhand gewinnen.<\/p>\n<p>Schon gar nicht sehe ich mich in der Rolle des Untertanes, auch nicht, weil ich derzeit bereit bin auf gewisse Rechte zu verzichten, schon gar nicht deshalb, dient dies doch dem Schutz der Gesellschaft und damit auch dem Schutz derer, die damit ein zunehmendes Problem zu haben scheinen.<\/p>\n<p>Vielleicht \u00e4ndert sich meine Sicht eines Tages &#8211;\u00a0<a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=20023\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ich schrieb unl\u00e4ngst \u00fcber mein Verhalten in einer dynamischen Welt <\/a> &#8211; aber noch habe ich keinen Grund gefunden, kein Argument geh\u00f6rt oder gelesen, welches dazu geeignet w\u00e4re, mich dazu zu veranlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Staat, insbesondere die Exekutive des Staates, muss die Sicherheit seiner B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen gew\u00e4hrleisten. 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