{"id":20866,"date":"2020-07-09T22:50:18","date_gmt":"2020-07-09T20:50:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=20866"},"modified":"2020-07-10T11:54:27","modified_gmt":"2020-07-10T09:54:27","slug":"buchtipp-die-humane-marktwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=20866","title":{"rendered":"Buchtipp: Die Humane Marktwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein einfaches Konzept f\u00fcr die Wirtschaft, in der Regulierungen und Subventionen entfallen, das egoistische und fanatische Anh\u00e4ufen von Unsummen sich nicht mehr rentiert und man das System sogar in einem Land nach dem anderen einf\u00fchren kann, der internationale Handel also weiter funktioniert, kann es das geben? Wenn es nach <em>Peter Haisenko<\/em> und <em>Hubert von Brunn<\/em> geht, dann haben sie ein solches Wirtschaftsmodell in ihrem Buch \u201eDie Humane Marktwirtschaft\u201c relativ detailliert skizziert.<\/strong><\/p>\n<p>Manche gro\u00dfe Ideen umzusetzen erfordert nicht unbedingt gro\u00dfes Verst\u00e4ndnis, aber gro\u00dfen Mut. Sich von einem Wirtschaftssystem zu trennen, gerade mit existenziellen \u00c4ngsten vor Verlust von \u201edem bisschen Geld, das man hat\u201c, ist sicherlich schwer und kann bis zum Erbrechen von den G\u00fcnstlingen eines \u00fcberholten, sch\u00e4dlichen und sogar t\u00f6dlichen System (Spekulationen auf Grundlebensmittel) gut instrumentalisiert werden, z. B. mit der Angst vor dem Kommunismus, der aber genauso auf Ausbeutung beruht und letztlich zum Tod des Systems f\u00fchrt, wie wir es gerade mit dem Kapitalismus und den sogenannten \u201eFinanzkrisen\u201c erleben. Der Kapitalismus treibt die Gesellschaft auseinander, die Schere zwischen dem \u00e4rmeren Teil der Gesellschaft und dem superreichen Prozent w\u00e4chst immer schneller, da das Verm\u00f6gen der Kapitalisten immer schneller w\u00e4chst und so entsprechend den Rest vom Kuchen f\u00fcr den Rest der Bev\u00f6lkerung verkleinert. Kranke Konstrukte wie der Zinseszins erm\u00f6glichen es, mit Geld noch mehr Geld zu \u201everdienen\u201c, obwohl man daf\u00fcr nichts leistet und es somit eigentlich nicht verdient hat. Das Geld nicht als Mittel zum Zweck, sondern als G\u00f6tze und um sich selbst auf Kosten anderer in einem surreal wirkenden Konstrukt wie der <a href=\"https:\/\/www.forbes.at\/artikel\/forbes-world-s-billionaires-2020.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Forbes-Liste<\/a> weit oben zu sehen, ein Kampf der gierigen und nimmersatten Junkies nach Geld mit Millionen von Opfern.<\/p>\n<p>Der Turbokapitalismus liefert immer mehr Gr\u00fcnde, das System neu aufzustellen: Arbeitslosigkeit, Lohndumping, Altersarmut. Das Kapital ist in der Lage, die Medien aufzukaufen und Meinungen entsprechend zu manipulieren, es kann ganze Staaten ruinieren oder unter Druck setzen. Es werden Milliarden f\u00fcr eine Armee an Lobbyisten ausgegeben, weil es sich eben auszahlt, die Politiker auf seiner Seite zu haben, Gesetze mitschreiben zu k\u00f6nnen und die Vernetzung williger und damit unsozial agierender Politiker nutzen zu k\u00f6nnen. Wie kann ein Mensch so viel besitzen wie Millionen anderer Menschen zusammen? Durch \u201eharte Arbeit\u201c sind solche Summen nicht erreichbar, und was mancher mit bereits zusammenspekuliertem Kapital am Tag &#8222;verdient&#8220;, kostet wirklich hart arbeitende Menschen ein Leben, wenn nicht sogar das zu wenig ist.<\/p>\n<p>Ich empfehle dieses Buch explizit nicht den so oder so antikapitalistischen Linken, sondern der immer d\u00fcnner werdenden Mittelschicht und vor allem den Entscheidern dieser Welt: Politikern und ganz besonders den Superreichen. Denn auch ihre Welt geht den Bach runter, und wer von ihnen glaubt, dass die Spaltung der Gesellschaft keinen Einfluss auf das eigene Leben haben wird, der hat die Geschichte der Menschheit und die Folgen von wachsender Ungleichheit nicht gelernt oder wieder erfolgreich verdr\u00e4ngt. Es ist gut lesbar, gibt einfache Beispiele und wiederholt die elementaren Bestandteile der <em>Humanen Marktwirtschaft<\/em> wieder und wieder.<\/p>\n<p>Sicherlich bietet dieses Buch nicht die Antworten auf alle Fragen, aber es gibt eine klare Linie vor und das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wie eine Gesellschaft wieder ein WIR-Gef\u00fchl entwickeln kann anstatt des derzeit dominierenden Systems der ICH-Bezogenheit, welches nicht zuletzt von den Existenz\u00e4ngsten erzeugt wird, die unser kapitalistisches System selbst hervorbringt. Die R\u00fcckkehr zu einem humanistischen Denken und zur Verteilung einer stabilen W\u00e4hrung ohne Inflation oder der wundersamen Vermehrung von Kapital ohne jegliche Gegenleistung, und zwar f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>\u201eDie Humane Marktwirtschaft: Das Wirtschafts- und Finanzsystem zum Wohle aller Menschen\u201c von Peter Haisenko und Hubert von Brunn<br \/>\nAnderwelt Verlag im Dezember 2015, 292 Seiten<br \/>\nISBN 10: 3940321133<br \/>\nISBN 13: 9783940321138<br \/>\nISBN EPUB: 978-3-940321-13-8<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein einfaches Konzept f\u00fcr die Wirtschaft, in der Regulierungen und Subventionen entfallen, das egoistische und fanatische Anh\u00e4ufen von Unsummen sich nicht mehr rentiert und man das System sogar in einem Land nach dem anderen einf\u00fchren kann, der internationale Handel also weiter funktioniert, kann es das geben? 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