{"id":2245,"date":"2015-01-07T11:16:48","date_gmt":"2015-01-07T10:16:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2245"},"modified":"2015-01-07T11:18:51","modified_gmt":"2015-01-07T10:18:51","slug":"weitere-musikalische-highlights-des-jahres-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2245","title":{"rendered":"Weitere musikalische Highlights des Jahres 2014"},"content":{"rendered":"<p>Auch die zweite H\u00e4lfte des Jahres 2014 hatte etliche sehr gute musikalische Ver\u00f6ffentlichungen vorzuweisen (<a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=1590\" target=\"_blank\">hier<\/a> findet Ihr die Tipps aus der ersten Jahresh\u00e4lfte). Einige davon, \u00fcber die man vielleicht nicht so ohne Weiteres stolpert, m\u00f6chte ich hier kurz vorstellen.<\/p>\n<p><strong>Anathema: Distant Satellites<\/strong><\/p>\n<p>Anathema sind ja nun keine ganz Unbekannte mehr, allerdings stelle ich immer wieder \u00fcberrascht fest, wie viele Musikfans von denen noch nie was geh\u00f6rt haben. Nachdem die Briten vor zwei Jahren das fantastische Album\u00a0<em>Weather Systems<\/em> rausgebracht und im letzten Jahr mit der Live-DVD\u00a0<em>Universal<\/em><em> <\/em>(mit Orchester) einen gro\u00dfartigen Nachschlag dazu lieferten, lag die Messlatte nat\u00fcrlich schon sehr hoch. Und die Band kann ihr unglaubliches Niveau halten und schafft es, sich durch gerade im zweiten Albumteil vermehrt verwendete Elektronik weiterzuentwickeln. Die Melancholie wird nach wie vor gro\u00df geschrieben, und auch S\u00e4ngerin Lee Douglas bekommt wieder ausreichend Gelegenheit, neben Leads\u00e4nger Vincent Canvanagh zu brillieren. Dazu haut dessen Bruder Danny an der Gitarre dann noch wieder etliche tolle Melodieb\u00f6gen raus &#8211; Wohlf\u00fchlmusik mit extrem viel Tiefgang. Das kann man sowohl locker nebenbei als auch zum Drin-Versinken \u00fcber Kopfh\u00f6rer genie\u00dfen. H\u00f6hepunkt f\u00fcr mich: Der Song\u00a0<em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=DwMU5eTlxsI\" target=\"_blank\">Anathema<\/a><\/em> in der Albummitte, der alle Qualit\u00e4ten der Band auf eindrucksvolle Weise widerspiegelt. Und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZcTS0tJTiLc\" target=\"_blank\">hier<\/a>\u00a0kann man bei <em>YouTube<\/em> sogar in das komplett Album reinh\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>The August: Lizard King<\/strong><\/p>\n<p>The August kommen aus Aschaffenburg und pr\u00e4sentieren auf ihrem Deb\u00fctalbum eine ansprechende Mischung aus Postrock, Artrock, Elektronik und Indie. Mal schaffen die Jungs Atmosph\u00e4ren wie Sigur Ros, mal knallen die Gitarren rein wie bei heftigeren Mogwai-Songs, dabei verlieren sie allerdings nie den Song und die dazugeh\u00f6rigen Hooklines aus den Augen. Das Ganze gestaltet sich sehr abwechslungsreich, mal f\u00fchrt die Elektronik, mal die &#8222;klassische&#8220; Bandbesetzung. Der Gesang ist angenehm in die Musik integriert und erinnert mich zuweilen ein wenig an Pineapple Thief &#8211; allerdings nicht im Sinne eine Plagiats, sondern nur als grobe Orientierung. Auf der <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/theaugustofficial\/app_204974879526524\" target=\"_blank\">Facebook-Pr\u00e4senz der Band<\/a>\u00a0kann man in alle Songs des Albums reinh\u00f6ren und dann auch diverse Formate zu ausgesprochen fairen Preisen ordern. Ein sehr vielversprechendes Deb\u00fct, das auf Weiteres gespannt macht!<\/p>\n<p><strong>Ghost Brigade: IV &#8211; One With The Storm<\/strong><\/p>\n<p>Auf ihrem vierten Album entdecken die Finnen den Longtrack f\u00fcr sich. Gut, so richtig das 3-Minunten-Schema haben die D\u00fcstermetaller noch nie bedient, aber dass die Jungs nun gleich zweimal die sieben und einmal sogar die zehn Minuten (beim gro\u00dfartigen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=OM0P4OGkwxA\" target=\"_blank\">Electra Complex<\/a>) \u00fcberschreiten, ist dann doch schon ungew\u00f6hnlich. Aber genau das tut ihren Songs auch gut und gibt ihnen teilweise sogar einen Touch von Prog. Da S\u00e4nger Manne Ikonen sowohl clean-melodischen als auch heftigst gegrowlten Gesang beherrscht, bieten sich der Band (\u00e4hnlich, wie das bei Opeth fr\u00fcher der Fall war) mannigfaltige Variationsm\u00f6glichkeiten, die auch entsprechend instrumental vielf\u00e4ltig ausgelotet werden. Richtig temporeiches Gekn\u00fcppel findet sich zwar nicht, aber die \u00fcberwiegend im Midtempo-Bereich angesiedelten h\u00e4rteren Passagen knallen auch so ordentlich rein und bieten einen interessanten Kontrast zur ruhig-melancholischen Seite der Band. So ergibt sich insgesamt ein sehr abwechslungsreiches Album, das eine gelungene Weiterentwicklung des Ghost-Brigade-Sounds darstellt, ohne die bandtypische Klang\u00e4sthetik vermissen zu lassen.<\/p>\n<p><strong>Lamb: Backspace Unwind<\/strong><\/p>\n<p>Lambs zweites Album nach ihrem Comeback (nach acht Jahren ohne regul\u00e4res Album kann man das ruhig so sagen, finde ich) \u00fcberzeugt auf der ganzen Linie. Der Trip-Hop des britischen Duos ist von einer ungemeinen Eleganz, sehr transparent produziert und \u00fcberwiegend recht ruhig gehalten, wobei jedes St\u00fcck mit einer ganz eigenen Atmosph\u00e4re besticht, aber auch immer auf die recht spezielle Stimme von Louise Rhodes zugeschnitten ist. Der Opener <em>In Binary\u00a0<\/em>offeriert zun\u00e4chst mal den Sound, den man von Lamb kennt, und weist eine sehr sch\u00f6ne Hookline auf. Dann kommt als drittes St\u00fcck schon bald eines meiner Highlights des Albums: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_x-iyAUFk_E\" target=\"_blank\"><em>As Satellites Go By<\/em><\/a>. \u00dcberwiegend mit Klavier und Streichern sehr ruhig gehalten, wird die Stimmung dann im Mittelteil durch recht abgefahrene Drums kontrastiert &#8211; herrlich! <em>Seven Sails<\/em> bietet dann Sounds, wie man sie bei den spartanischeren St\u00fccken des letzten Portishead-Albums geh\u00f6rt hat und ist eingebettet zwischen\u00a0<em>Nobody Else<\/em> und\u00a0<em>Doves &amp; Ravens<\/em>, zwei fast schon an Jazzballaden erinnernde Songs (allerdings ohne dabei langweilig zu sein). Insgesamt ganz gro\u00dfes Kino &#8211; Lamb sind auch nach vielen Jahre immer noch interessant und setzen im Trip-Hop-Genre Akzente.<\/p>\n<p><strong>Lunatic Soul: Walking On A Flashlight Beam<\/strong><\/p>\n<p>Das Soloprojekt von Riverside-S\u00e4nger Mariusz Duda (Riverside) geht in die vierte Runde. Anders als bei vielen anderen Alleing\u00e4ngen von Musikern erfolgreicher Bands geht Duda mit Lunatic Soul einen ganz anderen Weg als mit seiner Stammband, die ja eher im gitarrenbetonten h\u00e4rteren Art-\/Progrock unterwegs ist. Bis auf die Drums hat Duda das Album im selbst eingespielt und dabei ein atmosph\u00e4risch dichtes Werk geschaffen. Gesanglich gibt er sich \u00fcberwiegend ruhig gehaltenen und elektronisch dominierten Songs sehr flexibel, so klingt er bei <em>Gutter\u00a0<\/em>stellenweise fast wie Morten Harket von a-ha. Kernst\u00fcck des Albums ist f\u00fcr mich das epische\u00a0<em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mLSx2CddDZI\" target=\"_blank\">Pygmalion&#8217;s Letter<\/a>, <\/em>bei dem Duda seine Vorstellungen von entspannter, aber trotzdem spannender Musik in zw\u00f6lf Minuten ausbreitet. Dabei verspr\u00fcht die Musik neben aller Melancholie, ohne die es bei Duda wohl nicht geht, eine gewisse Leichtigkeit, die das Werk sehr zug\u00e4nglich macht. Einfach sch\u00f6n!<\/p>\n<p><strong>Sleeping Pulse: Under The Same Sky<\/strong><\/p>\n<p>Anscheinend ist Nick Moss bei seiner Hauptband Antimatter nicht so ganz ausgelastet, und so hat er ein weiteres Projekt ins Leben gerufen, das er nun zusammen mit dem portugiesischen Gitarristen (o. k., Bass und Tasten spielt er auf dem Album auch) Luis Fazendeiro betreibt. Durch die unverwechselbare Stimme von Moss und die den Songs innewohnende Melancholie sind nat\u00fcrlich Parallelen zu Antimatter zu ziehen, wenngleich Fazendeiro hier komplett f\u00fcr das Songwriting und Moss &#8222;nur&#8220; f\u00fcr die Texte verantwortlich ist. Allerdings gehen Sleeping Pulse schon eine Spur rockiger zur Sache, die Gitarren sind h\u00e4ufiger mal verzerrt, und viele Songs haben neben den eher ruhigen Passagen dann auch etwas krachigere Momente &#8211; nat\u00fcrlich alles zum stimmigen Gesamtkonzept passend und nicht etwa metallen. Insgesamt ergeben sich so zehn tolle Songs, die so richtig sch\u00f6n in die Ver\u00f6ffentlichungsjahreszeit Herbst hineinpassen. Zum Song\u00a0<em>War<\/em> wurde sogar ein <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_Qz6JcPfqb8\" target=\"_blank\">Video<\/a> gedreht, dass man sich bei <em>YouTube<\/em> anschauen kann. F\u00fcr Antimatter-Fans ist das Album ein Pflichtkauf, Freunde von ruhig-melancholischer Rockmusik mit Tiefgang und tollen Melodien sollten in jedem Fall ebenfalls mehr als nur ein Ohr riskieren! Ach ja: Und es lohnt sich, die 2-CD-Version zu erwerben, denn auf der Bonusscheibe befinden sich noch f\u00fcnf sehr sch\u00f6ne Akustikversionen von Songs des Hauptalbums!<\/p>\n<p><strong>Solstafir: \u00d3tta<\/strong><\/p>\n<p>Das Vorg\u00e4ngeralbum\u00a0<em>Svartir Sandar<\/em> war mein Lieblingsalbum des Jahres 2011, also bin ich nat\u00fcrlich mit entsprechend hohen Erwartungen an das neue Werk der Isl\u00e4nder herangegangen. Und diese wurden auch nicht entt\u00e4uscht: Solstafir kultivieren ihren Mix aus Sigur Ros meets Monster Magnet auf gleichbleibend hohem Niveau. Das Album ist wieder komplett auf Isl\u00e4ndisch gesungen, aber die Musik ist so hochatmosph\u00e4risch, dass die Intention auch ohne jedes Textverst\u00e4ndnis r\u00fcberkommt: So klingt Island mit seiner kargen, rauen Landschaft! Die metallischen Ausbr\u00fcche hat die Band noch ein bisschen mehr zur\u00fcckgefahren, allerdings gibt es immer noch gen\u00fcgend Passagen, in denen die Jungs ordentlich losrocken. Allerdings passt die Kategorisierung zum Metal damit immer weniger, mittlerweile ist das lupenreiner Postrock mit einer ordentlichen Portion Stonerrock. Die Melodien sind wieder schwelgerisch, den Songs wird genug Zeit zur Entfaltung gegeben (exemplarisch sei hier\u00a0<em>L\u00e1gnaetti<\/em> genannt, das mit herrlichen Klavierfiguren besticht und zu dem es ein sch\u00f6nes <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GL3LVlDtoUY\" target=\"_blank\">Video<\/a>\u00a0&#8211; nat\u00fcrlich wieder mit vielen Landschaftsaufnahmen Islands &#8211;\u00a0gibt). In das ganze Album kann man <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zYa6zpxyC-U\" target=\"_blank\">hier bei <em>YouTube<\/em><\/a> reinh\u00f6ren, und wenn die Jungs mal in der N\u00e4he spielen &#8211; nichts wie hin da, die sind live noch mal eine Spur gro\u00dfartiger als vom Tontr\u00e4ger!<\/p>\n<p><strong>3rd Ear Experience: Incredible Good Fortune<\/strong><\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Trip! In 75 Minuten mischen die US-Amerikaner Psychedelic und Spacerock munter durcheinander, was dann insgesamt f\u00fcnf ausgesprochen hypnotische Songs ergibt. Das &#8222;normale&#8220; Bandinstrumentarium wird dabei auch um exotische Instrumente wie Saxofon, Fl\u00f6te, Mundorgel, Djembe und allerlei Percussion erweitert, sodass die Gitarreneskapaden auch ordentlich grooven. Vieles geht dabei instrumental ab, ab und zu wird auch gesungen, manchmal in fast schon schamanischer Manier (gut, der letzte Song hei\u00dft ja auch\u00a0<em>Shamen&#8217;s Dream<\/em>), was das Rauschhafte des Albums noch erh\u00f6ht. Dabei wird immer viel Wert auf Atmosph\u00e4re und auch Melodien gelegt, sodass die Songs immer wieder Ruhepunkte haben zwischen den Gitarreneruptionen. Einen Ausschnitt (daf\u00fcr allerdings mit sch\u00f6nen Bildern) des erste Tracks <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TDRAflD9ut8\" target=\"_blank\"><em>Tools<\/em><\/a> kann man sich auf <em>YouTube<\/em> anh\u00f6ren, bestellen kann man sich das Album am besten, wenn man keine Mondpreise daf\u00fcr zahlen m\u00f6chte, bei spezialisierten Versendern wie zum Beispiel <a href=\"http:\/\/www.justforkicks.de\/detail.asp?sid=3244202M84N61N225N38&amp;uid=0&amp;id=18500&amp;lid=1\" target=\"_blank\">JustForKicks<\/a>. Sch\u00f6n abspacen &#8230;<\/p>\n<p><strong>Yob: Clearing The Path To Ascend<\/strong><\/p>\n<p>Ein Brocken von einem Album. Vier Tracks auf 66 Minuten, das ist schon mal eine Hausnummer und zeigt, dass Yob aus den USA sich Zeit lassen bei der Entfaltung ihrer Songs. Musikalisch wird abwechslungsreicher Doom geboten, mal in Richtung Black Sabbath tendierend, mal eher auf Neurosis und Isis verweisend, was auch immer ein bisschen davon abh\u00e4ngt, ob der Gesang nun clean oder gegrowlt daherkommt. Monotonie ist allerdings nicht wirklich angesagt, da die St\u00fccke sehr abwechslungsreich komponiert und arrangiert wurden. Mein pers\u00f6nliches Highlight ist der Schlusstrack <em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2HdnaDuRwok&amp;index=4&amp;list=PLIKMC4pQO3KNlba8g7fK8TaFA8EK2-s9l\" target=\"_blank\">Marrow<\/a>, <\/em>der alle St\u00e4rken der Band gut b\u00fcndelt. F\u00fcr Freunde schweren, langsamen und d\u00fcsteren Metals ein Hochgenuss, aber auch f\u00fcr Rockh\u00f6rer, die keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste mit zuweilen harschen Vocals haben, durchaus gut geeignet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch die zweite H\u00e4lfte des Jahres 2014 hatte etliche sehr gute musikalische Ver\u00f6ffentlichungen vorzuweisen. 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