{"id":22286,"date":"2021-02-04T15:57:32","date_gmt":"2021-02-04T14:57:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=22286"},"modified":"2021-02-04T15:59:22","modified_gmt":"2021-02-04T14:59:22","slug":"chernobyl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=22286","title":{"rendered":"Chernobyl"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich sah ich die HBO-Miniserie \u201e<a href=\"https:\/\/www.imdb.com\/title\/tt7366338\/?ref_=fn_al_tt_1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Chernobyl\u201c<\/a>, die sich, wie der Titel unschwer erraten l\u00e4sst, mit dem katastrophalen Reaktorunfall im sowjetischen Tschernobyl von 1986 besch\u00e4ftigt. Und da mich das Gesehen schwer beeindruckt hat, wollte ich Euch das auch als Empfehlung ans Herz legen.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man denken, dass so was nicht so spannend sein k\u00f6nnte, weil man ja schon wei\u00df, dass das AKW letzten Endes hochgeht &#8211; und darum beginnt die Handlung (nach einem kurzen Intro) auch direkt in dem Moment der Katastrophe. Was dann in f\u00fcnf Folgen mit insgesamt 330 Minuten L\u00e4nge als Plot erz\u00e4hlt wird, ist die Aufarbeitung des Ungl\u00fccks, und das hat es ziemlich in sich!<\/p>\n<p>Die Atmosph\u00e4re ist dabei sehr beklemmend, was auch von der d\u00fcster-klaustrophobischen Musik verst\u00e4rkt wird, die Ausstattung ist extrem gut getroffen, sodass man wirklich den Eindruck bekommt, dass sich das alles in der Sowjetunion Mitte der 1980er-Jahre abspielt. Und die Schauspieler \u00fcberzeugen auf ganzer Linie, allen voran Jared Harris als Wissenschaftler Valery Legasov. Die Beziehung zwischen ihm und dem Politfunktion\u00e4r Boris Shcherbina, ebenfalls klasse dargestellt von Stellan Skarsg\u00e5rd, die zun\u00e4chst von reichlich Spannung, sp\u00e4ter aber immer mehr Gemeinsamkeiten gepr\u00e4gt ist, stellt eines der zentralen Handlungselemente der Serie dar und zeigt exemplarisch den Konflikt zwischen Wissenschaft und Politik auf bei der Bew\u00e4ltigung der Katastrophenfolgen.<\/p>\n<p>Ebenfalls wei\u00df Emily Watson als Kernphysikerin Ulana Khomyuk zu brillieren. Im Gegensatz zu den meisten anderen Figuren ist die von ihr dargestellte Person rein fiktiv, sie steht stellvertretend f\u00fcr viele Wissenschaftler, die sich bei der Bew\u00e4ltigung der Katastrophe und der Aufkl\u00e4rung der Ursachen engagiert und auf die Seite von Legasov gestellt haben. Nur war es f\u00fcr einen Film eben griffiger, das in einer Wissenschaftlerin zu personifizieren und so etwas \u00fcbersichtlicher darzustellen.<\/p>\n<p>Doch nun zur Handlung: Nach der Katastrophe und der zumeist sehr naiven und ungl\u00e4ubigen Reaktion von vielen Beteiligten, Anwohnern und auch Politikern wird bald deutlich, dass es sich nicht nur um einen kleinen Unfall mit begrenzten Auswirkungen handelt, auch wenn Valery Legasov hier erst mal ziemlich dicke Bretter bohren muss bei seiner \u00dcberzeugungsarbeit. Vonseiten der Politik ist man vor allem bem\u00fcht, das Bild der &#8222;glorreichen Sowjetunion&#8220; in der \u00d6ffentlichkeit und nat\u00fcrlich auch im Ausland nicht Schaden nehmen zu lassen, sodass erst mal viel abgewiegelt und vertuscht wird. Bald wird jedoch offensichtlich, dass das nicht funktioniert und drastische Ma\u00dfnahmen ergriffen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Was dabei vor allem deutlich wird: Die ganze Nummer h\u00e4tte noch wesentlich schlimmer ausgehen k\u00f6nnen, wenn da nicht etliche Menschen auf selbstaufopfernde Art und Weise Schadensbegrenzung betrieben h\u00e4tten &#8211; Helden, deren Namen wir nicht mal kennen, die aber dazu beigetragen haben, dass beispielsweise uns in Deutschland ein richtig \u00fcbler Fallout erspart geblieben ist.<\/p>\n<p>Und so geht es dann neben der Beseitigung der Unfallfolgen auch schon bald darum, die Schuldigen f\u00fcr diese Katastrophe ausfindig zu machen &#8211; den einen deswegen, um einen S\u00fcndenbock pr\u00e4sentieren und sich selbst eine wei\u00dfe Weste verschaffen zu k\u00f6nnen, den anderen vor allem aus dem Grund, dass eine solche Katastrophe in Zukunft vermieden werden soll.<\/p>\n<p>Hierbei entwickelt sich eine besondere Spannung aufgrund des hierarchischen und b\u00fcrokratischen Verwaltungs- und Machtapparats der Sowjetunion, zumal auch der KGB mitmischt.<\/p>\n<p>Ich fand die Serie von Anfang bis Ende durchgehend spannend und fesselnd, zudem sehr atmosph\u00e4risch. Klar, das ist kein Gute-Laune-Stoff und mitunter wirklich harter Tobak. Vor allem wenn man sich fragt, wie nach so einem Unfall noch ernsthaft weiterhin Atomkraftwerke betrieben werden konnten (und ja immer noch betrieben werden). Was passiert, wenn das au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t, war nun mehr als deutlich zu sehen &#8211; und hat sich dann ja in Fukushima 25 Jahre sp\u00e4ter wieder auf grausame Weise gezeigt.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine dumme menschliche Hybris, mit so einer Technologie rumzuspielen! Aber so ist unser System nun mal: Wenn etwas Profit abwirft, dann wird es eben auch gemacht, egal, wie sch\u00e4dlich das ist.<\/p>\n<p>Vor mir gibt es also eine klare Empfehlung: Schaut Euch das an! Selten habe ich Zeitgeschichte in einer so hervorragenden und eindr\u00fccklichen filmischen Aufmachung gesehen.<\/p>\n<p>Wer jetzt Appetit bekommen hat, kann sich ja schon mal den <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=V4z9eC9Y5Aw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Trailer auf YouTube <\/a>ansehen. Ansonsten macht man da auch nichts verkehrt, wenn man sich die Serie auf DVD oder BluRay holt (aber bitte nicht bei Amazon) &#8211; mit unter 20 Euro ist man schon dabei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich sah ich die HBO-Miniserie &#8222;Chernobyl&#8220;, die sich, wie der Titel unschwer erraten l\u00e4sst, mit dem katastrophalen Reaktorunfall im sowjetischen Tschernobyl von 1986 besch\u00e4ftigt. 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