{"id":23391,"date":"2021-07-19T16:18:57","date_gmt":"2021-07-19T14:18:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=23391"},"modified":"2021-07-19T16:18:57","modified_gmt":"2021-07-19T14:18:57","slug":"merkel-bei-den-flutopfern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=23391","title":{"rendered":"Merkel bei den Flutopfern"},"content":{"rendered":"<p>Nach den verheerenden Regenf\u00e4llen, die in Teilen von Westdeutschland zu katastrophalen Verw\u00fcstungen und vielen Todesopfern gef\u00fchrt haben, war Bundeskanzlerin Angela Merkel nun auch vor Ort. Und als ich in einem <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/merkel-besucht-unwetter-region-wir-muessen-uns-sputen-beim-kampf-gegen-den-klimawandel\/27432330.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel im <em>Tagesspiegel<\/em><\/a> gelesen habe, was sie dort sagte, ist mir dann doch schon ein bisschen die Spucke weggeblieben.<\/p>\n<p>Die Kanzlerin zeigt sich demnach ersch\u00fcttert \u00fcber das Ausma\u00df der Zerst\u00f6rungen und kommentierte dies mit folgendem Satz:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Ich w\u00fcrde fast sagen, die deutsche Sprache kennt kaum Worte f\u00fcr die Verw\u00fcstung, die angerichtet ist.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch, die deutsche Sprache kennt ein sehr treffendes Wort daf\u00fcr, und zwar: <strong>Klimakatastrophe<\/strong>.<\/p>\n<p>Das ist ja nun nicht so, dass solche furchtbaren Ereignisse einfach so vom Himmel gefallen sind oder nicht auch schon anderswo in den letzten Jahren zu beobachten waren, beispielsweise 2019 in Norditalien. Nur weil das nicht in Deutschland war, bedeutet das ja nicht, dass es bei einem globalen Ph\u00e4nomen wie dem Klimawandel dann nicht beides gleich bezeichnet werden sollte.<\/p>\n<p>Aber tats\u00e4chlich ist Angela Merkel dieser Zusammenhang wohl auch klar, dass das Ganze etwas mit dem Klimawandel zu tun haben k\u00f6nnte, denn sie meinte Folgendes:<\/p>\n<blockquote><p>Es bed\u00fcrfe einer Politik, \u201edie die Natur und das Klima mehr in Betracht zieht, als wir das in den letzten Jahren gemacht haben\u201c.\u00a0Merkel forderte auch verst\u00e4rkt Anpassungsma\u00dfnahmen. \u201eWir m\u00fcssen uns sputen, wir m\u00fcssen schneller werden beim Kampf gegen den Klimawandel\u201c, sagte sie. [&#8230;] Man m\u00fcsse sich verst\u00e4rkt um die Anpassung an den Klimawandel k\u00fcmmern \u2013 und das \u201eso schnell wie m\u00f6glich\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da f\u00fchlte ich mich doch spontan an eine Aussage von Merkel erinnert, die ich neulich auf der Facebook-Seite von Gernot Hassknecht in einem <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/ghassknecht\/posts\/329177598766629\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Video<\/a> gesehen habe:<\/p>\n<blockquote><p>Die Umweltpolitik ist eine unheimlich spannende Angelegenheit. Die Menschen sagen oft: \u201eAch, heute noch nicht. Wir f\u00fchlen zwar, dass vieles nicht in Ordnung ist, aber bitte heute daf\u00fcr noch kein Preis daf\u00fcr, noch keine Last daf\u00fcr \u00fcbernehmen.\u201c Da die \u00dcberzeugung zu machen und zu sagen: Passt auf: Wenn ihr es heute nicht macht, wird es f\u00fcr eure Kinder oder Enkelkinder doppelt oder dreifach teurer. Das finde ich schon eine sehr lohnende Aufgabe.<\/p><\/blockquote>\n<p>Woraufhin die Moderatorin Alida Gundelach fragte:<\/p>\n<blockquote><p>Ist denn Umweltpolitik nur etwas f\u00fcr gute Zeiten?<\/p><\/blockquote>\n<p>Merkels Antwort darauf:<\/p>\n<blockquote><p>Eben gerade nicht. Das Problem ist, dass die Umwelt ja nicht fragt, ob wir Hoch- oder Tiefkonjunktur haben. Das Ozonloch fragt nicht danach, ob es gerade passt, dass wir die FCKWs aus dem Verkehr ziehen. Das hei\u00dft also, wir m\u00fcssen an vielen Stellen handeln. Und das Spannende ist: Oft handeln wir gegen riesige Widerst\u00e4nde und merken erst zwei, drei, f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter, dass es sich eigentlich viel mehr gelohnt hat. Und dass die Risiken gar nicht so gro\u00df waren, wie man gedacht hat. Das immer wieder nahezubringen, wo jeder erst mal guckt: Was passiert mit mir dieses Jahr, jetzt gerade, wo wir so gro\u00dfe Arbeitslosigkeit haben? Wo viele Menschen sagen: \u201eF\u00fcr mich ist erst mal der Arbeitsplatz wichtig.\u201c Das ist ja auch richtig. Da eben zu sagen: \u201ePasst auf, Leute. Wenn wir heute nicht handeln, dann haben wir Hunger, D\u00fcrre.\u201c Wir haben ja eben \u00fcber die Welthungerhilfe gesprochen. Und dann haben wir auch ganz andere Probleme, dass Fl\u00fcchtlingsbewegungen einsetzen und so weiter. Diese Zusammenh\u00e4nge darzustellen, das halte ich f\u00fcr ganz wichtig, und deshalb ist Umweltpolitik nichts nur f\u00fcr gute Zeiten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Gegen diese Aussagen ist ja nun auch wenig zu sagen, und sie passen ja durchaus zu Merkels aktueller Forderung, dass wir schneller werden m\u00fcssen beim Kampf gegen den Klimawandel.<\/p>\n<p>Der &#8222;Haken&#8220; dabei: Angela Merkel sprach mit Alida Gundelach im Rahmen der <em>NDR Talkshow<\/em> im Jahr 1997! Also vor 24 Jahren. Und von diesen 24 Jahren war Angela Merkel 16 Jahre, also zwei Drittel der Zeit, Bundeskanzlerin.<\/p>\n<p>Da h\u00e4tte sie ja vielleicht mal was machen k\u00f6nnen, um solche Katastrophen wie nun aktuell in Westdeutschland zu verhindern, oder? Beispielsweise durch eine wirkungsvolle Klimaschutzpolitik. Stattdessen hat gerade das Bundesverfassungsgericht das sogenannte Klimaschutzpaket der Bundesregierung als vollkommen unzureichend und daher nicht verfassungsgem\u00e4\u00df bezeichnet.<\/p>\n<p>Klar, die Energiewende wurde in 16 Jahren Angela-Merkel-Regierung auch deftig ausgebremst. Und eine Verkehrswende wurde gar nicht erst angefangen. Ach ja: Ein Umbau der Landwirtschaft hin zu nachhaltiger und \u00f6kologischer Tierhaltung und Bodenbearbeitung hat&#8217;s auch nicht gegeben.<\/p>\n<p>Insofern kann ich diese Aussage von Merkel, dass wir nun schneller werden m\u00fcssten beim Kampf gegen den Klimawandel, nicht wirklich ernst nehmen, sondern verbuche das unter dem Stichwort &#8222;hohle Worth\u00fclsen&#8220;. So wie das ja auch schon 1997 der Fall war, wenn man die damalige Aussage dann n\u00e4mlich mal am darauf folgenden politischen Handeln misst.<\/p>\n<p>Was noch hinzukommt: W\u00e4hrend nun am Mittwoch ein Hilfspaket f\u00fcr diese Opfer des Klimawandels im Bundestag verabschiedet werden soll, ist es ganz interessant zu wissen, dass nach Bayern auch Nordrhein-Westfalen im Jahr 2019 die Soforthilfe f\u00fcr Hochwasseropfer abgeschafft hat. Der Grund: Das wird zu teuer, da eben immer \u00f6fter solche Starkregen- und Flutereignisse eintreten.<\/p>\n<p>So wird in einem <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/soforthilfe-unwetter-nrw-katastrophe-laschet-steuererleichterung-wahlkampf-cdu-hochwasser-90867926.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel in der <em>Frankfurter Rundschau<\/em><\/a> zu Recht die Frage gestellt, ob diese Nothilfen nun nur deshalb gew\u00e4hrt w\u00fcrden, weil gerade Bundestagswahlkampf ist und der CDU-Kanzlerkandidat sonst reichlich bl\u00f6d dast\u00fcnde &#8230;<\/p>\n<p>Zumindest sieht ein konzeptionell geschlossenes und durchdachtes Vorgehen reichlich anders aus als dieses katastrophenpopulistische Geh\u00fchner und Phrasengedresche, finde ich zumindest.<\/p>\n<p>Was ja aber auch dazu passt, dass man schon seit Jahrzehnten wei\u00df, was uns der Klimawandel bringen wird, und dass es, je l\u00e4nger man mit wirksamer Klimaschutzpolitik wartet, nur umso teurer wird. Und dennoch wurde alles, was irgendwie mit Klimaschutz zu tun hat, vonseiten der Merkel-Regierungen ausgebremst und verhindert.<\/p>\n<p>Insofern fiele mir noch ein weiteres Wort der deutschen Sprache ein, mit dem man die Verw\u00fcstungen in den Flutregionen beschreiben k\u00f6nnte: <strong>Politikversagen<\/strong>!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den verheerenden Regenf\u00e4llen, die in Teilen von Westdeutschland zu katastrophalen Verw\u00fcstungen und vielen Todesopfern gef\u00fchrt haben, war Bundeskanzlerin Angela Merkel nun auch vor Ort. 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