{"id":21294,"date":"2020-09-15T07:55:53","date_gmt":"2020-09-15T05:55:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=21294"},"modified":"2020-09-15T07:56:32","modified_gmt":"2020-09-15T05:56:32","slug":"netflix-und-co-mieten-statt-eigentum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=21294","title":{"rendered":"Netflix und Co.: Mieten statt Eigentum"},"content":{"rendered":"<p>Anfang des Jahres beschrieb ich ja schon mal in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=18851\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<\/a> die Folgen von der zunehmenden Verbreitung von Netflix, Spotify und Co. Nun ist mir gerade noch ein weiterer Aspekt eingefallen, warum ich diese (Streaming-)Dienste kritisch sehe: Immer mehr Menschen werden so vom Eigent\u00fcmer zum Mieter &#8211; und haben damit letztlich nur eine sehr beschr\u00e4nkte Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die von ihnen bezahlten Kulturg\u00fcter.<\/p>\n<p>Klar, eine DVD, ein Buch oder eine CD sind nun doch eher bescheidenes Eigentum, mit dem man sich nicht ein Verm\u00f6gen oder so was aufbaut. Aber wenn jemand im Besitz solcher Dinge ist, kann er damit auch machen, was er m\u00f6chte, beispielsweise anderen leihen auch weiterverschenken. Meine Game-of-Thrones-DVDs haben au\u00dfer mir beispielsweise schon vier weitere Personen gesehen, n\u00e4mlich Freunde und Freundinnen, denen ich das ausgeliehen habe. H\u00e4tte ich mit einer Netflix-Serie nicht so ohne Weiteres machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Oder wenn man so was wie \u00f6ffentliche B\u00fccherschr\u00e4nke oder Give-Boxen nimmt, in die man B\u00fccher oder auch andere Medien einstellen kann, die man selbst nicht noch einmal lesen, anschauen oder anh\u00f6ren m\u00f6chte. Gerade bei B\u00fcchern und Filmen ist das ja h\u00e4ufiger mal so, dass man die zwar nicht schlecht fand, aber irgendwie auch klar ist, dass die nicht noch ein zweites Mal genossen werden. Also ist es doch prima, wenn man das an jemand anderen weitergeben kann. Auch dies wird mit Netflix oder Kindle eher schwierig &#8230;<\/p>\n<p>Sachen auszuleihen (ohne daf\u00fcr bezahlt zu werden) oder zu verschenken entspricht ja nun auch nicht gerade der kapitalistischen Verwertungslogik, laut der mit allem m\u00f6glichst viel Geld erwirtschaftet werden soll. Etwas, f\u00fcr dessen Nutzung (und nicht f\u00fcr den Erwerb) ich zahle, ist da nat\u00fcrlich der Idealzustand, denn der Konsument muss immer wieder zahlen. Wenn er das nicht mehr macht, hat er eben auch gar nichts mehr. So was ist bei Events ja durchaus nachvollziehbar und sinnvoll, beim allt\u00e4glichen Kulturgebrauch hingegen vor allem etwas, was den Anbietern n\u00fctzt. Und wenn diese mal pleitegehen sollten, dann schaut der Nutzer auch ziemlich in die R\u00f6hre.<\/p>\n<p>Mal abgesehen davon, dass diese Unternehmen die Tendenz haben, sich zu Monopolisten zu entwicklen, was dann auch sehr unsch\u00f6ne Folgen haben d\u00fcrfte, wie ich in dem oben verlinkten Artikel ja bereits andeutete.<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt: B\u00fcchereien sind eine gro\u00dfartige Sache, wie ich finde, da sie auch Menschen mit wenig Geld Zugang zu Kulturg\u00fctern erm\u00f6glichen. Doch B\u00fcchereien sind eben auch auf Medien angewiesen. Und sollten irgendwann Netflix und Co. alle anderen Konkurrenten, die physische Medien vertreiben, plattgemacht haben, dann sterben auch die B\u00fcchereien &#8211; oder werden eben zu reinen Antiquariaten. Junge Menschen lie\u00dfen sich damit in jedem Fall wohl eher nicht f\u00fcr Kultur begeistern &#8230;<\/p>\n<p>Das bedeutet nun nicht, dass ich es grunds\u00e4tzlich nicht sinnvoll finde, Dinge auch zu leihen, ich selbst bin ja beispielsweise auch bei einem DVD-Versandverleih. Alles muss man ja schlie\u00dflich nicht haben, und unbegrenzten Platz d\u00fcrften wohl nur die wenigsten zur Verf\u00fcgung haben. Es geht aber m. E. um die &#8222;gesunde&#8220; Mischung, und gerade Dienste wie Netflix oder Spotify, so ist zumindest mein Eindruck, haben da eine Verabsolutierungstendenz: Deren Kunden nutzen die irgendwann nur noch und greifen nicht mehr auf andere Anbieter zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Streaming-Dienste haben also durchaus auch ihre Schattenseiten, sie schaffen Abh\u00e4ngigkeiten, nehmen den Konsumenten ihre Autonomie (mittel- bis langfristig noch mehr als gerade aktuell) und machen nebenbei ihre Besitzer und F\u00fchrungskr\u00e4fte noch zu Multimillion\u00e4ren und sogar Milliard\u00e4ren.<\/p>\n<p>Aber die Verlockung, alles immer jetzt und gleich haben zu k\u00f6nnen (bzw. darauf zugreifen zu k\u00f6nnen, denn haben hat man ja im Grunde gar nichts), ist dann wohl doch f\u00fcr die meisten neoliberal Dressierten zu verlockend, als dass sie sich mal ein paar weitergehende Gedanken dar\u00fcber machen, was denn ihr Konsumverhalten noch so alles f\u00fcr Folgen haben wird &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang des Jahres beschrieb ich ja schon mal in einem Artikel die Folgen von der zunehmenden Verbreitung von Netflix, Spotify und Co. 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