{"id":2045,"date":"2014-11-18T14:52:35","date_gmt":"2014-11-18T12:52:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2045"},"modified":"2018-07-08T23:01:41","modified_gmt":"2018-07-08T21:01:41","slug":"meinungspluralitaet-in-deutschen-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2045","title":{"rendered":"Meinungspluralit\u00e4t in deutschen Medien"},"content":{"rendered":"<p>Das rechte Spektrum in Deutschland hat den Begriff der Gleichschaltung der Medien in den letzten Monaten zunehmend f\u00fcr sich okkupiert: Bei den HoGeSa-Demos wurde Entsprechendes skandiert, vonseiten der Rechtsparteien NPD und AfD h\u00f6rt man immer h\u00e4ufiger diesen Vorwurf, und Udo Ulfkotte ver\u00f6ffentlicht bei dem rechtsesoterischen Kopp-Verlag ein Buch mit dem Titel <em>Gekaufte Journalisten<\/em>. Das ist eine unerfreuliche Entwicklung, da so eine berechtigte Medienkritik diskreditiert und in eine Ecke ger\u00fcckt wird, in die sie nicht geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der eher etwas unterbelichtete rechte Rand die Medien n\u00e4mlich immer weiter nach links driften sieht, ist n\u00e4mlich genau das Gegenteil der Fall, und dies hat durchaus unterschiedliche Ursachen.<\/p>\n<p>Gerade vor wenigen Wochen wurde ja Gruner &amp; Jahr von Bertelsmann geschluckt (s. <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23495#more-23495\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), und diese \u00dcbernahme ist nur ein Teil einer generellen Entwicklung, die dazu f\u00fchrt, dass immer mehr Medien in den H\u00e4nden von immer weniger Personen sind. Die Netzfrauen schrieben einen sehr aufschlussreichen <a href=\"http:\/\/netzfrauen.org\/2013\/12\/10\/teil-1-wer-macht-die-oeffentliche-meinung-ein-paar-wenige-medienkonzerne\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> hierzu, auf den ich ja auch schon einmal hier auf unterstr\u00f6mt hingewiesen habe. Hieraus geht hervor, dass ein Gro\u00dfteil der deutschen Medienlandschaft von gerade einmal f\u00fcnf Konzernen kontrolliert wird, n\u00e4mlich Bertelsmann, Axel Springer, Hubert Burda Media, Funke Mediengruppe und Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Hat der FAZ-Gr\u00fcndungsherausgeber noch in den 60er-Jahren mit seinem ber\u00fchmten Zitat<\/p>\n<blockquote><p>Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.<\/p><\/blockquote>\n<p>den Nagel auf den Kopf getroffen, so d\u00fcrften es mittlerweile deutlich weniger als noch 200 sein, die in erster Linie f\u00fcr die herrschende Meinung in unserem Land sorgen, da sie die sogenannten Leitmedien besitzen. Wie sich dies dann konkret \u00e4u\u00dfert, ist hervorragend am Beispiel von <em>Der Spiegel<\/em> zu sehen. Wie wenig das Magazin noch mit der urspr\u00fcnglichen Intention Rudolf Augsteins zu tun hat, wird von Jens Berger auf den Nachdenkseiten in dem Artikel <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23000\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bye, bye, SPIEGEL!<\/a>\u00a0trefflich auf den Punkt gebracht. Und wenn man dann noch, beispielsweise in dem Artikel <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/kapital-arbeit\/gesch\u00e4ft-mit-der-dummheit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesch\u00e4ft mit der Dummheit<\/a> der <em>jungen Welt <\/em>[Artikel leider nicht mehr verf\u00fcgbar], sieht, wie Bertelsmann zurzeit massiv in den Bildungssektor dr\u00e4ngt, kann einem nur noch angst und bange werden, denn dann kann wahrlich von einer Gleichschaltung gesprochen werden &#8211; nur dass diese nur bedingt aus politischem Kalk\u00fcl, sondern eben vor allem unter ganz schn\u00f6den wirtschaftlichen Gesichtspunkten stattfindet (eine Tatsache, die sich bei den rechten Medienkritikern so nat\u00fcrlich nicht findet).<\/p>\n<p>Ein anderer Punkt ist der Arbeitsalltag von Journalisten, der sich mittlerweile doch sehr ge\u00e4ndert hat. Umsatzr\u00fcckg\u00e4nge von Zeitungen\/Zeitschriften haben zu Einsparungen gef\u00fchrt, was wiederum f\u00fcr die meisten Journalisten bedeutet, mehr Arbeit in weniger Zeit abliefern zu m\u00fcssen. Dazu kommt ein gesteigerter Aktualit\u00e4tsdruck: Eine Meldung zu bekommen und dann erst mal in Ruhe zu recherchieren, inwieweit diese auch tats\u00e4chlich zutrifft, wie die Hintergr\u00fcnde aussehen usw., ist kaum noch m\u00f6glich, wenn ebendiese Meldung schon bei N24 im Ticker l\u00e4uft und bei der Konkurrenz auf den Webseiten zu finden ist. Will man also nicht als journalistischer Kalter-Kaffee-Produzent gelten, muss die Sorgfalt zwangsl\u00e4ufig auf der Strecke bleiben. (Gabriele Krone-Schmalz beschrieb dieses Ph\u00e4nomen im April dieses Jahres schon recht deutlich in einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=22VfEe1RkH8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview mit dem NDR-Magazin ZAPP<\/a>.) Als Resultat schreiben dann viele genau das Gleiche (teilweise auch mit identischem Wortlaut), was nat\u00fcrlich dazu f\u00fchrt, dass dies dann nicht nur eine weitere Verbreitung erf\u00e4hrt, sondern eben auch, selbst wenn die Meldung sich als falsch herausstellt, erst mal wegen ihrer Omnipr\u00e4senz als wahr wahrgenommen wird. Und dann kann es bei dem herrschenden Zeitdruck in der Branche nat\u00fcrlich auch schon mal passieren, dass nicht nur DPA-Meldungen, sondern eben auch PR-Texte, die \u00fcber die DPA-Tochter\u00a0<em>news aktuell<\/em> verbreitet werden, als redaktioneller Text erscheinen &#8230;<\/p>\n<p>Und dann gibt es letztlich auch tats\u00e4chlich noch die Art von Propaganda, die in der Tat mit bewussten Falschmeldungen sowie dem Verschweigen von unpassenden anderen Meinungen und Tatsachen gezielt politisch agiert und Stimmung macht. In Bezug auf die Geschehnisse in der Ukraine habe ich ja schon vor einiger Zeit hier auf unterstr\u00f6mt in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=1483\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a>\u00a0auf diesen Umstand aufmerksam gemacht, und auch die Anstalt widmete diesem Thema eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EERlIFXtsPQ&amp;index=105&amp;list=PL96FB8D2A7D04F3C2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Folge<\/a>, allerdings ist hier der Streit um die Deutungshoheit der Geschehnisse ja noch in vollem Gange. Auch die Berichterstattung zum Thema GDL-Streik vor wenigen Wochen wies starke Z\u00fcge von Kampagnenjournalismus auf, wie ich in diesem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2001\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> hier auf unterstr\u00f6mt darstellte, und wieder die Anstalt pr\u00e4sentierte in der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-NABdIPFvls&amp;list=PL96FB8D2A7D04F3C2&amp;index=103\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">April-Sendung<\/a>\u00a0die Verbindungen einiger deutscher Topjournalisten zu transatlantischen Lobbyorganisationen (Joffe und Bittner von der Zeit scheiterten mit ihrer Klage hiergegen recht kl\u00e4glich, wie dieser <a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/blog\/ZAPP,atlantiker100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kommentar des NDR<\/a> zeigt). Dass dies kein neues Ph\u00e4nomen ist, wird in dem Artikel <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2014\/november\/frieden-muss-gestiftet-werden\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frieden muss gestiftet werden<\/a>\u00a0von Daniela Dahn in der aktuellen Ausgabe der Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik deutlich erkennbar. In ihrer Besch\u00e4ftigung mit dem Kosovokrieg schildert Dahn, wie vonseiten der Medien massiv und einseitig Einfluss auf die \u00f6ffentliche Meinung genommen wurde: PR-Agenturen wurden mit gro\u00dfen Etats ausgestattet, um entsprechende Meinungen und Sichtweisen zu verbreiten und als Tatsachen zu verkaufen, dabei wurde auch vor gef\u00e4lschtem Fotomaterial nicht zur\u00fcckgeschreckt. Den unr\u00fchmlichen H\u00f6hepunkt fand dieses Vorgehen dann in dem NATO-Angriff auf den Hauptsitz der serbischen Radio- und Fernsehgesellschaft RTS, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen &#8211; alles, um unliebsame und nicht zum gewollten Tenor passende Bilder und Berichte zu unterbinden.<\/p>\n<p>Wie man sieht, gibt es also einiges, was an unserer Medienlandschaft kritisiert werden kann (und muss), insbesondere was die mangelnde Meinungspluralit\u00e4t der sogenannten Leitmedien zu brisanten Themen betrifft. Dass die in der Regel unsachgem\u00e4\u00dfe rechte Medienschelte so sehr in den Fokus der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung ger\u00fcckt wird, sodass mittlerweile Begriffe wie &#8222;Mainstream-Medien&#8220; (wie hier beim <a href=\"https:\/\/www.testspiel.de\/das-extra-3-besorgte-buerger-bullshit-bingo\/301944\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rechtspopulisten-Bullshit-Bingo der NDR-Sendung extra 3<\/a>) immer \u00f6fter als rechtspopulistisch gebrandmarkt werden, erweckt bei mir zumindest den Verdacht, dass auf diese Weise Kritik mundtot gemacht werden soll &#8211; und das wieder mittels Kampagnenarbeit unter dem journalistischen Deckm\u00e4ntelchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das rechte Spektrum in Deutschland hat den Begriff der Gleichschaltung der Medien in den letzten Monaten zunehmend f\u00fcr sich okkupiert: Bei den HoGeSa-Demos wurde Entsprechendes skandiert, vonseiten der Rechtsparteien NPD und AfD h\u00f6rt man immer h\u00e4ufiger diesen Vorwurf, und Udo Ulfkotte ver\u00f6ffentlicht bei dem rechtsesoterischen Kopp-Verlag ein Buch mit dem Titel Gekaufte Journalisten. 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