{"id":21037,"date":"2020-08-06T08:54:00","date_gmt":"2020-08-06T06:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=21037"},"modified":"2020-08-06T09:00:32","modified_gmt":"2020-08-06T07:00:32","slug":"zypern-lehnt-ceta-ab-und-die-neoliberale-manipulationsmaschinerie-laeuft-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=21037","title":{"rendered":"Zypern lehnt CETA ab &#8211; und die neoliberale Manipulationsmaschinerie l\u00e4uft an"},"content":{"rendered":"<p>Das zypriotische Parlament hat letzte Woche das umstrittene Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada abgelehnt. Das ist eine gute Nachricht &#8211; und\u00a0zugleich noch eine kleine Lehrstunde, wie neoliberale Indoktrination funktioniert.<\/p>\n<p>Was bei der medialen Reaktion auf dieses Ereignis\u00a0n\u00e4mlich vor allem interessant und bezeichnend ist: Die neoliberale Journaille (<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/zypern-blockiert-wegen-halloumi-kaese-handelsabkommen-ceta-16887803.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">FAZ<\/a>, <em><a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/politik\/ausland\/eu-kanada-freihandel-zypern-blockiert-ceta-handelsabkommen-wegen-halloumi-kaese\/26057406.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">WiWo<\/a><\/em>, <em><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/halloumi-kaese-zypern-blockiert-ceta-handelsabkommen-zwischen-der-eu-und-kanada-a-089b3106-6346-4da9-899d-a46b7786e638\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Spiegel<\/a><\/em> &#8230;) versucht diese Entscheidung zu trivialisieren, indem sie in den Titeln zu dieser Abstimmung &#8222;wegen Halloumi-K\u00e4se&#8220; hervorhebt &#8211; und so den Eindruck erwecken m\u00f6chte, dass das ja im Grunde nur eine Kleinigkeit oder so was wie eine regionale Posse sei.\u00a0Dass die Zivilgesellschaft in Zypern CETA generell sehr skeptisch gegen\u00fcbersteht, wird nat\u00fcrlich nicht erw\u00e4hnt, wie es beispielsweise aus dem Newsletter vom <em>Umweltinstitut M\u00fcnchen<\/em> hervorgeht:<\/p>\n<blockquote><p>Nun k\u00f6nnte CETA \u2013 der Vertrag zwischen der EU und Kanada \u2013 vor dem Aus stehen, denn das zypriotische Parlament hat das Abkommen vor wenigen Tagen mit 37 zu 18 Stimmen abgelehnt.<\/p>\n<p>Zwar wird CETA trotz aller Proteste nun schon seit drei Jahren vorl\u00e4ufig angewandt. Aber damit es vollst\u00e4ndig in Kraft treten kann, fehlte bisher noch die Zustimmung einiger EU-Mitgliedstaaten. Lehnt nur ein Parlament das Abkommen ab, scheitert es und die vorl\u00e4ufige Anwendung wird gestoppt. Und genau das ist jetzt geschehen: <strong>Mit dem &#8222;\u039f\u03c7\u03b9!&#8220; aus Zypern ist CETA eigentlich gestorben!<\/strong><\/p>\n<p>Doch der zypriotische Pr\u00e4sident will nachverhandeln. Die EU-Kommission k\u00f6nnte in Absprache mit Kanada gezielt den Schutz zypriotischer Produkte, wie dem Halloumi-K\u00e4se, verbessern. Zypern k\u00f6nnte dann erneut abstimmen und das Abkommen retten. Doch in der Debatte im Parlament ging es nicht nur um Halloumi, sondern auch gegen den einseitigen Nutzen f\u00fcr gro\u00dfe Konzerne, gegen Investitionsschutz und gegen Gentechnik. Das Nein im Parlament passt zur Stimmung auf der Insel, wo die gesamte Zivilgesellschaft das Abkommen ablehnt.<\/p><\/blockquote>\n<p><span data-offset-key=\"bv2i4-0-0\">Wenigstens die <em><a href=\"https:\/\/taz.de\/Handelsabkommen-zwischen-EU-und-Kanada\/!5699909\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">taz<\/a><\/em> berichtet seri\u00f6s dar\u00fcber, aber die erreicht eben auch nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Gesellschaft.<\/span><\/p>\n<p>Journalisten wissen ganz genau, dass viele Menschen nur die \u00dcberschriften von Artikeln lesen, vielleicht noch mal den ersten Anrisstext. Und dieses Verhalten hat sich in Zeiten von Social Media und Smartphone-Nutzung noch mal deutlich versch\u00e4rft. Ich selbst kann das auch jeden Tag erleben, dass Leute sich zu Artikeln \u00e4u\u00dfern, die sie \u00fcberhaupt nicht gelesen haben &#8211; was nat\u00fcrlich dann in der Regel zu wenig qualifizierten Kommentaren und einer unfruchtbaren Diskussion f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Daran sieht man nun, dass Indoktrination nicht zwingend damit verbunden ist, die Menschen anzul\u00fcgen, sondern man l\u00e4sst eben einfach bestimmte Aspekte eines Geschehens weg und \u00fcberbetont andere. Und schon wird eben eine entsprechende Stimmung erzeugt beim Leser, in diesem Fall wohl: &#8222;Die doofen hinterw\u00e4ldlerischen Zyprioten mit ihrem albernen K\u00e4se &#8211; und deswegen soll nun ein tolles Freihandelsabkommen scheitern!&#8220;<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich schon wesentlich subtiler, als wenn man einfach irgendwelche Appelle direkt dem Leser vor den Kopf knallt, die ihn zu einem Handeln auffordern, so wie das in Autokratien ja h\u00e4ufig der Fall ist. So wird nun durch vermeintlich sachliche Berichterstattung dem Leser ein eigene Schlussfolgerung aus dem Gelesenen nahegelegt, die dieser allerdings erst noch selbst leisten muss, sodass er sich eben nicht manipuliert f\u00fchlt, sondern meint, sich seine Meinung ja selbst zu bilden.<\/p>\n<p>Ganz sch\u00f6n raffiniert, oder?<\/p>\n<p>Und f\u00fcr diejenigen, denen so was dann doch ein bisschen zu viel kognitive Eigenleistung ist, fehlt dann jetzt eigentlich nur noch die <em>BILD<\/em>, die zum Boykott von zypriotischem Halloumi aufruft &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das zypriotische Parlament hat letzte Woche das umstrittene Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada abgelehnt. 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