{"id":21498,"date":"2020-10-15T11:48:42","date_gmt":"2020-10-15T09:48:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=21498"},"modified":"2020-10-15T23:16:28","modified_gmt":"2020-10-15T21:16:28","slug":"buddhisten-sind-die-schlechteren-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=21498","title":{"rendered":"Buddhisten sind die schlechteren Menschen"},"content":{"rendered":"<p>In der westlichen Welt erfreut sich der Buddhismus seit Jahrzehnten gro\u00dfer Beliebtheit. Gerade in der Mittelschicht und aus besser gestellten Haushalten sehen sich Leute gerne als Buddhisten, da sie den monotheistischen Religionen und ihren irdischen Institutionen wenig abgewinnen k\u00f6nnen. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass viele Kriege, Anschl\u00e4ge und Verbrechen in den letzten 2.000 Jahren im Namen dieser Religionen ver\u00fcbt worden sind. Die Vorstellung, den Irrsinn unserer Zeit mit gr\u00f6\u00dferer Gelassenheit und Gleichmut entgegenzutreten, ist da ein verlockender Weg, und auch der Wellnessanstrich und die Kommerzialisierung durch entsprechende Produkte sprechen Menschen an, die sich diesen \u201eBalsam f\u00fcr die eigene Seele\u201c leisten k\u00f6nnen. Aber warum macht sie das aus meiner Sicht zu schlechteren Menschen?<\/p>\n<p>Damit ist nat\u00fcrlich nicht gemeint, dass sie im Sinne von Straftaten oder brutalem Verhalten \u201eschlecht\u201c sind. Es geht mir darum, dass zutiefst menschliche Eigenschaften aus moralischen Vorstellungen heraus abgelehnt oder sogar verp\u00f6nt sind und egoistische Eigenschaften als f\u00f6rderlich erachtet werden. Eine der Kerneigenschaften ist der <a href=\"https:\/\/www.der-buddhismus.de\/innerer-frieden-und-gleichmut-im-taeglichen-leben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gleichmut<\/a>: \u201eDu wirst ruhiger. Entspannter. Effektiver in allem, was du tust. Du gewinnst innere St\u00e4rke, die dich gegen das sch\u00fctzt, was die Leute sagen oder tun. Und du bist f\u00e4hig, auch schwierige Momente und Situationen zu meistern.\u201c Ja, das entspricht dem egoistischen Zeitgeist: effektiv sein und sich bestm\u00f6glich vor seinen Mitmenschen sch\u00fctzen. Das erinnert mich als Erstes an die voranschreitende Entwicklungen der k\u00fcnstlichen Intelligenz! Die soll effektiv sein (sich \u00f6konomisch maximal ausschlachten lassen) und das ohne Knurren und Murren erledigen, wof\u00fcr sie erschaffen wurde. Aber menschlich klingt das f\u00fcr mich nicht.<\/p>\n<p>Aber was macht uns zu Menschen? Sind es nicht die Gef\u00fchle und Dinge, die eben nicht optimiert und maximiert werden: Liebe, Angst, Wut, aber auch vermeintlich unn\u00f6tige Regungen die immer im gesellschaftlichen Kontext passieren, wie die Kunst, Musik oder auch Kampf und Krieg (was wir gerne hinter uns lassen w\u00fcrden, was aber in der Menschheitsgeschichte eine Konstante ist)? Wenn Erleuchtung mit der Befreiung von menschlichen Einschr\u00e4nkungen und scheinbaren Unzul\u00e4nglichkeiten einhergeht, wie kann es uns dieser Weg zu besseren Menschen machen?<\/p>\n<p>Eine besondere Stilbl\u00fcte sind die Buddhistischen Zentren hier in Hamburg, von denen ich immer wieder Sonderliches h\u00f6re. So suchen sich die Besucher der Buddhistischen Zentren die Lehren heraus, die am besten zu ihrem angestrebten Selbstbild passen: Obgleich ich mehrere Nichtvegetarier, die sich selbst als Buddhisten bezeichnen, kennengelernt habe, so ist deren Einstellung zum Tierschutz meistens doch eher positiv (vor allem die eigenen Haustiere sind vermenschlicht, das Essen auf dem Teller aber nicht). Es wird dort teilweise auch Alkohol getrunken, und zuletzt h\u00f6rte ich von zwei unabh\u00e4ngigen Quellen, dass der Leiter eines dieser Zentren dort schon diverse Liebschaften unter den Besucherinnen hinter sich gebracht hat (aus meiner Wahrnehmung nicht verwerflich, aber wenig im Einklang mit dem buddhistischen Vorbild). Meine Bekanntschaften aus diesen Zentren waren meistens wirklich nette Menschen, die aber doch eher egoistische Verhaltensweisen ihrer Umwelt au\u00dferhalb dieser Zentren gegen\u00fcber an den Tag gelegt haben (was kein ungeschriebenes Gesetzt darstellt, sondern lediglich meine Erfahrung im nicht durchweg repr\u00e4sentativen Hamburger Raum und wissentlich auf zwei dieser Zentren beschr\u00e4nkt ist).<\/p>\n<p>Am Ende sollte nat\u00fcrlich jeder selbst sehen, was ihn oder sie in der eigenen Entwicklung weiterbringt, was man aus Religionen und Lebenserfahrungen f\u00fcr sich ziehen kann und was auch einfach ein netter Zeitvertreib ist. Das h\u00f6chste Gut den Menschen ist aus meiner Sicht der Mensch selbst, und damit meine ich in erster Linie den Mitmenschen und nicht das Ego. So ist der Ausspruch: \u201eWenn jeder an sich selbst denkt, dann ist an alle gedacht\u201c an Zynismus kaum zu \u00fcbertreffen. Im Gegenteil: Je besser es meinem Umfeld geht, desto besser geht es auch mir. Und zum Leben geh\u00f6ren (vermeintlich) negative Erfahrungen genauso wie die (vermeintlich) positiven, sind sogar unverzichtbar f\u00fcr eine soziale Integration und empathisches Miteinander. Und dieses empathische Miteinander kann man im Idealfall dann auch auf alles ausdehnen, um entsprechend einf\u00fchlsam und geduldig mit der Umwelt und allem Leben umgehen zu lernen. Und damit schlie\u00dft sich dann auch wieder der Bezug zum eigentlich lebensbejahenden Buddhismus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der westlichen Welt erfreut sich der Buddhismus seit Jahrzehnten gro\u00dfer Beliebtheit. Gerade in der Mittelschicht und aus besser gestellten Haushalten sehen sich Leute gerne als Buddhisten, da sie den monotheistischen Religionen und ihren irdischen Institutionen wenig abgewinnen k\u00f6nnen. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass viele Kriege, Anschl\u00e4ge und Verbrechen in den letzten 2.000 Jahren im Namen dieser Religionen ver\u00fcbt worden sind. 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