{"id":22200,"date":"2021-01-26T11:22:05","date_gmt":"2021-01-26T10:22:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=22200"},"modified":"2021-01-26T11:22:05","modified_gmt":"2021-01-26T10:22:05","slug":"die-toten-in-deutschland-im-jahr-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=22200","title":{"rendered":"Die Toten in Deutschland im Jahr 2020"},"content":{"rendered":"<p>Auf der <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/ZDFheute\/photos\/a.275406990679\/10159277744205680\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Facebook-Seite vom ZDF<\/a> wurde k\u00fcrzlich eine Grafik ver\u00f6ffentlicht, die darstellt, wie sich die Zahl der in Deutschland Verstorbenen 2020 im Vergleich zum Durchschnittswert der Jahre 2016 bis 2019 verh\u00e4lt. Und daraus ergeben sich f\u00fcr mich dann schon einige Fragen, denn so einfach, wie es zun\u00e4chst mal aufgrund von Covid-19 zu sein scheint, ist es n\u00e4mlich m. E. nicht.<\/p>\n<p>Doch zun\u00e4chst mal die Grafik:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-22216\" src=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/141038693_10159277744210680_4185515203789993112_o-300x300.png\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"440\" srcset=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/141038693_10159277744210680_4185515203789993112_o-300x300.png 300w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/141038693_10159277744210680_4185515203789993112_o-1024x1024.png 1024w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/141038693_10159277744210680_4185515203789993112_o-150x150.png 150w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/141038693_10159277744210680_4185515203789993112_o-768x768.png 768w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/141038693_10159277744210680_4185515203789993112_o-60x60.png 60w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/141038693_10159277744210680_4185515203789993112_o.png 1080w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 100vw, 440px\" \/><\/p>\n<p>Wenig \u00fcberraschend liegt der Wert ein ganzes St\u00fcck \u00fcber dem des Durchschnitts der Vorjahre, was wohl vor allem mit der zweiten Welle der Covid-19-Infektionen zusammenh\u00e4ngt, wie man auf dem Verlauf des Grafen ziemlich deutlich sehen kann.<\/p>\n<p>Nun finde ich aber vor allem interessant, was das ZDF zu dieser Grafik als Einleitungstext schreibt:<\/p>\n<blockquote><p>2020 sind in Deutschland 972.155 Menschen gestorben, davon 35.415 im Zusammenhang mit Covid-19. Im Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahre sind das fast 41.000 Todesf\u00e4lle mehr.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ergibt sich n\u00e4mlich ein Plus an Verstorben von etwa 5.500 im Vergleich zu den Vorjahren, wenn man die an und mit Covid-19 Verstorbenen mal au\u00dfen vor l\u00e4sst. Das mag nun erst mal nicht so richtig viel anmuten und kann vielleicht unter die normale statistische Abweichung fallen, allerdings sollte man noch ein paar Dinge bedenken:<\/p>\n<p>Viele von den an und mit Covid-19 Verstorbenen waren schon recht alt und hatten oft auch schwerwiegende Vorerkrankungen. Es stellt sich also die Frage, wie viele dieser Menschen auch ohne Covid-19 im vergangenen Jahr gestorben w\u00e4ren. Zudem sind ja auch etliche Menschen nicht <em>an<\/em>, sondern <em>mit<\/em> Covid-19 verstorben (s. dazu <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Coronavirus-Todesfaelle-Ueber-die-fragwuerdige-Diagnostik-und-die-irrefuehrende-Darstellung-in-4973792.html?seite=2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>), sodass auch diesbez\u00fcglich\u00a0zu hinterfragen w\u00e4re, wie viele davon auch ohne die Covid-19-Infektion im vergangenen Jahr gestorben w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Und dann w\u00e4re es auch interessant zu wissen, wie sich die Lockdowns auf die Anzahl der Toten ausgewirkt haben, weil beispielsweise weniger Menschen im Stra\u00dfenverkehr unterwegs waren (und demzufolge auch weniger dort ums Leben kamen) und zumindest kurzzeitige Luftverbesserungen eingetreten sind (an Luftverschmutzung sterben immerhin auch sehr viele Leute, gesch\u00e4tzt etwa 80.000 jedes Jahr in Deutschland). Dazu haben ich mir im Juli ja schon mal in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=20836\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<\/a> ein paar Gedanken gemacht, und da k\u00f6nnten durchaus einige Tausend Menschen zusammenkommen. Und auch die Abstandsregeln und Hygienema\u00dfnahmen in vielen Bereichen des \u00f6ffentlichen Lebens k\u00f6nnten dazu gef\u00fchrt haben, dass weniger Menschen an Infektionskrankheiten gestorben sind, als das in vorhergehenden Jahren der Fall gewesen ist.<\/p>\n<p>Dabei geht es mir nun keineswegs darum, die Gefahr von Covid-19 herunterzuspielen, denn viel zu viele Menschen sind dieser gef\u00e4hrlichen Krankheit zum Opfer gefallen. Ich f\u00e4nde es nur sinnvoll, mal genauer zu betrachten, wie viele der sich in der \u00dcbersterblichkeit des vergangenen Jahres widerspiegelnden Menschen nun nicht auf Covid-19, sondern auf die Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung dieser Krankheit zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Und auf die Angst, die viele Menschen vor einer Infektion haben, sodass sie u. U. eigentlich notwendige Arztbesuche nicht gemacht und Krankenhausaufenthalte aufgeschoben haben, die ihnen sonst das Leben h\u00e4tten retten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie oben schon gesagt, ergibt sich ohnehin schon ein &#8222;\u00dcberhang&#8220; von etwa 5.500 Toten, bei dem zurzeit nicht so richtig klar ist, wo er herr\u00fchrt. Wenn man dann noch die oben genannten Faktoren ber\u00fccksichtigt, dass also andere Todesursachen deutlich zur\u00fcckgegangen sein k\u00f6nnten, beispielsweise &#8222;normale&#8220; Grippe, multiresistente Keime oder auf Luftverschmutzung zur\u00fcckzuf\u00fchrende Erkrankungen, dann m\u00fcsste doch eigentlich die \u00dcbersterblichkeit ein St\u00fcck weit niedriger sein als die Anzahl der Covid-19-Toten. Ist sie aber nicht, sie liegt eben dr\u00fcber.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich dr\u00e4ngt sich da eine Vermutung auf: Diese von der Covid-19-Infektion unabh\u00e4ngige \u00dcbersterblichkeit k\u00f6nnte mit den Lockdown-Ma\u00dfnahmen zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>\u00dcber die &#8222;Kollateralsch\u00e4den&#8220;, die durch die Lockdowns entstehen, habe ich mir ja schon vor ein paar Wochen in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=22071\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<\/a> ein paar Gedanken gemacht, und auch Christoph Kuhbandner hat in einem <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Coronavirus-Todesfaelle-Ueber-die-fragwuerdige-Diagnostik-und-die-irrefuehrende-Darstellung-in-4973792.html?seite=3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel auf <em>Telepolis<\/em><\/a> genau dieses Thema angesprochen (als einer der wenigen, denn dazu findet sich sonst nicht allzu viel in der deutschen Medienlandschaft). Nun liegen also Zahlen dazu vor, welche die Vermutung nahelegen, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Todesopfern im vergangenen Jahr auf das Krisenmanagement der Bundesregierung zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Und auf die damit einhergehende Panikmache vor allem auch in den \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien (s. dazu <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/studie-ard-zdf-corona-berichterstattung-1.5005569\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Eine differenzierte Erhebung der entsprechenden Zahlen w\u00e4re da also schon geboten, finde ich.<\/p>\n<p>Und dann m\u00fcsste vor diesem Hintergrund m. E. nun auch mal dringend beurteilt werden, ob ein Lockdown als haupts\u00e4chliche Ma\u00dfnahme zur Pandemiebek\u00e4mpfung \u00fcberhaupt geeignet ist, da dieser ja nun vor allem diejenigen betrifft, die eher selten schwere Covid-19-Verl\u00e4ufe haben, w\u00e4hrend in den Senioren- und Pflegeheimen nach wie vor en masse gestorben wird. Jens Berger hat dieses paradoxe Vorgehen k\u00fcrzlich in einem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68791\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel auf den <em>NachDenkSeiten<\/em><\/a> ausf\u00fchrlich kritisiert. Und auch von wissenschaftlicher Seite, beispielsweise durch den Epidemiologen Klaus St\u00f6hr in einem <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/virologe-fordert-umdenken-der-corona-strategie-wir-koennen-mit-inzidenzen-von-130-bis-160-umgehen\/26832864.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Interview mit dem <em>Tagesspiegel<\/em><\/a>, kommt Kritik am derzeitigen Kurs, die Pandemie ausschlie\u00dflich mit einem Lockdown in den Griffe bekommen zu wollen.<\/p>\n<p>Zwei weitere interessante Aspekte klingen in dem St\u00f6hr-Interview auch mit an: Zum einen w\u00e4re da, dass sich die Bundesregierung nicht interdisziplin\u00e4r von Wissenschaftlern beraten l\u00e4sst, sondern sehr eindimensional (und zudem noch vor allem von Personen, die ohnehin auf der Regierungslinie liegen, wie Lydia Rosenfelder in einem <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/corona-politik-die-bestellten-berater-kommentar-a-9edd178d-1843-4522-8bde-f4c8bc0dfa30\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kommentar auf <em>Spiegel Online<\/em><\/a> k\u00fcrzlich feststellte), denn auch Psychologen, Soziologen und Kommunikationswissenschaftler k\u00f6nnten sich als sehr n\u00fctzliche Impulsgeber erweisen, um eine wirkungsvolle Strategie zur Eind\u00e4mmung der Pandemie und deren Umsetzung zu entwickeln. Zum anderen, dass es wenig sinnvoll ist, immer nur auf einzelne Werte zu schauen und daraus dann eine generelle Handlung abzuleiten.<\/p>\n<p>Denn genau das wird immer wieder gemacht: Es werden bestimmte Zahlenparameter benutzt, um Ma\u00dfnahmen zu begr\u00fcnden, die dann oftmals viel zu generalisierend sind, um wirklich effektiv zu sein. Dass mit den Zahlen zudem teilweise nicht sauber und transparent kommuniziert wird, hat Christoph Kuhbandner in seinem oben schon mal verlinkten <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Coronavirus-Todesfaelle-Ueber-die-fragwuerdige-Diagnostik-und-die-irrefuehrende-Darstellung-in-4973792.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<\/a> aufgezeigt. Dass dann aber auch starre und teilweise willk\u00fcrliche Werte herangezogen werden, f\u00fchrt zum einen zu wenig effektiver Eind\u00e4mmung der Pandemie und zum anderen zu Verdruss und Vertrauensverlust in der Bev\u00f6lkerung &#8211; und letztlich dann auch zu immer gr\u00f6\u00dferen Kollateralsch\u00e4den.<\/p>\n<p>Durch die Lockdowns werden zahlreiche Existenzen zerst\u00f6rt, psychische Erkrankungen treten geh\u00e4uft und verst\u00e4rkt auf, gerade auch bei Kindern, denen zudem oft genug, gerade wenn sie auf sozial benachteiligten Familien kommen, Bildungschancen verbaut werden, und dann sind vor allem diejenigen, die eh schon wenig oder nicht genug haben, am st\u00e4rksten davon betroffen. Das ist mittlerweile alles belegt. Sollte nun auch noch hinzukommen, dass die Lockdown-Ma\u00dfnahmen eine gro\u00dfe Zahl an Menschenleben gefordert haben*, dann wird es endg\u00fcltig zum Skandal, dass sie das haupts\u00e4chliche Mittel der Anti-Corona-Strategie der Bundesregierung sind.<\/p>\n<p>Und genau danach sieht es ja aus, wenn man sich die vom ZDF ver\u00f6ffentlichten Zahlen anschaut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>* Man k\u00f6nnte nun auf die Idee kommen, zu argumentieren, dass ja einerseits vermutlich Menschen aufgrund der Lockdowns gestorben sind, aber auf der anderen Seite ja auch deswegen weniger Menschen ums Leben gekommen sind, wie ich ich ja weiter oben dargelegt habe. Das w\u00e4re allerdings m. E. nicht sehr sinnvoll, denn dass Menschen in Deutschland aufgrund von schlechter Luft und multiresistenten Keimen sterben, ist ja auf politische Entscheidungen zum Schaden der Allgemeinheit zur\u00fcckzuf\u00fchren, genauso wie die Zahl der Verkehrstoten durch politische Ma\u00dfnahmen wie ein Tempolimit auf Autobahnen nachhaltiger gesenkt werden k\u00f6nnte, als wenn sich das quasi als Nebeneffekt eines Lockdowns einstellt. Politisches Versagen in einem Bereich sollte nicht durch politisches Versagen in einem anderen wettgemacht werden, finde ich, denn das ist dann keine konstruktive Politik mehr, sondern ein Herumdoktern mit selbst verursachten M\u00e4ngeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Facebook-Seite vom ZDF wurde k\u00fcrzlich eine Grafik ver\u00f6ffentlicht, die darstellt, wie sich die Zahl der in Deutschland Verstorbenen 2020 im Vergleich zum Durchschnittswert der Jahre 2016 bis 2019 verh\u00e4lt. Und daraus ergeben sich f\u00fcr mich dann schon einige Fragen, denn so einfach, wie es zun\u00e4chst mal aufgrund von Covid-19 zu sein scheint, ist es n\u00e4mlich m. 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